NFL 2014/15, Week 11 Preview: Ein Sonntag voller Spitzenspiele

Viele gute Ansetzungen am heutigen Tag in der NFL. Ein Streifzug durch das Sonntagsprogramm.

Die Frühschicht

Kansas City Chiefs (6-3) – Seattle Seahawks (6-3). Die Seahawks zu Gast im “anderen” lautesten Stadion der NFL, und sie müssen ohne ihren wichtigsten Defensive Tackle, #92 Brandon Mebane antreten, dessen Saison mit Verletzung beendet ist. Mebanes Ausfall ist nicht zu unterschätzen: Er gilt nicht als Monster der Güteklasse Watt oder Suh, aber er war der Mann, der in der tiefen Rotation der Seahawks die meisten Snaps durchpowerte und somit Ruhepausen für Kollegen wie #56 Avril oder #72 Bennett ermöglichte. Diese fallen nun immer weiter weg; schon im Frühjahr verlor Seattle mehrere Ergänzungsspieler aus der Front-Seven. Mit Mebanes Ausfall wird die Tiefe weiter ausgedünnt.

Für die Offensive Line der Chiefs hätte nichts Besseres passieren können: Sie wurde am letzten Sonntag in Buffalo in ihre Einzelteile auseinandergenommen. Ein weiteres Desaster dieser Güteklasse erspart man sich gern. So gut Seattles Front-Seven immer noch ist: Sie dürfte nun zumindest nicht mehr vier Viertel lang überlegen sein.

Ansonsten warten einige Fragen auf Beantwortung: Ist RB #24 Marshawn Lynch tatsächlich ein valider MVP-Kandidat? Kann Chiefs-QB #11 Alex Smith seine neu gewonnene Klasse gegen die Legion-of-Boom unter Beweis stellen? Wie viel ist Seattles Wackel-Protection gegen die Front Seven der Chiefs wert? Wie deutlich fällt der Ausfall von Chiefs-LB Derrick Johnson gegen Seattles Laufspiel ins Gewicht?


New Orleans Saints (4-5) – Cincinnati Bengals (5-3-1). Cincinnati hat den besseren Record vor dieser Partie, aber nach der Blamage in Cleveland wagt niemand mehr, auch nur einen Cent auf Andy Dalton und Co. zu setzen. Dalton hatte auch ein episches Spiel für die Grütze: 33 Passversuche, weniger als 100yds Raumgewinn, drei Turnover.

Dalton mag eines nicht: Pass Rush. Den wird er gegen die mit viel Druck spielende Saints-Defense aber das eine oder andere Mal sehen. Die Frage ist, ob er trotzdem die Bälle schnell genug auf seine Einser-Waffe #18 A.J. Green bekommt.

Bei den Saints macht sich trotz Graupen-Bilanz noch niemand ernsthafte Sorgen bezüglich Playoffs, denn man führt schließlich die Division an. Ein Punkt, der bisher noch nicht zur Sprache gekommen ist, der aber durchaus seine Berechtigung hätte: Drew Brees hat zumindest zwei der letzten drei Spiele eigenhändig weggeschmissen. Gegen Detroit mit einer üblen Interception. Gegen San Francisco mit einem No-Go Fumble in der Overtime an der eigenen RedZone. Wärste Rookie, würdeste das als Lehrgeld bezeichnen. Bei einem Hall of Famer? Krise.


New York Giants (3-6) – San Francisco 49ers (5-4). Die Neuauflage des NFC-Finals von 2012, allerdings unter deutlich anderen Vorzeichen. New York durchlebt trotz immer wieder aufflackernder guter Anzeichen insgesamt eine enttäuschende Saison. Man scheint immer wieder den Ausfall von Victor Cruz kaschieren zu können, u.a. weil der Nachzügler #13 Odell Beckham famose Spielabschnitte einbaut. Aber dann erweist sich die ganze Armada von QB Eli Manning doch als zu unreif um die PS konstant auf den Boden zu bringen.

