College Football Playoff National Championship Game 2015: Oregon Ducks – Ohio State Buckeyes Preview

Premiere für das neue Championship-Spiel des College-Football Playoffs heute Nacht, 02h30 (live SPORT1 US) im Stadion der Dallas Cowboys in Arlington: Die Oregon Ducks (13-1) treffen Ohio State Buckeyes (13-1), also der Meister der Pac 12 Conference gegen den Meister der Big Ten Conference.

Es ist das erste Endspiel seit neun Jahren ohne Beteiligung der übermächtigen SEC (Southeastern Conference), nachdem #1 Alabama im Halbfinale von Ohio State platt gemacht wurde. Die Finalpaarung ist auch ein letzter Faustschlag für die eingestampfte BCS, unter deren Ägide just diese heutige Paarung in der Vergangenheit ein bedeutungsloses Rose-Bowl Matchup gestellt hätte, während sich im Finale Alabama und ein hoffnungslos überfordertes Florida State gegenüber gestanden wären.

Break. Kümmern wir uns um die heutigen Kandidaten, die sich geschichtlich völlig unterschiedlich entwickelt haben, aber sich in den letzten Jahren immer ähnlicher wurden und heute auf ein spektakulär angriffslustiges Endspiel hoffen lassen.

Ohio State Buckeyes

Wenn immer die größten Programme des College Football aufgezählt werden, wird die Mannschaft der Ohio State Buckeyes nicht fehlen. Ohio State genießt in den Vereinigten Staaten einen legendären Ruf als das Aushängeschild der ältesten aller Conferences, der Big Ten, gestählt über viele Jahrzehnte ruhmreichen Footballs mit berühmten Coaches. Ohio State spielt zuhause in einem markanten Stadion vor sechsstelligen Kulissen in einem footballverrückten Staat und einer Heimatstadt Columbus, deren einzige Profimannschaft der vier großen Ligen in der NHL spielt.

Die letzte Blütezeit erlebte Ohio State vor zirka zehn Jahren unter dem erzkonservativen Head Coach Jim Tressel, der stets in Strickjacke an der Seitenlinie stand und seine Mannschaft so coachte wie es die großen Väter der Uni verlangten: Viel Laufspiel, wenig Risiko. Tressel gewann mit seinem Team einen Landesmeistertitel in einem umstrittenen Endspiel, verlor hernach aber weitere BCS-Finals.

Diese BCS-Finals standen in den letzten Jahren Synonym nicht bloß für den schleichenden Untergang der Ohio State Buckeyes, sondern gar der gesamten Big Ten Conference. Es waren Finals, die man gegen SEC-Teams bestritt und es waren keine Niederlagen. Es waren Debakel. Die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Ohio State und dem jeweiligen SEC-Endspielkontrahenten brannten sich allen Beobachtern ganz tief ins Gedächtnis ein und sorgten erst unterbewusst, später ganz offen, für den schleichenden Niedergang der Reputation der Big Ten Conference.

Tressel musste vor vier Jahren seinen Hut nehmen, weil er seine Aufsichtspflicht verletzt hatte, und was erst wie ein schwerer Schlag aussah, mutierte nur ein Jahr darauf zum Glücksfall, denn der frei gewordene Urban Meyer hatte wieder Lust auf Coachen bekommen und unterschrieb bei Ohio State.

Meyer ist wie Tressel einer der ganz großen Coaches der Branche. Er ist ein Multi, brachte einst mit den Utah Utes den ersten ganz großen Mid-Major auf die Bühne, und gewann später mit den Florida Gators und einer markanten Offense (Stichwort: Tim Tebow) zwei National-Championships ehe er ausgebrannt seinen Rücktritt erklärte.

Meyer kam nach Columbus und brachte mit sich eine Horde an Recruiting-Spezialisten, die sofort damit begannen, die besten Talente aus den Highschools Florida nach Ohio zu locken. Recruiting ist Herz und Blut für ein funktionierendes Footballprogramm. Meyer wusste, dass der Norden nicht ausreichend Athleten hergab um Ohio State wieder relevant zu machen. Meyer wusste: Du brauchst Speed aus dem Süden.

