Sideline Reporter Awards 2014/15

Story des Jahres

korsakoff – Häusliche Gewalt. Mein privates Umfeld schert sich noch nicht einmal um das bei uns bekannte Eishockey, geschweige denn um American Football. Auf den Schirm kam die Sportart bei mit im Haus erst heuer, als über die gängigen Medien häusliche Gewalt thematisiert wurde. Man konnte schon lange erahnen, dass dieses Thema im Football neben Doping und CTE die dritte große tickende Zeitbombe ist, aber erst dank Rice und Peterson wurde die Berichterstattung intensiviert – und erste Schritte in die richtige Richtung gemacht. Das Thema wird uns auch nicht verlassen, sondern in den nächsten Jahren eher noch mehr auf die Agenda gebracht werden – und das Thema sowie ihre Aufarbeitung von Seiten der Ligaspitze könnte den Commissioner Goodell sogar den Kopf kosten.

Herrmann – Mangelnde Geduld / vorzeitiger Frusterguß. Betroffene: Quarterbacks, Head Coaches, sogar General Managers. 1st-rd pick EJ Manuel in Buffalo wurde nach nur 14 Karrierestarts auf die Bank gesetzt. Geno Smith nach 24 in zwei Jahren. Ich habe viele Spiele von Smith gesehen und habe als Patriots-Fan natürlich mindestens gekichert, wenn ich ihn gesehen hab. Aber er hatte in seinem Rookiejahr kaum Unterstützung von seinem Laufspiel; nicht einen vernünftigen WR oder TE; und ein bestenfalls mittelmäßiges Jahr seiner Offensive Line. Dieses Jahr kam ein neuer Offensive Coordinator für einen kaum verbesserten Angriff und er wird nach acht Spielen abgesägt – für Michael Vick (am Ende der Saison hat Smith für 7yds/att geworfen, Vick für 5yds/att).

Schlimmer noch in Buffalo, wo Manuel nach nur vier Spielen abgesägt wurde – für Kyle Orten. In Washington hat der neue HC Jay Gruden Robert Griffin von Anfang an kaum eine Chance in seinem neuen System gegeben. Ich will überhaupt nicht behaupten, daß Smith, Manuel oder Griffin nochmal gute Quarterbacks werden können (von Griffin hab ich zum Beispiel noch nie viel gehalten). Aber Leuten, die man als riesige Zukunftshoffnungen geholt hat, gerade mal ein oder anderthalb Jahre in echt miesen Umfeldern (Mitspieler ebenso wie off the field) zur Entwicklung zu geben, scheint nicht nur unfair, sondern dumm.

Dann wurden Jim Harbaugh und Jon Fox nach vier der besten Saisons ihrer jeweiligen Franchises gefeuert. Ich hab keine Ahnung, was da hinter den Türen passiert ist und wer wessen Mutter beleidigt hat. Aber das wegen persönlicher Animositäten wegzuschmeißen für irgendwelche Grünschnäbel, die vielleicht ein Marvin Lewis werden, vielleicht auch nur Greg Schiano und mit einer Wahrscheinlichkeit von 2% jemand vom Kaliber Belichick…Ey Leute!

Bei den GMs genauso: die Bears feuern Phil Emery nach drei Jahren, die Jets John Idzik gar nach nur zwei Saisons. Will mir irgendjemand ernsthaft erzählen, daß man die Klasse eines GM nach zwei Jahren beurteilen kann? Bei Idzik waren die höhsten Draft Picks entweder verletzt (kann er ja nix für) oder Rookie of the Year (Sheldon Richardson); Free Agents funktionieren mal, und mal funktionieren sie nicht. Und Idzik hat sogar als einer der wenigen GMs keine FAs überbezahlt. Es wird anscheinend immer öfter der Fehler gemacht, nach „outcome“ zu beurteilen statt nach „process“. Aber er ist wie auf dem Feld: wenn den vierten Versuch ausspielen dir in 80% der Fälle das bessere Ergebnis gibt als nicht ausspielen, dann ist die Entscheidung, auszuspielen, auch richtig, wenn der 20%-Fall eintritt. Und wenn dein Scout und Dein Coach sagen, der da ist der beste Cornerback für unsere Defense, dann sollte dir niemand ans Bein pissen, wenn sich dieser 1st-rd pick im Trainings Camp verletzt.

Überraschung der Saison

korsakoff – Dallas Cowboys. Im Sommer hatte ich Dallas als Bodensatz-Kandidaten gesehen, bei dem ich mir einen Ausbruch nach oben – sinngemäß – ausmalen konnte, wenn alle Steine richtig fallen: Gesunde Offense, gesunde Defense, keine Coaching-Bolzen, eine Defense über ihren Verhältnissen. Fast alles ist eingetroffen. Dallas wirkte mit 12-4 leicht überschätzt und profitierte auch von einer kollabierenden Division, hätte mit ein wenig Glück aber auch das Halbfinale erreichen können.

