NFL Power Ranking 2014 | Week 7

Nach der zweiten Niederlage in Folge ist der Nimbus der Seattle Seahawks als Amerikas unschlagbares Team endgültig entschwunden. Seattle krebst nach sieben Spieltagen mit 3-3 Bilanz im Mittelfeld der NFC West durch die Liga, auf der Suche nach der Dominanz vergangener Tage… oder so. Schauen wir mal genauer drauf.

Es brauchte eine der besten Karriereleistungen eines der besten Quarterbacks unserer Zeit (Philip Rivers) und atemberaubende Catches eines der besten Tight Ends aller Zeiten (Antonio Gates), es brauchte ein verwertetes 3rd-und-20 (Dallas), und es brauchte einen famosen Punt-Return plus einen noch famoseren Fake-Punt (St Louis Rams) um Seattle zu schlagen.

Seattle hat nach sieben Spieltagen den zweitschwersten Schedule nach den Metriken dieses Power-Rankings gesehen. Der durchschnittliche Seahawks-Gegner wäre das neuntbeste Team der Liga. Mit .59 Siegchance kann man konstatieren, dass Seattle nach sechs Auftritten das Äquivalent von sechs Auswärtsspielen gegen ein leicht überdurchschnittliches NFL-Team bestritten hat.

Seattle stellt – wie Bill Barnwell sehr ausführlich dokumentiert hat – nicht mehr die dominanteste Pass-Defense unserer Zeit, aber die Metriken dieses Power-Rankings sehen in den Seahawks noch immer die sechstbeste Abwehr, und eine, die den bislang schwierigsten Offense-Schedule gesehen hat: Denver, San Diego, Dallas, Green Bay – die Creme-de-la-Creme hat schon gegen Seattle gespielt. Schwieriger wird es nicht mehr werden.

Barnwell merkt auch richtigerweise an, dass die Orgie an Turnovers, die letztes Jahr fabriziert wurde, bislang ausbleibt. Seattle hatte 2013 sagenhafte 5.0% INT-Quote. Heuer ist es 1.0%, drittschlechtester Wert der Liga. Es war unwahrscheinlich, dass man in der sehr volatilen Statistik 5% würde halten können, aber es ist genauso unwahrscheinlich, dass man das verbleibende Jahr bei 1% hängen bleiben wird.

Kurzum: Die Seahawks sind und bleiben ein Titelanwärter. Sie sind diese Woche zwei Plätze in den Rankings gefallen, aber das bedeutet auch, dass sie immer noch an #5 gerankt bleiben. Spitzenreiter ist derweil ein neues Team, ein den Seahawks nicht unbekanntes…

NFL-Power Ranking 2014, Week 7

NFL-Power Ranking 2014, Week 7

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das (provisorische) Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 7.

One-Score Games sind diese Woche nicht aktualisiert.

Als Anmerkung sei dazugefügt, dass die Statistiken vom Monday-Night Game Pittsburgh vs Houston mit eingerechnet sind, aber der Record der beiden Teams fehlt. Das hat einen Grund: Ich kenne das Ergebnis noch nicht und möchte nicht gespoilert werden.

In der folgenden Gallerie gibt es die Offense-Rankings, Defense-Ranking, das Conference-Ranking, eine Statistik-Übersicht der wichtigsten Effizienz-Stats und die Drive-Stats nach Woche 7. Der Dashboard-Graph fehlt diese Woche.

Die Denver Broncos übernehmen mit Woche 7 die Führung im Power-Ranking – und jeder Pundit würde auch ohne Statistiken das gleiche tun: Denver auf #1. Nach der Implosion des bisherigen Leaders Cincinnati und einer eigenen, dominanten Vorstellung gegen ein bislang sehr gutes San Francisco ist Denver in Offense und Defense die neue Nummer 1.

Die Offense ist eh klar. QB Peyton Manning brach am Sonntag den ewigen Touchdown-Rekord von Brett Favre und wird ihn in den nächsten eineinhalb Jahren, die er gut noch spielen wird, nur noch weiter pulverisieren. Manning steht bei 510, und er könnte gut und gerne die 550 knacken. Sein Rekord wird etliche Jahre stehen: Manning war ein sehr effizienter QB als Jungspund, er war ein überragender in seiner Blütezeit, und er hat im Spätherbst seiner Karriere in 38 Einsätzen als Denver Bronco sensationelle 111 Pass-TDs geworfen. Zum Vergleich: Broncos-Legende John Elway hatte nach 98 (!) Einsätzen in Denver 120 TD.

Denver ist nach sechs Spielen bei 7.9 NY/A Passspiel, was Ligaspitze bedeutet. Selbst in der Rekord-Saison letztes Jahr geigte die Offense nicht so auf, und ich dachte mir schon im laufenden zweiten Viertel gegen die 49ers, dass das vielleicht das beste, erdrückendste Spiel der Broncos in der Manning-Zeit war.

Auch die Defense ist Liga-Spitze, u.a. dank 5.3 NY/A gegen den Pass. Die Einzelkönner um Von Miller (8 Sacks) und DeMarcus Ware (7 Sacks) sorgen für ausreichend Wirbel, dass man eine einigermaßen unbekannt besetzte zweite Reihe kaschieren kann zu einem Grad, dass mittelmäßige Offenses komplett neutralisiert werden, und sich auch bessere richtig schwer tun.


