Southeastern Conference | Vorschau 2014/15

Die Southeastern Conference (SEC) gilt seit gut einem Jahrzehnt als Königsklasse im College-Football, auch wenn sie in der letzten Saison nach sieben Jahren Regentschaft erstmals nicht den Landesmeister stellte. Am Selbstverständnis der Menschen wird sich deshalb aber fürs erste wenig ändern: Die SEC ist die Liga, in der der schnellste College-Football gespielt wird, in der die meisten Zuschauer ins Stadion strömen, und wo die Folklore gelebt wird wie nirgendwo sonst. College-Football ist in der Region im US-Südosten Ersatzreligion und ein Medium, die Komplexe gegenüber den urbaneren Regionen im Norden zu bewältigen.

Zu Beginn der gewohnte Rundumblick zur besseren Einordnung der einzelnen Mannschaften: Auburn ist der Titelverteidiger, Auburn spielte im BCS-Endspiel, aber auch wenn Alabama in den offiziellen Polls nur als viertbeste SEC-Mannschaft gerankt war, nach SRS stellten sie wenig überraschend die potenteste Mannschaft.

Blick auf die Saison 2013/14 in der Southeastern Conference

Blick auf die Saison 2013/14 in der Southeastern Conference

Record = Bilanz in allen Saisonspielen
Conf. = Record in Conference-Spielen
AP-Poll = finale Platzierung im AP-Poll
SRS = Simple Ranking System 2013/14
SRS-Rank = Platzierung im SRS 2013/14

SEC West

Bryant-Denny Stadium von Tuscaloosa - ©Latics/Wikipedia

Das Bryant-Denny Stadium von Tuscaloosa als Heimat der aktuell dominierenden Dynastie im College-Football: Alabama

Alabama Crimson Tide

Die SEC West ist die härteste Division im NCAA-Football, und auch die dominierende Mannschaft dieser Zeit ist hier zuhause, die Alabama Crimson Tide. Alabama versprüht unter dem Head Coach Nick Saban den Charme von feuchtem Toastbrot, aber niemand bestreitet die sportliche Klasse dieses Programms, das 2009, 2011 und 2012 drei National-Titles abstaubte und letztes Jahr nur durch das verrückteste Spiel seit langem einer weiteren Finalteilnahme „beraubt“ wurde – ausgerechnet vom größten Rivalen, dem Staatsfeind Auburn.

Alabama lebt im Herzen des Bible-Belt vor allem vom Recruiting: Saban lockt Jahr für Jahr die besten Athleten in seine Mannschaft. Spieltaktisch veranstaltet er keine Zauberdinge und besonders elegant sieht es auch nie aus, aber es ist schnörkellos, fehlerfrei und direkt.

Nach dem Abgang von A.J. McCarron muss ein neuer Quarterback integriert werden. Das Rennen scheint sich zwischen Blake Sims und Jacob Coker zu entscheiden, die beide kaum Erfahrung aufweisen können. Quarterbacks sind im Saban’schen Weltbild allerdings vernachlässigbare Figuren, solange Runningbacks, Offense Line und Defense funktionieren wie gewünscht.

Und dort ist überall Talent: RB Yeldon macht 6.0yds/Carry und hat, wenn überhaupt, eine einzige Schwäche: Er fumbelt ganz gern mal einmal öfter als erlaubt. Wie Yeldon ist auch der Top-WR Amari Cooper ein künftiges NFL-Prospect, ein pfeilschneller Mann. In der Offense Line verliert man fast jedes Jahr einen Topmann an den NFL-Draft (zuletzt LT Kouandjio), und trotzdem ist das stets eine Wand.

Gespannt bin ich auf die Defense: Sie ist ein kaum zu bezwingendes Monster gegen Laufspiel, fabriziert aber in Ermangelung von hervorragenden Individualisten im Passrush weniger Sacks als man annehmen würde. DE A’shawn Robinson war letztes Jahr mit 5.5 Sacks der gefährlichste Mann. Robinson ist überhaupt eine furchteinflößende Gestalt, die wir, erraten, bald in der NFL wiedersehen werden.

So oder so ist anzunehmen, dass Alabama wieder den besten, tiefsten Kader in der SEC hat. Der Schedule ist für eine SEC-Uni auch machbar (schwerstes Spiel ist @LSU, Auburn kriegt man daheim), und beim Ruf der SEC kannst du dir auch einen Ausrutscher erlauben um ins College-Football Playoff zu kommen. Alabama wird sehr wahrscheinlich dort mit dabei sein.

