Big 12 Conference | Vorschau 2014/15

College-Football ist in den Rednecks, in Texas, Oklahoma und in Kansas, die ganz große Nummer, und die Big 12 Conference ist die größte regionale Conference. Sie ist nicht wirklich eine „klassische Liga“. Gegründet wurde sie erst in den 1990er Jahren als Zusammenschluss der durch zahlreiche Skandale aufgelösten Southwest Conference (mit de großen texanischen Universitäten) sowie der Big 8 Conference (mit Oklahoma, Nebraska usw.). Wirklich stabil ist die Big 12 Conference seit ihrer Gründung nicht. Zu viele Reibereien gibt es zwischen den Mannschaften mit unterschiedlichen Interessensgemeinschaften, und so wanderten in den letzten fünf Jahren mehrere Leuchttürme ab: Nebraska ging in die Big Ten, Colorado in die Pac-12, Texas A&M und Missouri wechselten in die SEC.

Was bleibt, ist eine zehn Mannschaften starke, nicht immer gleich gepolt wirkende Liga. Dabei wäre das sportliche Produkt eigentlich sehenswert: Man wirft der Big 12 zwar immer wieder vor, ihre Rankings durch inzestuöse Passfeuerwerke zu schönen, aber es sind dann doch immer jedes Jahr zwei, drei Teams dabei, die zumindest in den Sphären des National-Titles mitspielen.

2014/15 soll das nicht anders sein. Allerdings liest man immer wieder, dass die vermeintliche Ausgeglichenheit der Liga ihr zum Nachteil gereichen könnte, und ausgerechnet diese Ausgeglichenheit einen Platz im neuen College Football Playoff verwehren könnte. Der gewohnte Rückblick auf 2013 zur Einordnung – Titelverteidiger ist Baylor, aber am höchsten gerankt war 2013 Oklahoma, wohl vor allem wegen der Bowl-Season:

Übersicht Big 12 Conference 2013/14

Übersicht Big 12 Conference 2013/1420

Record = Bilanz in allen Saisonspielen
Conf. = Record in Conference-Spielen
AP-Poll = finale Platzierung im AP-Poll
SRS = Simple Ranking System 2013/14
SRS-Rank = Platzierung im SRS 2013/14

Oklahoma Sooners

Zu favorisieren sind wie so oft die Oklahoma Sooners von Head Coach Bob Stoops. Stoops ist eine der tragikomischen Trainerfiguren im heutigen Football, als ein prinzipiell sehr erfolgreicher Coach, der fast jedes Jahr mit seiner Mannschaft in Titelnähe mitspielt. Stoops gewann gleich zu Beginn seiner Amtszeit um die Jahrtausendwende einen BCS-Titel, hat sich aber seither den Ruf angelacht, immer wieder die „großen Spiele“ zu verlieren (u.a. zwei BCS-Finals und mehrere BCS-Bowls). Nun möchte man meinen, es sei schon eine Errungenschaft, immer wieder die großen Spiele zu bestreiten, aber dann versteht man nicht die Seele der Anhänger und Einwohner von Oklahoma, die nach Titeln lechzen um damit von ihrem Komplex den großen texanischen Nachbarn gegenüber abzulenken.

Erst Anfang 2014 hatte Stoops mal wieder ein echtes Erfolgserlebnis, als man Alabama in der Sugar Bowl erstaunlich klar 45-31 abfiedelte, und vor allem der bis dahin suspekte QB Trevor Knight eine große Leistung bot. Die Advanced-Stats sagen allerdings: Vorsicht. Oklahoma 2013 war nicht so gut wie sein Record. Man hatte in der starken Saison-Schlussphase einiges Turnover-Glück und war über die gesamte Saison nicht völlig stabil.

Zweifelsfrei besitzt aber die Offense immenses Potenzial. Noch ist nicht gesichert, ob der umstrittene Neuzugang WR Dorial Green-Beckham (wurde bei Missouri geschmissen) schon diesen Herbst einsatzbereit sein wird, aber selbst ohne DGB tummeln sich hier die Recruiting-Sterne.

Die Frage ist, ob Oklahoma in der Defense klickt: Die Front-Seven gilt als extrem Passrush-affin, kriegt im Laufspiel aber kaum Zugriff (nur 15% Stuff-Rate ist eines Titelkandidaten unwürdig). Der Star ist OLB Eric Striker (7 Sacks), aber in der Secondary ist man dünn besetzt und riskiert, nicht 12 Saisonspiele lang zu halten.

