Coaches und GMs im AFC-East-Karussell

Nach dem alljährlichen black monday gab es etliche offene Trainer- und GM-Stellen. Die meisten sind nun besetzt. Werfen wir einen Blick auf die AFC East, in der es nur wenige neue, dafür viele alte Gesichter gibt.

New England Patriots

Die New England Patriots haben die AFC East in 11 der vergangenen 12 Jahre gewonnen. Die Konstante dabei ist Head Coach und General Manager Bill Belichick. Es gab viele Wechsel auf den beiden Coordinator-Positionen, aber nach jedem Abgang (Charlie Weis, Romeo Crennel, Erig Mangini, Dean Pees, Josh McDaniels) wurde der neue Offensive und Defensive Coordinator aus den eigenen Reihen heraus befördert. Die einzige Ausnahme dabei war McDaniels, der nach Jobs bei den Broncos und Rams wieder zurückkam, aber vorher eben auch nach Weis‘ Abgang aus der Position des Quarterbacks-Coaches heraus befördert wurde.

Sollte McDaniels nicht aus irgendeinem Grund nach dem Super Bowl noch zu einem anderen Team wechseln, werden die Patriots auch die Saison 2015 mit Kontinuität allerorten beginnen: Heach Coach/GM Belichick, OC McDaniels, DC Matt Patricia und Director of Player Personnel Nick Caserio. Der 39jährige Caserio hat dabei eine einzigartige Rolle inne. Er ist sowohl Teil der Managementseite, als auch in die Trainingsarbeit involviert. Seit er 2001 mit 26 Jahren als so etwas wie „Assistenz der Geschäftsführung“ zu den Pats kam, hat er neben Scouting- und später Managementjobs auch einige Jahre offiziell als Coach gearbeitet, zuletzt 2007 als Wide Receivers Coach (einer seiner WRs bei der John Carroll Universität, wo er zwischen 1995 und 98 QB gespielt hat, war übrigens McDaniels). Im Dezember hat Caserio bis 2020 verlängert, letztes Jahr hat zwei Mal für die Stelle des GM bei den Miami Dolphins vorgesprochen, wollte dann aber lieber in Boston bleiben.

Miami Dolphins

Die Stelle als GM in Miami bekam schließlich Dennis Hickey. Die Nachfolge für den in Miami verhassten Jeff Ireland zu regeln war nicht ganz einfach, nachdem mehrere Kandidaten abgesagt hatten und viele angefragte nicht mal zum Vorstellungsgespräch kommen wollten. Hickey war seit Mitte der 90er in verschiedenen Positionen in der Scoutingabteilung der Tampa Bay Buccaneers tätig, wurde aber nicht in Betracht gezogen, dort GM zu werden, nachdem Mark Dominik beim Großreinemachen des Schiano-Desasters mit über die Wupper ging.

Hickey hat Head Coach Joe Philbin und DC Kevin Coyle übernommen, aber Offensive Coordinator Mike Sherman entlassen. Sherman kam vor der Saison 2012 zusammen mit Philbin von Texas A&M nach Florida. Als Nachfolger wurde Bill Lazor vom Team Chip Kelly verpflichtet. Mit Ryan Tannehill hat der Angriff auch unter Lazor kein Feuerwerk abgefackelt – vor allem die hartnäckige Aversion gegen tiefe Bälle ist ein großer Kritikpunkt – aber er ist solide, was hier nicht negativ gemeint ist.

Es gibt also eine gewisse Kontinuität und die Fins kratzen unter Philbin auch immer an den Playoffs. Aber in den Ergebnissen gibt es keine deutliche Steigerung: 7-9, 8-8 und 8-8 steht auf Philbins Habenseite. Der Kader ist erstaunlich gut aufgestellt, daher liegen auch schon ein oder zwei Streichhölzer unter Philbins Stuhl. Er muß bis in den Dezember hinein mindestens im playoff hunt bleiben, sonst brennt’s.

New York Jets

Lichterloh gebrannt hat es in New York. Owner Woody Johnson wollte nach nur vier Siegen und damit der vierten Saison in Folge ohne positive W-L-Bilanz nicht länger an Rex Ryan festhalten. Da aber Ryan bei Spielern und Fans überaus geliebt wurde, der GM John Idzik dagegen gehasst, obwohl dieser erst seit zwei Jahren was zu sagen hat, mußten beide gehen.

Todd Bowles

2013-14 DC Cardinals
2012 secondary Eagles
2008-11 secondary/AsstHC Dolphins
2005-07 secondary Cowboys
2001-04 secondary Browns
2000 secondary Jets
1998-99 DC Grambling State
1997 DC Morehouse College
1995-96 assistant Packers
1986-93 Safety bei Redskins, 49ers

Idzik hat den Saustall aufgeräumt, den sein Vorgänger Mike Tannenbaum hinterlassen hat. So hat Idzik überbezahlte Veterans rausgekickt, keine Phantasiesummen für Free Agents mehr ausgegeben und versucht, seine Mannschaft um den Draft herum zu bauen. Das ist in der Medienhölle New York zu langfristig und nicht aufregend genug.

Der neue GM, Mike Maccagnan, hat dann auch gleich gesagt, daß er voll Bock drauf hat, „very active in free agency“ zu sein – und Woody Johnson hat ja auch schon öffentlich die Fühler nach Darrelle Revis ausgestreckt. Maccagnan kommt von den Houston Texans, wo er Director of College Scouting war. Eingestellt hat ihn in Houston Charley Casserly. Vorher war Maccagnan Scout bei den Washington Redskins, eingestellt wurde er dort von Charley Casserly. Als „special advisor“ wurde Owner Johnson beraten von – Charley Casserly. Wen kann Belichick am allerwenigsten leiden? Genau.