Und so besteht der Kern seiner heutigen Mannschaft zwar noch immer aus Talenten aus der Region, aber er ist mehr als bloß punktuell ergänzt um Superstars aus Florida, die es in Kürze in die NFL schaffen werden. Meyer nimmt es mit alten Feinden auf und scheut nicht davor zurück, Spieler, die sich für die „falsche“ Uni entschieden haben, zu Wortbrüchen zu bewegen. Er erarbeitete sich damit den Ruf als falscher Hund, wobei nicht zu bestreiten ist, dass solche Taktiken auch von anderen Coachen gegen ihn verwendet werden. Recruiting ist Schwerstarbeit. Recruiting ist ein Kampf.

Meyer fräste sich mit den Buckeyes zwei Jahre lang ungeschlagen durch die Big Ten, ohne dass es jemanden interessiert hätte. Für die Post-Season war man gesperrt dank Tressels Skandälchen über das man hinterher nur noch lachte, als Miami oder Penn State mit ungekannten Grausamkeiten aufflogen. Und man war verlacht als jenes Team, das eh nur die Big Ten dominiert. Als Sahnehäubchen verlor man letztes Jahr das Conference-Finale gegen Michigan State und verpasste die überfällig Rose-Bowl Qualifikation.

Aber 2014 sollte das Jahr werden. Dann verletzte sich QB Braxton Miller, dem man schon eine NFL-Karriere nachsagen wollte. Meyer wechselte dessen Backup, den unerfahrenen Grünschnabel J.D. Barrett ein, der in der Folge sogar besser spielte als Miller selbst – bis sich auch Barrett in den Krankenstand verabschiedete. Auftritt QB Cardale Jones, einem hünenhaften 3rd-Stringer, unter dem man das Conference-Finale und das Playoff-Semifinale bestritt. Die Ergebnisse sind bekannt: Ein unglaubliches 59-0 über Wisconsin und ein 42-35 Upset über die dominierende Dynastie unserer Zeit, Alabama.

Ohio State ist runter beim dritten Mann, Ohio State sieht so furchterregend aus wie nie. Das Semifinale war Meyers bislang größtes Kunststück: Ohio State war durchaus nicht unumstritten als Halbfinalist ausgewählt worden, und nach wie vor bin ich überzeugt, dass es zum Zeitpunkt eher ein TCU verdient gehabt hätte – aber das Komitee wählte wie es wählte. Meyer machte mit seinem Team das Beste draus, eliminierte ausgerechnet Saban und qualifizierte sich somit letztlich nicht unverdient für das heutige Endspiel.

Oregon Ducks

Das Maskottchen der Oregon Duck - Bild: Maximilian Länge

Das Maskottchen der Oregon Duck – Bild: Maximilian Länge

Die Oregon Ducks sind im Vergleich zum heutigen Finalgegner ein ganz kleiner Fisch, von den wahren Granden noch immer mit Abschaum betrachtet, mit Ignoranz gestraft. Oregon ist zuhause in Eugene, draußen auf dem Land an der regnerischen US-Nordwestküste, bekannter eher für seine Sprinterbahnen als für American Football. Man spielt in einem schmucken Stadion, das jedoch gerade halb so viele Zuschauer fasst wie jenes des Gegners, und war bis vor fünf Jahren ein einziges Mal in den Top-5 der landesweiten Rankings klassiert.

Auftritt Phil Knight, seines Zeichens Gründer vom Sportartikelhersteller Nike… und ehemaliger Student von Oregon. Knight pumpte Millionen und Abermillionen in seine Uni, versessen in der Idee, mit den Ducks einen neuen Player aufzubauen. Knight verbesserte die Facilities und das Stadion, und scheute nicht davor zurück, sich teure Coaching-Staffs zusammenzustellen.

Und Knight hatte Glück: Als sich der Head Coach Mike Bellotti nach der Saison 2008 zurückzog, stand dessen Schützling bereits mit gefletschten Zähnen am Start um die kühnsten Visionen umzusetzen, die der College Football in den letzten Jahren geschmiedet hatte. Der Head Coach war Chip Kelly.

