Nachwehen der Combine 2015 – Quarterbacks

Die beiden Top-QBs können die Combine 2015 mit einem guten Gefühl verlassen, glauben wir den Augenzeugen. Jameis Winston soll seinen Favoritenstatus auf den #1 Pick zementiert haben, Marcus Mariota soll genügend Beweismaterial geliefert haben um als möglicher Top-10 Pick gesehen zu werden.

Winston enttäuschte zwar in der Sprintzeit (4.97sek) und im Hochsprung, wo er jeweils Werte einfuhr, die man eher Offensive Tackles als Quarterbacks zutraut, aber das war der einzige zweifelhafte Punkt. Die „wichtigen“ Checkboxen konnte er mit Ausrufezeichen abhaken.

Winston wurde mit 6‘4‘‘ und 231 Pfund gemessen, also im Rahmen des Erwarteten. Seine Workouts hinterließen nicht den leisesten Zweifel, dass er weiß, wie man die Basis-Drops in der Pocket ausführt: Effiziente Bewegungen in einer simulierten Pocket, saubere Beinbewegung – all das, was die Scouts sehen wollen, wenn Prospects gegen eine Geister-Defense antreten.

Immer wieder wurde angepriesen, wie schön Winstons Pässe sich durch die Luft fräsen und wie einfach sie für die Ballempfänger (seien es allerdings Offense wie Defense) zu fangen seien. Die Bälle fliegen genau in die Laufbahn der Receiver, die fast nie warten oder sich strecken müssen.

Das größte Fragezeichen bei Winston war allerdings sein Lebensstil abseits des Feldes. Winston kommt mit dem Rucksack eines nur mit vielen Restzweifeln ad acta gelegten Vergewaltigungsvorwurfs in den Scouting-Prozess, plus einer Reihe an kleineren Zwischenfällen, die normalerweise kein Schwein interessieren, es sei denn wir sprechen über Draft-Prospects bzw. eben einen der Vergewaltigung Bezichtigten. Winston wird hier die meisten Zweifel nicht ausräumen können.

Was er aber allem Anschein nach beweisen konnte: Football-IQ. Dieser Terminus vereint verschiedene Konzepte theoretischen Wissens über Aufstellungen, Pass-Routen und Defense-Intentionen in sich. Winston soll auf diesem Gebiet in den kurzen Interview-Sessions geglänzt haben.

Einem Lovie Smith ist nach diversen Vorfällen in der Vergangenheit nie zu glauben was er in offiziellen Statements von sich gibt, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher hoch, dass die Buccaneers ihren Worten Taten folgen lassen und Winston mit dem Top-Pick 2015 ziehen werden.


Mariota kann sich auf die Schulter klopfen, weil alle seine athletischen Tests positiv verliefen und er vor allem auch seine Sprinterqualitäten mit einer 4.52sek im 40yds-Sprint unter Beweis stellen konnte.

Als viel wichtiger wurde bei ihm jedoch erachtet, wie er die Pass-Drills absolvieren würde. Sie sollen stark gewesen sein. Er soll zumindest gegen die non-existente Defense in der Lage gewesen sein, Pässe vom Allerwertesten des imaginären Centers aufzunehmen und die 3step/5step Drops auszuführen. Man konnte sehen, dass er in den zwei Monaten seit Ende der College-Saison daran gearbeitet hat und dass er adaptiv ist.

Bei Mariota konnte man schön beobachten, wie er noch etwas krampfhaft seine Augen downfield halten müssen, immer wieder versucht, in alte Muster zu verfallen. Seine Bälle kommen auch schön raus, aber es gibt Routen – wie die Out-route – die er nicht 100%ig präzise aus dem Armgelenk geschüttelt bekommt.


Brett Hundley soll seine Aktien auch verbessert haben. Seine Zahlen waren gut, u.a. eine 4.63sek im Spring. Hundley wirft ohne Druck in der Pocket einen sauberen Ball. In den Interviews soll er einen blendenden Eindruck hinterlassen haben, soll den Teams das Gefühl gegeben haben, gute Führungsqualitäten zu besitzen.

Das Gefühl bei Hundley ist immer mehr, dass er in seiner Entwicklung noch relativ am Anfang ist und Teams am besten täten, ihn erst in den mittleren Runden, also 2te bis 4te Runde, zu ziehen. Aber das Potenzial, das in ihm unisono gesehen wird, dürfte ihn früher vom Tableau gehen lassen – vielleicht schon Mitte/Ende erste Runde. Und dort ist der Druck der lokalen Medien oft so groß, die 1st-Rounder einzuwechseln, dass man solche Spielertypen zu schnell verheizt.


Bryce Petty soll seine Wurftechnik in den letzten sechs Wochen extrem verbessert haben und auch seit der Senior Bowl einen großen Sprung gemacht haben. Die Bälle kamen jedenfalls präzise und mit ordentlich Pfeffer raus. Man sieht als Laie sofort den Unterschied zu Winston oder Mariota, aber es ist nicht mehr so, dass Petty als kompletter Anfänger abgetan werden kann.

Klingt auch bei Petty ein wenig danach, als ob er früher gedraftet wird als vielleicht gut für seine Entwicklung ist: 2te bis 4te Runde.


Ein QB, den ich noch gar nicht kannte: Brandon Bridge – ein großer und sehr athletisch wirkender Spieler. Bridge hat einen Monster-Wurfarm, aber zu unpräzise. Wenn die Vergangenheit eines gelehrt hat, dann, dass die NFL solche Talent-Typen liebt. Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass unpräzise QBs in der NFL nicht plötzlich die genauen Würfe lernen und dann schneller als prognostiziert mit zu vielen Incompletions und Interceptions verheizt werden.

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Ein Kommentar zu “Nachwehen der Combine 2015 – Quarterbacks

  1. Zu Brandon Bridge: Er kommt aus Mississauga, einem „Vorort“ von Toronto und hat entsprechend seine ersten Erfahrungen im Canadian Football gesammelt. Er bekam kein Stipendium einer großen Universität angeboten, weil sein kanadischer Hintergrund als zu großes Risiko angesehen wurde.

    Spielerisch erinnert er mich ein wenig an Logan Thomas aus dem letzten Jahr. Er hätte womöglich eine höhere Completion Percentage gehabt, wären seine WR besser gewesen (es gab Situationen, in denen seine Mispieler es nicht schafften, mit den von ihm so hart geworfenen Pässen umzugehen), aber an seiner Genauigkeit wird noch zu arbeiten sein. Mit vernünftigem Coaching ist sicher noch was möglich, die Frage ist nur, wie viel.

    Ich kann mir vorstellen, dass ihm ein Team in der vierten/fünften Runde eine Chance gibt.

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