Größeres Problem bei den Giants ist die windelweiche Defense, die sich zuletzt von Seattle überlaufen ließ wie eine Bande Halbwüchsiger. Gegen San Francisco ist man gut beraten, seine Schotten abzudichten, denn auch wenn es immer wieder Kritik hagelt am mangelnden Einsatz von Gore/Hyde, sind diese Jungs an guten Tagen mit gutem Blocking noch immer in der Lage, ein dominantes Laufspiel aufzubauen. Und kannst du bei den 49ers deren Laufspiel nicht stoppen, hast du prinzipiell verloren.

In der 49ers Defense soll #99 Aldon Smith zurückkehren und den Pass Rush verstärken. Smiths Nebenmann #50 Chris Borland – Bill Barnwells Kuscheltier – kann sich derweil schon einmal darauf einstellen, bis zur Rückkehr von NaVorro Bowman das Kommando anzugeben: Der eigentliche Anführer der Linebacker, #52 Patrick Willis, wird wegen einer hartnäckigen Zehenverletzung seine Saison frühzeitig abbrechen – ein schmerzhafter Verlust.


Chicago Bears (3-6) – Minnesota Vikings (4-5) ist das erste Spiel des Marc Trestman gegen seinen Rauswurf. Sach ich jetzt einfach mal so. Die NFL ist ungnädig, und wenn du nach dem Desaster in Foxboro zwei Wochen zum Nachdenken hast und dann zum Erzrivalen Green Bay fährst und dich mit sechs Touchdowns in einer Halbzeit abschlachten lässt, sprechen wir über Momente, für die NFL-Coaches dieser Generation noch vor Abschluss der Saison gefeuert werden. Eine Entlassung Trestmans käme durchaus überraschend nachdem alle im letzten Jahr so von seiner Offense schwärmten, aber der Trend der letzten Wochen ist nicht Trestmans Freund.


Außerdem zu sehen: Washington Redskins mit RG3 gegen Kellerkind Tampa Bay. Washington ist die 2014er Ausgabe der Mannschaften, die sich mit schlechtem Record in die Top-10 des Power-Rankings gespielt haben, u.a. dank einer sehr effizienten Pass-Offense. RG3 sah in seinem Comeback gegen Minnesota vor zwei Wochen trotz Niederlage blendend aus. Gegen die waidwunden Buccs sollte er erneut die Chance dazu bekommen.

Bei Cleveland – Houston heißt es Clowney-Watch gegen die grundsoliden Offensive Tackles der Browns und QB Ryan Mallett-Watch gegen die schwer einzuschätzenden Browns-Cornerbacks. Clowney soll sein Comeback geben. Mallett soll sein Debüt geben – man ist mit QB Fitzgerald nicht mehr zufrieden. Malletts Einsatz kommt für viele Beobachter eh lang schon erwartet, nachdem der gute Mann ja schließlich als Schützling von Head Coach O’Brien gehandelt wird.

Die Spätschicht

Green Bay Packers (6-3) – Philadelphia Eagles (7-2). Eine Top-Paarung aus der NFC, die zwei mögliche Playoff-Teams in Lambeau aufeinander matcht. Bei beiden Mannschaften hat man noch nicht wirklich ein gutes Gespür dafür, welches Kaliber sie dieses Jahr stellen. Green Bays Offense ist noch immer Aaron Rodgers, aber gegen die wirklich guten Defensive Lines hatte man heuer große Probleme. Philadelphia hat keine wirklich gute Defensive Line, aber eine, die sich stetig steigert.

Green Bay zeigte in der Defense immer wieder Risse, konnte das mit der hohen Schlagzahl der Offense aber kaschieren. Die Eagles-Offense hat auch mehr als ein Gesicht. An guten Tagen – sprich wenn das Laufspiel schnell in die Gänge kommt – walzt sie schon wieder Gegner über den Haufen. An schlechten Tagen – ohne gutes Laufspiel – müssen die Quarterbacks zu viel Verantwortung übernehmen und verstricken sich in Sacks und Interceptions.

