Sonntagsvorschauer, Woche 9 | NFL 2014/15

November-Football!

Die Dinge sortieren sich so langsam. In immer mehr Divisions kommt Ordnung rein und einige Züge sind auch schon abgefahren mit Halt „Top-10 Draft Pick 2015“. Der frühe slot am Sonntag präsentiert sich etwas lame, bevor es dann um zehn und in den beiden prime time games richtige Kracher gibt.

19.00Uhr – Red-zone material

Tampa Bay Buccaneers (1-6) @ Cleveland Brown (4-3)
Jacksonville Jaguars (1-7) @ Cincinnati Bengals (4-2-1)
Washington Redskins (3-5) @ Minnesota Vikings (3-5)
Philadelphia Eagles (5-2) @ Houston Texans (4-4)
New York Jets (1-7) @ Kansas City Chiefs (4-3)

Drei Spiele zum reinzappen beim red zone channel, um zu sehen, was die QBs so machen. Blake Bortles hat letzte Woche mit zwei pick sixes das Spiel fast im Alleingang für die Dolphins gewonnen. Die Cincinnati Bengals hatten nach ganz starkem 3-0-Start vier durchwachsene Wochen (1W, 2L, 1T), präsentierten sich aber beim Sieg letzte Woche gegen Baltimore wieder wie ein ganz sicherer Playoffkandidat; in korsakoffs power ranking findet man sie entsprechend auch auf dem dritten Platz.

Die Cleveland Browns sind bei korsakoff ebenfalls ein Top-10 Team, die Tampa Bay Buccaneers Letzter. Getragen wird Cleveland von der guten Paß-D, dem eigenen guten Laufspiel und der Turnover-Ratio. Seit der Verletzung von C Alex Mack (IR) vor zwei Wochen ist das Laufspiel allerdings eingebrochen; man hofft in Cleveland nun, daß Mack nicht so wichtig für die Linie war, wie immer alle gesagt haben. Tampa läßt sich regelmäßig die Hucke vollhauen: Unter 400 Yards und 40 Punkten macht man es selten, jetzt wurde auch noch S Mark Barron (7th overall pick 2012) verschachert (zu den Rams im Tausch für einen Satz Trainingshemden). Allerdings streut Tampa willkürlich überraschend gute Spiele mit ein: Sieg gegen PIT, NO und MIN in overtime gezwungen. Will die factory of sadness auch diese Saison ihrem Ruf gerecht werden, verlieren sie diese Spiel natürlich unglücklich und knapp.

[korsakoffs power ranking nach Woche 8]

In Minnesota derweil gibt es den aufregenden Rookie QB Teddy Bridgewater zu bestaunen als auch den ehemaligen „aufregenden Rookie QB“ Robert Griffin. Niemand weiß, wie gut oder schlecht RGIII aus dem Lazarett zurückkehrt, aber immerhin ist die Lauf-D der Vikings suspekt genug, um Washingtons Laufspiel die Hauptarbeit übernehmen zu lassen und Pierre Garcon und DeSean Jackson ideaerweise mit play-action Pässen in Szene zu setzen; sollte ein recht angenehmer Gegner für Washington sein.

Ein anderer ehemals aufregender QB, Michael Vick, startet diesen Sonntag für die Jets. Das ist alles sehr schade für Rex Ryan, der noch einige Wochen Ausstand feiert; nun ist er aber ein so guter Defensive Coordinator, daß er nächste Saison auf jeden Fall irgendwo als DC unterkommt.

Die Houston Texans versuchen sich mit aller Macht im playoff picture zu halten, aber es wird immer deutlicher, daß es ihnen an Talent fehlt. RB Arian Foster hat zwar in den letzten vier Spielen 500 Yards abgerissen, aber weil wir nicht mehr in den 80ern leben, sprang dabei nur ein Sieg heraus. In der Defense spielt JJ Watt für drei, seine Kollegen dagegen nur wie halbe Portionen. Mit Kareem Jackson habe sie einen ganz guten CB, aber sonst ist da niemand dabei, vor dem die Eagles Angst haben müßten. Die Eagles ihrerseits haben Probleme mit ihrem Paßspiel, QB Nick Foles hat einen großen Schritt zurückgemacht und produziert mehr Turnovers als Touchdowns. Insgesamt aber hat die Offense in den letzten drei Wochen deutlich zugelegt und sieht immer mehr aus wie die weitverbreiteten romantischen Vorstellungen einer Chip-Kelly-Offense.