“Who’s been wrong more than Charley Casserly since he left the Redskins? His percentage is like a meteorologist,” Belichick said.

“He has no relationship to this team. I’d say less than zero. Based on what? He’s never at a practice, never at a game,” Belichick said before getting into a discussion of sports media practices in general.

“At least he put his name on it which is more than a lot of guys. But, like he usually is, he was 100 percent wrong.” (Quelle)

Hoffentlich bleibt Casserly den Jets noch ein bißchen erhalten.

Chan Gailey

2010-12 HC Bills
2008 OC Chiefs
2002-07 HC Georgia Tech
2000-01 OC Dolphins
1998-99 HC Cowboys
1994-97 WRs, später OC Steelers
1993 HC Samford
1991-92 HC Birmingham Fire
1985-90 OffAst Broncos

Als neuen Head Coach haben die Jets einen meiner größten Lieblinge verpflichtet: Todd Bowles. Bowles hat vor zwei Jahren in Arizona eine aufregende Defense von Ray Horton übernommen und diese aufregend und erfolgreich gemacht. Ähnlich wie Vorgänger Rex Ryan ist er sehr kreativ und sehr aggressiv. Er war dabei auch immer sehr risikofreudig. Wenn er diese Risikofreude auch als HC im in-game management zeigt, kann das nur gut sein für die Liga. Mit Bruce Arians hatte er in Arizona auch einen erstklassigen Mentor. Wenn dann aber mal ein wichtiger ausgespielter 4th&1 schiefgeht, kann er sich bei der New Yorker Presse aber ganz warm anziehen. Außerdem gilt er als sehr beliebt bei seinen Spielern. Alles ähnlich wie Rex Ryan. Darüber hinaus kennt er die AFC East auch sehr gut. Von 2008-11 war er Miamis Assistant Head Coach unter Philbins Vorgänger Tony Sparano und nach dessen Rauswurf auch kurz Interims-HC. Als Jets-Fan und -spieler wär ich sehr glücklich über diese Wahl.

Kacy Rogers

2008-14 DL Dolphins
2003-07 DL Cowboys
2002 DL Arkansas
1994-2001 kleine Colleges

Auch sein neuer Offensive Coordinator kennt die AFC East aus jüngster Erfahrung: es ist Chan Gailey. Gailey, 63, war von 2010-12 Head Coach der Buffalo Bills. Unter ihm sah Ryan Fitzpatrick kurze Zeit mal so gut aus, daß er einen $60Millionen-Vertrag bekam. Jetzt muß er mit Geno Smith arbeiten. Um die Defense wird sich Bowles wohl persönlich kümmern, aber als offiziellen DC hat er Kacy Rogers geholt, der die letzten sieben Jahre in der AFC East war, als Defensive Line Coach der Dolphins. Ein noch viel besserer Kenner der AFC East, und vor allem des großen Platzhirschen, ist Pepper Johnson. Der war 14 Jahre lang in New England, bevor er letzte Saison unter Jim Schwartz in Buffalo gecoacht hat.

Buffalo Bills

Rex Ryan

2009-14 HC Jets
2005-08 DC Ravens
1999-04 DL Ravens
1998 DC Oklahoma
1996-97 DC Cincinnati (NCAA)
1994-95 DL/LB Cardinals
1990-93 DC Morehead State
1989 DC New Mexico Highlands
1987-88 DEs Eastern Kentucky

Johnson mußte in Buffalo gehen, weil sein Boss, DC Schwartz, dem neuen Head Coach weichen mußte, der die Defense selbst übernimmt: Rex Ryan. Willkommen in Inzesthausen! Ryan ist eine einigermaßen seltsame Entscheidung der Bills, denn die Offense war das große Problem, nicht die Defense. Diese sah unter Schwartz bombig aus und war ligaweit gefürchtet. Ryan ist selbstredend ein hervorragender DC, aber warum man sich bei der HC-Wahl nicht auf die Angriffsseite konzentriert hat, erschließt sich nicht ganz.

Noch weniger erschließt sich allerdings, warum Doug Marrone einfach so abgehauen ist. Er ist jetzt Offensive Line Coach in Jacksonville. Naja. Jedenfalls bringt Ryan seinen Liebling Dennis Thurman mit, der auch in den letzten beiden Jets-Jahren offiziell sein Defensive Coordinator war. Tatsächlich macht die Bills-D natürlich nur, was Ryan will.

Greg Roman

2011-14 OC 49ers
2009-10 AsstHC Offense Stanford
2006-07 OL Ravens
2002-05 QB/TE Texans
1995-01 Assistant Panthers (Fitneßtrainer,
quality control coach defense, später
offense, assistant OL coach u.a.)

Als Offensive Coordinator hat Ryan Greg Roman aus San Francisco überzeugt, das Projekt E.J. Manuel zu übernehmen. Roman hat in den letzten vier Jahren zusammen mit Jim Harbaugh den Angriff gebaut, von dem Ryan immer geredet hat: ground and pound. Viel Laufen, hart laufen, kreative Laufspielzüge. Auch bei den 49ers hatte er dabei mit Alex Smith und Colin Kaepernick Quarterbacks, die gut auf den Beinen sind.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.