Rückkehr des Power-Rankings | Erstausgabe 2014

Das Power-Ranking feiert mit dem heutigen Tag seine Rückkehr aus dem Sommerschlaf, und versucht sich nach dem vierten Spieltag der laufenden Saison 2014/15 an einem ersten Ranking. Wie gewohnt entspringt das Ranking nicht dem Bauchgefühl, sondern versucht, mittels mathematischer Berechnung die Effizienz der Mannschaften in Offense und Defense zu errechnen. Die Grundlagen sind Stammlesern bereits bekannt, aber für Neulinge sei an dieser Stelle noch einmal auf die einführenden Artikel der letzten Jahre verlinkt:

Executive Summary: Das Ranking arbeitet mit der Ressource des Downs, die kleinste Einheit, mit der wir aktuell die Effizienz von Mannschaften arbeiten können. Mannschaften mit hoher Effizienz in Downs werden über kurz oder lang mehr Siege holen als Mannschaften mit geringer Effizienz. Dabei gewichtet dieses Ranking nicht nur die wichtigsten Statistiken (Passspiel, Laufspiel, Turnovers, Strafen), sondern gewichtet sie auch noch nach ihrer Beständigkeit (Auto-Korrelation). So sind zum Beispiel Passyards stabiler als Fumbles und Interceptions, weswegen sie von diesem Ranking auch gemäß ihrem Autokorrelations-Koeffizienten höher bewertet werden.

Das Power-Ranking missachtet die Special-Teams und sämtliche Verletzungen. Es ist bereits mit der Stärke des Spielplans gekoppelt. Es wird wieder zwischen 63% und 70% der Spiele richtig tippen. Es wird wieder Mannschaften geben, die der gemeine Fan als zu hoch oder tief eingestuft wird.

Es gibt dieses Jahr keine großartigen Veränderungen an der Methode des Rankings. Ich habe den Algorithmus in der Offseason auf der Alm verfeinert und die Datenvolumen zur Berechnung erhöht. Ich habe mich mal wieder kurzzeitig an die Special Teams herangewagt, aber letztendlich entschieden, sie weiterhin draußen zu lassen, weil die Autokorrelation so niedrig ist, und ein aufwändiges Einbauen von Special-Teams die Preview-Genauigkeit nicht großartig erhöht hätte.

Es wird in den ersten Wochen zwar keine Preseason-Informationen oder Informationen von 2013 geben, aber der Regressionskoeffizient ist entsprechend angepasst um die größten Ausreißer in Zaum zu halten.

Ich habe weiters am Dashboard gearbeitet. Es wird diese Saison mehr Grafiken geben – leider aufgrund der Blogsoftware weiterhin bloß Bilder, aber immerhin werden diese verbessert. Per Klick auf die Bilder lässt sich eine kleine Bildergalerie öffnen. Für die visuellen Typen habe ich ein Blasen-Diagramm gestaltet, das Offense und Defense gegenüber stellt.

Für die Listen-Junkies habe ich das Offense-Ranking, das Defense-Ranking sowie die wichtigsten Effizienz-Stats auflistet. Die Offense/Defense-Rankings liest man so: Mit einer standardisierten Defense würde ein Team mit den Offense-Stats von Team A x Siege einfahren. Mit einer standardisierten Offense würde ein Team mit den Defense-Stats von Team B y Siege einfahren. Penaltys spielen in diesem Ranking keine Rolle.

Genug der Einführung. Lasset uns eintauchen.

NFL Power Ranking 2014/15, Week 4

NFL Power Ranking 2014/15, Week 4

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das (provisorische) Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 4.

In der folgenden Gallerie gibt es die Offense-Rankings, Defense-Ranking, das Statistik-Dashboard sowie eine Statistik-Übersicht der wichtigsten Effizienz-Stats nach Woche 4:


Beginnen wir mit den New England Patriots, bei denen viele Pundits schon vor dem Debakel in Kansas City auch ohne Statistiken erkennen konnten, dass sie derzeit eine harzige Zeit durchleben. New England hatte schon vor dem Monday-Night Game die schlechteste Offense der NFL, konnte dank des guten SOS der Chiefs-Defense letztlich trotz Schlappe noch die Raiders überholen.

