Die Akademische Viertelstunde und die Suche nach dem perfekten Playoff 2014/15

Die Florida State Seminoles sind auch nach Woche als einziges „Power-Five“ Team ungeschlagen, aber es brauchte erneut einen knappen Sieg gegen bestenfalls durchschnittliche Boston College Eagles um sich zu einem 20-17 Sieg zu würgen. Die Seminoles bleiben damit auf Playoff-Kurs, weil die Kombination aus ACC und Ungeschlagenheit ihre Qualifikation verlangt.

FSU ist damit das heurige Paradebeispiel für den Diskurs „verdientes Team“ vs „bestes Team“. Nehmen wir die Qualität der Mannschaft als Bewertungsgrundlage, müsste FSU eigentlich aus den Playoffs gewählt werden: Sie sind zwar 11-0 nach Record, aber das hauptsächlich wegen eines 5-0 Laufs in engen bzw. engsten Spielen. Ihre scheinbar besten Siege sehen mit Notre Dame, Oklahoma State und Clemson maximal durchschnittlich aus, und nach SRS ist man nur an #17 gereiht.

Florida State gehört – sofern man ungeschlagen bleibt – in die Playoffs, weil sie kein Spiel verloren haben, und das gegen den nach SRS immerhin an #50 gereihten Schedule. Das andere ungeschlagene Team in der FBS, Marshall aus der Conference-USA, hat seine 11-0 Bilanz gegen den an #124 gereihten Schedule zustande gebracht.

Florida State hat nun noch die Florida Gators zum Abschiedsspiel von Will Muschamp im Schedule, plus das ACC-Finale gegen Georgia Tech in zwei Wochen. Selbstläufer sind beide Partien nicht: Gegen die Gators ist man zuhause nach SRS mit 4.7 Punkten favorisiert. Gegen Georgia Tech im ACC-Endspiel wird man Stand heute mit 0.7 Punkten favorisiert in die Partie gehen.

Sollte es zu zwei Siegen reichen, wird man einer der vier Halbfinalisten sein. Man wird eine jener Mannschaften sein, die sich mit „clutch“-Leistungen durchgebissen hat um dann gegen die wahren Granden in der Post-Season auf Granit zu beißen. Die Mannschaften von Ohio State oder Notre Dame in den letzten Jahren stehen Bürge für solche Saisonverläufe, und sie alle erlebten böse Erwachen.

Beim amtierenden Landesmeister Florida State wird die spannende Frage sein, ob sie wider Erwarten den Trend aufhalten können.

Simple Ranking System 2014, Week 13

Simple Ranking System 2014, Week 13

Alabama hat sein Schicksal komplett in eigener Hand. Man führt nicht bloß das CFP-Ranking an, man ist auch die Nummer 1 im SRS. Alabama hat am Samstag um 1h15 MEZ den Erzfeind Auburn vor der Brust in einer Partie, in der man mit 6.7 Punkten favorisiert sein wird und prinzipiell gewinnen sollte.

Bei einem Sieg wird Alabama eine Woche später im SEC-Endspiel stehen. Eine Niederlage reicht nur dann, wenn kurz vorher Mississippi State bei Ole Miss verloren haben wird.

Der Gegner dort wird eine heiße Kiste: Entweder Georgia oder Missouri. Beide diese Mannschaften stehen bei 9-2 Siegen. Georgia hat seinen Conference-Schedule schon beendet (6-2 Siege), muss auf eine Niederlage von Missouri hoffen. Missouri muss gegen Arkansas ran – wie ich schon des Öfteren schrieb, die undankbarste Aufgabe dieses Jahr.

Kommt Missouri ins Endspiel, trifft Alabama auf eine gute, aber nicht sehr gute Mannschaft. Mizzous Bilanz ist aller Ehren wert, aber man wurde u.a. von Indiana besiegt – nie ein Zeugnis großartiger Qualität.

Kommt aber Georgia ins Endspiel, hat Alabama dann einen Gegner vor der Brust, der nach SRS auf Augenhöhe eingestuft wird: Georgia wird als drittbeste Mannschaft des Jahres gesehen, nur 1.8 Punkte hinter Alabama.

Ich bin bekennender Mizzou-Fetischist, aber bitte bitte gebt uns ein SEC-Finale Alabama – Georgia, nicht nur weil es grenzgeniales Playoff-Playin impliziert, sondern auch weil es die Chance auf die Revanche des Spiels der Spiele von vor zwei Jahren böte.


Oregon (10-1) hat vielleicht die besten Aktien auf die Playoffs. Am Samstag wird man gegen Erzrivale Oregon State im „Civil War“ klar favorisiert sein, und eine Woche später trifft man im Conference-Finale im Levi Stadium auf eines der vielen guten Süd-Teams, denen allen ein Funzen fehlt um wirkliche Spitzenklasse für sich zu beanspruchen. Je nach Gegner wird Oregon im Pac-12 Finale mit sieben bis elf Punkten favorisiert sein.


