Die furchtlose NFL-Vorschau 2014/15 | Die Aufstrebenden

Referenzen

Zweiter Teil der großen Vorschau auf die NFL-Vorschau 2014/15 mit den Mannschaften, die man irgendwo im unteren Mittelfeld bzw. knapp außerhalb der Playoffs erwarten kann. Es sind Mannschaften, die man für gut genug halten kann um nicht zwingend in Nähe des Top-Picks abzurutschen, die aber durch Schedule oder zu wenig Qualität im Kader nicht unbedingt als logische Playoffkandidaten anzusehen sind.

Arizona Cardinals

Die Arizona Cardinals darf man getrost als positive Erscheinung der letzten Saison bezeichnen: Eine ehrenwerte 10-6 Bilanz in der „Todesgruppe“ NFC West, und nur knappes Verpassen der Playoffs. Die Offseason war zwar hinsichtlich Quarterback-Situation (Carson Palmer ist 34) eine verpasste Chance (ein Bridgewater wäre in der ersten Runde zu haben gewesen und hätte man aufbauen können), aber für die kurzfristigen Aussichten scheint man recht ordentlich gearbeitet zu haben.

Die brutale Schwachstelle Offense Line wurde mit LT Jared Veldheer aus Oakland sensationell billig geschlossen, und neben Veldheer wird mit LG Jonathan Cooper der letztjährige 1st-Rounder nach überstandener Verletzung zum Team stoßen. Coopers Trainingsleistungen sollen zwar mangelhaft gewesen sein, aber dass es mit den beiden nochmal 41 Sacks gegen Palmer gibt, ist unwahrscheinlich.

Palmer ist ein brauchbarer Mann, obwohl ihm alle absteigende Formkurve nachsagen. Er machte für meine Begriffe einen guten Job, 6.5 NY/A mit so einer Protection sind anständig. Allerdings ging das risikobehaftete Spiel auf Kosten zu vieler Fehlpässe: 22 Interceptions oder 3.8% INT-Quote sind extrem und werden sich kaum wiederholen. Schließlich und endlich gehört der WR-Corp noch immer zum besten, wurde mit Rookie-TE Niklas die Schwachstelle Housler beseitigt, und wird der Playmaker RB Andre Ellington (letztes Jahr 5.6yds/Carry) heuer verstärkt zum Einsatz kommen.

Superstar war 2013 aber die Defense. Diese wackelt heuer: LB Washington wurde von der NFL mit Drogenproblemen für die komplette Saison suspendiert, LB Dansby ging nach Cleveland, DT Dockett verabschiedete sich auf die IR, Passrusher Abraham ist ein alterndes Verletzungsfragezeichen.

Im schlimmsten Fall ist man ohne einen qualifizierten Flanken-Passrusher und zwei Inside-Linebackers Foote und Minter (Minter = Zweitrundenpick 2013) aufgestellt. Als geglückt kann man die Secondary-Moves ansehen: CB Cromartie aus New York ist eine wertvolle Nummer 2 neben den Shutdown Corner Patrick Peterson, S Buchanon kam via Draft (wenn auch wie besagt auf Kosten der QB-Erneuerung). Bleibt zu hoffen, dass Honey Badger Tyrann Mathieu sich von seiner Kreuzbandverletzung erholt hat.

Die Defense wird nicht mehr das Monster wie 2013 sein – kann die Offense die Regression aufhalten? Ich bin skeptisch. Man spielt in der schwierigen NFC West, weswegen die Würfel schon sehr, sehr günstig fallen müssten, damit die Cardinals in die Playoffs rutschen.

Baltimore Ravens

Bei den Baltimore Ravens ist nicht einfach abzusehen, wohin sich ihr Weg entwickelt: Sie sollten im Vergleich zum letzten Jahr eine qualitativ um mindestens eine Stufe bessere Mannschaft aufstellen können, aber ich würde nicht mit Kraftmeier-Sprüchen darauf wetten, dass sich das in einer viel besseren als der letztjährigen 8-8 Bilanz niederschlägt. Zu viele Zufälle brauchte man zuletzt, um überhaupt auf 8-8 zu kommen. Aber es gibt Hoffnung.