Trotzdem: 5.2 NY/A und nur 41% Success-Rate im Laufspiel sind nie ein guter Start für eine Offense. Ich weiß nicht, inwiefern man QB Tom Brady den schwarzen Peter zuschieben darf – zu schlecht sieht die Offensive Line aus. Bill Barnwell hat es in seiner gestrigen Kolumne glaube ich ganz gut getroffen: Es ist in erster Linie die Welt um Brady, die kollabiert, inklusive PlayCalling, inklusive des WR-Corps, der sich nicht frei gelaufen kriegt.

Es stimmt, dass New England quasi keine Downfield-Offense hat, aber es liegt weniger am mangelnden Versuchen, sondern mehr an der Kombination vielleicht nicht völlig präziser Pässe & durchschnittlichem WR-Corp: Brady heuer 22.5% seiner Pässe weiter als 15yds geworfen – nur acht Quarterbacks haben einen höheren Wert. Aber Brady macht nur 3.0 „Air-Yards“ pro Wurfversuch, d.h. pro Passversuch fliegt der Ball im Schnitt nur 3.0yds bis zum Catch. Von den Startern sind nur Cassel und Dalton schwächer.

Ein Saisonviertel ist gespielt – wie hoffnungslos ist New England? Vier Spiele sind ein ganz nettes Sample (immerhin ein Saisonviertel) um schön langsam auf die Stärke einer Mannschaft rückschließen zu können. Bei den Patriots hatte man in der Vergangenheit jedoch schon des Öfteren ruppige Starts in die Saison. Ich erinnere an letztes Jahr, als anfangs gar nix lief. Ich erinnere mich aber auch an meine Anfangszeit im Football, um 2003 herum, als New England auch einen glatten Fehlstart inklusive am Boden liegender Offense hinlegte, nur um nach den ersten Unkenrufen um Bradys Auswechslung eine Serie zum Titel hinzulegen.

Damals wie heute wurde New England von einer starken Defense unterstützt. Diese Defense ist auch dieses Jahr hoch bewertet. Sie allein wird die Patriots vor einem Einbruch schützen, aber wenn nicht die Offense zumindest halbwegs wieder in den Groove findet, müssen sich die Patriots vom Titelfavoriten-Status früher als gedacht verabschieden.


Der Divisionsrivale Buffalo Bills befindet sich in bekanntem Terrain: In der Mitte der Rankings, mit 2-2 Bilanz und der Pythagoreischen Leistung eines Teams mit durchschnittlich 8.5 Saisonsiegen. Mehr Buffalo Bills als diese Zahlen geht nicht. Mehr Bills als #27 in der Offense und #5 in der Defense auch nicht.

Die Bills-Abwehr glänzt bislang vor allem gegen den Lauf mit bockstarken 65% Erfolgsquote, und dürfte mit 6.3 NY/A sogar einen Zacken unterbewertet sein: Offenses wie Chicago und San Diego wurden vergleichsweise gut im Zaum gehalten – auf lange Sicht ist zu erwarten, dass die Unit von Jim Schwartz sogar etwas bessere Zahlen einfährt – und das trotz Systemumstellung und trotz Verlust des besten Defensive Backs in FS Jairus Byrd.

Auf der anderen Seite steht bei den Bills eine Offense, die Head Coach Doug Marrone den Job kosten könnte: Marrone war von den Bills vor erst eineinhalb Jahren vor allem deshalb angeheuert worden um einen Angriff voller Talente, aber ohne gute Ergebnisse nach vorne zu bringen. Die Bills haben nun einen neuen Owner. Marrone dürfte seinen Wind schon spüren – am Montag setzte er QB E.J. Manuel nach nur eineinviertel Saisons auf die Bank und ersetzt ihn durch den ewigen Kyle Orton, jenen Suffkopf, der schon in den Ruhestand wechseln wollte, aber letztlich doch noch den Scheck der Bills abstaubte und nun mal wieder den Starter geben darf.

Manuel plagten ähnlich wie Brady unterirdische „Air-Yards“ Werte: 3.2 Air-Yards pro Versuch sind nicht viel besser als Brady, aber vor allem hatte Manuel auf den Mitteldistanzen große Probleme mit Wurfgenauigkeit (56% Completion-Rate) – ein Problem, das man bei ihm schon lange kennt und das keinen Funzen besser wurde, vielleicht auch anhaltenden Verletzungen geschuldet. In einer im Kern auf schnelle Pässe angelegten Hochgeschwindigkeits-Offense wie Buffalo könnte ein Orton tatsächlich die bessere Alternative als der 1st-Rounder Manuel sein.