19.00Uhr – Die Topspiele

Arizona Cardinals (6-1) @ Dallas Cowboys (6-2)
San Diego Chargers (5-3) @ Miami Dolphins (4-3)

Ja, sie sehen richtig, meine Damen und Herren, das sind die beiden „Topspiele“ um 19.00Uhr.  Und tatsächlich sind das vier richtig gute Mannschaften, die sich allesamt in den Playoffs nicht blamieren würden – aber allesamt haben Schwächen. Dallas hat nicht nur einen gefährlich angeschlagenen QB, sondern auch immer noch eine wenig talentierte Verteidigung, die bisher über ihre Verhältnisse gespielt hat; jetzt mußte auch noch LB Justin Durant ins Lazarett. Trotzdem ist Dallas hier der Favorit. Arizona hat einen unkonstanten Angriff, der nur selten „rund läuft“, oder „in einen Rhythmus kommt“. Das Laufspiel ist ein Witz und im Paßspiel lebt man einzig von big plays. Der Sieg über die Eagles am letzten Sonntag war symptomatisch; zwei mittelmäßige Serien für 10 Punkte – und zwei 80- bzw. 75-Yard-Bomben für die restlichen. Wenn die zwei big plays mal nicht kommen, sind die Cards erschossen.

Ähnlich ist es in der Defense; diese lebt von Turnovers. Das ist ja alles superschön und toll mit den ganzen wilden blitzes von den herrlich athletischen und aggressiven Typen – aber in den letzten vier Wochen haben sie auch 1700 Yards abgegeben. Es ist natürlich von DC Todd Bowles auch so angelegt: wenn wir drei Turnovers kreieren, nützen dem Gegner seine 400 Yards gar nichts. Das stimmt auch, allein Ballverluste haben auch viel mit Glück zu tun, wie der Ball hier vom WR abgefälscht wird und wer dort zufällig auf einen Fumble fällt. Aber hey! Die Arizona Cardinals sind eines der aggressivsten Teams der Liga, auf beiden Seiten des Balles, und das wollen wir immer sehen und das fordern wir auch immer, wenn die Jim Caldwells und Lovie Smiths dieser Welt ihre Fans zur Weißglut treiben, also werd‘  ich mich nicht weiter beschweren.

Die San Diego Chargers haben den Broncos und  Chiefs in der AFC West einen ganz großen Schreck eingejagt mit beeindruckenden Vorstellungen und fünf Siegen aus den ersten sechs Spielen. Leider wurden sie Opfer des Verletzungsmonsters und verloren in den letzten beiden Wochen ausgerechnet gegen ihre beiden Rivalen aus der AFC West. RBs Danny Woodhead und Ryan Matthews; die Center Nick Hardwick und Doug Legursky; die Verteidiger Melvin Ingram, Jason Verrett und Manti Te’o plus noch jede Menge Angeschlagene – jeds Team hat Verletzungen, aber so viele sind schon ungewöhnlich. Die gesunden Spieler fahren nach Miami, wo sie eine erstaunlich solide Mannschaft erwartet.

Vor allem Miamis Defense überzeugt. Die Dolphins sind die einzige Mannschaft, die noch keinen 300-Yard-Passer zugelassen hat, und auch die Lauf-D ist mehr als solide. Auf der anderen Seite spielt QB Ryan Tannehill dermaßen kompetent, daß man sich fragt, warum HC Joe Philbin vor einigen Wochen rumgedruckst hat, als er nach seinem QB1 gefragt wurde. Must-win game ist wohl ein kleines bißchen zu hoch gegriffen, aber beide Mannschaften haben das Pech in ungemein starken Divisions zu spielen: die Dolphins mit den Bills (5-3) und Patriots (6-2); die Chargers mit den Broncos (6-1) und Chiefs (4-3).

