NFL-Power Ranking 2014 | Woche 12

Das Power-Ranking 2014 wird stabiler: Erstmals gibt es kaum mehr die ganz großen Sprünge, die über 2-3 Positionen hinausgehen. Pünktlich zu Thanksgiving vermittelt es damit zum ersten Mal wirklich das Gefühl, dass wir zuversichtlich Stärken und Schwächen der 32 Mannschaften hinaus posaunen können.

Hinter den Patriots, Packers oder Broncos gibt es aber durchaus immer noch Hidden-Champs, die man nicht ganz außer Acht lassen sollte. Die Miami Dolphins zum Beispiel lieferten am Sonntag in Denver erneut einen großen Kampf und verloren nur knapp mit 36-39 gegen das insgesamt noch immer beste Team nach Effizienz in diesem Jahr. Wer das Power-Ranking schon länger verfolgt, wird nicht überrascht sein: Die Dolphins liegen seit vielen Wochen in den Top-Rängen auf Platz zwei. Sie fallen vielleicht nicht so auf, weil ihre Pass-Offense mit nur 5.8 NY/A bloß #28 der Liga ist, aber in allen Faktoren außer den Offense-Fumbles ist man in den Top-Rängen klassiert: Beste Lauf-Offens mit 52% Success-Rate, beste Pass-Defense mit 5.4 NY/A, achtbeste Lauf-Defense, und – nicht zu vergessen! – mit nur 0.26yds Penaltys die dritt-disziplinierteste Mannschaft der Liga.

Eine Unit, die man schon vergessen hatte, die sich aber in den letzten Wochen nach oben gegroovt hat: San Franciscos Defense, die mittlerweile auf #1 der Liga liegt – und das ohne die beiden vermeintlichen Schlüsselspieler LB Willis und Bowman. Dafür hat sich eine rundum stabile Unit gebildet, in der junge Spieler wie der Grantland-Liebling #50 Chris Borland aufgeigen, oder bislang wenig beachtete Defensive Backs. San Francisco mit 5.6 NY/A die fünftbeste Pass-Defense gegen einen happigen Schedule. Man hängt allerdings recht stark von Interceptions ab: 4.2% INT-Quote, beste Quote der Liga.

Bei den Defenses ist nach bald 3/4 der Saison gewiss auch darauf hinzuweisen, dass die Jacksonville Jaguars still, heimlich und leise eine überdurchschnittliche Unit gebaut haben. Die Jags ranken auf Platz 14. Größte Schwäche der Jungs von Gus Bradley: Sie fangen nur 1.3% der Pässe ab – wenn hier noch Regression einsetzt, haben die Jaguars vielleicht den Punch, noch einen oder zwei Siege abzustauben. Am Sonntag ist man zum ersten Mal seit Menschengedenken als Favorit in ein Spiel, wie wir sehen werden…

NFL Power Ranking 2014, Week 12

NFL Power Ranking 2014, Week 12

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das (provisorische) Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 12.

In der folgenden Gallerie gibt es die Offense-Rankings, Defense-Ranking, das Statistik-Dashboard, eine Statistik-Übersicht der wichtigsten Effizienz-Stats und die Drive-Stats nach Woche 12:

Playoff-Bild

In der AFC zeichnet sich in drei Divisionen schon der Sieger ab: New England im Osten, Indianapolis im Süden und Denver im Westen (Broncos hätten bei einem Sieg am Sonntag zwei Spiele Vorsprung auf Kansas + den Tiebreaker gewonnen) sind klare Favoriten.

Alles weitere jedoch verspricht ein krasses Rennen zu werden: Die Nord-Division ist ein Wahnsinn mit den 7-3-1 Bengals an der Spitze, ein halbes Spiel vor drei 7-4 Teams. Auch im Power-Ranking spiegelt sich die auf hohem Niveau sehr ausgeglichene Division wieder: Cleveland als #6, Cincinnati als #12, Baltimore als #14 einen Platz vor Pittsburgh: Vier Teams, vier in der oberen Tableau-Hälfte.