Baylor Bears

Die Frage ist, ob es eine Mannschaft gibt, die Oklahoma trotz aller Fragezeichen gefährlich werden kann. Zu Texas kommt ich gleich, Texas wird es aber nicht sein. Die Baylor Bears, letztes Jahr überraschender Big-12 Champion, werden oft genannt, aber kann Baylor mit seiner dünnen Personaldecke noch einmal einen solchen Sieglauf starten?

Baylor definiert sich unter dem Head Coach Art Briles über eine der krassesten Spread-Offenses in den USA: Jeder Zentimeter der am College weit auseinander stehenden Hashmarks wird hier ausgenutzt, um die Defense in die Breite zu ziehen. Und es wird brutal schnell gespielt (80-90 Offense-Spielzüge pro Spiel sind keine Seltenheit).

QB Bryce Petty, eigentlich als unbeschriebenes Blatt ans College gekommen, erweist sich als optimaler Antreiber, mit 4200yds, 32 TD bei ganzen 3 INTs. Petty wird oft als möglicher hoher QB-Pick 2014 genannt, es ist aber auch möglich, dass man ihn im heurigen Herbst als reinen „Spread-QB“ enttarnt und er gar keine NFL-Zukunft hat – schließlich hat Briles seine Offense so designt, dass jeder halbwegs entscheidungsschnelle QB viele Yards machen kann. Und von den Skill-Players hört man immer wieder, dass RB und WR die wahren Stars sind.

Ein RB Shock Lindwood machte letztes Jahr als Notnagel 6.9yds/Carry. Ein WR Antwan Goodley fing 1339yds, und dahinter gibt es eine Unzahl an Spielern zwischen 300 und 800 Yards. Die Defense der Bears wurde in den letzten Jahren dahin konzipiert, dass sie viel Hopp-oder-Topp spielt: Sie ist geschwindig, aggressiv, immer auf die Interception aus, mit dem Hintergedanken: Weil unsere Offense acht von zehn Drives mit Touchdowns abschließt, reichen uns drei oder vier Stopps pro Spiel zum Sieg.

Baylor hat Potenzial; der größte Knackpunkt ist der Umgang mit Verletzungen: Es fehlt einfach die Tiefe hinter der Starting-Eleven in Offense und Defense. Und ob die Defense ihren Level von 2014 halten kann? Da würde keiner seine Hand für ins Feuer legen.

Oklahoma State Cowboys

Können die Oklahoma State Cowboys was ausrichten? Auch hier gilt: Ein Coach hat diesen langjährigen Sleeper geweckt – Mike Gundy, wie Briles ein Offensivgenie. Wie Gundy jedes Jahr aus neuen Quarterbacks wie selbstverständlich 3500 Passyards und eine Sack-Ratio von weniger als 2.5% herauswringt, versteht kein Pundit.

Vielleicht haben wir einen Ansatz: Letztes Jahr zum Beispiel verließ der OffCoord die Uni, und Gundy durchforstete sämtliche auffindbaren Statistik-Tabellen aller verfügbaren Colleges und Highschools, und stellte den völlig unbekannten Mike Yurcich als seinen neuen Offense-Master ein.

Yurcichs Angriff hatte einen recht harzigen Einstand, zeigte sich dann dem Vernehmen nach aber als verflucht adaptiv, und spätestens ab Saisonmitte funktionierten Pass- und Laufspiel wieder wie eh und je. Nun sind erneut etliche Leistungsträger gegangen. Man hofft auf den Gundy-Effekt: Immer, wenn man Mike Gundys Teams am absteigenden Ast sieht, schlägt der Mann zurück. So auch 2014?

Kansas State Wildcats

Dritter gefährlicher Konkurrent für Oklahoma soll dem Vernehmen nach ein alter Bekannter sein: Der inoffizielle Coach des Jahrhunderts, Bill Snyder, mit seinen Kansas State Wildcats. Die haben zuletzt vor zwei Jahren die Conference gewonnen, und waren letztes Jahr mit einer 8-5 Bilanz extremst unter Wert geschlagen: Man verlor nur knapp gegen North Dakota State, ein Team aus der FCS, dem man aber nachsagt, qualitativ von den Top-25 in der FBS nicht weit entfernt zu sein. Alle weiteren Niederlagen waren umkämpfte Auswärtsspiele gegen die Top-4 der Big 12 – und das alles mit einer komplett unerfahrenen Mannschaften, der fast alle Leistungsträger abhandengekommen waren.

