Die Akademische Viertelstunde | Woche 11

Der 11. Spieltag der College-Football Saison hat wieder einige Unruhe gestiftet, und obwohl die neuen CFP-Rankings noch nicht draußen sind, lohnt sich schon einmal der Blick auf die Gesamtsituation vor den letzten vier Spieltagen der Regular Season und Conference-Championships.

College Football Playoffs

#1 Mississippi State Bulldogs mit einer quasi-Freiwoche, pulverisierte die das zweitklassige Tennessee-Martin mit 45-16.

#2 Florida State hatte diese Woche relativ wenige Probleme mit Virginia bei einem 34-20 Sieg. Obligatorisch lag man nach dem ersten Viertel zurück und fabrizierte insgesamt drei Turnovers, aber man walzte letztlich ohne großen Glanz und mit 376 zu 257 Yards Offense durch.

#3 Auburn allerdings kassierte seine zweite Saisonpleite, und sie kam denkbar überraschend zuhause gegen die Texas A&M Aggies, die bisher diese Saison noch nicht so in Erscheinung getreten waren. Der Endstand war mit 38-41 Punkten denkbar knapp und Auburn ließ in der Schlussphase zig Chancen ungenützt, aber rein wahrscheinlichkeitsorientiert gedacht musste irgendwann die Partie kommen, in der Auburn in einem engen Spiel mal nicht alle Zufälle für sich laufen sehen würde.

Kudos auch an Texas A&M für eine couragierte Leistung mit dem „anderen“ Freshman-QB Kyle Allen, der Kenny Hill ersetzte. Die Aggies hätten sich zuletzt fast zu Witzfiguren entwickelt (u.a. 0-59 Pleite gegen Alabama und fast eine Niederlage gegen ULM), hielten Auburn hier aber in Schach – auch dank zweier Fumbles der Tigers in den letzten Drives.

#4 Oregon Ducks mit einem am Ende klaren 51-27 Sieg über #17 Utah, wobei man sich eine zeitlang schwer mit den aggressiven Utes tat, bis einer der Plays des Jahres passierte:

Ohne genau zu wissen wie die Regelung mit „Spieler, der von aus dem Spielfeld kommt und als erster einen freien Ball berührt“ genau funktioniert: Der Spielzug wurde gutgeheißen. Er glich die Partie für die Oregon Ducks aus und läutete ein offensivgewaltiges zweites Viertel für Oregon ein.

#5 Alabama gewann denkbar knapp auswärts bei den #16 LSU Tigers mit 20-13 nach Overtime, nachdem man lange Zeit überhaupt nicht ins Spiel gekommen war. Erst in den letzten beiden Drives kam die Offense in Schwung. Am Ende steht ein knapper Sieg, und mit nur noch Heimspielen gegen u.a. #1 Mississippi State und #3 Auburn befindet sich Alabama in einer glänzenden Ausgangsposition auf die Qualifikation für SEC-Finale und die Playoffs.

#6 TCU mit einer überzeugenden Vorstellung beim klaren 41-20 über den auch in den CFP-Rankings benachbarten Conference-Rivalen #7 Kansas State. Eine Woche nach dem Gewürge gegen West Virginia war das eine souveräne Vorstellung mit einem QB Boykin, der 23/34 für 219yds an den Mann brachte. Wie wenig den K-State der Gameplan funktionierte, zeigt das Verhältnis zwischen Lauf und Pass: Die Wildcats mit 19 Run-Plays für 34yds, aber 40 Pass-Plays für 376yds. Weniger Bill Snyder geht nicht.

#8 Michigan State war vor letzter Woche quasi der einzige verbleibende Hoffnungsträger der gebeutelten Big Ten Conference auf eine Playoff-Qualifikation gewesen. Michigan State verlor das eminent wichtige Divisionsspiel zuhause gegen #14 Ohio State sensationell klar mit 37-49 und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einmal mehr das Conference-Endspiel erreichen. Manche beginnen schon ganz leise, Ohio State als Playoff-Team zu hypen, aber für die Buckeyes ist es ein fast aussichtsloser Weg.

