Die vierte Kerze brennt

Es gibt Leser, die wissen wollten, welchen Mannschaften ich im American Football die Daumen drücke, wenn es nicht um die erklärte Lieblingsmannschaft Detroit Lions geht. Das ist eine Frage, die dazu einlädt, mein generelles Verhältnis zum amerikanischen Football, ja vielleicht darüber hinaus zum US-Sport, einzuordnen.

US-Sport war für mich immer eine etwas freakige neue Welt, in die einzutauchen spannend war – schon allein deshalb, weil er so lange nur über Liveübertragungen in finsterster Nacht erreichbar war, und weil er für mich lange Zeit mehr mit den liebevoll aufbereiteten Übertragungen im österreichischen Fernsehen assoziiert wurde als mit einer bestimmten Mannschaft oder einem bestimmten Spieler.

Fußball ist das, womit man aufgewachsen ist. Es ist der Sport, den man selbst betrieben hat. Es ist der Sport, an dem man sich reiben kann. Der US-Sport ist bis heute das Fremde geblieben, bei dem es mir noch immer nicht leicht fällt, klare Identifikationspunkte auf Spieler- und Mannschafsseite zu finden. Mit „klar“ meine ich eine annähernde Verbundenheit wie es mit einer deutschen Fußballnationalmannschaft oder einer irischen Rugbymannschaft oder einfach nur dem nächstbesten Dorfverein der Fall ist.

Mit fällt es leichter, Emotion für ein College aufzubringen als für einen Proficlub. Mir fällt es auch leichter, Emotion aufzubringen für ein Team als für ein Individuum. Diese Eindrücke mögen sich im Football dadurch verstärken, dass die Spieler selbst gesichtslose Krieger sind, versteckt hinter Helmen mit Stahlgittern, und die Coaches sauer dreinschauende vermummte alte Säcke sind, die an der Seitenlinie in ihren Headsets in einer eigenen Welt leben.

Für die Detroit Lions konnte ich schon immer Sympathien aufbringen. Detroit ist eine verfallende Stadt. Die Bilder eines Hasenhaken schlagenden Barry Sanders haben die Neugier einst nur größer gemacht. Über allem steht die Misere, die diese Mannschaft begleitet. Diese Erfolgslosigkeit. Ich hoffte so lange, dass diese Franchise die Kurve kratzt. Ich hoffe bis heute.

Quasi mein „1b-Team“ sind die New England Patriots, aber es ist weniger eine Liebe als mehr die Anerkennung für eine so lange so konstant erfolgreiche Führung, die auf alles scheißt was in der sozialistischen NFL den anderen Probleme bereitet: Abwerben von Coaches, Spielerabgänge, Verletzungen, Rivalitäten. Bill Belichick ist der beste Manager im American Football. Er hat es geschafft, die Wetten zu schlagen. Wird Zeit, dass er mal wieder den ganz großen Wurf macht.

Dann gibt es die ewigen Underdogs, bei denen ich nur darauf warte, dass sie mal den Durchbruch schaffen um auf den Bandwagon aufzuspringen. Die Buffalo Bills oder die Minnesota Vikings sind hier zuallererst zu nennen, zwei kleine Teams aus kleinen Märkten, beide mit je vier Superbowl-Qualifikationen ohne die Lombardi Trophy jemals gewonnen zu haben.

Oder die beiden Lokalrivalen aus Ohio, Cincinnati Bengals und Cleveland Browns: Zwei geschichtsträchtige Mannschaften, die so viele Versuche unternommen haben an den Glanz der alten Zeiten anzuschließen, dass es immer wieder erstaunlich und herzzerreißend ist, wie es immer wieder schief gehen kann weil entweder die Mannschaften aufgelöst werden oder sich die Franchise-Quarterbacks alle Bänder zerfetzen.

Dann gibt es die klassischen black’n’blue-Mannschaften, die zu jeder Sportliga der Welt gehören und die es als Konstanten und Beweis der langen Geschichte einfach braucht. Teams wie Pittsburgh, Green Bay, Chicago oder Philadelphia sind zumindest nie welche, gegen die ich die Daumen drücken würde.

Die NFL ist für mich auch eine Liga, in der es mir leicht fällt, periodisch für das eine oder andere Jahr diversen Clubs die Daumen zu drücken, weil geile Spielweise, mutige Coaches, interessante Spielertypen oder einfach Pechvögel hoch drei. Die Carolina Panthers habe ich immer mal wieder unterstützt – einst, weil sie mit der besten Defensive Line und diesem Jake Delhomme die Superbowl gestürmt haben wie nie zuvor ein Außenseiter die Superbowl gestürmt hat, dann, weil sie mit dem weltabgewandtesten aller Coaches, Ron Rivera, begannen die Zahlen zu nutzen.

Die Jacksonville Jaguars unter David Garrard. Die Tampa Bay Buccaneers mit Josh Freeman. Die Tennessee Titans unter Steve McNair. Die Arizona Cardinals unter Kurt Warner. Die New Orleans Saints in den ersten Jahren unter Brees. Sie alle sind Mannschaften, denen ich intensiv die Daumen gedrückt habe, für deren Franchises ich mich darüber hinaus jedoch nur selten erwärmen konnte.


Sideline Reporter wird heute vier Jahre alt. Wurde Zeit, dass diese Hackordnung mal geklärt wurde. Sideline Reporter befindet sich gerade in einer etwas schwierigen Phase, da die Arbeit mal wieder überhandnimmt. Das führte am Donnerstag sogar dazu, dass doch grad das allererste Mal in der vierjährigen Existenz dieses Blogs eine Spieltags-Vorschau komplett ausgefallen ist.