K-State spielt mittlerweile eine recht heftige Spread-Offense. QB Waters ist einer der laufstärksten QBs im Lande, und der monumentale WR-Zwerg Tyler Lockett (1262yds) sollte der Motor hinter dem Passspiel sein. Lockett gilt mit seinen geschätzten 1.70m als #1, #2 und #3-Receiver der Wildcats. Er gilt als fangsicher (72% Catch-Rate) und deep threat (15.6yds/Catch). Besser geht nicht.

Texas Longhorns

Als komplettes dark horse gehen die oben schon einmal angesprochenen Texas Longhorns ins Rennen. Man muss es für Neulinge des College-Football noch einmal betonen: Texas ist wohl die Uni, die im ganzen Land am besten für Erfolg aufgestellt ist: Die beste Location mitten im Herzen vom Highschoolparadies Texas in der Hauptstadt Austin, die größten finanziellen Ressourcen, der größte Trainerstab, eine riesige Schar an Fans. Aber Texas ist auch tausend Interessensgruppen, die unter ein Dach gebracht werden müssen. Und Texas hat in seiner langen Geschichte nur zwei Landesmeistertitel geholt.

Nach einer erneut enttäuschend verlaufenen 2013er-Saison hat man den als Star-Politiker angesehenen Mack Brown, einen der erfolgreichsten Coaches der Unigeschichte, ganz sanft in den Ruhestand gedrängt. Der Nachfolger ist ein überraschender: Charlie Strong, der aus Louisville kommt. Strong ist ein Schwarzer, gilt zwar als harter Hund, aber auf zuletzt ist er das, was man player’s coach nennt. Und er soll ein guter Recruiter sein.

Er übernimmt allerdings in einer suboptimalen Situation. Texas war letztes Jahr 8-5 nach Siegen. Texas wurde mehrmals willenlos abgeschossen. Texas konnte nur gegen den Bodensatz wirklich sicher gewinnen. In der Offense gibt es viele Fragezeichen um das wandelnde Verletzungsrisiko QB David Ash, ein brauchbarer QB, wenn er fit ist – allein: Das ist er praktisch nie. So wurden dem Vernehmen nach im Trainingslager schon die ersten Tight Ends zum QB umgeschult.

Der Kern der Offense besteht aus lauter mit viel Krawall rekrutierten Supertalenten, wobei anzumerken bleibt, dass in den letzten Jahren die Leisetreter im Kader die effizienteren Spieler waren als die großen Superathleten. Das gilt für die Offense und für die Defense. Strong hat hier vermutlich einen relativ weiten Weg zu gehen, um das ganz nahe an die Wand gefahrene Texas zurechtzubiegen. Es wird wohl länger als ein Jahr dauern.

TCU Horned Frogs

Die TCU Horned Frogs waren zwischen zirka 2005 und 2011 eine der ganz großen Geschichten des College-Football: Unter Head Coach Gary Patterson vollzog man den Sprung vom gefürchteten Mid-Major (u.a. schloss man 2010/11 als #2 in den Polls ab) zum Wechsel in die Big 12 Conference. Man ist eine Uni mit eher limitierten Ressourcen, auch wenn man im Großraum Dallas eigentlich nicht schlecht positioniert wäre: Die meisten Leute dort sind leider Texas-Fans, und die besten Athleten aus der Gegend wollen allesamt für Texas spielen.

Patterson ist das eher wurscht. Sein Markenzeichen ist die fantastische Hochgeschwindigkeitsdefense im 4-2-5 Format, die allein TCU schon zum Augenschmaus macht. Von den absoluten Zahlen ist TCU natürlich nie unter den besten Defenses in der FBS, aber wie auch in einer Conference, in der eher 70-63 als 20-14 gespielt wird? Haben wir aber erstmal die Stats an die Feuerkraft des Schedules adjustiert, ist TCUs Abwehr Stammgast in den Top-10.

Patterson sollte man aber nicht bloß als Defensiv-Guru hinstellen. Er steckt ähnlich wie ein Chris Petersen in Boise State seit vielen Jahren einen endlosen Schwund an Coordinator-Abgängen weg, mit relativ gleichbleibendem Erfolg. A bissl schwächer als in der Vergangenheit ist man mittlerweile schon, aber auch Freiburg kann mit seinen Ressourcen nur punktuell in die Europaleague, und nicht jedes Jahr Fünfter werden.

TCU war 2013 „nur“ 4-8 nach Siegen, aber Achtung: Man war 1-4 in engen Spielen (alle vier Pleiten mit drei Punkten oder weniger), man war gegen LSU zum Season-Opener lange Zeit ebenbürtig (verlor schließlich 27-37), man würgte Texas Tech in einer unglücklichen 10-20 Pleite komplett ab.

