Frühstückseier nach Woche 1: Arizona Cardinals – San Diego Chargers

Spiele wie diese dürfen in der NFL jede Woche passieren. Knackige Atmosphäre, intensive Spielweise, Unzahlen enger Plays und am Ende eine knappe Entscheidung. Die Arizona Cardinals gewinnen 18-17 gegen die San Diego Chargers, aber in dem Spiel muss nur ein Spielzug anders ausgehen und wir haben einen anderen Sieger. Und nur ein weiterer, dann haben wir wieder den gleichen. San Diego baute seine zwischenzeitliche 17-6 Führung in erster Linie auf einer knappen Fumble-Recovery und einem geblockten Punt auf, nachdem man eigentlich deutlich weniger Yards als der Gegner zustande gebracht hatte. Arizona kam zurück, unter anderem weil die Chargers sich selbst aus Fieldgoal-Reichweite schossen.

Bevor wir weiter in die Analyse reingehen: Da waren einige atemberaubende Plays dabei. Keiner war besser als der fassungslose 34yds-Pass von Chargers-QB Philip Rivers, der im allerletzten Augenblick vor Einbruch eines Bergs an Passrushern den tiefen Ball anbringt, den TE Antonio Gates in hautenger Deckung herunterpflückt. Ein Spielzug, der in neun von zehn Fällen schief geht. Hier ging er gut.

Für San Diego reichte es trotzdem nicht zum Sieg, und einiges davon ist selbst verschuldet. Die Chargers schossen sich zweimal selbst aus Fieldgoal-Reichweite, einmal davon spät im Schlussviertel, als man hätte 20-12 in Führung gehen können.

San Diego brachte seine Offense im Prinzip nie voll in Schwung. OffCoord Frank Reich hatte eine eigenartige Herangehensweise beim Ansagen seiner Plays. Ich habe mich schon im Lions-Spiel über die eintausend verbrannten Laufspielzüge geärgert, aber im zweiten Monday-Night Game wurde es nicht besser: Mathews / Woodhead und Co. Brachten nur 52yds in 24 Plays zustande, wie auch anders, wenn ein Woodhead immer wieder mitten in die Menschenberge hinein geschickt wird.

Im Passspiel hatte man das Pech, dass WR Eddie Royal auf seine alten Tage mal wieder die Butterfinger ausgepackt hat: Drei Drops für Royal, der in sechs überwiegend präzisen Anspielen mit einem einzigen Catch für 20yds aus dem Spiel ging.

Auffällig an San Diegos Offense: Wie übermannt die Offense Line aussah, wenn Arizona mehr als vier Mann schickte. Rivers muss von einschlagenden Blitzes in der Nacht geträumt haben. Ein Wunder, dass Rivers nie gesackt wurde. Aber das ging auf Kosten einiger überhaspelter Würde – oft notwendigerweise überhaspelter Würfe, muss man ergänzen. Aber zum Beispiel ganz am Ende, im allerletzten Drive, da übertrieb es Rivers mit einem schlechten Wurf im 3rd-und-2, der letztlich zum Aus führte.

Bei den Arizona Cardinals darf man seinerseits nicht voll happy über die Offensive Line sein. LT Veldheer ist nicht mehr das Fass, das früher Arizonas Left Tackle Position war, aber auch er wurde mehrfach gekillt. QB Carson Palmer hatte in der Pocket beileibe kein Weltmeisterspiel, aber er war gut. Besser als erwartet. Palmer war beweglich, scrambelte sich immer wieder Platz frei und teilweise sogar die notwendigen Yards zu neuen 1st-Downs. Palmer beendete den Tag mit bockstarken Zahlen: 24/37 für 308yds, 8.0 NY/A. Einen Teil davon verdankst du dabei sicher WR Michael Floyd mit einer Handvoll starker Catches. Aber auch Palmer trug seinen Teil dazu bei, u.a. mit einem guten Fake beim ersten Touchdown für #30 Brown.

In Arizonas Defense erwies sich das LB-Duo #50 Foote / #51 Minter als weniger verheerend als befürchtet. Minter ist nicht der sicherste Linebacker unter der Sonne, aber wie auch nach kaum mehr als 50 Profi-Snaps? Foote war sogar richtig auffällig, mit mehreren erstklassigen Tackles und Pass-Deflections.

Letztlich gewann Arizona dank zweier langer Scoring-Drives im Schlussviertel. Ein 11-Play, 91yds Drive in den Schlussminuten reichte aus. Aber wie gesagt: Wenn die Chargers nur eines dieser entscheidenden Plays anders laufen lassen, haben wir einen anderen Sieger. Beide Teams wirkten in dieser Partie für mich wie ernst zu nehmende Player in den kommenden Wochen.

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3 Kommentare zu “Frühstückseier nach Woche 1: Arizona Cardinals – San Diego Chargers

  1. blöd nur für die Chargers, dass es nächste Woche direkt gegen Seattle geht, die auch 3 Tage mehr Ruhe hatten.

  2. Sehr schöner Kommentar zu einem wirklich faszinierenden Spiel. Ich fühlte mich stets gut unterhalten, obwohl es weder gigantische Big Plays en masse oder Punkteexplosionen gab.

    Ausgeglichen und wie du auch geschrieben hast, ein Spiel, dass anders ausgeht wenn es 5 min früher oder später zu Ende geht. Oder ein Ball anders fällt.

    Ich denke auch, dass beide Mannschaften ernsthafte Kandidaten für die Postseason sind.

    Rivers wirkte in der Tat noch ein wenig rostig und war bei vielen Bällen ungenau. Nicht schlecht und man sah ab und an seine Klasse, aber noch nicht auf dem Niveau vom vergangenen Jahr.
    Nur die INT von ihm war übel!

  3. Ist gut, dass einen die Chargers alle drei Wochen daran erinnern, dass man Chargers Fan ist. Eigentlich alles in der Hand, unter Kontrolle. Aber wir finden einen Weg es möglichst dramatisch zu vermasseln. Nach dem Run im letzten Jahr, war sowas mal wieder fällig.

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