22.05/22.25Uhr NFC West & Storyline Bowl XVI

Der späte slot beginnt mit dem einzigen Divisionsspiel, bevor es später noch den Steelers-Ravens-Klassiker gibt. Es ist ein Rückspiel. Das Hinspiel gewannen die San Francisco 49ers (4-3) vor drei Wochen gegen die St. Louis Rams (2-5) 31-17. Danach wurden die Niners zwar von den Broncos zerlegt, aber angesichts ihrer vielen Verletzungen, Suspendierungen und „Spieler-hassen-Trainer-Stories“ kann man mit vier Siegen aus der ersten Saisonhälfte durchaus zufrieden sein.

Da San Fran allerdings schon zwei Spiele Rückstand auf die Cardinals hat (bei einer Niederlage im Hinspiel), wäre eine Niederlage gegen einen deutlich schwächeren Divisionsrivalen nur schwer verdaulich. Die Rams gurken wie eh und je so vor sich hin. Sie haben einige Spiele knapp und unglücklich verloren, aber der Freak-Sieg gegen Seattle vor zwei Wochen war doch eher die Ausnahme.

Nun sind auch noch LT Jake Long und WR Brian Quick (die meisten targets aller Rams-WR) auf IR gewandert. Rookie QB Austin Davis spielt für einen UDFA richtig anständig, aber er personifiziert auch die große Schwachstells der Offense, big plays: nur ein Paß für mehr als 50 yards und kein Lauf für mehr als 30 yards in dieser Spielzeit.

Ein bißchen weiter nördlich an der Westküste sollten es die Seattle Seahawks (4-3) einfacher haben, den Cards auf den Fersen zu bleiben. Der Super-Bowl-Champion empfängt die Oakland Raiders (0-7) – und das ist genauso unfair, wie es sich anhört. QB Derek Carr spielt ganz solide und 1st-rd pick Khalil Mack scheint tatsächlich ein richtiger playmaker zu sein. Aber auch mit diesen beiden guten Rookies und dem neuen HC Tony Sparano ist da nicht viel zu holen. Die Buchmacher geben Seattle 14 Punkte, der höchste Spread dieser Saison.

Seattle wird unterschätzt. Die drei Niederlagen setzte es entweder als Freakunfall (Rams) oder gegen starke Teams, die in allerbester Tagesform waren (Chargers, Cowboys). In Seattle muß sich niemand Sorgen machen; sie sind immer noch der Favorit auf die NFC West und Siege in den Playoffs. Neben den Broncos sind die Hawks immer noch das talentierteste Team der Liga. So richtig beginnt Seattles Saison in Woche 12 mit einem Besuch der Cardinals. Das ist der Auftakt zu sechs Wochen mit fünf Divisionsspielen (2x Cards, 2x 49ers, Rams, Eagles).

Und dann ist um 22.25Uhr natürlich noch die beste Rivalry dieses Jahrtausends: Belly&Brady vs Peyton. Das Internet wurde erwartungsgemäß schon vollgeschrieben mit stories zur 16. Auflage, darum hier nur kurz. Die New England Patriots (6-2) spielen mit ihrem neuen Juwel Darrelle Revis mehr man coverage als noch zuvor, er kann auch jemanden wie Demaryius Thomas bei zwei, drei catches halten. Der andere Neuzugang in Defensive Backfield, Brandon Browner, wird sich hoffentlich um den anderen Thomas kümmern, Julius. Die aggressive Mannverteidigung an der LOS könnte das timing zwischen Manning und WR erheblich stören, was Manning dann wohl wieder mit vielen stack formations und pick plays kontern wird. Interessant wird sein, ob die Pats nun mit Revis/Browner mehr Zutrauen in ihre Paßverteidigung haben und öfter mal mit ihrer base defense spielen, anstatt immer mit fünf oder sechs DBs. In den letzten Jahren war es immer so, daß Manning konsequent auf einen Laufspielzug gestellt hat, wenn er nur sechs Verteidiger in der „box“ gesehen hat; das war auch so gewollt von New England, weil das Paßspiel noch gefährlicher ist, aber nicht gewollt war, daß Leute wie Knowshown Moreno ein 1st Down nach dem anderen rausholen. Es sollte, wie so oft, zu einem Schachspiel Belichick v Manning werden.

