Sonntagsvorschauer, Woche 12 | NFL 2014/15

Football!

Am Donnerstag überqueren wir den Belichick-Äquator. Seinem Entdecker zufolge beginnt erst zu Thanksgiving die eigentliche NFL-Saison. Bis dahin sind Captain und Crew einer NFL-Fregatte damit beschäftigt, sich kennenzulernen, die beste Arbeitsaufteilung zu finden und den passenden Dienstplan zu erstellen. Der beste Zeitpunkt, um vom Hafen aus die NFL-Flotte zu inspizieren.

19.00 Uhr – Die Schiffbrüchigen

Tampa Bay Buccaneers (2-8) @ Chicago Bears (4-6)
Jacksonville Jaguars (1-9)@ Indianapolis Colts (6-4)
Tennessee Titans (2-8) @ Philadelphia Eagles (7-3)

Hier sind drei Playoffkandidaten, die unbedingt vermeiden sollten, sich von den Schiffbrüchigen aus der AFC und NFC South in den Abgrund reißen zu lassen. Die Bears und Colts haben beiden verdammt talentierte Offenses; aber während Andrew Luck jede Woche im Vorbeigehen für 300 Yards wirft, hat Jay Cutler in Chicago große Probleme und nur noch eine Außenseiterchance auf die Playoffs. Vor dem überzeugenden Sieg letzten Sonntag gegen Minnesota (31/43, 330yds, 3TDs, 2INTs) kam der Angriff zu oft nicht vom Fleck. Eine große Rolle spielten Verletzungen (Marshall, Jeffery), aber auch die Abwesenheit des tiefen Balles. Woher das kam? Komischer Gameplan mit Trilliarden screen passes, fehlendes Vertrauen in die angeschlagenen Marshall und Jeffery, schlechte Offensive Line? Ein bißchen von allem. Verliert man jetzt gegen Ex-Coach Lovie Smiths Bucs, sind die Playoffhoffnungen endgültig im Eimer und Marc Trestmans Stuhl auf der Brücke ist angeknackst.

Für eine der Wildcards in der NFC interessieren sich auch die Philadelphia Eagles (7-3). Doof nur, daß der Erste Offizier nun Mark Sanchez ist. In seinen drei Spielen seit Nick Foles‘ Verletzung hat er bereits sechs Ballverluste produziert. Davon ab allerdings sieht er ganz patent aus. Leider ist die Verteidigung der Tennessee Titans (2-8) genau das, was Sanchez nicht mag: sie blitzen viel, kreativ und aus allen Lagen. Das ist sehr riskant gegen gute QBs – gegen Sanchez kann es gut gehen. Wahrscheinlich wird Chip Kelly mit viel Shady MyCoy und Darren Sproles versuchen, diese Aggressivität ins Leere laufen zu lassen.

19.00Uhr – Die Playoffregatta

Cleveland Browns (6-4) @ Atlanta Falcons (4-6)
Cincinnati Bengals (6-3-1) @ Houston Texans (5-5)
Green Bay Packers (7-3) @ Minnesota Vikings (4-6)
Detroit Lions (7-3) @ New England Patriots (8-2)

In der besseren Hälfte des 7pm-slots haben wir vier Spiele mit Playoffimplikationen galore. Der Letzte der AFC North, die Cleveland Browns (6-4), spielt auf beim Führenden der NFC South, den Atlanta Falcons (4-6). Es bräuchte aber ein Wunder um diese Position zu halten. Die Falcons sind durch viele schwere Stürme gegangen und halten ihren Kahn nur noch notdürftig mit Panzertape und Tauen zusammen. Die Browns auf der anderen Seite machen einen sehr soliden Eindruck. Mittelmäßige Offense plus mittelmaßige Defense minus dumme Fehler reicht meistens schon aus, um bis zum Schluß um die Playoffs zu spielen.

[korsakoffs power ranking nach Woche 11]

Diese Browns haben vor zwei Wochen Andy Dalton fürchterlich malträtiert und versenkt: 10/33, 86yds, 3TDs. Letzte Woche haben die Cincinnati Benagals (6-3-1) dafür ihrerseits die New Orleans Saints im Superdome versenkt mit 27-10. Die Cincinnati Bengals sind immer noch eines der talentiertesten Teams der Liga; und Dalton einer der besseren QBs. Er hat einen viel schlechteren Ruf, als es seine Leistungen vermuten lassen würden. Dieser Ruf kommt hauptsächlich von den schlimmen Playoffniederlagen 2011 und ’12 gegen die Houston Texans (5-5). Houston sieht noch die Playoffs am Horizont, aber dafür müßte der Wind schon immer perfekt stehen.