Die Oakland Raiders sind schon trainerlos, nachdem Head Coach Dennis Allen nach dem 0-4 Start entlassen wurde. Die News kam nicht überraschend, wurde schon seit Wochen durch die Presse geschleust – angeblich vom Owner Al Mark Davis selbst. Mit Allens Entlassung dürfte auch das Ende von GM Reggie McKenzie in Oakland nicht mehr weit sein. Die beiden haben leider keine echte Chance bekommen, den hilflosen Haufen Oakland nach oben zu bringen.

McKenzie nicht, weil er zwei Jahre buckelte um den Kader zu sanieren (was ihm gelang) und hernach nach der ersten missratenen Offseason schwer angeknockt war. Allen nicht, weil er einen schlimmen Kader durchschleifen musste, aus dem 4-12 Saisons wie ein adäquates Resultat aussehen.

Freilich haben die beiden letztlich auch nicht viel mehr aus dem Kader gemacht als drin gewesen wäre: Schon letztes Jahr war man #31 des Power-Rankings, und heuer ist man schon wieder an #30 drunten, mit der schlechtesten Offense nach drei Wochen (u.a. 5.3 NY/A). Viele Siege werden die Raiders dieses Jahr nicht holen, Allen hin oder her.

Und nächstes Jahr dann auf ein Neues.


Es gibt Mannschaften, bei denen Power-Ranking und Pythagoreische Erwartung auseinander klaffen: Kansas City Chiefs, Dallas Cowboys und Baltimore Ravens fallen sofort ins Auge. Vor allem die Ravens sind ein interessanter Case-Study.

So gerne ich QB Flacco und seinen Komparsen auf die Fresse gebe, so brauchbar waren seine letzten drei Wochen (in Woche 1 wurde man von den Cincinnati Bengals überwiegend gedemütigt): Die Ravens spielen eine recht effiziente Kurzpass-Offense (6.7 NY/A, 63% Completion-Rate, und nur 18% lange Pässe). Sie werden allerdings von einer problematischen Defense nach unten gezogen, die in diesen ersten Wochen mehr Yards kassiert als gut ist (7.5 NY/A). Die Pythagoreische Erwartung ist hoch, weil Baltimore Kantersiege über Pittsburgh und Carolina feiert, aber es bleibt abzuwarten wie stabil diese Mannschaft tatsächlich ist.


Es gab diese Woche im Vergleich zum provisorischen Ranking nach Woche 1 einige Bewegung in den Rankings – logisch, nachdem viele Teams noch nicht genau wissen wo sie stehen. Vier Teams ganz oben blieben aber stabil: Cincinnati an #1, Seattle an #2, Detroit an #3, San Diego an #4 (erstere zwei waren spielfrei).

Seattle und Detroit kommen dabei vor allem über die Qualität ihrer Defenses (SEA #3, DET #2), während Cincinnati (#1 Offense) eher vom Angriff und San Diego von seiner Ausgeglichenheit lebt. Bei den Chargers wunderte mich ihr mittelmäßiges Offense-Ranking: 8.0 NY/A im Passspiel sind ligaweit der beste Wert, und sie werden nur noch beeindruckender, wenn man sich vor Augen führt, dass sie gegen Abwehrgranaten wie Arizona, Seattle oder Buffalo erzielt wurden. Auf der anderen Seite haben die Chargers auch die schlechteste Rush-Offense nach vier Wochen (25% Erfolgsquote), und sie leben von einer nicht zu haltenden INT-Quote von 0.7% für Philip Rivers.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 5

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 5

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 5

Wenige Überraschungen in den Wahrscheinlichkeiten für Woche 5. New England ist mit +10.5 Punkten gefühlt ein guter Tipp gegen den Spread – eine Pats-Heimpleite mit so vielen Punkten möchte ich erst sehen bevor ich es glaube, und sei es gegen die Cincinnati Bengals, das beste Team nach vier Spieltagen, das auch noch von einer Bye-Week kommt.