Herrmann – Running the ball matters. Taktische Trends erfolgen immer in Zyklen. Der Paßspiel wurde in den letzten Jahren immer wichtiger. Es fing an mit der Shotgun, die mittlerweile die Standardaufstellung für den Quarterback ist, und dann haben sich 3-WR-Sets als Standard durchgesetzt. Die Defenses haben darauf reagiert, indem sie immer mehr Nickel-D spielen (also mit fünf statt nur vier Defensive Backs) und bei den Defensive Linemen und Linebackers mehr Wert auf Schnelligkeit denn auf Kraft gesetzt wird (bei den DL für den pass rush, bei LBs für die coverage). Das nun wiederum führt dazu, daß es einfacher wird, gegen so eine Defense zu laufen. Belichick hat das letztes Jahr irgendwo mal fallen lassen, daß man das natürlich ausnutzen kann. Und nicht zufällig haben die Patriots mit LaGarrette Blount und Jonas Gray zwei der kräftigsten RBs der Liga; und haben im AFC Championship Game 29 Snaps mit sechs Offensive Linemen gespielt; und schmeißen lieber ihren vielversprechenden Sophmore-WR Thompkins raus als die TEs/FBs/H-Backs Michael Hoomanwanui und James Develin um einen Roster Spot freizumachen, wenn sich Verteidiger verletzen.

Die Power-Nummer fahren ja bekanntlich auch die Seahawks mit Marshawn Lynch sehr gut. Die Hawks haben aber auch einen anderen Weg gefunden, daß Laufspiel als den Fokus ihres Angriffs zu installieren: den dual-threat QB, wie auch San Fran und Carolina. Dallas draftet in der ersten Runde jetzt nur noch Offensive Linemen und siehe da: sie laufen über jeden drüber – wovon dann wiederum das Paßspiel profitiert. Auch Philadelphia – auch wieder auf andere Weise – baut um das Laufspiel herum. Es wäre auch keine Überraschung, wenn der Trend bei den Tight Ends wieder zum Typen Gronk oder Jason Witten hingeht und weg vom Jimmy-Graham-Typ, also wieder hin zu Leuten, die als Laufblocker mindestens so gefährlich sind wie als Paßempfänger.

Enttäuschung der Saison

korsakoff – New Orleans Saints. Eine einfache Wahl. Die Saints starteten als Titelfavorit und degenerierten stetig von einem Team, bei dem nur die Defense endlich klicken muss zu einem Team, bei dem die Defense vielleicht noch klicken wird zu einem Team, dessen Defense nicht mehr klicken wird hin zu einem Totalschaden, bei dem in den letzten Wochen sogar der Ankermann Drew Brees die groben Böcke abschoss.

Herrmann – Chicago Bears. Sie waren fest eingeplant als meine Überraschung der Saison. Zwei riesige, kräftige WRs mit Brandon Marshall und Alshon Jeffery; dazu der noch größere TE Martellus Benntt; gepaart mit Raketenarm Cutler schien ein sehr erfolgversprechener Ansatz zu sein: wir sind einfach größer und stärker als du. Dann waren Jeffery und Marshall verletzt oder haben angeschlagen gespielt und Marc Trestman hat ohne Pause Screen Passes werfen lassen und, ah ja: die Defense konnte niemanden stoppen. Das wird spannend nächstes Jahr, denn der Kern um Marshall/Jeffery/Bennett/Matt Forte/Cutler (wahrscheinlich) ist immer noch da. Denvers Adam Gase übernimmt diesen Laden als OC.

Offensivspieler des Jahres

korsakoff – QB Aaron Rodgers. Rodgers spielte schon konstanter, aber auf dem Zenit seiner Schaffenskraft wohl noch nie besser: Mehrere seiner Partien im Oktober und November waren überirdisch. Da ist es fast schade, dass seine verletzungsgeplagten Auftritte gegen Jahresende die größere Aufmerksamkeit auf sich zogen, Stichwort alte Footballschule: Nur die härtesten überleben.

Herrmann – Rob Gronkowski vor Aaron Rodgers und Le’veon Bell. Aaron Rodgers ist mit Abstand der beste Quarterback der Liga. Es ist zu schade, daß es die Duelle mit seinem größten Konkurrenten, Andrew Luck, nur alle vier Jahre gibt (Oh Gott! Bitte gib mir einen Rodgers-Luck-Super-Bowl, dann schreib ich auch nicht mehr übers Laufspiel, versprochen!)

Bei RBs denk ich immer: 90% sind auswechselbar. NFL-Talent? Na klar! Aber ob du jetzt DeMarco Murray hast, Justin Forsett oder Jonathan Stewart (nach PFF alles Top-7 RBs), macht keinen Unterschied. 5% sind Typen, die dein Team runterziehen (T-Rich). Und zu den fehlenden 5% gehört Bell (zusammen mit Lynch, vielleicht noch Jamaal Charles und Shady McCoy) Ein Bell macht einen Unterschied. Ich habe schon lange keinen RB mehr gesehen, der in so vielen Dingen so gut ist. Ohne den Gronk läuft in New Englands Offense nicht viel. Er ist einer der wichtigsten Leute im sowohl im Paßspiel als auch im Laufspiel. „Vielseitig“ heißt oft, der kann eigentlich nix richtig, aber beim Gronk heißt das: der kann viele Sachen besser als alle anderen.

