NFL Power Ranking 2014/15 – Divisional Playoffs

Die Viertelfinals sind ausgespielt. Einen Rückblick auf die Verlierer vom Wochenende hat uns Herrmann vorgestern gegeben. Einen analytischen Rückblick auf den Sonntag mit vielen auf das aktuelle Liga-Geschehen ausdehnbaren Visualisierungen hat Brian Burke bei Advanced Football Analytics zusammengestellt.

Wir schauen schon nach vorn. Noch drei Spiele. Und mit weniger Spielen gibt es ab sofort auch weniger Zahlen. Ich habe das Power-Ranking etwas verschlankt um es eine Spur übersichtlicher zu machen. Abschließend auch noch der Versuch einer Vorschau auf das Halbfinale.

NFL Power Ranking 2014, Divisional Playoffs

NFL Power Ranking 2014, Divisional Playoffs

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das (provisorische) Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, OFF ist die Platzierung der Offense, DEF jene der Defense. Playoff-Teams fett gedruckt.

Big Five

Mit den Denver Broncos ist das beste Team der Liga im Viertelfinale ausgeschieden. Zugegeben, die Broncos sahen gegen die Indianapolis Colts nicht wie das beste Team der Liga aus, und mit einem kaputten QB Peyton Manning, der sich mit angeschlagenem oder sogar komplett zerfetztem Oberschenkelmuskel über den Platz quälte, sah das schwer wie Ende einer Ära aus: 3.9 NY/A gegen die Colts sind ein schwierig entschuldbarer Ausrutscher.

Inwiefern Manning damit am Ende angelangt ist, ist schwierig abzuschätzen. Es ist erst 12 Monate her, da pries man Manning für seine beste QB-Saison ever. Vor ganzen drei Monaten führte Manning etliche wichtige QB-Kategorien an, QBR, WPA, SR%, TD%. Erst in den letzten Wochen wurde es immer zäher, ehe am Sonntag alle Dämme brachen. Ist damit ein Ende zwingend in Sicht? Keine Chance mehr auf Regression zur Mitte im nächsten Jahr?

Manning hin, Manning her. Die Broncos pulverten in den letzten drei Jahren viele Ressourcen in die letzten Anläufe auf einen Superbowl-Gewinn. Vor zwei Jahren verballerte man die beste der drei Chancen, als man mit einem perfekt ausbalancierten Team in den Playoffs abgeschossen wurde, weil Rahim Moore gegen die Ravens ins Leere griff. Letztes Jahr mit einer Rekord-Offense, aber einer kollabierenden Defense der Einzug in die Superbowl, wo man von Seattle an einem dieser Tage platt gemacht wurde. Heuer, nach etlichen Star-Einkäufen in der Offseason (DE DeMarcus Ware, CB Talib, SS TJ Ward) und einer eigentlich guten Regular Season, ein anämisches Playoff-Aus.

Das Team wird nicht jünger, mehrere Leistungsträger auch abseits von Manning werden ihren Zenit in Bälde überschreiten, und hinter Manning gibt es ein großes Vakuum. Headcoach John Fox mutierte zum Firefox („einvernehmliche Trennung, blabla“), und der Rest des Trainerstabs wurde nur inoffiziell gefeuert – freigestellt, um mit anderen Teams zu verhandeln, viel deutlicher kann man Verpisst Euch nicht sagen ohne es zu sagen.

Ob sich ein Peyton Manning zum Beispiel mit dann 39 Lenzen noch einmal ein neues Team antun wird, jener Peyton Manning, der Kontinuität über alles schätzt?


Die nächsten vier Teams im Power-Ranking sind die verbleibenden Mannschaften im Rennen: #2 Seattle (13-4), #3 Green Bay (13-4), #4 Indianapolis (13-5), #5 New England (13-4). Die AFC ist dieses Jahr auf breiter Basis um 3.6% die bessere Conference, aber sowohl Seattle als auch Green Bay rangieren nach Qualität vor Colts und Patriots.


SEATTLE SEAHAWKS – GREEN BAY PACKERS (Sonntag, 21h). Es ist die Neuauflage des Season-Openers, als die Seahawks Green Bay zuhause völlig abwürgten und letztlich überzeugend 36-16 gewannen. Es ist auch die Neuauflage des berühmten Fail-Mary Spiels, und weil auch die Referees in diesen Playoffs nach Meinung vieler Replacement-Level erreicht haben, schließt sich damit ein Kreis.

