Samstagsvorschauer, Woche 7 | College-Football 2014/15

College-Football ist seit der Chaos-Week vor sieben Tagen in aller Munde: Gleich fünf Top-10 Teams fielen innerhalb weniger Stunden einer Orgie an Upsets zum Opfer, die man seit mindestens sieben Jahren so nicht mehr gesehen hat: Oregon, Oklahoma, Alabama, UCLA und Texas A&M kassierten überraschende Pleiten gegen niedriger gerankte Teams und sind von nun an im Must-Win Modus, wollen sie nicht frühzeitig die Playoff-Chancen den Bach runter fließen lassen.

Jetzt also Woche 7 – leider mit einem schlechten Programm bei SPORT1 US. Aber davon wollen wir uns die Laune nicht verhageln lassen.

#11 Oklahoma Sooners – Texas Longhorns

18h, live SPORT1 US

Jedes Jahr wieder eine der verbliebenen wirklichen großen, historischen Rivalitäten im College-Football ist das Begleitprogramm zur „State Fair“ in Dallas, die Red River Rivalry zwischen Oklahoma und Texas aus der altehrwürdigen Cotton Bowl in Dallas, mit einer Hälfte des Stadions in weinrot gefärbt, der anderen in rotbraun.

Texas und Oklahoma sind nicht bloß Nachbarstaaten, sondern ewige Konkurrenten. Das ländliche Oklahoma mit seinen hinterwäldlerischen Holzfällern gegen den selbstbewussten texanischen Cowboy, der auf alles und jeden herunterschaut. Zufällig sind die University of Texas und die University of Oklahoma dann auch noch die beiden „Flagship“-Footballteams der Rednecks im ruralen mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Die beiden Mannschaften sind herzhaft miteinander verfeindet, schon zu Zeiten, als sie noch nicht gemeinsam in derselben Conference spielten. Ein Kennzeichen ist, dass Oklahoma viele texanische Talente im Kader hält, weil der eigene Staat zu wenig an Nachwuchs hergibt. Das führt natürlich auch dazu, dass viele Highschool-Schulkollegen in diesem Duell plötzlich gegeneinander aufmarschieren.

Dallas liegt ziemlich genau auf halbem Weg zwischen Austin/TX (Heimat von UT) und Norman/OK (Heimat von OU). Den Namen hat die Rivalry vom Red River, der die natürliche Grenze zwischen Texas und Oklahoma bildet. Die Rivalry ist immer wichtig, auch wenn es nicht für beide sportlich um was geht; die Cotton Bowl zur einen Hälfte in dunkelorange, zur anderen in weinrot gefärbt, gibt dabei immer eine gewaltige Kulisse ab. Etwas detaillierter habe ich über die Rivalität schon vor drei Jahren geschrieben: Könige der Heartlands.

Die Oklahoma Sooners kommen von einer knappen Niederlage bei TCU und sind heute schon in Zugzwang, wollen sie nicht frühzeitig ihre Chancen auf die Playoff-Qualifikation flöten gehen sehen. Man hat weiterhin eine der besten Defenses und eine sehr gute Offense um QB Trevor Knight, der letzte Woche etwas eingebremst wurde. Im Laufspiel haben RB Keith Ford und sein Backup Samarje Perine sensationelle Stats, und der WR Sterling Shepard ist nicht bloß Draft-Freaks bereits ein gängiger Name.

Texas ist vor allem deswegen immer einen Blick wert, weil dort seit der Inthronisierung von Head Coach Charlie Strong neue Sitten herrschen. Strong schaffte sämtliche Privilegien für seine Star-Spieler ab und schmeißt seit Wochen einen Stammspieler nach dem anderen aus dem Kader, benimmt er sich daneben. Keine Ein-Spiele Suspendierungen, sondern richtige Rauswürfe for ever. Auf dem Feld offenbart sich das in Schwierigkeiten. Das Laufspiel der Longhorns ist eher unterirdisch, und seit dem Karriereende von QB Ash hat man noch keine Alternative gefunden.

Oklahoma ist großer Favorit. Oklahoma gewann auch in den letzten Jahren regelmäßig mit teilweise gewaltigen Kantersiegen gegen Texas, aber ausgerechnet letztes Jahr verlor man gegen eine vor Motivation überquillende Texas-Mannschaft – auch damals als haushoher Favorit.