Kellys Debüt im September 2009 ging fürchterlich schief, ein Debakel epischen Ausmaßes gegen das kleine Boise State in einer Partie, in der man 8-19 verlor, aber es hätte auch 8-79 sein können und niemand hätte sich beklagt. Anstatt jedoch zu verzagen, baute Kelly an seinem Team, und stand noch in jener Premierensaison als Conference-Champ in der Rose Bowl, wo man gegen *plinnng* Ohio State noch knapp verlor.

Den wahren Durchbruch auf den Schirm der amerikanischen Öffentlichkeit schafften die Oregon Ducks in Kellys zweitem Jahr, als diese markante Highspeed-Offense alles zertrümmerte, was sich ihr in den Weg stellte. Die Kombination aus wieselflinken Ballträgern, die wir Irrwische über das Feld flitzen, und den glitzernden Uniformen des Nike-Mannes Knight, der seine neueste Sportmode präsentieren wollte, verlieh den Ducks trotz allem Kommerz etwas Märchenhaftes, dem sich niemand entziehen konnte. Es war eine Revolution, selbst wenn man alsbald dahinter kam, dass Kellys Offense gar nicht so kompliziert war wie es den Anschein erweckte. Sie war bloß so schnell, dass ihr niemand folgen konnte.

Aber Oregon erreichte unter Kelly nie den heiligen Gral: Man verlor das BCS-Championship 2010/11 um ein paar Zentimeter, und wurde hernach zwei Jahre lang von Fehlkicks in den entscheidenden Momenten eliminiert. Vor zwei Jahren ging Kelly den Weg seiner Bestimmung, zu den großen Männern in die NFL, nicht aber ohne vorher noch seinen selbst erkorenen Nachfolger zu bestimmen und einzuführen.

Mark Helfrich. Helfrich ist keine Galionsfigur wie Kelly oder sein heutiger Gegenüber Meyer, gilt aber als höchst wiffes Männlein, das keine flotten Sprüche braucht um ein Team zu bauen, zu einen und zu entwickeln. Unter Helfrich wurden die Ducks noch variantenreicher, noch tödlich präziser als unter Kelly.

Helfrich ist so wenig glamourös wie seine Herkunft: In den Neunziger Jahren verschlug es ihn in die österreichische Footballliga, wo er erst als Quarterback, dann als Assistenzcoach von der Pieke auf sein Handwerk lernte, ohne alle Annehmlichkeiten wie Game-Film oder die englische Sprache wie zuhause in Amerika. Das Wall Street Journal hat Helfrich vor wenigen Tagen diese Zeit rekapitulieren lassen und ihm einen aufschlussreichen Artikel über seine Zeit in Wien spendiert.

In Jahr zwei steht Helfrich mit seinem Team nun endlich wieder im Endspiel um den Landesmeistertitel. Alle sagen, Oregon sei fällig.

Der Clash auf dem Feld

Ohio State und Oregon sind zur Perfektion geölte Offensivmaschinen, deren größte Stärke im Laufspiel liegt. Wer lernen möchte, was die beiden Teams spieltaktisch ausmacht, der sei auf zwei Links verwiesen:

Oregon marschiert mit dem amtierenden Heisman-QB #8 Marcus Mariota auf, der als einer der höchsten Draftpicks im anstehenden NFL-Draft gehandelt wird und ein ebenso gefährlicher Läufer wie Werfer ist. Mariotas größte Stärke ist seine Beständigkeit. Er macht kaum Fehler, kann so gut wie alle entscheidenden Würfe am College machen und ist somit Herz und Motor für die Ducks-Offense.

Marcus Mariota - Bild: Maximilian Länge

Marcus Mariota – Bild: Maximilian Länge

Neben Mariota muss sich der Oregon-Zuschauer vor allem auf die Runningbacks #24 Thomas Tyner und #21 Roye Freeman konzentrieren, zwei Backs, die im Vergleich zu ihren Vorgängern wie der legendäre Lamichael James oder Barner die gleiche Beweglichkeit aufbringen, diese aber mit noch mehr Power kombinieren. Nominell ein Runninback, aber tatsächlich vor allem für kurze Catches und yards after catch verantwortlich ist die #9 Byron Marshall, der heuer in erster Linie als Allrounder opierte.