Es ist fassungslos viel Defensiv-Wissen in Baltimore vorhanden, und die Defense wurde in den letzten beiden Offseasons sachte, aber bestimmt umgebaut: Verjüngt, qualitativ wieder auf einen Stand gebracht, auf dem du aufbauen kannst. 2013 war mit 6.2 NY/A gegen den Pass und 59% Erfolgsquote gegen den Lauf jeweils ziemlich genau Liga-Durchschnitt.

Die Unit wurde in dieser Offseason mit sinnvollen Ergänzungen vertieft: Rookie-DL Timmy Jernigan kam für die Rotation in der Line und dürfte gemeinsam mit DL Urban dafür sorgen, dass ein Ngata keine 1000 Snaps mehr spielen muss. Für die Linebacker wurde in C.J. Mosley ein allseits anerkannter kompletter Rookie gedraftet, der neben Smith und Suggs eingelernt werden kann; mit Mosley und Arthur Brown gibt es nun auch zwei ernsthafte junge Inside-Linebacker. Mit Dumervil, Suggs und Upshaw drei brauchbare Passrusher von den Flanken.

Mehr Fragen bestehen in der Offense. Das Gute: Sie kann nicht schlimmer werden als 2013. 5.4 NY/A für QB Flacco und 32% Success-Rate bei kaum mehr als 3yds/Carry für RB Ray Rice: Das war gleich unansehnlich wie es ineffizient war. Nun wurde OffCoord Caldwell durch OffCoord Gary Kubiak ersetzt. Kubiak bringt eine diametral andere Philosophie nach Baltimore: Zone-Blocking, lateral angelegte Spielzüge. Wie passt das mit einer für Power-Offense zusammengestellten Line und dem monströsen Wurfarm Flaccos zusammen?

Schnelleres Spiel sollte Flacco auf jeden Fall vor erneuten 48 Sacks beschützen. Es sollte auch helfen, die 59% Completion-Rate nach oben zu treiben und die 22 INTs nach unten. Der mit Steve Smith aufgemotzte WR-Corp sollte breiter aufgestellt sein als letztes Jahr (auch wenn Smith kein junger Hüpfer mehr ist) und mehr Freiraum für WR Torrey Smith geben. Und RT Wagner ist im Vergleich zu RT Oher zumindest kein Downgrade. RB Rice‘ Suspendierung viel kritisierte Sperre von nur zwei Spielen (für die KO-Schläge gegen seine Verlobte!) zieht die RB-Depth nicht so weit runter wie potenziell möglich.

Es riecht nach Verbesserung in Offense und Defense. Es riecht aber gleichzeitig nach nicht ausreichend Verbesserung um die Ravens wieder in den Stand eines AFC-Mitfavoriten zu hieven. John Harbaugh hat schon des Öfteren gute Bilanzen in engen Spielen gezimmert und damit die Pythagoreischen Erwartungen geschlagen – 2014 wird man nur dann ins Playoffrennen ernsthaft einsteigen, wenn das wieder passiert.

Carolina Panthers

Der große Sleeper des letzten Sommers steht heuer vor einer ruppigen Saison: Die Carolina Panthers waren letztes Jahr mit 12-4 Siegen und ihrem famosen Riverboat Ron als Head Coach eine der Geschichten des Jahres, aber sie müssen nach dem Abgang quasi aller Wide Receiver plus dem Verfehlen, eine Secondary zusammenzustellen, dieses Jahr mit zwei potenziell katastrophalen Sollbruchstellen antreten.

TE Olsen, Rookie-WR Benjamin als #1, WR Cotchery als #2, WR Avant als #3, dazu third stringer wie McNutt und Pilares für die Tiefe – das ist der schlechteste Support-Cast der Liga für QB Cameron Newton, der selbst keinen überaus guten Herbst hinter sich hat und die komplette Offseason damit verbrachte, eine Knöchel-OP auszuheilen. Das alles mit dem Zusatzwissen, dass LT Gross seine Karriere beendet hat, und damit beide Tackle-Positionen Wackelkandidaten sind; man konnte im Draft nicht zulangen, weil man mit Benjamin einen Receiver draften musste. Dumm bloß: Receiver ist keine einfache Position für einen Rookie, und Benjamin galt auch nicht als besonders feingeschliffen.

Der laufstarke Newton und das breit aufgestellte Running-Game allein werden dafür sorgen, dass Carolina nicht total einbricht, aber vermutlich müsste Carolina auf seine 6.0 NY/A und 42.5% Success-Rate (#11) in der Offense eher aufbauen, um die wahrscheinliche Regression der Defense aufzufangen.

