Sonntagsvorschauer, Week 6 | NFL 2014/15

Football!

Der sechste Sonntag liegt vor uns und er ist ziemlich voll. Nur die New Orleans Saints und die Kansas City Chiefs haben frei, alle anderen müssen ran. Es könnten sich jetzt so langsam mal einige Dinge sortieren, bis jetzt sind die meisten Divisions noch sehr eng. Gleichzeitig werden wohl mindestens vier Rookie-QBs spielen: Neben den 1st-rd pick Bortles und Bridgewater auch die Herren Carr, Mettenberger und Thomas.

Rookie-Quarterbacks Alert!

Nach dem Sieg der Colts über die Texans zum Beispiel hat sich die AFC South in etwa so sortiert, wie die meisten pundits es erwartet haben: Indy (4-2) mit der Führung, Houston (3-3) mit einer kleinen Chance, die Überraschung zu schaffen; die anderen beiden Teams sind Schrott. Jacksonville (0-5) und Tennessee (1-4) werden keine Rolle im Playoffrennen spielen, wobei zumindest die Titans manchmal, ganz kurz, ein klein wenig Potential angedeutet haben.

In korsakoffs Power Ranking sind sie auch im Mittelfeld zu finden und nicht im dreckigen Unterholz wie die Jaguars. Mal kurz reinzappen könnte man, wenn tatsächlich Rookie-QB Zach Mettenberger für Tennessee startet. Mettenberger ist ein Typ direkt aus Ken Whisenhunts Träumen: 2,00m-Bulle mit angeschraubtem Raketenwerfer. Neben Jake Locker nun auch noch verletzt ist LT Michael Roos (Knie-OP, IR), für ihn wird wohl 1st-rd pick Taylor Lewan spielen, der die ihm zugeschriebene Rolle als unsypmathisches Ekel angeblich schon sehr gut spielt. Mit einem Sieg hier kann man sich in Nashville weiterhin einreden, daß der Playoffzug noch nicht abgefahren ist.

19.00Uhr

Jaguars @ Titans
Ravens @ Buccaneers
Panthers @ Bengals
Steelers @ Browns
Broncos @ Jets
Lions @ Vikings
Packers @ Dolphins
Patriots @ Bills

Einen weiteren Rookie-QB wird es wahrscheinlich in Arizona zu sehen geben. Carson Palmer laboriert weiterhin an einer ominösen Nervenverletzung in der Schulter und konsultiert munter verschiedenste Experten, während back-up Drew Stanton von einer gewöhnlichen Gehirnerschütterung an der Seitenlinie gehalten wird. So muß anscheinend Logan Thomas ran, der in vierten Runde gedraftet wurde, und ebenso wie 6th-rd pick Mettenberger mit seinem Raketenarm überzeugt.

Beim Spiel seiner Arizona Cardinals (3-1) gegen Washington (1-4) könnte es durch die beteiligten Coordinators besonders unterhaltsam werden. Thomas‘ Chef Bruce Arians läßt seine großarmigen QBs am liebsten den Ball tief werfen; Washingtons DC Jim Haslett blitzt am liebsten bis die Heide wackelt. So könnten wir hier viele lange Pässe zu Fitzgerald, Michael Floyd and John Brown geben – und ebenso Thomas im Kopfloses-Huhn-Modus mit Fumbles und Interceptions gegen den Blitz. (Letzte Woche als Notnagel nach Stantons Verletzung produzierte Thomas die einzigartige statline: 1/8, 81yds, TD.)

In Minnesota haben wir auch einen Rookie-QB, Teddy Bridgewater. Touchdown Teddy hat in seinen beiden Spielen gegen New Oreans und Atlanta überzeugt, ich habe selten einen Rookie-QB gesehen, der so sicher und „comfortable“ in seinen ersten Spielen aussah. Seine Minnesota Vikings (2-3) empfangen die Detroit Lions (3-2), die aus irgendeinem Grund eine der ligaweit besten Verteidigungsreihen haben. Vor allem Ndamukong Suh und Nick Fairley rocken die Show, während sich LB DeAndre Levy wie selbstverständlich auf Pro-Bowl-Niveau bewegt. Spannend wird es hier, wenn der angeschlagene Calvin Johnson nicht spielen kann.