#9 Arizona State vs #10 Notre Dame sah lange Zeit nach einem Schlachtfest aus, danach wie ein Kollaps, endete aber schließlich in einem hohen Score: 55-31 pro Arizona State, was Notre Dame faktisch aus allen Playoff-Hoffnungen eliminiert. Arizona State scheint seinerseits noch immer niemand als ernsthaftes Playoff-Material wahrzunehmen. Die Sun Devils müssen erst einmal die Pac-12 Endspielqualifikation in einer ausgeglichenen Süd-Division schaffen.

#11 Ole Miss schlafwandelte zu einem 48-0 über Presbyterian. Für die Rebels bleibt aber die einzige echte Motivation für den Rest der Saison, dem Lokalrivalen Mississippi State am letzten Spieltag die Playoffs zu versauen.

#12 Baylor mit einem 48-14 Kantersieg über #15 Oklahoma. Baylor bleibt aufgrund der direkten Duelle damit erstmal in der Big 12 Conference vorn dabei, aber es ist für diese Jungs ein weiter Weg bis in die Playoffs. Oklahoma dagegen mit der dritten Saison-Pleite, und während die ersten beiden Niederlagen eher knappe Dinger waren, ist das der erste Blowout, der Bob Stoops mal wieder in Kalamitäten bringen dürfte.

Baylor und TCU ist ein interessanter Fall für das Playoff-Komitee: Baylor hat den gleichen Record wie TCU und das direkte Duell dank eines 4th-Quarter Comebacks gewonnen, aber in den Rankings lag man zuletzt deutlich hinter TCU – u.a. aufgrund des sehr viel einfacheren Schedules. Nun sollte mit dem klaren Sieg gegen Oklahoma Boden gewonnen worden sein hinsichtlich Playoff-Ambitionen.

Nachfolgend poste ich das Simple Ranking System nach Woche 11.

Simple Ranking System 2014, Week 11

Simple Ranking System 2014, Week 11

Southeastern Conference

Schauen wir zuerst in die SEC-West:

#1 Mississippi State   5-0 / 9-0
#2 Alabama             5-1 / 8-1
#3 Auburn              4-2 / 7-2
#4 Ole Miss            4-2 / 8-2
#5 Texas A&M           3-3 / 7-3
#6 LSU                 3-3 / 7-3
#7 Arkansas            0-5 / 4-5

Alabama hat die Matchbälle mit noch zwei Heimspielen über Mississippi State und Auburn um sich für das SEC-Finale zu qualifizieren. Alabama stellt heuer keine optisch rundum überzeugende Mannschaft, aber es reicht um noch ganz fett im Rennen zu bleiben.

Die aktuelle Nummer 1 Mississippi State dagegen hat noch zwei Auswärtsspiele (plus ein Heimspiel gegen Vanderbilt) bei Alabama (15.11.) und Ole Miss (29.11.) zu bestreiten. In besagter Situation würde ich eher auf Alabama als Finalisten tippen. Sollte Mississippi State aber eines von beiden Spielen gewinnen, ist es angesichts der grassierenden SEC-Teams mit schon zwei Pleiten nicht auszuschließen, dass man als #4 durch die Hintertür trotzdem den Sprung in die Playoffs schafft.

In der Parallel-Division führt Missouri mit 4-1 Siegen vor Georgia mit 5-2 Siegen. Georgia muss noch gegen Auburn antreten. Angesichts der Umstände ist das ein Pflichtsieg der ganz schweren Kategorie für Georgia. Mizzou hat ein einfacheres Restprogramm mit Texas A&M und Arkansas – aber die beiden Teams sind durchaus Stolpersteine, wie sie dieses Jahr schon oft bewiesen haben.