Auburn Tigers

Diese Auburn Tigers werden sich schwer tun, die unbestritten überragende Geschichte des letzten Herbstes fortzuschreiben: Gestartet als krasser Außenseiter, nur um am Ende 13 Sekunden vom Landesmeistertitel entfernt knapp zu scheitern. Auburn spielte die spektakulärsten Spiele des letzten Herbstes. Auburn begeisterte selbst kritische Begutachter (die Uni steht immer wieder im Mittelpunkt von Ermittlungen wegen unlauterer Geschäftspraktiken).

Auburn ist unter dem Head Coach Gus Malzahn eine Orgie an Laufspieloptionen in der Spread-Option, und allein QB Nick Marshall ist mehr als zwei Handvoll davon. Marshall wurde erst letzten Sommer in einer Notfallaktion vom Defensive Back zum QB umgeschult, und er groovte sich mit zunehmendem Saisonverlauf in eine Schlüsselrolle, ist als Werfer (142/239 für 1976yds, 14 TD, 6 INT) wie als Läufer (1193yds, 12 TD) gleichermaßen gefährlich, und könnte sogar eine Außenseiterchance auf einen guten Draftpick 2015 sein.

Der zweite Schlüsselspieler der Offense ist allerdings mittlerweile Profi: RB Tre Mason. Aber Auburn wird solange erfolgreich laufen, solange Malzahn die Plays ansagt (also noch lange). Einzige echte Schwäche der Offense waren letztes Jahr die vielen Sacks, die Marshall kassierte. Heuer sollte man im Vergleich reifer sein, aber man verliert in OT Greg Robinson den wichtigsten Vorblocker. Die Defense bleibt der schwächere Mannschaftsteil: Man ist unter DefCoord Ellis Johnson ein Monster in 3rd-und-lang Momenten, hat aber Probleme gegen ausbalancierte Offenses.

Auburn kann dieses Jahr eine insgesamt bessere Mannschaft als letztes Jahr stellen und trotzdem keine 12 Saisonsiege mehr holen. Du wirst nicht nochmal solche Freak-Dinger wie Georgia oder Alabama kriegen. Auburn kriegt drei seiner schwersten Gegner zuhause, muss aber @Alabama und @Georgia auswärts ran.

Louisiana State Tigers

Louisiana States Kultcoach Les Miles

Louisiana States Kultcoach Les Miles

Die Louisiana State Tigers vom ulkigen Headcoach Les Miles gelten immer noch als heimliche Nummer 2 der Division. Man ist nach der verheerenden BCS-Endspielpleite vor zweieinhalb Jahren zwar etwas von der Bildfläche verschwunden, aber mehr als zwei, drei Spiele pro Jahr verliert dieser Gigant auch nur selten.

Man ist eine für gewöhnlich sehr lauflastige Offense, und das wird diese Saison nach den Abgängen von QB Mettenberger, WR Landry und WR Beckham nur verstärkt werden. Es gibt auf Runningback dann auch schon einen jungen Freshman, an den die bescheidene Erwartung gehegt wird, dass er der beste Runningback aller Zeiten wird: Leonard Fournette. Den Namen bitte merken. Im Worst-Case wird er zur größten Enttäuschung seit Jamarcus Russell gejazzt werden.

Die Defense gilt als noch jünger und unerfahrener als die Offense. Da aber LSU mit die meiste Defense-Brainpower im College-Football mitbringt, da LSU selbst gegen die besten Spread-Offenses die letzten Jahre selten Probleme hatte (im Gegensatz zu, sagen wir, Alabama), wird LSU trotzdem vorne mitspielen. Ein Eingreifen in den nationalen Meisterschaftskampf dürfte zu früh kommen, aber man könnte reif genug sein, um für genug Aufsehen zu sorgen und nächstes Jahr dann als Topfavorit anzutreten.

Texas A&M Aggies

Die Texas A&M Aggies müssen sich im Alltag „nach Manziel“ erstmal zurechtfinden. Wer nicht weiß wie die Aggies bis vor zwei Jahren wahrgenommen wurden, tut sich schwer zu überreißen, was Johnny Football mit diesem Footballprogramm, mit dieser Uni, angestellt hat. Head Coach Kevin Sumlin hat die schwierige Aufgabe, das Team nach den Abgängen von Manziel und mehr als einer Handvoll weiterer Stars (OT Joeckel, OT Matthews, WR Evans waren alle Top-10 Picks) auf Kurs zu halten.