Damit New Englands Offense brummt, muß das Laufspiel funktionieren und TE Gronkowski fit sein. Beides war in den letzten Wochen oft der Fall. OC Josh McDaniels hat nun endlich auch die Neuzugänge WR Brandon LaFell und TE Tim Wright mehr involviert, und seit Tom Brady vor zwei Wochen gemerkt hat, daß es ganz ok ist, zu diesen beiden zu werfen, sieht das wieder aus wie eine richtig fürchtenswerte Pats-Offense. Doof nun, daß die Denver Broncos (6-1) eine der besten Lauf-Ds der Liga haben. In den beiden Spielen gegen die Bills und Jets, die ähnliche gute Lauf-Ds haben, tat sich New England schwer. Da Denver aber niemanden hat, der den Gronk verteidigen kann, sollte es spannend bleiben.

Sunday Night Football

Runde eine der hardest hitting rivalry in football gab’s in Woche 2. Das haben die Baltimore Ravens (5-3) damals zu Hause gewonnen. Die Ravens sind wie so oft in den letzten Jahren fundamentally sound, wie der Coach so schön sagt. Sie haben knapp gegen Cincinnati (zweimal) und Indy verloren, die anderen fünf Spiele gewonnen. Als eine der wenigen Mannschaften sind sie in jedem Spiel bis zum Schluß dabei und werden nicht einfach mal so vom Platz geschossen, wie das den meistens Teams hin und wieder passiert. Die Defense überzeugt mit Elvis Dumervil, Terrell Suggs, Pernell McPhee und Haloti Ngata vorne so stark, daß die Secondary gar nicht mehr braucht, als einen namhaften Cornerback in Jimmy Smith. Dazwischen überzeugen die LBs Daryl Smith und Rookie C.J. Mosley.

Das Fundament der Offense ist das beste Guard-Duo der Liga in Kelechi Osemele und Marshall Yanda. Dazu überrascht der junge RT Ricky Wagner sogar seine eigenen Trainer. Hinter so einer Linie sehen dann sogar die RBs Justin Forsett und Lorenzo Taliaferro ganz patent aus. WR Steve Smith erlebt seinen dritten Frühling; TE Owen Daniels ist das neue security blanket für Joe Flacco und man könnte noch mehr Namen aufzählen, aber auch so wird deutlich: GM Ozzie Newsome und der Trainerstab haben wieder mal einen hervorragenden Job gemacht beim Talente identifizieren und diese dann auch zu entwickeln.

Die Pittsburgh Steelers (5-3) dagegen sind eher top-heavy. QB Roethlisberger, WR Antonio Brown und RB Le’Veon Bell gehören auf ihren jeweiligen Positionen mit zum Besten, was es derzeit in der NFL zu sehen gibt. Problematisch ist die Defense. Durch viele Ballverluste halten sie sich meistens im Spiel, aber wenn die Ballverluste mal ausbleiben, könnte das böse enden. Traditionell aber bleiben die prime time games zwischen Ravens und Steelers immer knapp bis zum Schluß. Sunday Night Football, intensive rivalry, bei einer der besten crowds ligaweit im Heinz Field – ein passender Abschluß für einen Sonntag im November.

Advertisements

6 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer, Woche 9 | NFL 2014/15

  1. 1. Sehr schöne, gelungene Vorschau.
    2. Als Chargers Fan bin ich vor dem Spiel Sau nervös. Gegen die Chiefs kann man verlieren in Denver auch, aber das Spiel sollte jetzt wieder gewonnen werden. Verrett ist out, aber Flowers kann wohl spielen. Das wird eine sehr enge Kiste, ich hoffe, dass wir irgendwie auch aus dem Laufspiel was raus bekommen.
    3. Danke für die Links. Besonders bei Taniers Vorschau sind eininge schöne Dinge wie das Jaguars Bullshit Bingo dabei.

  2. Pingback: NFL 2014/15, Week 9 zum Abendessen | Sideline Reporter

  3. Yes, grandioses Wetter fuer das NE-DEN Spiel. Damit sehe ich die Chancen nun wirklich bei in etwa 50:50, denn dass Denver’s Team besser ist, darin sehe ich wenig Zweifel. Aber in NE im Schnee, das ist schon ne ordentliche Huerde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s