College Football 2014, Week 10 Preview: Die Kracher kommen, wenn es finster wird

Die Warnung sei für das Wochenende vorausgeschickt: Heute Nacht wird in den Vereinigten Staaten mit der Umstellung auf die Winterzeit nachgezogen. Die College-Spiele von heute werden noch um eine Stunde früher angepfiffen als gewohnt (also um 17h, 20h30 usw.), aber ab morgen gelten wieder die sechs Stunden Zeitdifferenz zwischen MEZ und US-Ostküste.

Dafür ist heute ein sehr guter Tag für College-Football, auch bei SPORT1 US, das die wichtigsten Spiele im Programm hat. Um 14h30 wird mit einer Aufzeichnung vom Donnerstagsspiel Louisville Cardinals#2 Florida State Seminoles begonnen. Es war ein Spiel, bei dem man nicht zur Pause ausschalten sollte.

Um 17h ist die Auswahl für eine Station wie SPORT1 US natürlich nicht so groß, es sei denn, du willst nochmal sehen, wie Pitt zuhause fünf Drive mit fünf verlorenen Fumbles beginnt – die ersten fünf Drives. So gibt es mit Rutgers – Wisconsin eine eher lauwarme Partie zur Einstimmung, und man ist aus Footballsicht nicht traurig, an Allerheiligen zu der Zeit noch im Friedhof zu frieren. Die Kracher kommen am Abend.

20h30 | West Virginia Mountaineers – TCU Horned Frogs

#20 West Virginia ist seit letzter Woche in aller Munde, seit man die Baylor Bears in einem beherzten Kampf stürzte und sich in Sachen Titelgewinn in der Big 12 Conference in Stellung brachte. Das hatte man nicht unbedingt so kommen sehen können: In den letzten zwei Jahren schrieben die Mountaineers durchwegs eher negative Schlagzeilen und man musste schon Angst haben, dass die Traumehe vom Pass-Genie Head Coach Dana Holgorsen mit den Pass-Freaks von WVU am Rande der Scheidung wandelte.

Holgorsen scheint in der Offseason mit der Verpflichtung von QB Clint Trickett, der sein Reservistendasein bei Florida State satt hatte, einen Glücksgriff getan zu haben, und der WR Kevin White spielt sich in diesen Wochen in den Draft-Ranking ganz weit nach oben. Heimlicher Champion bei den Mountaineers ist aber die Defense vom DefCoord Tony Gibson, die bislang die üblichen 50-Punkte Klatschen ganz gut vermeiden konnte und im feurigen Heimstadion durchaus zu beeindruckenden Leistungen fähig ist.

Bei den #7 TCU Horned Frogs ist der Werdegang genau umgekehrt: Auch sie kommen von zwei eher harzigen Jahren, aber sie leben dieses Jahr davon, dass ihre Offense die schon immer starke Defense besser ergänzt – zu einem Punkt, an dem man diskutiert, ob TCU mittlerweile nicht eher schon als Angriffsmaschine denn ein Defense-Bollwerk anzusehen ist: 37 Punkte gegen Oklahoma, 59 Punkte gegen Baylor, letzte Woche atemberaubende 82 Punkte gegen Texas Tech. Zweiundachtzig.

Es sprießen nur so die Analysen aus dem Boden, die uns erklären, wie Head Coach Gary Patterson die Horned Frogs zu einem Juggernaut transformiert hat: Horned and Dangerous vom üblicherweise exzellenten Matt Hinton bei Grantland sei nur eine von vielen möglichen Verweisen. Quintessenz aus allen Artikeln: Patterson hat nach der 4-8 Bilanz letzte Saison erkannt, dass es so nicht weitergeht, und er installierte mit Doug Meachem und Sonny Cumbie gleich zwei neue Co-OffCoords. Die beiden fokussierten ihre Arbeit auf QB Trevone Boykin, einen bislang nur halbgaren Athleten, der plötzlich rattenscharfe Bälle lang und breit übers Feld streut. Vor einem Jahr war Boykin gegen West Virginia noch ein Receiver, der 11 Catches gegen die Mountaineers machte…

Meachem und Cumbie sind übrigens beide ehemalige Arbeitskollegen von Dana Holgorsen. Heute können sie ihm aus nächster Nähe zeigen, dass sie was gelernt haben.