Die Ressourcen sind freilich da: Man in Texas nahe Houston daheim. Man hat sein großartiges Stadion gerade im Ausbau auf sechsstellige Zuschauerzahlen. Und man hat noch immer eine Mannschaft voller großartiger Athleten: Manziels Nachfolger wird entweder QB Kenny Hill oder QB Kyle Allen sein – und beide wurden vom halben Land gejagt. Bei den Runningbacks warten mit Trey Williams und Brandon Williams (beide über 6.0yds/Carry) zwei 5-Star Recruits auf ihren überfälligen Durchbruch. Allein die Receiver sind etwas dünn besetzt, aber mit Sumlins meisterhaftem PlayCalling geht man davon aus, dass A&M zumindest im Angriff die Ketten bewegen kann.

Die Frage ist, was die Defense kann: Alle Starting-Linebacker sind weg, und die Line kann nicht wieder 53% der Carrys im Backfield kaputt machen; zudem: In den 47%, in denen die Carrys aus dem Backfield gelangten, wurde A&M brutalst überlaufen. Sacks waren sowieso nonexistent, und so kassierte A&M schon letztes Jahr regelmäßig an die 30 und mehr Gegenpunkte. Könnte also ein schwieriges Jahr werden.

Die Außenseiter im Westen

Von den beiden Mannschaften aus Mississippi erwartet man jeweils aufsteigende Tendenz. Die Ole Miss Rebels gelten seit zwei Jahren als ganz heiße Ware, seit Hugh Freeze die Verantwortung über den sportlichen Bereich übernommen hat und eine unglaubliche Recruiting-Klasse nach der anderen einfährt. Die ganzen Supertalente sollten dieses Jahr zum ersten Mal auch ein bissl Erfahrung besitzen; gut möglich, dass man mit einer erneuten 8-5 Saison (die ja aller Ehren wert wäre) sogar unzufrieden wäre.

Offensiv ist der Schlüsselspieler der unbeständige QB Bo Wallace (über 3000 Passyards, aber zu viele Fehler), defensiv erwartet man Wunderdinge vom DE Robert Nkemediche, auf dem viel Druck lastet: Er ist der Leader einer Defensive Line, die in einer 4-2-5 Defense ohne Blitzes quasi im Alleigang den Passrush besorgen muss.

Die Mississippi State Bulldogs von Dan Mullen gelten nach einem positiv verlaufenen Jahr 2013 mit einem Mal auch wieder als gefährlicher Außenseiter. Man ist eine oft übersehene Mannschaft. Letztes Jahr schloss man mit 7-6 und einem Kantersieg in der Bowl-Season ab. Die Wettbüros sehen eine gute Zeit für die Bulldogs kommen, aber Vorsicht: Man war zuletzt 4-1 in engen Spielen. Man hatte Turnoverglück. Und man hatte gegen Top-25 Teams keine Chance. Sieht so ein dark horse aus?

Großer Außenseiter bleiben die Arkansas Razorbacks („Hogs“). Seit der unehrenhaften Entlassung vom verhassten, aber erfolgreichen Bobby Petrino als Coach ging es innerhalb kürzester Zeit steil nach unten. Seit 18 Monaten ist mit Bret Bielema wieder ein Headcoach von Format an der Front, aber Bielema hat noch Eingewöhnungsprobleme: Letztes Jahr verlor man nach 3-0 Start alle weiteren neun Spiele, teilweise klipp und klar. Hoffnung schöpft man einzig aus einer starken Saison-Schlussphase. Man kämpft auch noch mit der Umstellung von der Zeit unter dem passgewaltigen Petrino auf Bielemas Lauf/Lauf/Pass-Offense, in der die QBs keine 50% der Pässe an den Mann bringen.

SEC East

Neyland Stadium der University of Tennessee

Neyland Stadium der University of Tennessee

Tennessee Volunteers

Die Paralleldivision SEC East kann dem Westen in Spitze und Breite nicht ganz das Wasser reichen. Das liegt auch daran, dass eine der Big-3, die Tennessee Volunteers, seit Jahren schwächeln. Tennessee ist eigentlich ein berühmtes Programm mit einem ikonischen Heimstadion („Neyland“) mit regelmäßig sechsstelliger Kulisse, durchlebt aber eine echte Schwächephase. Hoffnung kehrt bei den Vols nun wieder mit dem neuen Headcoach Butch Jones ein, dessen erste Ergebnisse im Recruiting vielversprechend sein sollen.