AFC East & AFC West um 19.00Uhr

Rookie-QBs haben wir außerdem bei den Spielen Cleveland (2-2) gegen Pittsburgh (3-2) und New England (3-2) gegen Buffalo (3-2). Haha, nee Quatsch, natürlich nicht. Weil Brian Hoyer seine Sache ganz gut gemacht, kann Johnny Clipboard in Ruhe ein paar Drinks an der Seitenlinie nehmen und in New England weiß nach der Dampfwalzenvorstellung letzte Woche gegen Cincinnati schon gar niemand mehr, wie Garoppolo buchstabiert wird.

Trotzdem sollte man nicht vergessen, daß Tom Brady nicht mehr der Alte ist. Und zwar nicht erst seit gestern. Was er aber immer noch draufhat wie nur wenige andere ist die hurry-up offense. Das Erfolgsrezept für die Patriots ist jetzt klar: das Laufspiel muß rollen (letzte Woche 220 yards); die neuen Waffen Tim Wright und Brandon LaFell müssen eingebunden werden, der Gronk muß durchspielen und die Offensive Tackles Solder und Vollmer müssen Brady so schützen wie in den letzten zwei, drei Jahren. Gegen die Bills wird es trotzdem ein hartes Stück arbeitet. Mit Kyle Williams und Marcel Dareus hat Jim Schwartz‘ Defense das Potential, den Lauf abzuwürgen – und dann kommt es wieder ganz auf Brady an.

[korsakoffs Power Ranking nach Woche 5]

Es ist aber in Boston Jammern auf hohem Niveau. Was echte QB-Probleme sind, zeigen die Erzfeinde der Jets. Geno Smith wurde letzten Sonntag während der Halbzeit ausgewechselt gegen einen noch schlechteren Michael Vick. Dieser hat danach allen Ernstes behauptet, er hätte sich gar nicht vorbereitet auf das Spiel. Damit wird diesen Sonntag wieder Smith die Interceptions werfen dürfen. Da die New York Jets (1-4) gegen Peyton Mannings Denver Broncos (3-1) spielen, macht das aber auch keinen Unterschied mehr.

Das vierte AFC-East-Team, die Miami Dolphins (2-2), empfängt die so langsam heißlaufende Maschine der Green Bay Packers (3-2). Nachdem sich alle mal so richtig R-E-L-A-X-ed haben, läuft Aaron Rodgers‘ Offense wieder wie am Schnürchen. Die Dolphins sind so ein Team, daß ich nicht mal ansatzweise irgendwie einordnen kann. Zum Saisonauftakt schlugen sie die Pats, letzte Woche haben sie in Oakland den Trainerrauswurf erzwungen – und dazwischen sahen sie gegen Buffalo und Kansas City erschreckend matt aus.

Der neue Head Coach in Oakland (0-4) ist jetzt übrigens Tony Sparano, vormals Chef in Miami. Als erste Amsthandlung hat er einen Football begraben oder so. Damit soll offensichtlich symbolisiert werden, daß die schlechten Zeit jetzt ganz doll vorbei sind und ab jetzt geht es ganz neu los und voller Elan und neuer Motivation und – ach verdammt: jetzt kommt Philip Rivers. Rivers wurde von den Damen und Herren pundits hinter den Macbooks und vor den Kameras einstimmig zum MVP des ersten Saisondrittels gewählt. Für die San Diego Chargers (4-1) sollte das hier nur das Warmlaufen sein, bevor sie in den nächsten elf Tagen erst gegen Kansas City und dann zum Thursday Night Football in Denver richtige AFC-West-Showdowns haben. (Wird Derek Carr rechtzeitig fitgespritzt, haben wir hier den fünften Rookie-QB.)