Syracuse Orangemen – #1 Florida State Seminoles (18h, live ESPN-Player)
#23 Missouri Tigers – #13 Georgia Bulldogs
(18h, live ESPN-Player)

Florida State gilt als weiterhin nicht überzeugend, wurde aber letzte Woche immerhin nicht in den Strudel an Upsets mit hinein gezogen, sondern gewann trotz einer schwachen ersten Halbzeit klar gegen Wake Forest. Gegen Syracuse kann man die Partie auch sehen als letzten Test, bevor nächsten Woche die Notre Dame Fighting Irish nach Tallahassee kommen – nicht bloß, um gute alte Zeiten wiederaufleben zu lassen, sondern möglicherweise auch, um den großen Favoriten des Jahres zu stürzen.

Bei den Seminoles fällt auf, dass sie heuer Probleme haben, gleichbleibende Stammformationen aufzustellen: Letztes Jahr blieb man von Verletzungen verschont, aber heuer hat man a) viele Draft-Prospects verloren, b) mehr mit Verletzungen zu kämpfen und c) in Jameis Winston schon den QB für ein Spiel suspendiert. Sofern sich das Pech der ersten Wochen ausgleicht, ist nicht auszuschließen, dass der Juggernaut zurückkehrt.

Bei Missouri vs Georgia könnte man über die Implikationen auf den Divisionssieg in der SEC-East Division schreiben, aber dann schneit just gestern die Meldung rein, dass Georgias Heisman-verdächtiger RB Todd Gurley per sofort vom Team suspendiert wurde. Grund soll eine Verletzung von NCAA-Regeln sein. Damit geht der Partie der aufregendste Spieler verloren.


#3 Mississippi State Bulldogs – #2 Auburn Tigers

21h30

Mississippi State ist im Konzert der College-Football Granden seit jeher ein eher kleiner Fisch, trotz der Zugehörigkeit zur SEC und trotz eines 60.000er-Stadions. So gilt das heutige Spiel gegen #2 Auburn unter Anhängern als wichtigstes Spiel der College-Geschichte – so geht es, wenn die Mannschaft recht unerwartet von null auf #3 in den Rankings hoch hüpft.

Die Jungs von Dan Mullen kommen von einem überzeugenden Sieg über Texas A&M, bei dem nicht nur die Defense überzeugen konnte, sondern vor allem die Offense hymnisch besungen wurde. QB Zak Prescott, ein laufstarker Bulle von QB, hat sich mit einer furchtlosen Vorstellung schon in den Kreis der Heisman-Anwärter gespielt, aber heute könnte das ein massiver Test werden: Auburn ist nach allen Metriken das vielleicht beste Team der bisherigen Saison, hat neben der unbändigen Offense auch eine solide, rundum starke Defense, die sich vor allem in der RedZone kaum mehr überlaufen lässt.

Es ist eigentlich alles angerichtet, dass es ein großes Spiel wird. Es wird die Mutter aller Spiele zum Wegschalten, Mississippi State vs Auburn von 2008, nicht vergessen machen können, aber es wird das Image zweier Mannschaften für diese Saison prägen. Und der Sieger könnte am Montag als #1 in die neue Woche gehen.

#5 Baylor Bears – #9 TCU Horned Frogs

21h30, live ESPN-Player (5h Tape bei SPORT1 US)

Die TCU Horned Frogs sind nach dem spektakulären Heimsieg über die Oklahoma Sooners letzte Woche eine ganz heiße Ware geworden. Als jemand, der TCU als Favoriten in der Big-12 in die Saison hat gehen sehen, kam die starke Vorstellung gegen Oklahoma für mich weniger überraschend als für die großen US-Medien, aber man sollte aufpassen, die Frogs jetzt in den Himmel zu schreiben: Die heutige Partie ist vielleicht das Spiel des Jahres in der Big-12, und Gary Patterson und seine Jungs müssen auswärts gegen das vielleicht kompletteste Team der Conference antreten.

Baylor ist dieses Jahr mehr als die krasse Spread-Offense; Baylor hat auch eine entsprechende Defense, die viele Bemühungen im Ansatz abzuwürgen imstande ist. Bei TCU ist die Defense nie ein Problem – sie hat Baylor schon in den letzten Jahren häufig geärgert. Ein Beispiel ist das direkte Duell aus dem letzten Jahr: Baylor gewann und scorte 41 Punkte, aber viele der Touchdowns kamen nur durch eine Orgie an TCU-Turnovers zustande. Baylor blieb auf fast der Hälfte seines regulären Yards-Outputs. Vielmehr ist die Frage, ob die zuletzt so hoch gelobte Offense um den wuseligen QB Trevor Boykin ihren Level halten kann.

Für TCU wäre ein Sieg ein gewaltiger Meilenstein auf dem Weg zum Conference-Titel. Für Baylor ist das Spiel aber fast noch wichtiger, denn eine Heimpleite würde schon bedeuten, dass TCU den Tie-Breaker über Oklahoma und Baylor halten würde.