Die Miami Dolphins hatten wir schon vor ein paar Wochen unter der Lupe. Wir wissen um ihr Mantra als eines der überraschenden Teams der ersten Wochen. Neu aber sind die Indianapolis Colts, die in diesem Jahr zum ersten Mal ihrem Mythos als großes Team gerecht zu werden scheinen. Tatsächlich haben die Colts nach dem Kantersieg gegen ein desolates Cincinnati den Sprung auf das Treppchen geschafft.

Colts-Anhänger werden einwenden, ich habe es doch schon immer gesagt! In Reality ist Indianapolis in diesen Wochen mit 7.3 NY/A und einer erstaunlich guten Success-Rate im Laufspiel erstmals eine richtig gute, effiziente Offense, die nicht von schmarotzten knappen Siegen lebt. Das Power-Ranking sieht Indy als #2 der Offenses. Erstaunlich finde ich auch den Umstand, dass die Colts den zweitschwersten Schedule an Defenses gespielt haben sollen.

Auch ansonsten viel Bewegung in allen Regionen des Rankings an einem Spieltag, der viele scheinbar sichere Dinger durcheinandergewirbelt hat: Jacksonville mit dem ersten Sieg, schubst die zuvor so hoch gereihten Cleveland Browns mit einem einzigen Punch zehn Stufen runter. Cincinnati purzelt auf #7 und sah eher wie die #27 aus als eines der besseren Teams der Liga: Daltons Pass-Offense ohne jegliche Effektivität, aber auch die Abwehr bricht seit dem Spiel in New England ein, kassierte in den letzten drei Partien jeweils weit über 7 NY/A.

Detroit purzelte trotz des glücklichen Sieges über New Orleans wie auch San Francisco aus den Top-Ten, während Chiefs und Ravens zusammen mit den Colts Hallo! unter den besten Mannschaften sagen.

Auch am Ende der Rankings gibt es Interessantes: Die Atlanta Falcons, unter anderem von mir als potenzieller Sleeper gehandelt, grüßen von der vorletzten Position. Während die Defense von Atlanta u.a. dank über 8.3 NY/A gegen den Pass schon seit Wochen Ligaschlusslicht ist, brach nach dem zweiten schwachen Spiel en suite auch das Standing der Offense ein. Man ist nur noch die 25t-beste Offense der Liga.


Berichtenswert ist auch die grobe Einschätzung der allgemeinen Stärkenverteilung zwischen Conferences und Divisions. Nach mehreren Jahren als klar schwächer eingestufte Conference stellt die AFC nach sieben Spieltagen mittlerweile mit .532 die massiv besser eingestufte Liga.

Das würde man auch intuitiv so vermuten: In der NFC East sind praktisch nur noch Dallas und die suspekten Philadelphia Eagles im Rennen. In der NFC North läuft es auf einen Zweikampf Green Bay vs Detroit hinaus, und den Lions ist aufgrund der unbeständigen Offense nicht so recht zu trauen. Der Westen ist interessant mit den Seahawks weiterhin als Favoriten, aber einem potenziellen Spoiler in den Rams und den schwierig einzuschätzenden 49ers und Cardinals. Der Süden verdient Stand heute kein Playoff-Team.

In der AFC tummeln sich mit dem aktuell dominantesten Team aus Denver auch Miami, Indianapolis und das stets brandgefährliche New England, mit einer knackig besetzten AFC North und mehreren gut bis sehr guten „1B-Teams“ wie San Diego, Kansas City oder Buffalo, die alle entweder eine massive Stärke oder einen rundum auf gutem Level ausgeglichenen Kader besitzen. Ich bin gespannt, ob die AFC ihr Standing wird halten können, aber nach sieben Wochen sieht es nach einem Kräftewechsel in der NFL aus.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 8

Letzte Woche eine 9-5 Bilanz (Monday Night Game nicht eingerechnet) für das Power-Ranking, dessen Upset-Tipp Raiders > Cardinals nicht bestätigt sah. Auch die massiven Upsets von Rams und Jaguars waren von keinem einzigen statistischen Modell vorhergesehen worden. Insgesamt liegt das Modell nach den ersten Wochen bei 28-15 richtigen Tipps, oder 65%, also schon wieder im Soll.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 8

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 8

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2 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2014 | Week 7

  1. danke für die großartige Einschätzung. bei den Seahawks bestätigt deine Analyse mein Gefühl bei den Spielen. in der Defensive nicht wirklich schlecht, aber es fehlen halt die Big Plays, die man mittlerweile gewohnt war. nur dass die halt nicht automatisch kommen. so werden momentan zu viele lange drives zugelassen. und das halt gegen starke Gegner. der schedule wird insgesamt nicht viel einfacher, jetzt sollten aber gegen Panthers, Raiders und Giants 3 Siege her und danach mit noch 5 Partien in der Division alle Chancen, diese zu gewinnen. verloren ist noch nichts, schwierig wird es allemal

  2. Pingback: Regular Season 2014 (Week 8) – Seahawks @ Panthers | German Sea Hawkers

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