Die Front-Seven passt – für 2013: DE Johnson, DTs Short und Lotulelei sowie die LB Davis und Kuechly haben Langzeitverträge und sind Leistungsträger, aber DE Hardy ist schon nächsten Winter wieder Free-Agent. Als Hardy-Ersatz wurde schon heuer DE Ealy aus Missouri gedraftet, was wiederum zur Folge hatte, dass man in der Offense die Line nicht stärken konnte. So dreht sich das Rad.

Das sind lachhafte Probleme gegen eine Secondary mit Leuten wie Cason, White, Godfrey, Harper, DeCoud oder Norman: Das ist nicht die Tiefe. Das sind die möglichen Starter. Der einzige junge Mann, der bisher Potenzial angedeutet hat, ist S Robert Lester. Wenn der Passrush nur einen Funzen nachlässt, steht diese Pass-Defense blank, und es gibt keine Chance, dass man die 5.5 NY/A (#4 der Liga) wird halten können.

Solange die Front-Seven Rabatz macht, solange Newton seinen Level von 2011 und 2012 wieder erreichen kann, wird es für die Panthers nicht runter in den Bodensatz gehen. Aber die Frage ist: Was passiert, wenn sich auch nur ein verbliebener Schlüsselspieler verletzt?

Kansas City Chiefs

Die Kansas City Chiefs waren letztes Jahr in einer schwach besetzten AFC ein logischer Sleeper-Pick, und sie hielten die in sie gesetzten Erwartungen mit der Playoff-Qualifikation und 11-5 Saisonsiegen. Ihre Methode war die erwartete: Fehlerminimierung und ein möglichst risikoloses Spiel. Head Coach Andy Reid hat aus dem in Teilen überragenden, in anderen Teilen sehr banalen Spielermaterial ziemlich genau das herausgeholt, was drin war. Das ist ein Fortschritt nach vielen verschwendeten Jahren.

Für heuer bin ich etwas skeptisch. Die AFC ist ausgeglichener geworden. Und Kansas Citys Erfolgsmodell ist kein nachhaltiges gewesen: Mit +19 Turnovers (u.a. mit nur 1.4% INT-Quote die wenigsten Offense-INTs und mit 3.8% INT-Quote die viertmeisten Defensiv-INTs) hatte man die zweitbeste Turnover-Ratio ligaweit. Man eroberte 60.5% der Fumbles. Wie stabil Turnover-Ratios sind? Nun, das Jahr davor war Kansas City mit -24 Turnovers Ligaschlusslicht.

Die reinen Effizienz-Stats sind schon bescheidener: Unter Führung von QB Alex Smith macht die Offense 5.8 NY/A (#21), und das Laufspiel um den überragenden RB Jamaal Charles ist zwar explosiv (5.0yds/Carry, 12 TD), aber mit 42% Success-Rate nur durchschnittlich beständig. Auch in der Defense war man mit 6.4 NY/A gegen den Pass leicht unterdurchschnittlich unterwegs, bot aber eine bockstarke Run-Defense auf.

Gerade bei der Defense hat man noch das Gefühl, es ist noch was drin. NT Poe und OLB Houston sind potenzielle Weltklassespieler, die den Durchbruch geschafft haben; beide gehören zum feinsten, was die Liga bietet. LB Johnson, OLB Hali oder SS Berry sind von Weltklasse nicht weit entfernt, und durch den Erstrundenpick von OLB Dee Ford sieht man auch, wo sich die Organisation hin entwickeln möchte: Power um die Lines herum. CB Flowers wurde entlassen, weswegen die Secondary durchaus etwas ausgedünnt sein könnte, aber im Großen und Ganzen ist zu erwarten, dass die Chiefs eine überdurchschnittliche Defense, vielleicht eine sehr gute, auffahren werden.

Die Offense ist die Offense. Das Potenzial ist dank QB Smith limitiert, die Offensive Line gilt als Wackelkandidat; aber in LT Fisher und C Hudson sind zwei Schlüsselspieler ja noch blutjung. Bedenklich ist allerdings, dass man den Abgang von LT Albert überhaupt nicht kompensiert hat. Bei den Wide Receivern fehlt weiterhin ein zweiter Playmaker neben Bowe, u.a. weil den Chiefs im Draft ein Sprinter wie Cooks quasi direkt vor der Nase weggeschnappt wurde.