#6 Notre Dame Fighting Irish – UNC Tar Heels (21h30)
#18 UCLA Bruins – #12 Oregon Ducks (21h30)
Purdue Boilermakers – #8 Michigan State Spartans
(21h30, live ESPN-Player)

UCLA gegen Oregon hätte eines der Schlüsselspiele des Jahres warden sollen, die beiden Pac-12 Favoriten gegeneinander, Draft-QB Brett Hundley gegen Draft-QB Marcus Mariota. Geworden ist es nach den überraschenden Niederlagen dieser beiden vermeintlichen Pac-12 Favoriten eine Partie der letzten Chance im nationalen Meisterschaftsrennen. Beide Teams haben problematische Offensive Lines, die viel zu viele Sacks zulassen (allein Hundley kassierte letzte Woche 10 Stück!). Beide quälen sich mit Verletzungssorgen quer durch den Angriff. Aus Fansicht ist es fast eine Schande, diese beiden potenziellen Superstars so versauern zu sehen. Da ist es leider beruhigend, dass man sie heute ohne LKW sowieso nicht sehen kann.

Notre Dame ist weniger eine begeisternde Geschichte, klettert aber dank eines funktionierenden QB Everett Golson recht unauffällig nach oben ohne jemanden vom Hocker zu reißen. Der ernsthafte Test kommt eh erst nächste Woche, wenn man nach Tallahassee zu FSU fahren muss.


Arkansas Razorbacks – #7 Alabama Crimson Tide

0h00, live ESPN-Player (Tape 07h30 bei SPORT1 US)

Wichtiges Divisionsspiel für Alabama, das sich hier und heute keinen Ausrutscher mehr erlauben darf, will man im Rennen um die Playoffs nicht schon gewaltig in Bedrängnis geraten bzw. das Heft des Handelns aus der Hand geben. Alabama trifft auf die Arkansas Razorbacks, die – Aufgepasst! – in diesem Jahr nicht mehr der Totalschaden der letzten zwei Jahre sind (trotz schwacher Defense).

Bret Bielema, vor eineinhalb Jahren von Wisconsin gekommen, hat den zuletzt so passfreudigen Hogs seinen markanten Stil aufoktroyiert: Geworfen wird nur noch zur launigen Abwechslung zwischendrin, dafür versucht man, den Gegner im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden zurückzuholen. Gefühlte 90% Lauf-Quote, und selten werden mehr als 4-5 Sekunden auf der Play-Clock gelassen. Mit diesem Stil hätte man fast schon die Texas A&M Aggies geerdet – *fast* ist dabei durchaus ein Kompliment für Bielema, der mehr aus dem Talent herausholt als das in den letzten Jahren der Fall war.

Michigan Wolverines – Penn State Nittany Lions (1h, ESPN-Player)
Florida Gators – Louisiana State Tigers (1h30, live ESPN-Player)
#14 Texas A&M Aggies – #3 Ole Miss Rebels
(3h, live ESPN-Player / 10h Tape S1 US)

Ole Miss gilt seit dem spektakulären Sieg über Alabama inklusive Sturm des Spielfelds als beste Defense der SEC. Diesen Ruf kann man heute bei einer der besten Offenses der SEC bestätigen – Texas A&M. Die Rebels kommen mit dieser Aufgabe eine Woche nach dem Lokalrivalen Mississippi State, der diese Aufgabe mit wehenden Fahnen absolvierte. Ole Miss hat allerdings weniger Firepower im Angriff im Vergleich zu Miss State.

#10 Arizona Wildcats – USC Trojans

(4h30, live ESPN-Player)

Arizona… alle reiben sich wegen Arizona die Hände. Oregon platt gemacht. Alle schreiben, traue nicht Arizona. Letztes Jahr wurde nach dem Sieg über Oregon haushoch verloren. Diesmal wartet USC – ein großes Programm. Ein Programm, dem man den Ergebnissen der letzten Jahre auch nicht mehr trauen will. Damit sind die Storylines für jedes Ergebnis geschrieben, das dieses Spiel fabriziert.

Advertisements

5 Kommentare zu “Samstagsvorschauer, Woche 7 | College-Football 2014/15

  1. Missisipi führt 21 zu 0 gegen Auburn.
    Nick Marshall mit 1/4 für 7 und eine Interception…

  2. Danke zu deinen Vorschauen. Der Hammer was die drei erstgenannte Spiele hergaben. Das Sahnehäubchen war dann TCU vs. Baylor bis zur Schlussekunde. Tolle Unterhaltung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s