Und doch ist alles andere als gewiss, dass überhaupt zwei Teams aus dieser Staffel die Playoffs erreichen, denn mit Kansas City und San Diego gibt es zwei weitere 7-4 Teams im Westen, plus den 6-5 Miami Dolphins, bei denen auch dank des Schedules nicht auszuschließen ist, dass sie noch vier oder mehr Spiele gewinnen werden. Ach, und: Buffalo ist auch 6-5, und als #11 des Power-Rankings auch nur noch aufgrund des Namens einer der Kleinen.

In der NFC trennt sich die Spreu vom Weizen langsamer. Die Conference hat heuer als Gesamtes massiv an Qualität verloren, ist fast 5% pro Team schwächer nach Down-Effizienz als im letzten Jahr. Hauptverantwortlich dafür ist die unterirdische NFC South, wo die 2-9 Tampa Bay Buccaneers zwei Spiele Rückstand auf die Divisionsspitze haben.

New Orleans ist mit 4-7 einer der sichersten Playoff-Tipps des Jahres, was Power-Ranking angeht: Die Saints werden nach Down-Effizienz um 14% besser eingeschätzt als das zweitbeste Team ihrer Division (Carolina an #24).

Die East-Division wird sich zwischen Dallas und Philadelphia entscheiden, die beide bei 8-3 sitzen. Beide haben sich in den letzten Wochen von der Effizienz her angenähert, was für Dallas (nur noch #10) ein schlechteres Zeugnis ist als für Philly (bereits auf #16).

Die Nord-Division scheint mittlerweile recht klar in Packers-Händen zu sein. Detroit mit 7-4 muss bereits sachte um die Wildcards bangen, hat aber einen günstigen Schedule vor sich.

Krass ist der Westen, wo die Arizona Cardinals mit 9-2 führen, aber mit noch so einigen Divisionsspielen kämpfen müssen. Die Cards sind zudem, wie ich heuer schon oft schrieb, ein Team, das laut Effizienz weit über ihren Verhältnissen spielt (nur an #21 gerankt).

Seattle und San Francisco jagen mit 7-4 hinterher, aber Vorteil für Arizona könnte sein, dass Hawks und Niners noch gleich zweimal gegeneinander spielen müssen, dass auch im Osten Dallas und Philadelphia sich noch gegenseitig die Siege zweimal nehmen werden, und dass Seattle und Philadelphia auch noch gegeneinander ran müssen: Den Cards könnten schon zwei Siege reichen um eine Wildcard zu fixieren.

MVP-Rennen

  • MVP: Watt, Rodgers, Peyton Manning
  • Offense-Player: LeVeon Bell, Andrew Luck, Gronkowski
  • Defense-Player: Watt
  • Rookie des Jahres: Borland, Beckham jr, Khalil Mack, Aaron Donald
  • Coach: Belichick, Bruce Arians

Das ist eine der Grafiken des Jahres bisher: Defensive Ends der Liga nach 12 Wochen, visualisiert nach ihrem Impact nach EPA (Leistung pro Down) und WPA (Beitrag zu Siegen):

Wer wird wohl Defensivspieler des Jahres?

Wer wird wohl Defensivspieler des Jahres?

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Thanksgiving

NFL-Wahrscheinlichkeiten für Week 13

NFL-Wahrscheinlichkeiten für Week 13

Es verspricht eine Woche mit einigen knappen Spielen zu werden, denn gleich sieben der 16 Spiele werden innerhalb von drei Punkten erwartet. Das knappste von allen ist Jacksonville vs New York Giants, wo die Jaguars tatsächlich mit dem minimalsten Vorsprung von 0.4 Punkten favorisiert sind. Jacksonville als Favorit… das klingt ungewohnt.

Morgen zu Thanksgiving werden durchwegs Heimsiege erwartet, aber keine klaren Kisten. Detroit mit 5 Punkten gegen Chicago, okay. Dallas ist schon knapper mit 4.2 Punkten, und das Spiel des Tages zwischen San Francisco und Seattle wird innerhalb eines Fieldgoals erwartet. Es werden drei wichtige Spiele. Am wichtigsten, wie ich schon im Sofa-QB Podcast sagte, wird es für San Francisco: Die 49ers wandeln derzeit am unteren Ende der Wildcard-Spots. Mit einer Heimniederlage gegen Seattle würden man nicht bloß ein Spiel Rückstand einholen. Man würde auch 1-3 im Division-Record gehen (Seattle dagegen auf 2-1) und würde schwerlich irgendwelche Tie-Breaker gegen die Seahawks mehr gewinnen. Ach, und: Man hat ja noch ein Auswärtsspiel gegen selbige zu bestreiten.