00h00 | Auburn Tigers – Ole Miss Rebels

Ohne zu Übertreibungen neigen zu wollen, aber #3 Auburn Tigers gegen #4 Ole Miss Rebels liest sich nicht nur wie ein Ausscheidungsspiel in der härtesten Division im College-Football, der SEC-West, sondern rein von der Qualität und Ansetzung wie das bisherige Spiel des Jahres. Beide haben schon eine Niederlage auf dem Konto, und eine zweite würde die Playoff-Hoffnungen ganz leise werden lassen (obwohl Auburn noch eine Restchance hätte). Beide gelten als sehr komplette Teams. Beide haben bewiesen, dass sie die ganz Großen im Würgegriff halten können.

Auburn spielt den Schedule des Jahres, mit der eigenen hammerharten Division, dem Cross-Division Rivalen Georgia als bestem Team der East-Division und einem Auswärtsspiel beim aktuellen Leader der zweitebesten Conference im Lande, den Kansas State Tigers. Auburn konnte dieses Jahr nicht immer voll überzeugen, aber vor allem die Offense ist eine permanente Bedrohung in Schwung zu kommen.

Auburns Offense hatte heuer nach vielen Profi-Abgängen immer mal wieder kleinere Wehwehchen und auch der lebenswichtige QB Nick Marshall war nicht immer beständig, aber wenn Gus Malzahn die Run-Plays ins Laufen kriegt, gibt es kein Halten.

Ole Miss stemmt dem die vermeintlich beste Defense der Saison entgegen, aber es ist eine Defense, die nach letzter Woche auf dem Prüfstand steht. Das liegt weniger daran, dass sie besonders enttäuscht hätte, sondern mehr an der Unzahl an Verletzungen, die man letzten Samstag überbrücken musste. Der wichtigste LB Denzel Nkemdiche ist nun out for season. Sein Bruder (?) DL Robert Nkemdiche, einst der #1-Highschooler im Recruiting, gilt als Passrush-Terror, musste aber am letzten Samstag mehrere Drives mit Zipperlein aussetzen und soll unter der Woche nicht trainiert haben. Für weitere künftige Profis wie FS Cody Prewitt gilt Ähnliches.

Ich deutete es schon gestern an: Auburn ist mit seinem Schedule selbst bei einer (knappen) Niederlage nicht komplett aus dem Playoffrennen abzuschreiben, hätte dann aber keine Fehlertoleranz mehr und müsste vermutlich die letzten Partien wie Georgia, Alabama und SEC-Finale dominieren.

Ole Miss ist mit einer Niederlage heute wohl draußen aus dem Playoff-Rennen. Mit einem Sieg aber sind die Rebels plötzlich der wahre Favorit der SEC-West auf einen Playoff-Platz – Alabama hat man schon geschlagen, Auburn hätte man geschlagen, und man würde am letzten Wochenende den Lokalrivalen Mississippi State im Egg-Bowl im eigenen Stadion empfangen.

Gerade weil hier für Auburn, noch mehr für den Verlauf der SEC-West, und noch mehr für Ole Miss, hier so viel auf dem Spiel steht, ist das eines der wichtigsten Spiele des Jahres. Ab Mitternacht, und wir können es im TV sehen.

Ab 3h gibt es noch Pac-12 Football mit UCLA Bruins – Arizona Wildcats. UCLA ist längst aus dem Playoffrennen, und kämpft hier nach bereits zwei Conference-Pleiten um den Erhalt der Restchancen zumindest für den Einzug in das Conference-Finale. QB Brett Hundley kann diese Saison schon einmal vorab testen, wie es später in der NFL so sein wird, wenn in jedem zweiten Play fünf Passrusher durch die Offensive Line sieben.

Morgen um 10h gibt es ein Tape bei SPORT1 US mit der #1 Mississippi State gegen das ungerankte Arkansas, wobei man „ungerankt“ etwas mit Vorsicht genießen sollte: Die Razorbacks sind unter dem voluminösen Headcoach Bret Bielema wieder auf dem Weg der Besserung. Bielema hat seinen laufintensiven Style mit nach Fayettville gebracht und scheint im zweiten Jahr immer besser in die Gänge zu kommen. Man schmiert zwar gegen die Granden wie Alabama noch deutlich ab, konnte aber gegen die SEC-Mittelklasse wie Texas A&M mehr als passabel mithalten.