Fazit: Die Chiefs sind mit durchschnittlichem Glück und durchschnittlichem Verletzungspech (letztes Jahr: #1 der AGL) ein wohl durchschnittliches Team. Großartig drauf wetten, dass es erneut für die Playoffqualifikation reicht, würde ich nicht.

Miami Dolphins

Wie es um die Psyche bei den Miami Dolphins nach der auf und neben dem Platz übel verlaufenen Saison bestellt ist, beweist das fünfzehnzeilige, von der Army abgekupfertes Fettwanstleiberl, das man im Trainingslager über den Platz stolzierte. Musste man es tragen, weil nach dem Mobbing-Skandal um Jonathan Martin einschneidende Veränderungen ausblieben? Musste man es tragen, weil man die Werte sowieso nicht glaubt?

Die Dolphins verpassten 2013 mit 8-8 Bilanz und einem seelenlosen Finish die Playoffs, die man nach der Einkaufstour eigentlich erwartet hatte. Mit 8-8 war man gut bestellt. Nach Pythagoras und SRS war man ein unterdurchschnittliches Team. Nun hat Head Coach Joe Philbin das Ultimatum auf der Stirn, und er reagierte auch als wüsste er es.

Es wurden in der Offseason eigentlich gute Moves gemacht. OffCoord Mike Sherman wurde durch OffCoord Bill Lazor ersetzt, LT Albert wurde von Kansas City eingekauft, RT Ja’Wuan James in Runde 1 gedraftet, TE Lynch als Ergänzungsspieler einberufen. Alles Verstärkungen, die ein Angriff mit zuletzt absurden 59 Sacks gegen QB Ryan Tannehill gebrauchen konnte (9.1% Sack-Quote ist Wahnsinn).

Es sind Versuche, die Karriere vom jungen QB-Sprössling Tannehill zu retten: Tannehill geht in sein drittes Jahr, und obwohl er nicht wirklich „schwach“ war, sprangen bloß 5.4 NY/A heraus, einer der schwächsten Werte der Liga. Nicht alles ist bei solch abstruser Protection Schuld des QBs, aber vor allem junge QBs tendieren unter Eindruck von ständigem Passrush, schlechte Gewohnheiten zu entwicklen und irgendwann Passrush zu fühlen wo keiner ist. Das sind dann die QBs, die auf diesem und anderen Blogs als „verbrannt“ bezeichnet werden. Tannehill ist davon nicht weit entfernt.

In der Defense muss man sich die Frage stellen, wie man den erst vor kurzem hoch gedrafteten DE Dion Jordan einsetzen möchte (man wollte ihn offenbar heuer schon verkaufen). Passrush ist hier mit Leuten wie DE Wake, Jordan oder Vernon kein überaus großes Problem, aber die eh schon schwache Run-Defense musste mit dem Abgang von DT Soliai einen Schlag einstecken.

Miami ist kein hoffnungsloser Fall. Es ist auch dank machbarer Division bei entsprechendem Saisonverlauf sogar ein Playoffplatz drin. Es ist nicht auszuschließen, dass sich Tannehill noch entwickeln kann, aber dafür muss die Saison unter einem viel besseren Stern stehen als die letzte. I’m not sold yet.

Minnesota Vikings

Die Minnesota Vikings pflegen ein für die heutige NFL extrem unkonventionelles Geschäftsmodell: Sie sind in der Offense um ihren Superstar-Runningback gebaut. So großartig ein Adrian Peterson sein kann, so sehr schlagen die Probleme durch, wenn Peterson keine 6yds/Carry zustande bringt (was keine Schande ist) und man auf Quarterbacks und das Halten der Secondary angewiesen ist. Fazit: Man feuerte nicht den Verantwortlichen für die Vikes-Philosophie, GM Spielman, sondern Headcoach Frazier.

Der Neue ist Mike Zimmer, ehemals DefCoord der Bengals, und seit zirka siebenundzwanzig Jahren in jeder Lostrommel um eine Headcoach-Vergabe mit dabei – und siebenundzwanzig Mal gescheitert. Jetzt war der Mann mit dem gepflegten Vokabular endlich mal dran. Zimmer übernimmt prinzipiell keinen schlechten Kader und eine der größten Schwachstellen (Defensive Backfield) gehört zu seinen Spezialitäten, und der von ihm installierte OffCoord Norv Turner gilt als ausgemachter Quarterback-Flüsterer, aber es gibt trotzdem Punkte, die meine Euphorie für die Vikings 2014 bremsen.