Big 12 Conference

Der Conference-Sieg wird zwischen drei Teams ausgewürfelt:

#1 Baylor              5-1 / 8-1
#2 TCU                 5-1 / 8-1
#3 Kansas State        5-1 / 7-2

Alle anderen haben bereits drei oder mehr Conference-Niederlagen auf dem Konto. Baylor hat das direkte Duell gegen TCU bereits gewonnen und kann den Conference-Sieg aus eigener Kraft schaffen. TCU hat das direkte Duell gegen Kansas State schon gewonnen und hat dann beste Chancen auf den Conference-Sieg, wenn K-State gegen Baylor gewinnt.

Baylor hat noch drei Heimspiele: vs Oklahoma State, vs Texas Tech, vs Kansas State. Nächste Woche ist man allerdings erstmal spielfrei.

TCU hat das einfachere Restprogramm: @Kansas, @Texas, vs Iowa State. Machbare Gegner, aber zweimal auswärts.

Kansas State noch mit folgenden Spielen: @West Virginia, vs Kansas, @Baylor. Die schwersten Spiele sind auswärts, und das WVU-Spiel ist ein Donnerstagsspiel.

In Sachen Playoffs hat TCU als landesweite #6 (nach dieser Woche vielleicht sogar #5) die besten Karten – sollte TCU alle seine restlichen Spiele überzeugend gewinnen, ist eine Qualifikation selbst als nicht-Conference Gewinner nicht völlig auszuschließen.

Pac-12 Conference

Oregon steht als Conference-Finalist der Nord-Division für meine Begriffe bereits fest (Stanford kann höchstens Punktgleichheit erzielen, hat das direkte Duell aber bereits verloren).

Der Süden ist noch komplett offen: Arizona State (5-1), UCLA (5-2), USC (5-2), Arizona (4-2) und selbst Utah (3-3) sind alle noch leise im Rennen.

Für Oregon geht es prinzipiell aber vor allem darum, nicht mehr zu verlieren, um die fast schon sichergestellte Playoff-Qualifikation nicht noch zu gefährden.

Atlantic Coast Conference

Florida State ist so gut wie fix einer der Conference-Finalisten, müsste schon beide Restspiele verlieren. In der Paralleldivision hat sich Duke (4-1 / 8-1) in die Pole-Position gespielt und darf zudem noch drei Heimspiele bestreiten: vs Virginia Tech, vs UNC, vs Wake Forest. Das direkte Duell mit Georgia Tech (5-2) hätte man schon gewonnen. Das direkte Duell mit Miami (3-2) hätte man allerdings verloren – Miami muss aber nächste Woche gegen FSU ran.

Big Ten Conference

Im Osten steht Ohio State (5-0 / 8-1) so gut wie sicher im Conference-Finale, da Michigan State (4-1 / 7-2) nach dem verlorenen Duell am Samstag praktisch zwei Spiele Rückstand hat.

In der Paralleldivision streiten sich Nebraska, Minnesota und Wisconsin (alle 4-1) sowie unter Umständen Iowa (3-2) um den Endspielplatz. Nebraska tritt noch gegen Minnesota und Wisconsin an.

Playoff-Chancen sind in dieser Conference aber rar geworden.

Group of Five

Playoff-Chancen hat in den Mid-Major Conferences kein Team. Es gibt aber einen Platz in einer der großen Bowls zu gewinnen, und hier sollten folgende Teams die momentan aussichtsreichsten sein: East Carolina (6-2 overall) trotz einer Pleite bei Temple am Samstag aus der AAC, Marshall (9-0 overall) aus der C-USA, Colorado State (9-1 overall) und Boise State (7-2 overall), beide aus der Mountain West Conference.

Für Marshall spricht die Ungeschlagenheit. Für Colorado State der aktuell gute Record. Für Boise State das gewonnene direkte Duell gegen Colorado State (plus eine Niederlage war gegen Ole Miss). Für East Carolina der insgesamt bislang sehr gute Eindruck.

Weiterführende Links

Gerne verweise in auf lesenswertere Kolumnen auf anderen Seiten zur aktuellen sportlichen Situation im College-Football:

Einen ausführlichen Podcast für morgen oder übermorgen erwarte ich überdies von Der Draft.de in deutscher Sprache.

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