Patterson will diesen Herbst seine Offense umstellen, mehr Richtung Spread gehen.

Als QB für diesen Herbst holte er sich den Backup von Johnny Manziel, Matt Joeckel, von Texas A&M, der ein Jahr lang starten kann (Joeckel ist Senior und hat seinen Abschluss bereits gemacht). Der bisherigen QB Trevor Boykin wird zum Receiver degradiert (was er schon in der Vergangenheit machte). Dazu soll das Recruiting, das schon in den letzten Jahren für die Offense intensiviert wurde, nun endlich auch die notwendige Kadertiefe in der Offense bringen.

Die Abwehr wird auch ohne den wohl suspendierten Super-DE Devonte Fields passen. Patterson lässt mit genau den vier Line-Spielern Passrush machen; er lässt mit genau zwei Linebackers den Lauf stoppen. Und er lässt mit fünf Defensive Backs die Spread-Offense verteidigen. Er holt sich seit vielen Jahren genau die Athleten, die er für diese sehr speziellen Aufgaben braucht. Es sind fast alles Spieler, die bei Texas oder Oklahoma für zu leicht befunden werden. Manche von ihnen, wie den Arizona-Linebacker Daryl Washington, brachte er sogar ganz groß heraus.

Die Zöglinge

Hinter TCU gibt es einen recht klaren Leistungsabfall. Die Texas Tech Red Raiders aus dem Westen von Texas galten letztes Jahr unter dem neuen, auf dem Campus enorm beliebten Headcoach Kliff Kingsbury als heißer wie Frittenfett mit ihrem 7-0 Start, aber als die ernsthaften Teams anmarschierten, verlor man fünfmal en suite und schloss letztlich etwas ernüchternd mit 8-5 ab. Positiv: Die an der Texas Tech University berühmt gewordene Air Raid-Offense (Kingsbury war einst ihr markantester QB) fabrizierte wieder über 5000 Pass-Yards in 13 Spielen. Aufgrund suspekter Defense und einigen Abgängen im Kader traut man Tech diesmal nicht so recht über den Weg.

Bei den West Virginia Mountaineers sieht man Headcoach Dana Holgorsen mittlerweile mit schiefen Augen an. Holgorsen gilt als Offensiv-Genie, aber die letzten Jahre brachten dann doch recht massiven Einbrüche. Letztes Jahr war man 4-8 nach Siegen, und zwei von den vier Siegen waren knappe Zufallsdinger. Man wurde teilweise willenlos abgeschlachtet: Das banale Maryland gewann 37-0, Baylor legte 73 Punkte über WVU, sogar Iowa State brachte 52 Punkte zustande.

Auch Holgorsens Offense krankte: Ein Jahr nach dem Abgang von QB Geno Smith und den WRs Tavon Austin/Stedman Bailey ging teilweise nix. Eine Kurzpassoffense wie jene von Holgorsen sollte bedeutend höhere Completions-Rate als 55% zustande bringen. 2014 wird ein letzter Test für Holgorsen. Wird es nicht deutlich besser, gibt es im Winter einen Trainerwechsel.

Die Iowa State Cyclones von Headcoach Paul Rhodes waren sogar nur 3-9, aber hatten mit 1-5 in engen Spielen auch einiges Pech. Iowa State verzweifelt daran trotzdem nicht: Man weiß um seine limitierten Ressourcen und ist schon zufrieden, wenn man alle zwei, drei Jahre ein wettbewerbsfähiges Team auf die Beine stellt. Und so weit ist man von einer Bowl-Season nicht entfernt.

Da geht es den Kansas Jayhawks schon schlechter. Kansas ist schon viel eher ans Gewinnen gewöhnt, und in Charlie Weis hat man auch einen gewichtigen (nicht nur im bildlichen Sinne) Head Coach geholt – allein: Die Talfahrt nahm auch 2013 kein Ende: 3-9 Siege, und das war eine eher glückliche Bilanz. Weis, früher ein Vertreter von „Pro-Style“ Offense mit Zillionen Kurzpässen, reagierte und installierte in John Reagan einen OffCoord, dessen Verkaufsschlager ein Playbook mit viel Run-Spread und endlosen Reads und Options ist. Man sagt dem Spielerpersonal bei Kansas da durchaus Kompatibilität nach – also sollte 2014/15 ein deutlicher Schritt nach vorn werden, will Charlie Weis seinen Job behalten.

2 Kommentare zu “Big 12 Conference | Vorschau 2014/15

  1. Pingback: Big 12 Conference | 2015/16 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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