Die Mannschaft war 2013 nicht gut. 5.9 Siege nach Pythagoras ist nicht weit von der 5-10-1 Bilanz entfernt, die man letztlich einfuhr. Man muss in der Defense Schlüsselspieler wie DE Jared Allen ersetzen. Und ob man nochmal so relativ unbescholten von Verletzungen bleibt wie 2013 (#10 AGL)? Die Kadertiefe vor allem in der Offense sieht brenzlig aus.

Es gibt ein Szenario, in dem ich mir einen sehr deutlichen Sturm der Vikings nach oben ausmalen kann, und zwar für den Fall, dass Turner aus dem jungen QB Teddy Bridgewater schnell alles Potenzial herauskitzeln kann. Bridgewater ist nicht der Explosivste von allen Quarterbacks und er ist ein stilles Männlein, aber er soll sehr gute Ansätze gezeigt haben. Aber er ist ein Rookie und wird Fehler machen. Vielleicht wird er auch gar nicht spielen, weil Turner ihn langsam einlernen möchte, und dafür QB Cassel vor die Hunde gehen lässt.

Arbeiten kannst du in der Vikes-Offense außerhalb der Quarterbacks schon mit recht viel. Über Peterson müssen wir nicht reden. Er ist der beste Back, aber das reicht nicht (41% Success-Rate). Peterson muss der beste mit weitem Abstand sein, und viele Big-Plays einstreuen, will Minnesota seine Offense weiter um das Laufspiel bauen. Es gibt in WR Patterson eine explosive Allzweckwaffe, in WR Jennings einen soliden Komplementärmann, in TE Rudolph einen ganz netten Mann für die Mitte: Alle gute Jungs, aber an richtigen zentralen Mann fürs Passspiel hat man noch nicht gefunden.

Auch die Defense ist frisch und schwierig einzuschätzen: Wenn es dumm läuft, ist Rookie-OLB Anthony Barr der einzige Mann mit echten „Playmaking-Potenzial“, und Barr sagt man Stand heute noch nicht die nötige Reife nach. Die Defense Line wurde in DT Joseph und Rookie Crichton um zwei junge Spieler ergänzt, aber ob sie Allens Passrushing ersetzen können? Linebacker gilt seit Jahren als Schwachpunkt.

Die Secondary dürfte nach CB Munnerlyns Verpflichtung, FS Harrison Smiths auskurierter Verletzung und dem um ein Jahr Erfahrung reicheren CB Rhodes besser aufgestellt sein als im letzten Jahr, bloß: Bei zuletzt 6.7 NY/A im Pass und 55% Erfolgsquote im Lauf wird selbst ein Zimmer nicht in einem Jahr Wunderdinge erwirken können.

Was für Minnesota spricht: Die Turnovers waren 2013 grausam (nur 1.9% INT-Quote der Defense). Man eroberte nur 45% der Fumbles. Man hat einen insgesamt besseren Kader, vielleicht eine bessere QB-Situation, eine insgesamt hoffnungsvolle Truppe. Aber in einer happigen Division wohl noch zu wenig Power um ernsthaft die Playoffs anzugreifen.

Tampa Bay Buccaneers

Die Tampa Bay Buccaneers waren letztes Jahr das Team, bei dem meine Erwartungen (Divisionsfavorit NFC South) und Ergebnis (4-12 Bilanz) mit am deutlichsten auseinandergeklafft sind. Mittlerweile muss man konstatieren: Der letztes Jahr so fantastisch gute Kader hat innerhalb von nur 12 Monaten eine komplette Erneuerung durchmachen müssen. Daran ist auch der Wechsel von Head Coach Schiano auf Head Coach Lovie Smith Schuld: Schiano für Lovie ist nicht nur menschlich eine 180°-Drehung, sondern auch von vielen Spielideen.

Viele Bears-Fans behaupten, dass Lovie Smith längst kein Cover-2 Feti mehr ist, aber im Kern will Lovie immer noch möglichst viel schnelle Zonenverteidigung spielen, mit Reinpumpen von Ressourcen in die Defense, während die Offense am besten die Spiele nicht vergeigen soll.