Die Debatte zwischen Baylor und TCU (beide 9-1) hatten wir schon einmal. Baylor überholte am Wochenende TCU im SRS, aber es bleibt ein Kopf-an-Kopf Rennen. Ich glaube nicht, dass das knapp gewonnene direkte Duell von Baylor gegen TCU besonders viel Ausschlag geben muss, vor allem wenn man sieht, dass der durchschnittliche Gegner von TCU dieses Jahr fast vier Punkte besser war als der durchschnittliche Gegner von Baylor (siehe Spalte SOS).

Ich weiß nicht, für wen sich das Playoff-Komitee entscheiden würde, sollten beide die Saison mit zwei Siegen beenden. Ich würde zu TCU neigen, weil besseres Gesamtbild aus Qualität und Höhe der Siege.

Es tauchte in diversen Medien die Frage auf, ob Baylor und TCU eine Chance haben, gemeinsam die Big 12 Conference im Playoff zu vertreten, zum Beispiel gesetzt den durchaus nicht von der Hand zu weisenden Fall, dass Alabama / FSU noch einmal ausrutschen und/oder Mississippi State in Mississippi verliert. Wäre das wirklich möglich? Zweimal Big 12, und maximal einmal SEC im allerersten Playoff? Noch dazu dann mit zwei langjährigen grauen Mäusen wie Baylor und TCU?

Ich halte dieses Option für ausgeschlossen.


Eher qualifizieren sich die Ohio State Buckeyes (10-1) für das Halbfinale. Ohio State spielt eine sehr anonyme Saison. Man hat keinen richtigen Qualitätssieg bis auf Michigan State. Man hat nur den 52t-schwersten Schedule des Landes gespielt. Man konnte selbst in der dürftigen Big Ten Conference keine Kantersiege einfahren.

Aber Ohio State ist eine landesweite Marke. Man ist ein Team, das hoch favorisiert sein wird, die letzten beiden Spiele zu gewinnen. Und man ist in einer Lauerstellung, die jedes Ausrutschen der Big-Cows ausnutzen könnte.


Was ist mit Mississippi State? Die Bulldogs werden wohl auch nach dieser Woche auf #4 im CFP-Ranking bleiben, auch wenn das SRS an den Bulldogs weniger Gefallen findet als die Mass-Media. Auch Mississippi State ist eine recht unscheinbare Uni die bisher wenig in Erscheinung getreten ist. Man hatte heuer das beste Jahr seiner Geschichte.

Man muss am Wochenende auswärts gegen Erzfeind Ole Miss ran, das seine letzten Resthoffnungen am Samstag den Bach runtergehen sah. Mississippi State wird nach SRS dort Außenseiter sein, und zwar mir drei Punkten.

Die Bulldogs lungern in keiner schlechten Situation am Eck: Gewinnen sie am Samstag – vielleicht sogar überzeugend – ist es für diese Mannschaft vielleicht sogar „besser“, das SEC-Endspiel zu verpassen und als 11-1 SEC West Team mit guten Argumenten in das finale Feilschen um die Playoff-Qualifikation zu gehen.

Erreicht man wider Erwarten noch das SEC-Endspiel, wartet dort mit Georgia oder Mizzou ein weiterer potenzieller Stolperstein.

Und schließlich das totale Chaos: Missouri oder Georgia gewinnen in überzeugender Manier das SEC-Finale.


Müsste ich heute die Playoffs verteilen, würde ich folgende vier Mannschaften hineinwählen: Alabama und Oregon aufgrund ihrer Kombination aus Stärke und Schedule. Florida State, weil trotz ersichtlicher Schwächen ungeschlagen, und Ungeschlagenheit gepaart mit einem gewissen Gesamtpaket sollte zählen – schließlich ist Sport nicht bloß Schönheitswettbewerb. Als viertes Team würde ich TCU wählen, weil sie im Package minimal besser abschneiden als Baylor und eine vierte Conference im Vergleich zu Mississippi State repräsentieren würden.

Ich gebe zu, der TCU-Pick ist argumentativ schwer zu verteidigen und letztendlich eine Geschmacksfrage, welche Kriterien man im Pool zwischen Record, Schedule, Strength-of-Victory, Conference Championship und Conference-Zugehörigkeit am höchsten gewichten möchte.

Dass das Playoff-Komitee bislang nicht wirklich transparent gemacht hat, welche diese Faktoren sein werden, und trotzdem schon merklich anders wählt als die traditionellen Polls (die allesamt FSU an #1 listen), macht die Sache spannend.

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Ein Kommentar zu “Die Akademische Viertelstunde und die Suche nach dem perfekten Playoff 2014/15

  1. Nach dieser guten Vorschau wird das wieder mal eine lange Nacht am Spieltag geben, hoffe nur dass ich durchhalten kann. Das vergangene Weekend lies ich sausen, brauchte mal eine Pause vom College Football, zumal sowieso eine verlängerte Woche mit Spielen der NFL ansteht.
    Hatte bisher diese Saison meinen Fokus auf Spiele von TCU, Kansas St. und Mississippi State gelegt. Von deinen genannten Georgia und Ohio kein einziges Game verfolgt, da werde ich jetzt nachlegen.
    Was trotzdem noch für die Seminoles spricht sind die knappen Siege in den Schlussminuten, meist immer aus einem Rückstand aufholend. Das spricht schon auch für ihre Qualität.

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