Die Seahawks sind das balancierteste der verbliebenen Teams: Sie haben die viertbeste Offense und die zweitbeste Defense nach den Metriken dieses Rankings. Mit 6.7 NY/A liegt Russell Wilsons Angriff fast genau in der gleichen Region wie fast immer in den letzten drei Jahren, aber das Laufspiel ist besser, wuchtiger als über die letzten Jahre: 48% Success-Rate, zweitbester Wert der Liga. Marshawn Lynch und Co. treffen heute auf eine eher schwache Run-Defense. In Fact: Green Bays Lauf-Abwehr ist eine von nur zwei rot gefärbten Effizienz-Combos. Rot gefärbt = mehr als eine Standardabweichung schwächer als der Liga-Schnitt. Green Bay ist noch schwächer: Nämlich Letzter.

Eine geheime Stärke Wilsons dieses Jahr: Er wirft fast keine Interceptions, nur 1.5 Stück auf 100 Versuche. Noch besser sind nur zwei, und einer davon ist sein heutiger Gegenüber: Aaron Rodgers (1.1% bei bockstarken 7.6 NY/A). Rodgers brauchte am Sonntag zweieinhalb Viertel um schwer gehandicappt auf Touren zu kommen, nagelte dann aber eine Cowboys-Defense an die Wand, dass dieser für einige Drives Hören und Sehen verging.

Problem bloß: Seattle ist nicht Dallas. Die Seahawks mit ihrer Legion of Boom hatten in der Regular Season zwar ihre Durchhänger, aber mit 5.5 NY/A ist sie schon wieder die #3 der Liga, mit 62% Success-Rate gegen den Lauf die #5. Man fängt nicht mehr so viele Interceptions wie vor einem Jahr, aber vielleicht braucht es das gegen einen humpelnden Rodgers auch gar nicht: Wenn die Front-Seven annähernd den Druck entfachen kann wie in den letzten Wochen, könnte das für einen immobilen Rodgers schon zuviel werden.

Seattle ist nach Power-Ranking mit 58% favorisiert. Das entspricht 2.7 Punkten. Die Wettbüros sehen die Sache viel klarer: Fünf bis sieben Punkte Favoritenstatus für den Titelverteidiger.


NEW ENGLAND PATRIOTS – INDIANAPOLIS COLTS (Sonntag/Montag, 0h30). Das nächste Duell Altmeister gegen Lehrbub, aber wie schon am Sonntag ist nicht ausgeschlossen, dass Andrew Luck der bessere, komplettere der Quarterbacks auf dem Feld ist. Luck ist noch kein fertiges Produkt, er hat noch seine Flauseln, aber er ist im Vergleich seinem Entwicklungsstand vor einem Jahr viel gefestigter, solider geworden. 7.1 NY/A sind der fünftbeste Wert der Liga, und selbst die INTs sind mit 2.4% auf ein durchschnittliches Niveau gefallen.

Luck hat ein breites Arsenal an Ball-Empfängern, gegen das New England erst einmal Revis, Browner und Co. auffahren muss. Das schwierige an den Colts scheint zu sein, dass man nicht mehr von einem Wayne wie vor zwei Jahren oder einem Hilton wie letztes Jahr abhängt: Auch Allen, Fleener, Moncrief oder Nicks haben ihre Momente.

Das beste Mittel gegen Luck – sagen alle – ist Pass Rush. Den ließen in den Playoffs bislang sowohl Bengals als auch Broncos eklatant vermissen. Den ließen *pling* auch die Patriots eklatant vermissen. Chandler Jones und Co. gegen eine eigentlich suspekte Offensive Line – da wird eines der wichtigsten Matchups am Sonntag.

Bei den Patriots wissen wir, dass sie das einzige Team sind, das ihre Effizienz in den Downs seit Jahren konsequent schlägt. Ein Teil davon hängt am Clutch-Faktor Belichicks in kritischen Momenten. Belichick ist ein progressiver Coach, der am ehesten das verkörpert, was im Baseball als Moneyball berühmt wurde. New England ist ein effizientes Lauf-Team mit 46% Success-Rate und macht wenige Fehler in der Offense. Aber am Sonntag fiel man dadurch auf, dass man nur zehnmal lief, bei 51 Pässen.