Im „RG3-Spiel“ ohne RG3 ist Seattle „nur“ mit 3 Punkten auswärts gegen Washington Favorit. Das scheint auf den ersten Blick wenig, doch Washington lebt in den Rankings von den sehr guten Pass-Stats der ersten Wochen.

Im texanischen Derby ist Houston für mich etwas überraschend in Dallas favorisiert, aber 56% lassen auf ein eher enges Spiel schließen. Vermeintlich krass sieht die Favoritenstellung der Giants gegen die unberechenbaren Atlanta Falcons aus – auch hier haben wir ein Vorgänger-Match aus den Playoffs (2011/12, als der spätere Superbowl-Champ New York auch als gefühlt weniger klarer Favorit ins Spiel ging und Atlanta mit 24-2 abfiedelte).

Advertisements

7 Kommentare zu “Rückkehr des Power-Rankings | Erstausgabe 2014

  1. Großartig. Vor allem die neuen Grafiken sind toll.

    Da wir ja wissen, dass die Starting Field Position keinen Einzug ins Power Ranking hat, fände ich es trotzdem schön, wenn du die jeweiligen Ränge trotzdem irgendwie integrierst, da sie ja immerhin ganz gut mit Erfolg/Misserfolg korrelieren, oder? Nur so als Extra-Spalte.

  2. Die Vikings haben eine pyth.Erwartungg von 8.8 Siegen und sind an Nr. 28 gereiht….wie gibts das?

  3. Mal ne Verständnisfrage: Miamis gute Defensiv-Effizienzwerte werden durch den Augentest ja leider eh nicht bestätigt. Was mir allerdings etwas Kopfzerbrechen bereitet hat, ist die Tatsache, dass sie diese Werte gegen den angeblich dritt-härtesten Offensiv-SoS der Liga geholt haben sollen. Die Gegner New England, Buffalo, KC und Oakland befinden sich im Offensiv-Ranking alle zwischen 27 und 32.

    Wo ist mein Denkfehler?

  4. @Poohdini: Drive-Stats lassen sich gewiss integrieren, vielleicht als eigene Tabelle.

    @Punisha: Pythagoreische Erwartung ist nicht nach Strength-of-Schedule adjustiert. Das Power-Ranking schon – und da wird Minnesota von „Granden“ wie STL, NE oder ATL weit nach unten gezogen; selbst NO als Paradegegner ist aktuell nur an #19 gereiht.

    @Gamecock: Kein Denkfehler, sondern ein Linkfehler (in meinem Hirn). Die SOS-Spalte in der Defense-Tabelle war die SOS der jeweiligen Defenses, nicht Offenses. Jetzt sind die Offenses drin, und hier ist Miami völlig unüberraschend gegen den schwächsten Offense-Schedule angetreten.

    Generell ist zu sagen, dass sich das Gewicht der schwersten und schwächsten Schedule in den nächsten Wochen etwas ausbalancieren wird. Wie gesagt: Wenige Wochen Saison = wenige Datenpunkt = noch immer keine stabilen Rankings.

  5. OK. Das schmerzt einen als Dolphins-Anhänger jetzt zwar etwas, überrascht aber nicht wirklich… 😉 Zusätzlich dürften die Effizienzwerte der Bills und wohl definitiv der Chiefs durch die Auftritte gegen Miami nochmal zusätzlichen Push erfahren haben.

    Was mich etwas erstaunt ist das recht niedrige Offensiv-Rating der Chiefs (zumindest nach meinem Aufen-Test). Ich habe die Spiele gegen die Dolphins/ Patriots und Broncos gesehen und mir hat eigentlich gefallen, was ich da sah (also aus Dolphins-Sicht natürlich nicht). Das tiefe Element beim Passspiel fehlt zwar weitesgehend, aber ich fand es recht ansehnlich…

  6. Erschreckend wie Def-schwach die NFc South ist.. ATL geschenkt – aber TB? was ist denn da passiert?
    und bei NO hatte ich ob der Zugänge in Secondary mit oberes Drittel gerechnet.
    gut, nach vier Spielen ist ja noch einiges an Veränderung zu erwarten..

  7. Pingback: Wiedersehen mit einem alten Freund | Erstausgabe des NFL Power Rankings 2015 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s