In den 90er Jahren zeigte das DSF manchmal speedboat races. Irgendwo anders gab es sogar cheesy Serien bei denen ein speedboat die Hauptrolle spielte. Die Green Bay Packers (7-3) sind das speedboat in der heutigen NFL. Wenn Aaron Rodgers Bock hat, wirft er sechs Touchdowns in einer Halbzeit. Die beste Statistik ist aber diese (via Mike Tanier)

Aaron Rodgers on third down with 10 or more yards to go: 16-of-24, 380 yards, four touchdowns, eight first downs, no interceptions, 66.7 percent complete, 50 percent conversion rate. He has been sacked six times on 3rd-and-long, but only once since Week 3.

Die Minnesota Vikings (4-6) haben auch noch Außenseiterchancen auf die Endrunde, aber die bessere Strategie wäre es wohl, im Kader die Kadetten zu identifizieren, um die man in den nächsten Jahren das Team aufbaut. Mit Teddy Bridgewater, RB McKinnon, WR Patterson, DT Floyd, Sarfety Harrison und CB Rhodes hat HC Mike Zimmer eine Führungscrew, die einen starken Kern bilden kann.

Wenn die Packers das speed boat sind, dann sind die New England Patriots (8-2) ein dreadnought. Seit einigen Wochen schon feuern sie aus allen Rohren und lassen nur Wracks zurück. Sie machen es wie im 20. Jahrhundert: power running game, viel play-action, aggressive Verteidigung – und eine one man army in Rob Gronkowski. CB Darrelle Revis ist mittlerweile im lights out modus angekommen; die ILB Hightower und Jamie Collins machen Jerod Mayo vergessen und wenn DE Chandler Jones von seiner Verletzung zurückkehrt, wird die Defense noch gefährlicher. Volle Kraft voraus und Kurs halten auf den Super Bowl? Ja, wenn Tom Brady nicht immer mal wieder seekrank wäre. Für seine erste Halbzeit letzten Sonntag gegen Indy wären einige QBs gebencht worden. Und es war nicht sein erstes Spiel mit katastrophalen Entscheidungen und panic under pressure.

Die Detroit Lions (7-3) nun bringen genau das: pressure. Nick Fairley fehlt zwar, aber die Linie um Ndamukong Suh und Ziggy Ansah ist immer noch mit das Gefährlichste, was man in den NFL-Wassern finden kann. Dazu kommt noch die saustarke Lauf-D. Genau so ist der Weg auf der Schatzkarte eingezeichnet: Laufspiel abwürgen, pressure mit four men rush. Hier muß Brady das Ruder in die Hand nehmen und beweisen, daß er immer noch ein Spiel alleine gewinnen kann.

22.05 / 22.25 Uhr

St. Louis Rams (4-6) @ San Diego Chargers (6-4)
Arizona Cardinals (9-1) @ Seattle Seahawks (6-4)
Miami Dolphins (6-4) @ Denver Broncos (7-3)
Washington Redskins (3-7) @ San Francisco 49ers (6-4)

In Washington (3-7) wird schon fröhlich gemeuert, jeder gegen jeden, alle gegen alle – in aller Öffentlichkeit. Wie so oft unter dem Regime Dan Snyders haben die Redskins „Schiffbruch“ neu definiert. Die San Francisco 49ers (6-4) mußten auch durch rauhe See, haben ihr Schiff aber mittlerweile wieder auf Kurs gebracht.

An der Nordsee kann man in vielen Orten den Krabbenfischern bei der Arbeit zusehen. Immer wieder sind Barkassen darunter, die erhebliche Mängel haben: kaputte Türen, Löcher in der Verkleidung, ein undichtes Dach undsoweiter. Das sind oft die Krabbenfischer mit den vollsten Netzen. So ungefähr muß man sich die Arizona Cardinals (9-1) vorstellen. Korsakoff hat das hier auch schon oft genug geschrieben, daher nur kurz: die Cards spielen fast schon grotesk über ihre Verhältnisse. Aber sie gewinnen, weil sie aggressiv sind und Risiken eingehen. In Bruce Arians‚ Offense ist bei jedem Paßspielzug ein tiefer Ball möglich. Es ist immer „touchdown or check down„. Auf der anderen Seite des Balles ist es das wilde rumgeblitze, das entweder böse in die Hose gehen kann – oder Ballverluste provoziert. Bis jetzt hat es immer überraschend gut funktioniert, aber früher oder später werden sie auf Grund laufen.