Jones und OffCoord Mike Bajakian haben eine trockene, pragmatische Offense eingeführt, die aus dem vorhandenen Spielermaterial das Maximum herausholt. 2013 reichte das aufgrund eklatanter Mängel im Kader nur zu einem 5-7 was Siege angeht, aber es gibt Hoffnung: Bei den QBs hat man mit Worley und Petermann zwei potenzielle Starter, und in der Defense kann man um den künftigen Profi ILB A.J. Johnson (setzt 13% der Tackles) herum langsam an einer gescheiten Defense basteln.

Die Mauerblümchen

Der große historische Rivale der Vols, die Kentucky Wildcats, war nie ein echter Player, ist nach einer 2-10 Saison mit vielen Debakeln aber noch weiter von der Relevanz entfernt. Coach Mark Stoops gilt als exzellenter Recruiter, aber es wird Jahre dauern, bis man den Anschluss wiederhergestellt haben wird.

Sowas wie der „Lokalrivale“ für Tennessee sind die Vanderbilt Commodores aus Nashville: Vandy ist eine komische Elite-Privatschule, für die sich nie jemand interessiert hat, bis der glatzköpfige Headcoach James Franklin vor ein paar Jahren anheuerte und die Uni nach oben führte. Franklin machte im Winter den nächsten Karrieresprung und ging zu Penn State, und er hinterlässt ein Programm vor einer ungewissen Zukunft: Sind seine Implementierungen dauerhaft oder waren sie nur ein personenbezogenes, kurzes Aufflackern?

Noch ein schwieriges Kriterium für den neuen Coach Derek Mason: Vandy war zuletzt 9-4, aber es war ein eher glückliches 9-4, begünstigt von einem vergleichsweise einfachen Schedule und vielen Turnovers. Allein natürliche Regression wird einige Siege kosten. Zusätzliche Schwierigkeit kommt in den Laden, weil die einzigen Quarterbacks mit etwas Erfahrung die Uni verlassen haben. Immerhin kennt Mason, weil er direkt von Stanford kommt, die Anforderungen eines Footballprogramms an einer Elite-Uni.

Missouri Tigers

Bleiben die sportlichen Kaliber. Die Missouri Tigers gelten nach ihrer Traumsaison 2013/14, die ins SEC-Finale und zum finalen #5-Ranking reichte, als Außenseiter. Es gibt etliche wichtige Spielerabgänge, vom Quarterback über die drei besten Wide Receiver hin zu den zwei besten Verteidigern. Und es gibt die Advanced-Stats, die Missouri nicht als legitimes Top-Team 2013 ansahen – zumindest nicht ganz. Bei genauerer Betrachtung macht das auch Sinn: Einige der wichtigsten Siege kamen gegen verletzungsgeplagte Gegner zustande.

Head Coach Gary Pinkel dürfte es wenig jucken. Er hat schon gewonnen: Er hat die bis dato eher als graue Maus wahrgenommene University of Missouri mal wieder ganz weit nach oben geführt und seinen Job weiter zementiert. Sein neuestes Versprechen ist QB Maty Mauk, schon letztes Jahr in einigen Einsätzen effizienter als der mittlerweile gegangene Stamm-QB Franklin (zwar nur 52% Completion Rate, aber 7.5yds/Pass und nur 3.5% Sacks). Mauk ist ein Typ Playmaker, aber noch keiner, der die Geduld hat, die kurzen Raumgewinne für zwischendurch zu nehmen – das muss sich bessern, oder Mizzou wird unweigerlich früher oder später auf die Fresse fliegen.

Bei den Receivern hat man eine Handvoll interessanter Spieler, aber der beste von allen ist mittlerweile weg: Dorial Green-Beckham, einstiger gehypter Super-Highschooler, wurde wegen x-tem Drogenvergehen geschmissen und heuerte bei Oklahoma an. Bei den Runningbacks gibt es ebenso neue Gesichter, aber sie haben den Vorteil einer bockstarken Offensive Line.