Die Partien abseits von SPORT1 US

Um 20h30 findet in Jacksonville die World’s Largest Cocktail Party statt, das alljährliche Derby zwischen den #11 Georgia Bulldogs und den Florida Gators. Beide überlegen seit Jahren, den neutralen Ort Jacksonville aufzugeben um zugunsten eines zusätzlichen Heimspiels alle Jahre alternierend weitere Einkünfte zu generieren, aber man konnte sich bislang nicht durchringen, den Studentenscharen den Spaß am dreitägigen Sauftrip an die Atlantikküste zu nehmen.

Aus Florida-Sicht ist es Katastrophen-Watch: Overtime gegen Kentucky, Zufallssieg gegen Tennessee, Abschuss gegen ein ersatzgeschwächtes Mizzou, und das alles nachdem man im Winter schon ein Quasi-Ultimatum gegen den Headcoach Will Muschamp verhängt hatte – es deutet im Prinzip nichts darauf hin, dass Muschamp zum Saisonende noch zu halten sein wird. Nicht einmal ein Sieg über den größten SEC-Rivalen.


Um 0h30 empfangen die #5 Oregon Ducks die Stanford Cardinal – in den letzten Jahren war das das wichtigste Spiel der Pac-12 Conference. Heuer gilt die Pac-12 wider Erwarten als durchschnittlicher als gedacht, u.a. weil Stanford sich in einem Übergangsjahr befindet (schon drei Pleiten, wenn auch zwei mit nur drei Punkten gegen gerankte Teams) und sich weder im Norden noch im Süden ein neuer Konkurrenz für den Hausherren Oregon nach oben gearbeitet hat: Washington und USC sind noch nicht soweit, UCLA schwächelt mit katastrophaler Offensive Line, in Arizona wechseln sich Licht und Schatten bei beiden Top-Unis wie der Wind, Utah nimmt noch keiner so richtig ernst.

Bei Oregon ist man sich auch nicht mehr so sicher, aus welchem Material die Ducks geschnitzt sind. Head Coach Mark Helfrich hat nach eineinhalb Jahren am Ruder noch kein Profil entwickelt, an dem sich die Öffentlichkeit reiben könnte, unter #SuckfortheDuck Marcus Mariota gilt zwar als Topfavorit auf Heisman-Trophy und Top-Draftpick, aber bei aller spielerischen Klasse läuft er unter dem Radar, weil niemand von diesem hawaianischen Irrwisch auch nur einmal sein Gesicht gesehen hat.

Oregon ist trotzdem in einer exzellenten Ausgangslage für die Playoffs: Man muss „nur“ alle restlichen Spiele gewinnen und ist relativ sicher drin. Stanford als Angstgegner der letzten Jahre dürfte die höchste verbleibende Hürde stellen (nächste Woche noch @Utah).


Ab 1h #9 Kansas State gegen Oklahoma State aus der Big 12 Conference. K-State ist das einzige verbliebene Team noch ohne Niederlage in der Big 12. Oklahoma State sah kürzlich gegen TCU horrend gegen tiefe Pässe aus, könnte heute aber durchschlüpfen, weil K-State nie tief wirft.

Ab 5h MEZ unbeachtet von der bereits schlafenden amerikanischen Öffentlichkeit: #14 Arizona State#17 Utah. Utah ist eine Geschichte ähnlich wie TCU: Man war in der zweiten Hälfte der 2000er ein Mid-Major, der häufig die BCS spoilerte und die Großen immer wieder das Fürchten lehrte. Dann wechselte man auf dem Höhepunkt der Erfolge in eine BCS-Conference. In den ersten Jahren dort hatte man Probleme, den Anschluss zu finden, weil mittelgroße Programme eben nicht jedes Jahr Top-Teams auf das Feld schicken können. Weil in Utah aber seit 10-15 Jahren solide mit einer klaren Philosophie gearbeitet wird, und auch Head Coach Kyle Wittingham zu den Meistern seines Fachs gehört, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Utes sich in der Pac-12 wieder zumindest zu einem veritablen 1B-Klasse Team entwickelt haben würden. Jetzt ist man so nahe dran den Sprung zu schaffen wie seit fünf, sechs Jahren nicht mehr.

3 Kommentare zu “College Football 2014, Week 10 Preview: Die Kracher kommen, wenn es finster wird

  1. Pingback: College Football 2014/15, Week 10 Liveblog | Sideline Reporter

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