Vieles hängt an der Offensive Line, die heuer noch nie in der Bestbesetzung aufmarschiert ist, und nach dem Saisonaus von RG Todd Herremans auch nicht mehr aufmarschieren wird. Das ist das schlechte. Das „Gute“: Herremans ist der entbehrlichste der ganzen Eagles-Vorblocker, und die Mannen an den Flanken LT Peters und RT Johnson sind seit kurzem wieder einsatzbereit.


Arizona Cardinals (8-1) – Detroit Lions (7-2). Es ist das Duell der beiden NFC-Mannschaften mit dem besten Record. Für langjährige NFL-Beobachter fühlt sich eine Spitzenspielpartie mit Beteiligung von Arizona und Detroit an wie wenn in der Bundesliga der Club gegen Hannover um die Tabellenführung kämpfen: Die hässlichen Entlein auf dem falschen Parkett.

Arizona und Detroit kommen über unterschiedliche Wege zum Erfolg. Prinzipiell haben heuer beide ihre Stärken in der Defense, aber während die Cardinals vor allem über situatives Overloading von Blitzes setzen, verlässt sich in Detroit alles darauf, dass die Defensive Line um #90 Suh und den rasant aufsteigenden #94 Ziggy Ansah die Pace vorgibt und die einst anfällige Secondary nicht öfters als zweimal pro Spiel einbricht. Beide haben mit ihren Strategien bislang trotz prominenter Spielerausfälle Erfolg, weswegen die DefCoords Todd Bowles (Cards) und Teryl Austin (Lions) zurecht abgefeiert werden. Bowles bekam unter der Woche sogar eine fette Vertragsverlängerung. Man hat wohl Angst vor einer Abwerbung.

Auch in der Offense operieren nicht mit den gleichen Messern. Beiden ist gemeinsam, dass es Löcher in der Offensive Line gibt, beiden ist gemeinsam, dass man sich am liebsten mit dem Passspiel helfen möchte. Aber während Arizonas mutiger Headcoach Bruce Arians am liebten in jedem zweiten Snap tief gehen möchte, versucht sich die neue Lions-Führung um Jim Caldwell und OffCoord Joe Lombardi an der Implementierung einer kurzpasslastigeren Offense. Beide Mannschaften wollen loskommen von der Abhängigkeit von ihre Superstar-Receivern Fitzgerald und Johnson, wobei diese Mission vorerst eher in der Wüste zu gelingen scheint.

Die Cardinals gehen insofern geschwächt in diese Partie, weil sie für den Rest des Jahres auf Stamm-QB Carson Palmer verzichten müssen. Der neue Einser-QB ist Drew Stanton, einst von den Detroit Lions einberufen und nach der 0-16 Saison 2008 quasi ohne echte Einsatz-Chance abserviert, und Stanton hat heuer schon eine Handvoll sehr adäquater Partien gespielt. Er wirft bisher vor allem auch trotz der eher vertikal angelegten Offense so gut wie keine Interceptions – man geht davon aus, dass es dabei bleiben muss, will Arizona heute mit den Lions Schritt halten.

Detroit ist zu favorisieren, aber es ist ein trügerischer Favoritenstatus. Die Lions werden nach der Orgie an Glückssiegen überschätzt. Auch Arizona ist mit 8-1 überschätzt, aber die Cards werden wenigstens nicht von halb Amerika in den Himmel geschrieben.


Indianapolis Colts (7-2) – New England Patriots (7-2). Sunday Night Game ab 02h30 mit zwei der großen Star-QBs der Liga, Andrew Luck gegen Tom Brady. Indianapolis Colts gegen New England Patriots, auch so eine Rivalry, die die 2000er geprägt hat, aber in Wahrheit war es mehr eine Rivalität Brady/Manning, was man daran sieht, dass mit den neuen Köpfen in Indianapolis kein Hahn mehr nach Patriots vs Colts kräht.