Defensivspieler des Jahres

korsakoff – DE J.J. Watt. Watt klettert in den Listen bester Verteidiger ever nur weiter nach oben.

Herrmann – DE J.J. Watt. Die Suplerative für diesen Typen müssen erst noch erfunden werden. Man sollte einfach jeden Snap von ihm genießen.

Rookie des Jahres

korsakoff – WR Odell Beckham jr. Keine leichte Wahl in einem Jahrgang, der neben mehr als einer Handvoll überzeugender Wide Receiver auch drei, vier ernsthafte Defense-Kandidaten mitschleppt. Beckham bringt jedoch das kompletteste Paket mit: Er hat nicht alle Spiele bestritten, aber immerhin 11. Er hat sich von einer Verletzung zurückgekämpft und wurde über Nacht zum Superstar. Er hat 1300yds erfangen und 12 Touchdowns erzielt. Und er war verantwortlich für einen der markantesten Momente des Jahres.

Herrmann – WR Odell Beckham. Die Kandidaten hier sind nach Ansicht der Pundits Oaklands Khalil Mack, St. Louis‘  Aaron Donald, Minnesotas Anthony Barr und Giants WR Odell Beckham. Mack hab ich nur zweimal gesehen; Barr und Donald nach Mitte November gar nicht mehr (weil: wer guckt schon Rams- der Vikingsspiele zum Ende des Jahres?). Darum: weil ich die anderen drei zu selten gesehen habe: ODB.

Coach des Jahres

korsakoff – Bruce Arians. Elf Siege mit einem Trümmerhaufen in einer der hochwertigsten Divisionen sind ein fantastisches Zeugnis für einen Coach, den ich stets eher kritisch gesehen hatte. Die Arizona Cardinals sind qualitativ keine elf Siege wert, aber dass sie es in die Playoffs geschafft haben, ist ein Zeugnis von hochwertiger Coaching-Arbeit. Ignoranz von Verletzungen und Mut zur Aggressivität in den Schlüsselmomenten zeichneten Arians und seine Mannschaft heuer aus.

Herrmann – Bill Belichick. Es gibt dieses Jahr keine ganz klaren Favoriten, darum sollte der konstanteste, der eigentlich jedes Jahr zu den Top-3 gehört, mal wieder geehrt werden. Dallas‘  Jason Garrett hat daneben noch sehr gefallen, vor allem, weil er jetzt auch aggressiver wird; auch schön, daß Chip Kelly sein Ding durchzieht, anders als die meisten anderen und damit erfolgreich ist; und als dritte honorable mention noch Pete Carrol, der seiner Mannschaft eine Energie und einen Willen einimpfen kann, wie sonst kaum jemand.

Spiel des Jahres

korsakoff – Seattle Seahawks 28, Green Bay Packers 22 / OT. Es gab besser ausgeführte Spiele, aber keines, das an Dramatik annähernd mithalten konnte. So wirklich epische Spiele gab es abseits dieses NFC-Finals kaum, abseits von ein paar Upsets der Rams und den beiden Playoffpartien der Dallas Cowboys. Kann ich zwei Silbermedaillen vergeben? Bitte: Einmal Rams vs Seahawks (Punt Fakes), einmal Chargers vs 49ers.

Herrmann – Hmm, schwierig. Aus der Regular Season war keines absolut unvergeßlich. Also Baltimore-New England in den Divsionals. Für die Regular Season muß ich sagen, daß ich die meisten Sunday Night- und Monday Night Games super fand, weil NBC mit Michaels/Colinsworth und auch immer mehr ESPN mit Tirico/Gruden es schaffen, viel taktischen Hintergrund einzubauen, trotzdem sehr unterhaltsam sind und überhaupt die Stimmung von den Fans und die Atmosphäre mit dem Flutlicht super eingefangen wird. Gerade zu Beginn der Saison, wenn es viele Spiele zwischen 2-und-2-Teams bei strahlendem Sonnenschein um 13.00Uhr gibt, machen NBC und ESPN etwas Besonderes aus dem grauen Ligaalltag.

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2 Kommentare zu “Sideline Reporter Awards 2014/15

  1. @hermann Ich finde es ja toll das du Geno verteidigen möchtest jedoch hatte er jetzt 2 Jahre in dem System von Marty Mornhinweg verbracht und Fortschritte waren kaum zu erkennen. Wahrscheinlich hast du das Spiel Ende Dezember zwischen den Jets und den Patriots gesehen indem man einfach gemerkt hat das Smith null Verständnis für situativen und klugen Football hat.

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