22.25Uhr: Dallas Cowboys @ Seattle Seahawks

Der späte Sonntag gehört dem Freudenhaus NFC East. Returns, upsets, Sensationen: immer hereinspaziert! Zum einen hätten wir um 22.25Uhr das bereits angesprochene Blitz-den-Rookie in Arizona. Gleichzeitig empfangen die Seattle Seahawks (3-1) die Dallas Cowboys (4-1). Für mich hat das Spiel noch mehr sex appeal als das Super Bowl rematch vor zwei Wochen.

22.05Uhr/22.25Uhr

Bears @ Falcons
Chargers @ Raiders
Cowboys @ Seahawks
Redskins @ Cardinals

Niemand läuft so oft wie die Cowboys – und auch kaum jemand so gut. Dallas hat sich in den letzten drei Jahren eine erstklassige Offensive Line zusammengedraftet, dahinter läuft DeMarco Murray so, wie er zuletzt in den highlight videos seiner Collegezeit gerannt ist. Das ist wunderschön anzusehen wie die jungen Typen um LT Smith, LG Leary, C Frederick und RG Martin die gegnerische Front-7 ein ums andere Mal rumschiebt wie Kegel, die Murray dann explosiv umkurvt. Und auch die Tight Ends Jason Witten und Gavin Escobar machen mit beim fröhlichen Verteidigerumherschieben.

Dazu kommt ein ganz starker Paßangriff um den immer noch unterschätzen Tony Romo und seine WRs Dez Bryant, Terrance Williams, Colt Beasley und Dwayne Harris – und natürlich auch hier Witten. Hier wird Seattles Verteidigung alle Hände voll zu haben, vor allem, wenn Bryant hauptsächlich links spielen wird und Richard Sherman auf der anderen Seite bleibt.

Auf der anderen Seite ist das jetzt ganz klar Russel Wilsons Offense. Nicht mehr das Laufspiel ist hier das Zentrum, sondern der junge QB, der sich konstant weiterentwickelt und nun alle Zügel in der Hand hält. Mit den ungemein athletischen LBs Bruce Carter und Rolando McClain hat Dallas zwei Typen, die zumindest Wilsons Läufe eindämmen könnten; sie müssen aber auch wirklich jeden Tackle machen und dürfen Wilson keine einfachen 1st Downs erlauben, wenn die Cowboys hier eine Chance haben wollen.

Wenn Dallas im CenturyLink Field drei Touchdowns machen kann, bleibt es spannend bis zum Schluß. Dieses Spiel ist auf jeden Fall das highlight dieses Sonntags.

SNF New York Giants @ Philadelphia Eagles

Zum prime time game mit Al Michael und Cris Colinsworth treten schließlich die New York Giants (3-2) bei den Philadelphia Eagles (4-1) an. Und ist Big Blue der Favorit.

Die vielen Punkte und die vier Siege verdecken die Schwächen der Eagles. Und die Schwächen liegen vor allem im Angriff. Chip Kellys Offense hat in den letzten 22 drives nur zwei Touchdowns gemacht. QB Nick Foles versemmelt tiefen Paß um tiefen Paß. In den letzten zwei Wochen verschenkte Philly sieben Turnovers. Und dann stottert auch noch das Laufspiel. Und trotzdem haben sie vier der ersten fünf Spiele gewonnen.

Wie sie das machen? Mit Return-Touchdowns. Die Eagles haben sieben Returns zu Touchdowns zurückgetragen. Alle möglichen Returns: Fumbles, Interceptions, Kickoffs, geblockte Field Goals, alles dabei. Nur ist das natürlich nicht durchzuhalten und muß die Offense wieder klicken. Besonders schlecht zur Zeit: der tiefe Paß. Foles schleudert die tiefen Bälle regelmäßig in die Rabatten. Er hat völlig seinen drive verloren und müßte den jetzt dringend irgendwie wiederfinden.