Dass das nicht einreißt, dafür bürgen meine Zappelfinger. Dass die Prioritäten in den letzten Monaten aber verschoben werden mussten, sieht man auch an der obligatorischen Statistik, die ich jetzt nachfolgend aktualisiert hochlade – so wenige Blogeinträge hatte das Sideline Reporter Blog im Lauf von 365 Tagen noch nie.

Blogstatistik, Jahr 4

Blogstatistik, Jahr 4

Schauen wir was die Zukunft bringt.

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15 Kommentare zu “Die vierte Kerze brennt

  1. Glückwunsch und weiter so. Ich finde, dass sich Deine Einträge in Qualität und Stil vor denen der amerikanischen Kollegen, die Du hier immer wieder erwähnst, nicht verstecken brauchen. Und über die deutschsprachige „Konkurrenz“ brauchen wir nicht zu reden.

  2. Du musst dich nicht dafür schämen, dass du älter geworden bist. Dein Publikum ist es auch und so wie bei dir hat sich das Pensum verschoben mit dem American Football verfolgt werden kann.
    Daher ist es gar nicht so schlimm, wenn die Quantität leidet, so lange du die Qualität hoch hältst.
    Du darfst ja nicht vergessen, welchen Anspruch du verfolgst.

    Willst du breaking news oder yellow press content liefern, dann solltest du tatsächlich eine höhere Frequentierung zum Ziel haben.
    Wenn es aber um vielleicht sogar schwierig zu lesene Artikel geht, bei denen man sich womöglich konzentrieren muss, dann sagt die Frequenz nichts über die Güte aus.

  3. Auch von mir.herzlichen Glückwunsch!
    Dabei nehmen die Seitenaufrufe aber stetig zu 🙂

    Mach weiter so, dein Blog ist ein fester Bestandteil meiner morgendlichen Frühstücksroutine

  4. Herzlichen Glückwunsch zum 4. Geburtstag. Ich weiß das was du hier tust sehr zu schätzen und es ist meine absolute Lieblingsanlaufstelle. Ich steh ja auch auf multiple Franchises: Packers, 49ers, Jaguars und Vikings bzw. gibt’s einige die ich sehr respektiere – mir fehlts da an lokaler Bindung. Ich mag einfach Wisconsin und die Gegend drumherum sowie San Francisco…

  5. Happy Birthday. Diese Seite ist fester Bestandteil um mich jedes Wochenende sowohl auf die NFL als auch auf College Football vorzubereiten. Montags und Dienstags dann die Nachbereitung. Persönlich sind bei mir die Canes aus Miami und die Dolphins. Ganz einfach weil diese meine ersten Vor-Ort Erfahrungen im Bereich Football waren. Das vergisst man dann nicht. Übrigens verfolge ich intensiv und unterstütze die Mannschaften mit deutschen Spielern. Ist wohl bissel wie mit den Mavs und DN41… So long.

  6. Mach weiter so, verfolge dich seit dem ersten Eintrag und weiß deine Expertise immer zu schätzen 🙂

  7. Glückwunsch zum Jubiläum,ist ne tolle Seite für mich zusammen mit spox und win-football die beste Football Seite um sich ständig zu informieren was da drüben in Staaten los ist. Ich finde auch das die american football community mittlerweile in Deutschland größer geworden ist.Man bedenke das bei spox im live blog am Sonntag ständig über 1000 Kommentare geschrieben werden,das zeigt das Football in Deutschland beliebter wird.Auch wenn man gegen den fussbal hier nie ankommen wird,ist es schön zu sehen das sich eine Sportart wie Football das hier noch vor 20 Jahren nur am Rande interessiert wurde mittlerweile so einen Anhang hat.Ich bin erst seit 5 Jahren Hardcore Football Fan,finde es auch schade das ich diese klasse Sportart nicht früher für mich entdeckt habe. Also weiter so solche Seiten braucht man in hier.

  8. alles gute zum 4ten Geburtstag. Meine absolute Lieblingsseite zum Thema Football. Mach weiter so! Toll finde ich auch, dass trotz der geringeren Artikelanzahl deine Klickzahlen so stark wachsen! Hast du dir auch echt verdient 🙂

  9. Tja, ich bin fast ein wenig traurig darüber, dass du immer weniger Blogeinträge verfasst. Aber das solltest du eher als Kompliment sehen. Verständnis habe ich aber vollkommen dafür. Ich bin selbst als Blogger tätig und kenne daher die Zeitengpässe, die es oftmals unmöglich machen, so viel zu schreiben, wie man möchte.

    Ich bin überaus dankbar für deine Seite. Sie hat mir einen Zugang zu dem Sport geöffnet, der hilft, es besser zu verstehen. Es gibt keine Wahrheiten, aber v.a. durch dein Power Ranking und deine Modelle wird man für die wichtigen Zahlen sensibilisiert. Und das hilft auch in anderen Sportarten.

  10. Danke an alle Autoren dieses Blogs und auch an die anderen deutschen Blogs wie Der Draft oder Hard Count, ihr alle bereitet uns Hardcore Fans großes Vergnügen.

    Ich bin zwar Vikings Fan, aber allein wegen dieses Blogs würde ich den Lions mal einen großen Wurf gönnen 😉

    Keep on!

  11. Ich schließe mich meinen Vorrednern ausnahmslos an und hoffe noch auf viele weitere Jahre Deines Blogs. Der beste deutsche zum Thema Football und stets absolut lesenswert. Weiter so!

  12. Auch von mir ein Dankeschön für das tolle Blog. Bin fast täglich hier.
    Viel Freude und wenig Ärger weiterhin hier an den Hausherrn und alle Co Autoren,

    alexander

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