Die entsprechenden Wechsel wurden gemacht: CB Darrelle Revis, unpassend für Lovies Spielauffassung, wurde trotz seines Rufs entlassen, der viel billigere CB Verner aus Tennessee eingekauft. In der Defensive Line wurde DE Johnson aus Cincinnati geholt um die beiden schwer nach Flops aussehenden 2011er-Draftees Clayborn/Bowers zu entlasten. Gebaut sein wird alles um den monströsen DT Gerald McCoy, der bislang zu viel auf eigene Faust unternehmen muss. McCoy gilt als einer der Favoriten auf den Titel des Abwehrspielers des Jahres.

In der Offense wurde fast alles umgebaut: Bei den Quarterbacks wird man zwischen McCown und dem jungen Glennon hin- und herswitchen; beide sind keine langfristigen Lösungen. Das Laufspiel wird das Reich des vielseitigen Doug Martin sein, aber sollte sich Martin wieder verletzen, fehlt es an Backups.

Bei den Wide Receivers wurde Mike Evans gedraftet, ein fast identischer Spielertyp wie Vince Jackson; der dritte im Bunde, Mike Williams, wurde nach Buffalo getradet. Hier sind wir top-heavy: Es gibt nur wenig Material ginter diesem Top-Duo. Die Offensive Line musste mit dem Rücktritt von LG Nicks einen Schlag einstecken, aber Nicks hat in den letzten beiden Jahren eh nur insgesamt neun Spiele bestritten. Als Ersatz wurde der in New England verehrte LG Logan Mankins geholt, ein gigantisches Upgrade gegenüber allem, was die Buccs dort bisher stehen hatten.

Neuer LT ist Collins (kam aus Cincinnati), neuer Center Dietrich-Smith (aus Green Bay). Insgesamt ist von der Offense zu erwarten, dass sie ihre Lauf-Effizienz steigern wird (34% 2013), im Passspiel kann es nicht tiefer gehen als die 5.0 NY/A letztes Jahr (Schlusslicht der Liga), aber so richtig weit nach oben gehen wird es damit nicht. Nicht mit diesen Quarterbacks.

Tampa machte 2013 eine Sache exzellent: Turnovers. Man fing 3.8% der Pässe ab – ein hoher Wert, der schwer zu halten sein wird. Bloß: Alle Defenses von Lovie Smith fielen durch tendenziell hohe Turnoverwerte auf; es wird von Wichtigkeit sein, ob Tampa diese Turnovers auch heuer wird halten können. Wenn ja, sehe ich ein Team, das durchaus ins obere Mittelfeld der NFC vorrücken kann.

Washington Redskins

Nach der spektakulär schief gelaufenen Saison 2013 wurde in der Hauptstadt relativ viel geändert: Die Washington Redskins haben sich vom Shanaclan befreit und mit Head Coach Jay „Jon’s little Brother“ Gruden und dem blutjungen OffCoord Sean McVay (27 Jahre) eine neue Führungsriege angelacht um Image und Ergebnisse aufzupolieren.

Spektakulär an den Redskins dürfte vor allem in die Offense sein: QB Robert Griffin III sollte nach überstandener Kreuzbandverletzung wieder fit sein und gehört in selbigem Zustand zu den aufregendsten Offensivspielern in der NFL. Letztes Jahr hatten die Redskins nur 5.7 NY/A an Pass-Offense, womit klar sein sollte, wo nachgebessert werden muss. Als neues deep threat wurde der überraschend in Philadelphia entlassene WR DeSean Jackson verpflichtet, und Jackson ist gut und gerne mal für 17, 18 Yards pro Catch zu haben. Eine dank Jackson entzerrte Offense, und ein fangsicheres Komplementär in Pierre Garcon – zumindest in der Spitze liest sich das wie ein klasse WR-Corp.

Die Fragen richten sich eher an die Offense Line, die nach dem horizontal angelegten Zonensystem Shanahans nun straighter orientiert sein sollte. Vor allem die Position des Left Guards ist zudem personell minderwertig besetzt; ob RB Alfred Morris (oder einer der Backups Seastrunk oder Helu) unter diesen Umständen weiterhin 4.6yds/Carry fabrizieren kann?