Die verletzungsgeplagte Offensive Line ist dabei keine Hilfe, auch nicht, daß das Laufspiel alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der Maestro Kelly ist gefragt, den Laden wieder zum Laufen zu kriegen.

Mit dem Paßspiel wird das heute wahrscheinlich nichts. Die Giants haben eine erstaunlich kompetente secondary. CB Prince Amukamara genießt durch seine kürzliche Eheschließungen nun Freuden, die er anscheinend als Unverheirateter vorher nicht genoß, und spielt laut Aussage seiner Teamkollege deswegen so gut. Auf der anderen Seite bestätigt Dominique Rodgers-Cromartie seine starken Leistung der letzten Saison in Denver. Dazwischen räumt das Safety-Trio Antrel Rolle, Stevie Brown und Quintin Demps konsequent auf. Vorne spielen vor allem Jason-Pierre Paul und DT Jonathan Hankins eine ganz starke Rolle gegen den Lauf. Die Eagles sind hier der underdog und brauchen einen gameplan, der die individuellen Schwächen überdeckt und New Yorks Defense Probleme präsentiert, die sie so noch nicht gesehen haben.

Irgendwoher müssen die Punkte kommen, denn Eli Mannings Angriff wird einiges vorlegen. Die Offense des neuen OC Bob McAdoo klickt immer mehr – Phillys Defense immer weniger. In den letzten drei Wochen gab man gegen sie suspekte Konkurrenz aus St. Louis, San Francisco und Washington 1500 Yards ab. Big plays sind gefragt, Special Teams, Turnovers, Foles? Von wo auch immer; soll es spannend bleiben, braucht es wow-plays. Oder eben wieder return touchdowns.

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9 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer, Week 6 | NFL 2014/15

  1. Lese die -Herrmann- Vorschau und die Nach-betrachtung nach wie vor mit „Genuss“, dank auch dem gewissen Flair der subjektiven Ansicht mit lesenswerten Link hinweisen.
    Es muss nicht jedes Wochenende einen „Kracher“ in den Begegnungen drin haben, oftmals bringen genau die „lahmen“ Begegnungen den gewissen Reiz des unvorhergesehenen.
    Bin gespannt wie sich die Steelers gegen die Browns schlagen.
    Alles andere wie einen Sieg der Giants gegen die Eagles würde mich überraschen, denn QB Foles schwächen werden heute rigoros abgestraft, zumal die Secondary der Eagles auf lange Pässe alles andere wie Sattelfest aussieht.

  2. Werde wohl zwischen dem Lackmustest für die Offense der Packers gegen Miami und dem Lions/Vikings Spiel hin-und herzappen.

  3. Pingback: Sonntag #6 live | NFL 2014/15 | Sideline Reporter

  4. Ich denke auch, dass das Packers-Spiel gegen ein ultraeffiziente Miami-Defense sehr interessant werden kann.

    Und bei Bills-Patriots geht es um Platz 1 in der Division.

  5. „Es könnten sich jetzt so langsam mal einige Dinge sortieren, bis jetzt sind die meisten Divisions noch sehr eng.“

    Was bleibt nach dieser 6.Runde? Sortiert wurde nicht wirklich. Es wird weiterhin eng bleiben was uns als Zuseher nur recht sein kann.
    Cleveland setzt sich endlich durch.
    Ravens bleiben dran
    NFC Nord bleibt ne enge Kiste
    NFC South ist eine Wundertüte
    AFC East fehlt die Klasse
    Raiders und Jaguars werden nicht belohnt
    Cowboys sind auferstanden

  6. Wurde selten so Vorgeführt in meiner Aussage beim SNG.
    Eagles dominieren zur Halbzeit so krass gegen die Giants, dass einem Angst und Bange wird um Elli Manning der 5 mal gesackt wurde.
    Von 5 Drives führten 4 zu Punkten. Giants kamen kaum bis zur Mittelinie.

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