Liveblogging im Retro-Style: New England Patriots – Denver Broncos

Am Sonntag musste ich schweren Herzens dem Jetlag und den schweren Augenlidern nachgeben, aber gestern Abend wurde das NFL-Spiel des Jahres in voller Länge nachgeholt: New England Patriots vs Denver Broncos. Der „Liveblog“ kommt zwei Tage zu spät in Form komprimierter Halbzeitberichte.

Halbzeit New England Patriots 27, Denver Broncos 7

Es ist eine Partie, die zwar nicht wie erhofft im Blizzard von Foxboro gespielt wird, aber das Ambiente der ersten Halbzeit war trotzdem wunderschön: Klipp und klare Luft in Massachusetts, mit einer wunderschönen rot angefärbten Dämmerung über dem Gillette Stadium, das vor den gelben und roten Laubbäumen langsam dem Sonnenuntergang entgleitet und schließlich gegen Halbzeitende in völlige Dunkelheit taucht. So stelle ich mir den Indian Summer vor.

Der Wind schien in dieser Partie bisher weniger Faktor zu sein als es die CBS-Crew glauben machen wollte. Die meisten Punkte wurden – Zufall oder nicht – bei Drives in den Wind erzielt, und die einzigen Male, bei denen man wirklich das Gefühl hatte, dass die Böen einen Einfluss hatten, war beim leicht verzogenen und schließlich verschossenen Fieldgoal sowie dem Puntreturn-TD, als der Punt wohl wider Erwarten ein paar Yards „zu lang“ geriet.

Der Halbzeitstand täuscht massiv über die Kräfteverhältnisse in dieser Partie hinweg. New England führt mit nahezu drei Touchdowns, aber nach Yards, Yards/Play und Drives ist das eine ausgeglichene Geschichte. Die Unterschiede schlagen in den Details auf:

  • Der Punt Return über 84yds des Julian Edelman mit einem haarigen Nicht-Call beim Blindside-Block des TE #84 Tim Wright (?).
  • Das Fieldgoal an den Pfosten des Broncos-Kickers McManus.
  • Das gescheiterte 4th-Down der Broncos. Es war nach dem 4th-Down Calculator ein 50/50 Call der Offense – und mit einem Peyton Manning auf Quarterback ist die Chance besser, deswegen auch mathematisch ein vertretbarer Call.

New Englands Offense ist bestens aufgelegt. Die Offensive Tackles halten gegen die Wunder-Passrusher Ware und Miller bislang ganz gut dagegen, und wenn es trotzdem mal brenzlig wird, schafft Brady fast immer mit einigen sachten Tippelschritten den Weg aus der sich anbahnenden Scheiße. Bei aller Immobilität, die man Brady immer wieder im Laufe seiner Karriere vorhielt: Mit roundabout 37 Lenzen so leichtfüßig durch die Pocket zu spazieren… alle Achtung.

Denver kriegt wenig Zugriff auf TE #87 Gronkowski, der zwar nicht alles in Grund und Boden spielt, aber bei der Handvoll Anspiele fast zu 100% den Catch macht. Was Denver gut macht: Es gibt den Patriots bislang keine Chance, tiefer zu werfen.

Manning kommt mit seiner Offense nicht in den gewohnten Groove. Die Anspiellinie ist in diesem Matchup ein Remis, aber die Patriots kontrollieren das Defensive Backfield, u.a. weil sie häufig mit fünf DBs operieren, und bei einem wichtigen Call (3rd Down, 4th Down?) sogar den LB #91 Collins gegen einen Wideout stellten – das ist massiv.

Manning mit einer insgesamt ordentlichen Partie, allerdings dem Sternchen der Interception. CBS gab Manning keine Schuld am Pick, aber mit jeder Wiederholung sah sie schlechter aus. #50 Ninkovich machte ein Super-Play, keine Frage, aber Manning hätte ihn sehen können.

CB #24 Revis sah zu Spielbeginn 2-3x etwas passiv aus, aber das kaschierten im Laufe der Partie die immer aggressiver werdenden CBs #39 Browner, #25 Arrington und S #23 Chung, die häufig am Rande der Legalität operieren. Das langt: Thomas/Thomas kommen nicht ins Spiel, und man hat nicht das Gefühl, dass sich bei Denver abseits von Emmanuel Sanders viel rührt.

Kurzum: Man hat das Gefühl, dass die Patriots ein exzellentes Spiel mit ihren Mitteln betreiben und die vor der Partie überlegen wirkenden Broncos zumindest zu sich herunter gezogen haben. Denver ist trotz des hohen Rückstands noch nicht aus der Partie, muss aber seine Chancen konsequenter nützen und auf den einen oder anderen Fehler der Patriots hoffen.

Endstand New England Patriots 43, Denver Broncos 21

Letztlich ist es ein deutlicher Sieg der Patriots in einem Spiel, das nicht so klar war wie der Endstand. Die Statistiken werden vermutlich sogar die Broncos vorne sehen, mit einem Manning, der 7.7 NY/A zustande brachte vs einem Brady mit nur 6.3 NY/A – möglicherweise werden sich die Patriots morgen im Power-Ranking kein Jota nach vorn bewegen.

Es war trotzdem eine bombenstarke Leistung von den Patriots, die in der ersten Halbzeit ihre Chancen eiskalt ausnützten und in der zweiten Halbzeit nicht locker ließen. Bei 27-14 Führung im dritten Viertel ließ Belichick ein 4th-und-5 ausspielen, sozusagen um die Geister von 2009 zu beruhigen, und er kam durch, als Brady einen rattenscharfen Kurzpass auf RB #34 Vereen warf. Ein paar Spielzüge später stand es 30-14 und nach der abgefälschten Interception gegen Manning im nächsten Play erhöhten die Patriots von der 10yds-Line zur Vorentscheidung.