Die Partie hat Potenzial für die Rampensäue. Beide Quarterbacks fuhren in den letzten Wochen astronomische Yards-Zahlen ein und trieben ihre Offenses teilweise schneller das Spielfeld runter als die Kameras folgen konnten. Bei den Colts läuft Woche für Woche mehr über QB Andrew Luck, der über den Daumen gerechnet auf Kurs „Passrekord an Yards pro Saison“ ist. Luck ist auch Down für Down effizient genug und trägt eine Offense mit mehr als fragwürdigem Laufspiel mittlerweile quasi im Alleingang. Luck wirft nur in 20% der Fälle tief und komplettiert dafür eher „dürftige“ 63% seiner Pässe, aber mit dem wirklich schwachen Run-Game im Hinterkopf hat er ein faszinierendes Näschen dafür, lange Drives am Leben zu halten.

Indianapolis ist dieses Jahr eine Mannschaft, die viel besser ist als erwartet. Sie ist bereits in der Lage, inferiore Konkurrenz deutlich an die Wand zu spielen. Sie wird allerdings noch von den qualitativ besseren Gegnern im Schedule teilweise recht böse an die Wand gespielt: Die erste Halbzeit gegen Denver oder die komplette Partie gegen Pittsburgh sah man nicht ansatzweise Land. Schuld daran ist die unbeständige Defense, die auf zu wenige gute Passrusher in der Front-Seven vertrauen kann.

Der deutsche OLB #92 Björn Werner gilt als Mann, der sich in den letzten Wochen gut entwickeln konnte, aber so wirkliche Dominanz im 1-vs-1 traut man ihm noch nicht zu. Das führt dazu, dass DefCoord Manusky und Head Coach Pagano recht häufig zum Mittel „Blitz“ greifen müssen um Druck zu erzeugen – bloß stellt man damit die eigene Secondary auch oft genug blank.

Einige sehen Indianapolis heute als Favorit gegen New England. Das Power-Ranking gibt den Colts eine 61%-Chance zum Sieg. Gefühlt würde man trotzdem noch immer eher zum abgewichsten Alteingesessenen New England tendieren, der eine insgesamt komplettere Mannschaft aufweist, und dessen Stärken (Pass-Deckung) und Schwächen (Lauf-Defense) recht gut auf die Colts-Offense zugeschnitten sind.

Advertisements

Ein Kommentar zu “NFL 2014/15, Week 11 Preview: Ein Sonntag voller Spitzenspiele

  1. Ich bin gespannt auf diesen Spieltag. Die Lions haben in der Wüste Arizonas in den letzten Jahren nie wirklich gut ausgesehen 😓

    Heute gilt es dies zu ändern. Was mich wundert ist deine Aussage, dass es den Cards bis heute besser gelungen ist, sich von ihren Star-WR loszueisen. Ich denke das unser neuer Off-Cord Joe Lombardi einen guten Job macht. Vor allem Golden Tate hat einen großen Anteil daran, dass der Ausfall von Megatron zum jetzigen Zeitpunkt so gut kompensiert werden konnte 😊

    Dennoch bin ich leider ein bisschen skeptisch was das Spiel heute Abend angeht. Natürlich hoffe ich auf einen Sieg, aber wie anfangs schon erwähnt, zeigten die Lions bei den Cards enorme Schwächen bzw. das Glück war in der Hitze nie so wirklich auf unserer Seite. Sollten wir heute gewinnen und nächste Woche bei den Pats was reißen ist dieser Mannschaft alles zu zutrauen (#SuperBowl 😃).

    Hoffentlich spielen die Eagles heute auch noch für uns 😊

    In diesem Sinne … LETS GO LIONS !!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s