In der Regular Season kaschierte man gegen die Colts einen Graupen-Tag von QB Brady, indem man einfach 200mal lief und einen völlig unbekannten Runningback vom Trainingsplatz zum Medienstar machte. Dieser Back wurde seither nicht mehr gesehen. New England bringt „nur“ 6.6 NY/A im Passspiel zustande. Das ist ein Durchschnittswert. Ein Teil davon ist zu erklären mit einem unterirdischen Saisonstart, aber gewichten tun wir in dem Ranking (aus Gründen) nicht.

Die Colts-Verteidigung ist die achtbeste gegen den Pass, aber wirklich überzeugend ist sie auch nicht. In CB Davis hat man einen starken Manndecker, aber New Englands größte Waffe ist ein Tight End. New Englands größte Waffe auf WR? Ein Haufen Leute für den Slot. Und die Colts sind kein gutes Run-Defense Team. Nicht auszuschließen, dass Belichick mal wieder ein Karnickel aus dem Zylinder zieht und die Schwächen offen legt. Vor allem in Rückstand möchtest du dann nicht gegen die Patriots spielen.

Das Power-Ranking favorisiert New England nur dank Heimspiel mit 1.3 Punkten bzw. 54%. Las Vegas sieht auch hier die Sache eindeutiger: Sieben Punkte betrug die Opening-Line.


Aktueller Stand der Tipps im Power-Ranking: Letzte Woche 3-1, in den Playoffs damit 6-2, und über die ganze Saison 130-72, also 64.4%.

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16 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2014/15 – Divisional Playoffs

  1. Dass hier und überall sonst immer auf Rahim Moore eingeprügelt wird bzw. die Niederlage an seinen Aussetzern festgemacht wird. Wenn man davon ausgeht, dass die Ravens damals dabei großes Glück hatten (legitime Ansicht), so werfe ich mal einen anderen Namen in den Raum Trindon Holliday. 2 (!!) Return Touchdowns über 90 bzw 104 Yards. Mehr Glück kann man fast nicht haben. IMO konnten die Broncos froh sein, überhaupt im Spiel zu sein.

    Und trotz allem hatte Manning eine entscheidende INT geworfen, die die Niederlage ebenso herbeigeführt hat wie Moores Gehirnfurz.

    Zum Wesentlichen: Ich könnte mir ein High Scoring Game in der AFC gut vorstellen. NE hat im Prinzip gar keinen Pass Rush, was gegen Luck immer doof ist. Und wenn Revis wieder so spielt wie gegen Baltimore, ist die Secondary natürlich auch deutlich geschwächt. Dann müsste man hoffen, dass Arrington, McCourty und Browner wieder in Top Form agieren. Glücklicherweise wird Belly nicht die gleichen Fehler machen wie Fox/del Rio am vergangenen Wochenende mit viel Zone Coverage.

    Umgekehrt können die Pats ebenso sehr viel punkten, v.a. wenn das Laufspiel wieder besser funktioniert (was man ja durchaus erwarten kann). Beide Defensiven werden nicht so viel Zugriff haben. Ich rechne mit einer ausgeglichenen Partie, tippe aber natürlich auf das Heimteam.

    NFC: Wenn Rodgers nicht fit ist, werden die Packers – leider – keine Chance haben.

  2. Das ist doch kein Prügeln. Rahim Moore ist schlicht das prägnanteste Überbleibsel des Ravens-Durchmarsches.

    Ist das fair? Vielleicht nein. Aber großartige Momente haben sich schon immer gegen großartige Leistungen durchgesetzt. Siehe Tyree. Siehe Tuck Rule. Siehe Rahim Moore.

  3. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Pats gegen Luck ein paar Blitzes und „seltsame“ Defenseschemen auspacken. Luck hat gegen die Pats bisher 3, 4 und 1 INT (2012 Reg, 2013 PO, 2014 Reg) stehen.

    Irgendwie scheint es da Sachen gegeben zu haben, die ihn zu „Aussetzern“ verleiten, denn das ist doch teilweise deutlich über Schnitt.

    Insgesamt wirke das immer so ein wenig Glücklos und als ob er zielsicher wenn es gegen die Pats geht einen gebrauchten Tag nach dem anderen erwischt. Hoffen wir mal, dass dieser „Trend zum gebrauchten Tag“ auch in diesem Jahr anhält 😉

  4. Es kam mir nur so vor, dass du, Thomas öfters gerne mal darauf rumreitest, wenn auch wahrscheinlich ab und zu mal mit einem lachenden Auge darauf.
    Mir geht es nur darum, dass die „unglückliche Niederlage“ nicht an Moore festgemacht werden darf. Es liest sich, wie gesagt nicht nur bei dir, immer so, als ob es ohne Moore nicht zu dem Upset gekommen wäre.