Ohio State wirft dem eine extrem junge Defense entgegen. Aber „jung“ war in den letzten Wochen wurscht. Sie sind nicht immer beständig, aber sie machen Big-Plays: DE #97 Joey Bosa hatte 14 Sacks, DT #63 Michael Bennett 6, die LBs #37 Perry und #43 Lee brachten gemeinsam 10 Sacks zustande. Man wettet, dass zumindest drei oder vier dieser Talente es in die NFL schaffen werden. Wie „sicher“ die Front gegen den Lauf steht und ob sie gegen die brutal schnelle Ducks-Offense gegenhalten kann, wird eines der Kriterien sein. Dank der Front kann allerdings die Secondary hinten aggressive Manndeckung gegen die Wide Receiver spielen, und der Freshman-Safety #11 Vonn Bell seine Kreise ziehen (6 INT).


Ohio State fährt mit seiner Offense ein Dutzend Laufspiel-Varianten auf, streut aber mit dem QB #12 Cardale Jones in schönster Regelmäßigkeit die tiefen Bomben ein. WR #9 Devin Smith ist eines der größten Phänomene des Jahres, ein Mann mit 32 Catches, aber 17 davon über 30yds (!). Smith macht atemberaubende 27.7yds/Catch und legte die Latte in den letzten Wochen extrem hoch. Oregons eher schmächtige Cornerbacks werden hier Schwerstarbeit verrichten müssen, zumal sie ohne ihren wichtigsten Mann auskommen müssen, den kreuzbandverletzten Ifo Ekpre-Olumu (gilt als gutes NFL-Prospect).

Erste Aufgabe gegen Ohio State ist aber das Laufspiel: Freshman-RB #15 Ezekiel Elliott machte bislang 1632yds und gilt als schwer zu greifen. Die zweite wichtige Laufspiel-Option ist in jeder Meyer-Offense der Quarterback, der meistens an die 80-100yds fabriziert, plus ein Wide Receiver für gelegentliche launige End-Arounds, bei den Buckeyes zum Beispiel #17 Jalin Marshall (23 Rushes, 33 Catches).

Nicht alle sind sich sicher, dass die Ducks hier gegenhalten können. Fakt ist aber: Wenn Oregon eine echte Schwäche in der Abwehr hat, ist es das Passspiel, das heuer teilweise zu stark von Interceptions abhängig war. Gegen den Lauf gilt man eigentlich soweit als gesattelt.


Favorisiert ist Oregon mit 9 Punkten – ein Spread, der sich nach den letzten beiden Partien der Ohio State Buckeyes fast eine Spur zu hoch anfühlt. Für die absoluten Fanatiker verweise ich als weitere Vorbereitung auf drei sehr ausführliche Analysen im Netz:

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9 Kommentare zu “College Football Playoff National Championship Game 2015: Oregon Ducks – Ohio State Buckeyes Preview

  1. Wieder mal eine grandiose Vorschau mit allem Wissenswerten. Merci
    Dann wollen wir mal auf ein Höhepunkt-reiches Finale der College Saison hoffen.

  2. Pingback: NCAA College Football National Championship Game: #2 Oregon vs. #4 Ohio State - German Sea Hawkers

  3. Pingback: Shrine Game 2015 | NFL Draft

  4. Ich kenne mich im College Football nicht so gut aus und schaue nur die Top Spiele, aber das ist für meine Bedürfnisse eine perfekte Vorschau mit vielen Informationen, die ich noch nicht kannte.

    Ohio State und Oregon werden sich also immer ähnlicher. Ein Grund mehr, den Ducks die Daumen zu drücken, bevor die Etablierten die Ideen vollständig aufgesaugt haben und das Kapital daraus schlagen.

  5. auf der espn Player Seite kann man das Spiel für einen Euro sehen,man muss nur beim one day pass den promo code playoff2015 eingeben.

  6. Angestachelt von korsakoff zieh ich mir nun auch die ersten College Games rein. Diese Preview hat meine Vorfreude nochmals ordentlich nach oben geschaut. Ich hoffe ich bleibe Spoilerfrei bis zum Feierabend.

  7. Pingback: National Championship 2014/15: Oregon Ducks – Ohio State Buckeyes live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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