Die Seattle Seahawks (6-4) dagegen spielen unter ihren Verhältnissen und haben darüber einen ziemlich schlechten Ruf bekommen. Sie werden vielerorts runter- und abgeschrieben. Wenn sie aber alle Mann an Deck haben, können sie immer noch problemlos jede Mannschaft schlagen. Sie mögen zwar nicht mehr das Monster von 2014 sein, aber einer der besten repeat-Kandidaten der letzten Jahre sind sie allemal.

Im Mile High um halb elf wollen Peyton Manning und seine Denver Broncos (7-3) sich rehabilitieren, nachdem sie letzte Woche gegen die Rams nur sieben Punkte gemacht haben. Die Miami Dolphins (6-4) haben ebenso wie die Rams einen starken pass rush, welcher die umgebaute Offensive Line der Broncos vor große Probleme stellt. Nur haben die Dolphins mit Brent Grimes zusätzlich noch einen 1A-Cornerback und die Broncos diese Woche einige Leute beim Arzt: Emmanuel Sanders, Julius Thomas und Montee Ball. Dieses Spiel könnte spannender werden, als es sich anhört.

Und dann haben wir noch zwei Geisterschiffe, zwei sehr komische Teams. Die St. Louis Rams (4-6) haben die angesprochenen Seahawks und Broncos bereits besiegt, außerdem in San Francisco gewonne. Es ist nun schon seit Jahren das gleich Muster: St. Louis startet schlecht in die Saison, landet dann einige Überraschungserfolge und überzeugt als spoiler im November und Dezember. Dann schreiben die pundits ins Internet, daß hier jetzt endlich etwas Großes entsteht und da ja soo viel Talent ist – und dann beginnt der Zyklus von vorne. Die San Diego Chargers (6-4) sind sehr gut in die Saison gekommen, haben jetzt aber überall Lecks und kämpfen ums Überleben. Angeblich ist sogar der Zeugwart verletzt. Zwei Teams mit Kurs auf nirgendwo.

Sunday Night Football

Wie jedes Jahr zeigt NBC ein Cowboys/Giants-Spiel. Dieses Jahr hätten sie es besser viel früher gezeigt. Die New York Giants (3-7) sind völlig vom Kurs abgekommen, haben fünf Spiele in Folge verloren und Käpt’n Coughlin dreht gerade seine letzten Runden. Bei den Giants sollte man nicht genauer hinsehen, einfach in Würde sterben lassen, auf daß sie 2015 wieder zu neuen Ufern aufbrechen können.

Die Dallas Cowboys (7-3) haben seit ihrem 6-1-Start ganz schön zu kämpfen. Aber nach zwei Wochen am Strand zur Erholung (@JAX, bye), sollten sie jetzt wieder voll durchstarten können. Vor allem RB Murray und QB Romo dürfte die Freizeit gut getan haben um ihre geschundenen Körper zu rehabiltieren. Ob ihr wahres Gesicht das der ersten sieben Wochen ist oder das der letzten vier, werden sie heute zeigen. Sind sie mittlerweile ein Team, daß schlechtere Gegner aus der Halle schießt oder verstolpern sie vertrottelt und lassen ihre beste Möglichkeit seit Jahren ungenutzt? Bei der Fahrt über den Belichick-Äquator findet man es heraus.

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4 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer, Woche 12 | NFL 2014/15

  1. Bei der guten Vorschau stellt sich die Nachbetrachtung als Volltreffer heraus.
    Die Abendspiele blieben lange offen, bis sich eben dann doch die Qualität durch setzte, das Glück dem Tüchtigen vorbehalten blieb.
    Es folgen ab nun harte Ausscheidung-spiele um die begehrten Playoff Plätze,
    (Zitat: „beginnt erst zu Thanksgiving die eigentliche NFL-Saison“)
    die „Ausgeschiedenen“ können jetzt unbelastet den Kronfavoriten die Suppe versalzen.
    Mit und in der AFC Nord und NFC West sind jedenfalls spannende Begegnungen angesagt.

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