  5. Ich glaube dass jedes Team irgendwann einen solchen Moment erlebt hat. Fuckups passieren eben. Problem dabei ist, wenn das öffentlichkeitswirksam genug ist, hängt dir das Play ewig nach, oder es bildet sich ein ganzer „Kult“ darum. Zu letzterem könnte man ja mal Tony Romo befragen 😉

    Ich werde auch nie vergessen wie Wes Welker im Superbowl gegen die Giants den Pass zum wirklich wichtigen 1st-Down fallen lässt. Bei einem schwierigen Catch geschenkt, aber wenn im Umkreis von gefühlten 30y kein Verteidiger ist, ist das bitter.

    Für alle außer dem Team, seinen Fans und dem Spieler ist sowas ein gefundenes Fressen zum Aufziehen und sticheln/lustig machen, ganz nach dem Motto: Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen.

  6. Luck macht ein Klassespiel und die Colts werden knapp gewinnen – Mit nur nem halben Rodgers wird GB nix reissen gg SEA

  7. @go_pats
    „Ich werde auch nie vergessen wie Wes Welker im Superbowl gegen die Giants den Pass zum wirklich wichtigen 1st-Down fallen lässt“
    Als Giants Fan werde ich das auch nie vergessen.. 🙂 (meiner generation wide right? ?)

    Für mich ist dieses Wochenende klar mit emotionalen Favoriten. Den Brady Rodgers Showdown will ich haben! !!

    Aber Hawks-als-Team und verletzter Rodgers heißt für mich SEA Favorit. Colts sind für mich evtl wg der ?schwachen? Division etwas unter dem Radar geblieben diese Saison.. coole Bärte haben se allerdings.. kann ich aber leider kaum einordnen als Team..

  8. Den Brady Rodgers Showdown hatten wir doch schon dieses Jahr.

    Da fände ich LUCK gegen die LEGION OF BOOM schon das spannendere Matchup!

  9. Rice up, deren Showdown heißt exact null wenn nicht alles auf dem spiel steht.
    Dafür stehen die zwei… 🙂
    luck vs hawks wegen mir in paar jahren..
    brady rodgers bitte 2015!
    Ist aber ganz klar ne emotionale sache..
    Ich will das drama der qb!

  10. Pingback: NFC Championship Game 2014/15 Preview: Green Bay Packers @ Seattle Seahawks | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  11. Interceptions allein sind kein gutes Kriterium bei der Bewertung eines QB. Interceptions passieren, und sie passieren umso mehr bei QBs, die sich was trauen (bzw in Lucks Fall trauen müssen) und häufig in engen Spielen operieren.

    Interceptions sind ein Punkt „Risikobewertung“ im Football: Ab welchem Punkt an Effizienz ist es das Risiko wert, Interceptions zu werfen. Oder anders: Habe ich lieber Alex Smith, der in 4th Downs Sacks kassiert um ja keine Fehler zu machen oder habe ich lieber Luck, der vielleicht den einen oder anderen Bock schießt, aber bei gefühlt 2000 Würfen pro Jahr und als Alleinunterhalter der Offense den Angriff zu 7.1 NY/A treibt? Ich optiere für letzteres.

    Luck ist kein fertiges Produkt, aber Luck ist für meine Begriffe doch sehr nahe dran an dem, was man sich von ihm vor drei Jahren versprach („Jahrhundert-Talent“). Luck ist vielleicht nicht die Granate wie Rodgers in seinem dritten Jahr als Starter (Rodgers‘ 2010er Saison war eine Offenbarung sondergleichen), aber meilenweit weg ist er nicht.

    Welche QBs 2014 sind ohne Zweifel über einen Luck zu stellen? Rodgers.
    Bei welchen kann man diskutieren? Brady, Manning, Brees, Roethlisberger, Rivers, Romo, vielleicht Ryan.
    Welche würde man schon sehr deutlich unter Luck einreihen? Wilson, Stafford, Eli Manning, Cutler, Kaepernick, Smith, Flacco, Newton, RG3.

    Also minimum Top-8 (oberstes Viertel), maximal #2.

  12. Chris Brown hat das damals schon nach dem AFC-Wildcardspiel gegen die Chiefs perfekt zusammengefasst:

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