New England hatte in dieser Partie massiven Vorteil durch die Feldposition: Zusammengezählt startete man durchschnittlich an der eigenen 38yds-Line, während Denver 16yds weiter hinten an der eigenen 22yds Line beginnen musste. Das sind über 200 Yards „Raumgewinn“ allein durch die Feldposition.

Weiterer Knackpunkt, der zu dem extrem hohen Score beitrug: Denver war 0/4 in 4th-Downs. Denver war auch nur 3/11 bei 3rd-Downs, und das hatte Gründe: Man war lange Zeit häufig hinten reingedrückt, musste lange dritte Downs ausspielen (fast 10yds lang im Schnitt). Die Kurzpässe kamen erst spät in Gang, das Laufspiel war quasi nicht existent – so wurden etliche Punkte verschenkt.

Denver enttäuschte letztlich auch zu lange darin, trotz unendlich vieler Passversuche seine besten Playmaker ins Spiel einzubinden: Thomas/Thomas kamen erst nach der Pause halbwegs auf. Respekt an die Secondary der Patriots, die trotz nicht überragendem Passrush so gut gegenhielt – als Kollektiv wohlgemerkt. So gut haben noch wenige Defenses die Broncos unter Manning in Schach gehalten.

New England wandert mit diesem Sieg erstmal in eine Art „Pole-Position“ um den Heimvorteil in den Playoffs – sofern man die Division zu gewinnen imstande ist, könnte das ein entscheidender Vorteil werden. Denver bleibt das beste, weil tiefste, Team der Liga. Eine zu hoch ausgefallene Niederlage gegen eine immer besser in Schwung kommende Patriots-Mannschaft ist ein blauer Fleck, aber kein Beinbruch. „Rückspiel“ nicht ausgeschlossen.

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5 Kommentare zu “Liveblogging im Retro-Style: New England Patriots – Denver Broncos

  1. Mike Pereiras Twitter Account gibt diesbezüglich nichts her.

    Mike Carey hat in der Live-Übertragung meiner Erinnerung nach etwas von 50/50 („kann man schon so pfeifen“ o.ä.) gesprochen.

  2. Carey hat es als ‚legal‘ bezeichnet, ich wuerde da trotzdem sagen wenn man sich anschaut was alles gepfiffen wird heutzutage in der NFL und wie Block in the Back gehandhabt wird dann war das eher eine Flag als keine. Jedoch war das officiating konsequent innerhalb der Partie, denn da wurde auch bei den DBs viel laufen gelassen. Insgesamt fuehlte sich das officiating mehr wie in den Playoffs an, nicht so kleinlich, auch mal spielen lassen und nur die wirklich klaren Sachen callen.

    Zum Resultat sehe ich das ganz aehnlich wie korsakoff, ich glaube auch weiterhin, dass Denver die bessere Mannschaft ist. Jedoch, wenn sie im Jaenner nochmal nach Foxboro muessen, dann wird’s haarig. Da sind die Patriots vorne, allerdings halte ich es fuer sehr unwahrscheinlich, dass die Patriots alles gewinnen im Rest der Regular Season. Nach dem Bye kommen @Indy, @GB, Detroit und @Chargers, ehrlicherweise bin ich da mit 2 Wins aus diesen Spielen absolut zufrieden, weil das die Moeglichkeit eroeffnet die Division aus eigener Kraft zu gewinnen. Nur wird Denver wohl keine 2 Spiele mehr herschenken und insofern sehe ich den First Seed abermals in Denver.

    Zum Spiel finde ich, dass es ein grandioser Job von Belichick, McDaniels und Patricia war, der vor allem von Wilfork, Collins, Hightower und Ninkovich perfekt exekutiert wurde. Im Prinzip war der Zugang sehr aehnlich wie letztes Jahr, nur da brachte Denver 200+ Yards Rushing aufs Parkett. Mit aehnlich schwachen (schwach im Sinne von Anzahl der Spieler in der Box) Fronts haben die Patriots diesmal den Rush konsequent gestoppt und damit immer wieder diese 3rd & long Situationen erzeugt, die Manning nicht converten konnte. Und grade die Schemes der Front 7 waren richtig kreativ, Denver’s O-Line war trotz lediglich 4 oder sogar nur 3 Rushern immer wieder ueberrascht, weil die Patriots konstant Stunts (wie beim 4th & 6 das im Sack von Ayers resultierte) und Zone Blitzes (wie bei der INT von Ninkovich) verwendet haben. Ein ganz grosser Teil hiervon ist einfach ein perfekter Gameplan.

    Gleiches gilt fuer die Offense, denn ich finde, dass die Line – obgleich sie ein solides Spiel gemacht hat – keineswegs ueberragend war. Denver brachte konstant Druck auf Brady, alleine Miller mit 4 oder 5 Hits auf den QB. Jedoch war der Gameplan darauf ausgerichtet, dass Brady den Ball extrem schnell rausknallt und damit den Passrush frustriert. Hat weitgehend funktioniert und das Run Game war genug, dass die Play Actions fuer tiefere Baelle beizeiten auch noch funktioniert haben.

    Alles in allem hat das nominell schwaechere Team auf Grund von besserem Coaching und Glueck in entscheidenden Situationen gewonnen. Das Problem fuer ein Rematch: der gleiche Gameplan wird nicht nochmal funktionieren, denn auch Denver ist nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen.

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