Problematischer ist die Defense, wo mit DE Kony Ealy und DE Michael Sam die beiden wichtigsten Passrusher gegangen sind. Ein lauerer Passrush gepaart mit einem grünen Defensive Backfield? Riecht nach einigen harzigen Angelegenheiten für Mizzou. Hier müssen alle Würfel günstig fallen, will man nochmal einen solchen Coup wie 2013 landen.

Florida Gators

Die Florida Gators sind vielleicht neben der University of Texas das Programm mit dem meisten Potenzial – Fans, Highschool-Talente, Umsatz, Conference – aber die letzten Jahre krebst dieses Programm unverständlich tief am Bodensatz herum. Vor zwei Jahren hatte man einen Ausreißer nach oben, der letztes Jahr mit einem noch krasseren Ausreißer nach unten „korrigiert“ wurde. Head Coach Will Muschamp sitzt deswegen auf einem Stuhl mit bereits mehr als zwei angesägten Füßen.

Hauptkritikpunkt ist die ästhetisch wie ergebnismäßig verheerende Offense, die schlimmste Marty-Ball Zeiten wie feuchte Träume aussehen lässt: Muschamp würde am liebsten nur laufen lassen (72% Laufspielzüge in 1st Downs und 2nd Downs), was spätestens dann nicht funktioniert, wenn die Offensive Line nicht total dominiert oder wenn es so gar keine Entlastung durch einen möglicherweise laufstarken Quarterback gibt. OffCoord Brent Pease (ex-Boise State) wurde entlassen, der Neue ist Kurt Roper, der auf dem Papier für ausgeglichenere Offense steht. Bloß: Das stand Pease auch, aber der hatte gegen das siebzig Zoll breite Ego Muschamps nichts zu melden.

Punkt ist: Es gäbe durchaus aufregende Offensivkräfte wie den RB Matt Jones oder den WR Quinton Dunbar, die wir irgendwann in der NFL wiedersehen werden. QB Jeff Driskel wird nach überstandener Verletzung zurückkehren und dürfte eine gute Chance auf den Starter-Posten haben. Positiv: Damit muss kein QB Murphy mehr ran, der 11% Sacks kassierte.

Die Defense von Florida ist eh kein großes Problem. Die Front-Seven hat in DT Dante Fowler und DT Jon Bullard zwei nicht allzu fette, dafür sehr wendige Tackles gegen den Lauf. Kopfschmerzen bereitet allenfalls der oft etwas laue Passrush; Muschamp ist kein Freund, hopp-oder-topp zu spielen und zu viele Blitzes aus der zweiten Reihe zu schicken, nur muss in solchen Fällen von der Defense Line mehr Druck kommen. Potenziell überragend ist man in der Secondary besetzt, mit u.a. dem neuesten Super-Prospect CB Vernon Hargreaves III.

South Carolina Gamecocks

Steve Spurrier (Bildmitte)

Steve Spurrier (Bildmitte)

Von Florida zur Uni, an der die Florida-Legende Steve Spurrier mittlerweile coacht: South Carolina. Die Gamecocks schlossen letzte Saison an #4 in den AP-Polls ab und gelten mal wieder als heißer Außenseitertipp. South Carolina ist schon wegen der kecken Sprüche Spurriers immer ein Ohr wert, aber man nimmt diese Jungs oft doch nicht so ernst: Starpower ist abseits des Coaches nimmer viel vorhanden (DE Clowney und RB Lattimore sind mittlerweile ja Profis), und dann ist da immer noch dieses – verdiente oder nicht verdiente? – Image der lieblichen Loser, die die wichtigen Spiele dann eben doch abschenken.

Der Kader ist trotz einiger Abgänge wie Clowney oder QB Shaw extrem breit aufgestellt, und man sagt, dass die ersten beiden Anzüge bei wenigen anderen Mannschaften so ähnlich gut spielen würden wie bei den Cocks.

Offense-Leader muss der quicke RB Mike Davis (203 Carries, 1183yds, 11 TD) sein, der Mann mit den vielen langen Runs. Bei den Quarterbacks gibt es gewiss Fragezeichen: Connor Shaw ist weg. Shaw war der glatzköpfige Krieger, der selten bei vollen Kräften spielen konnte, weil zu oft niedergeschlagen. Shaw fabrizierte letztes Jahr eine absurde INT-Rate von 1/284 (0.3%!), die kein Mensch der Welt wird halten können. Sein temporärer Ersatzmann letztes Jahr war Dylan Thompson, der im Vergleich zu Shaw mehr Yards/Versuch machte, weniger Sacks kassierte (3.3%), aber halt auch nur 58% Completion-Rate zustande brachte. Der hoch veranlagte Freshman-QB Connor Mitch soll derweil ein Lernjahr einlegen.