Für den Erfolg die entscheidendere Frage ist die Defense, letztes Jahr ein Torso ohne gescheiten Passrush und mit 7.1 NY/A die zweitschlechteste Passverteidigung. DefCoord ist immer noch der Blitzfetischist Jimmy Haslett, und personell wurde bis auf Rookie OLB Trent Murphy, die DL Hatcher (aus Dallas) und Geathers (aus Philadelphia) und Free Agent-Safety Ryan Clark nicht allzu viel verändert. Es gibt zwar in Kerrigan, Orakpo, Murphy und Brandon Jenkins potenziell gute bis sehr gute Passrusher, aber ohne eine zumindest in Ansätzen funktionierende Secondary könnte hier wieder viel umsonst sein.

Sicher ist: Washington wird mehr als die drei Spiele aus dem letzten Jahr gewinnen. Man riskiert zwar durchaus, mit Verletzungen auf einigen Schlüsselpositionen (Front-Seven, Wide Receiver) schnell in Personalnot zu geraten, aber die punktuellen erfolgten Einkäufen waren allesamt sinnvolle Upgrades. Ein fitter RG3 unter dem Guide Grudens sollte der Offense an Effizienz helfen, und man sollte nicht wieder 2-7 in engen Spielen gehen. Läuft wie bei Tampa auf eine Verbesserung ins Liga-Mittelfeld hinaus.

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7 Kommentare zu “Die furchtlose NFL-Vorschau 2014/15 | Die Aufstrebenden

  1. Man kann es nicht oft genug betonen wie gut diese Vorschau geschrieben ist.

    Inhaltlich bin ich ja total verwundert, dass Indianapolis dieses Mal anscheinend in den Top 16 gesehen wird. Die Colts bekamen ja in den letzten Jahren mächtig auf die Fresse hier 😉

    Von den bisherigen Teams hätte ich eher Dallas in diese Stufe gesetzt, gegen den Tausch von Miami oder Carolina. Ich sehe bei den Panthers den exakt gleichen inhaltlichen Schwall, aber die DB und WR sind für mich ein Grund, Carolina auf 6-10 oder tiefer zu wetten. Cam kann nicht alles allein retten.
    Dallas gehört ehrlich nicht in die Bottom 8. Dafür ist die Offense viel zu gut. Das Lustigste ist ja, dass die Boys ohne Romo Bashing in die Bottom 8 gerankt wurden…

    Kansas City würde ich auch eher nach oben schieben. Es gibt aber viele Experten die die OL der Chieffs für viel zu schwach sehen, insofern gehe ich mit der Einordnung am Ende einher.

    Ich freu mich jetzt schon wie bolle auf die letzten zwei Teile.

  2. Muss auch sagen dass diese Vorschauen sehr gut geschrieben sind!

    Wollte nur anmerken dass die genannten McNutt und Lester inzwischen nur mehr beim Practice Squad sind!

    Ansonsten kann ich dir (leider) nur zustimmen… Benjamin hat zwar super ausgesehen in der Preseason, dafür war Cam nicht wirklich prickelnd. Aber ich hoff mal dass das doch schnell was wird und die starke D-Line wieder über die suspekten DBs hinwegtäuscht 😉

  3. @Carson Palmer: Ich bin mir nicht sicher inwiefern man bei seiner INT-Rate eine statistische Anpassung gen Mitte erwarten darf. Letztes Jahr war in Bezug auf seine NFL-Karriere ja kaum ein Ausreißer, sondern ziemlich normaler Standard.

    @Chiefs: Also mit dieser O-Line kann man die Chiefs wohl am ehesten noch eine Stufe runtersetzen. Das ist schlicht und einfach ne Katastrophe, sowohl was Run- als auch Pass-Blocking betrifft. Smith kann sich durch das schnelle Kurzpassspiel und die vielen Dump-Offs da vielleicht noch drüber retten; aber ich sehe nicht, dass der eigentlich wertvollste Spieler, Jamaal Charles, auch nur die Hälfte der Saison durchhält, weil er einfach konstant auf die Fresse bekommen wird. Würde mich sehr überraschen, wenn die Chiefs mehr als 4 Siege zusammenbringen.

  4. Palmer Karriere-Schnitt ist 3.2% INT-Quote. Hätte er letztes Jahr 3.2% INTs geworfen, hätte er in den 572 Versuchen nur 18 Dinger statt 22 geworfen. Gut, die vier Gratis-INTs reichen immer noch zum Auswärtssieg in Seattle, aber du verstehst mich.

  5. Jo, da bin ich bei dir. Im Text las es sich für mich nur so, als ob bei Palmer eher sowas in der Richtung von 10 INTs die Norm wäre, und darauf bezog sich mein Kommentar.

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