Unterschätztes Spiel am Sonntag: Cleveland gegen Buffalo. Beide nach Effizienz playoff-würdig, und eine Partie mit einer knappen 52/48 Favoritenstellung für die Browns Bills.

Bei den „lauten“ Abendspielen am Sonntag sind Denver und Green Bay Favoriten, wobei sich vor allem Packers vs Patriots knapper anfühlt als 63/37.

New Orleans geht einmal mehr als Außenseiter in eine Partie, aber es ist wieder knapp. 45/55 in Pittsburgh in einer Partie, in der die Saints nach drei Auswärtspleiten Heimpleiten in einem dreckigen Stadion ran müssen. Selbst bei 4-8 Bilanz wäre den Saints jedoch ein Playoff-Sturm zuzutrauen. Zuletzt hat übrigens San Diego 2008 oder 2009 nach einem 4-8 Start noch die Playoffs erreicht!

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7 Kommentare zu “NFL-Power Ranking 2014 | Woche 12

  1. Alles gesagt in diesem Beitrag….wird spannend.

    Den Cards könnten schon zwei Siege reichen um eine Wildcard zu fixieren.

    Diese 2 Games müssen erstmal erkämpft und eingefahren werden unter dem ausgesetzten Erwartungsdruck der auf ihnen lastet, zumal der Super Bowl in ihrem Stadion statt findet.

  2. Sehr schöner Power-Ranking-Artikel und seit längerem mal wieder in der „Vollversion“. Das freut mich.

    Ein paar Anmerkungen:
    – Laut Text sind die Browns favorisiert aber laut Tabelle die Bills.
    – Laut Text hatten die Saints drei Auswärtspleiten aber in Wirklichkeit haben sie drei Heimspiele in den Sand gesetzt.
    – Ich weiß ja das man viele von DeMarco Murray’s Yards seiner O-Line zuschreibt aber sollte er nicht trotzdem bei den Offense-Playern genannt werden?

  3. Murray für Luck bei OPOY und ich habe das komische Gefühl, dass ein gewisser Spieler bei den MVP´s fehlt…. 😉

    Denke mal wer am Sonntag gewinnt/besser spielt wird MVP.

  4. @Whistler82:

    – Die Bills sind favorisiert. Text ist falsch.
    – Heimspiele, ja.
    Nein, denn Murrays viele Yards haben nur den Wert von 6.4 Punkten und 0.6 Siegen, während ein Bell mit 35 Punkten und 1.4 Siegen (noch dazu bei rund 50 Ballberührungen weniger!) deutlich effizienter war. Yards sind nicht alles. Murray ist sehr fumble-anfällig (5 Fumbles, Bell = 0) und wenn im eh schon wenig effizienten Laufspiel dann noch ein Carry aus 50 verschenkt wird, tut das der Reputation nicht gut.
    Zugegeben, einiges davon ist schlicht auch daran festzumachen, wie und in welchen Situationen Runningbacks eingesetzt werden. Aber so toll ich Murray und seinen Laufspiel seit Jahren finde: Trotz vieler Yards ist er aus analytischer Sicht keine Konkurrenz für Bell.

  5. Fände es ein schönes Zeichen mit Watt tatsächlich mal ein Defensespieler zum MVP zu machen. Mehr einfluss als er kann man als Defense SPieler nicht nehmen.

  6. Großartig mal wieder und besonders schön, dass du es wieder ganz ausführlich kommentiert hast und die Awards wieder mit rein gepackt hast.

    Die Awards teile ich soweit, nur würde ich Beckham bei den Rookies rausnehmen, er war IMO einfach zu lange verletzt. Aber bei den offensiven Rookies kann man ja fast jeden WR rein werfen.

    MVP sollte aber im Normalfall Rodgers werden.

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