Wie wird die Defense auf Clowneys Abgang reagieren? Clowney war der Mann, von dem sämtliche Offenses ihren GamePlan weg designten, bis zum Punkt, dass viele Pseudoexperten Clowney im Draft-Vorfeld dies zum Vorwurf machen wollten. Trotz verlorenem Superstar soll die Tiefe im Kader heuer viel besser sein als letztes Jahr. Das alles, und die Advanced-Stats, machen South Carolina zu einem Sleeper-Pick.

Georgia Bulldogs

South Carolinas größte Konkurrenz im Kampf um die SEC-East Krone sollten die Georgia Bulldogs sein, letztes Jahr verletzungsgebeutelt mit 8-5 Siegen schwer unterbewertet (allerdings 4-4 in engen Spielen). Head Coach Mark Richt hat dort im Winter reagiert und den extrem heißen DefCoord vom Landesmeister Florida State, Jeremy Pruitt, abgeworben: Pruitt ist bekannt für seine wohl getimten Blitzes aus der zweiten Reihe, und er soll eine zuletzt nur noch durchschnittliche Abwehr um Leute wie DE Drew oder OLB Floyd wieder auf Vordermann bringen.

Der Coordinator der „anderen“ Unit ist uns schon als verkanntes Genie bekannt: Mike Bobo, der beste Playcaller im Lande. Bobo ist in seiner eigenen Fanbase umstritten, weil er im Herzen der SEC relativ passfreudig zu sein pflegt (nur 55% Läufe in 1st-Downs und 2nd-Downs) – daran geilt man sich auf, wenn Georgia Seriensiege hinlegt, aber bei der ersten Niederlage kriechen im erzkonservativen Süden sämtliche Kritiker aus ihren Löchern („Ich habs doch immer schon gewusst…“).

Heuer könnte verstärkter Fokus auf die Bodenwaffen aber tatsächlich ein guter Rat sein: Die Offense Line gilt als extrem erfahren und gehört zu den mächtigsten an der Anspiellinie. Das RB-Duo besteht aus zwei angehenden NFL-Stars: Todd Gurley (6.0yds/Carry) und Keith Marshall (4.4yds/Carry), die letztes Jahr beide signifikante Spielzeit im Krankenstand verpassten, nun aber wieder fit sind. Vor allem Gurley ist eine Granate: 225 Pfund schwer und ein Antritt vor dem Herrn. Einziger Kritikpunkt an Gurley ist sein Laufstil, der zu oft drauf vertraut, den Gegner zu überlaufen (Verletzungsgefahr…) anstelle – wie er es auch drauf hätte – ihn zu umlaufen.

Im Passspiel kam der erfolgreichste Werfer der Universitätsgeschichte, QB Aaron Murray, abhanden, und es gibt einige Fragezeichen an seinem Nachfolger Hutson Mason, der in seinen Kurzeinsätzen letztes Jahr nicht überzeugen konnte (u.a. nur 61% Completion-Rate, 6.8% Sacks). Mason kann immerhin auf eine höllische WR-Crew um Malcolm Mitchell (verpasste 2012 komplett), Chris Conley und Michael Bennett vertrauen, die alle problemlos 700-1000yds fangen können – in Summe sieht das schon ganz gut aus.

Georgia ist mit dieser Ausschreibung aber… Georgia. Wie immer, Potenzial gigantisch, aber viele Fragezeichen. Der Saisonstart ist mit Clemson und South Carolina wie gewohnt heftig, aber wenn man sauber drüberkommt, ist bis zum Sturm in die Playoffs nichts auszuschließen.

3 Kommentare zu “Southeastern Conference | Vorschau 2014/15

  1. Ich bin sehr auf Ole Miss gespannt und denke, sie können einiges reißen. Mal sehen, wie sie sich am Donenrstag gegen Boise schlagen.

  2. Mal sehen, was der Stuttgarter Jung‘ Jakob Johnson (nach Wechsel von LB auf DE und wieder zurück) bei den Vols in seiner ersten Saison leisten kann/darf.

  3. ich hoffe auf die ducks hätten es nach vielen verpassten bowl games verdient den College Titel zu holen.

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