Buffalo Bills in der Sezierstunde

Die Buffalo Bills sind vor Start der Transferperiode eines der interessantesten Teams. Mit der Einstellung von Head Coach Rex Ryan gingen einige Änderungen in der Machtstruktur einher, die darauf hindeuten, dass sich die Franchise im so genannten „Win Now“ Modus befindet: Ein erneutes Verpassen der Playoffs wäre eine Katastrophe – starke Ansagen in der Franchise, die so lange nicht mehr in den Playoffs war wie keine andere Mannschaft: Seit mittlerweile 15 Jahren nicht mehr.

(Können wir gleich den Disclaimer setzen? Im Kern steht der Artikel seit Sonntag. Dass die Bills unter den Aggressive-Leadern der Offseason sein würden, war im Prinzip seit Einstellung von Ryan klar. Der Trade vom Mittwoch bekräftigt eher diese Annahme, als dass er sie infrage stellt)

Ryan war nach dem debakulösen Abgang von Doug Marrone eine eher überraschende Einstellung in Buffalo. Er übernimmt eine Mannschaft mit eh schon nahezu großartiger Defense, hingegen schwacher Offense. Eine schnelle Lösung des Offense-Problems ist nicht in Sicht, nachdem die Bills weder über einen Erstrunden-Draftpick verfügen, noch es in irgendeiner Form eine realistische Free-Agent Option auf Quarterback gibt.

Bleibt die alte Ryan-Methode: Defense hoch drei, und hoffen wir, dass wir in der Offense irgendwie durchkommen. Die Schlüssel dafür wurden Greg Roman in die Hände gedrückt, vormals OffCoord bei den San Francisco 49ers.


Cap-Room in Buffalo ist in Höhe von rund 30 Millionen Dollar verfügbar. Die Frage wird sein, in welche Richtung man Investitionen tätigen wird. Die wichtigste Frage betrifft wie angedeutet die Quarterbacks, wo der junge E.J. Manuel zuletzt vom QB-Flüsterer Marrone nach nicht einmal eineinviertel Jahren in der Stammrolle gebencht wurde und der ewige Kyle Orton übernahm. Orton liebäugelt noch immer mit einem Rücktritt, auch wenn man ihn womöglich doch noch zum Weitermachen bewegen will.

Im Falle eines Orton-Ruhestandes gilt es als wahrscheinlich, dass Ryan seinen ehemaligen Schützling aus New Yorker Zeiten, Mark Sanchez, als mögliche Alternative ins Auge fassen wird. Die Hoffnung dürfte dann sein, dass OffCoord Roman Manuel/Orton/Sanchez analog seiner Arbeit in San Francisco mit Alex Smith wird weiterentwickeln können.

Ganz ohne Support-Cast geht das freilich nicht. Auf Runningback dürfte der Abgang von C.J. Spiller (auslaufender Vertrag) spätestens seit dem Einkauf von LeSean McCoy aus Philadelphia beschlossene Sache sein. Spiller und McCoy sind ähnliche Spielertypen, mit dem Unterschied, dass McCoy über die Jahre schlicht beständiger, noch vielseitger war. Dafür hat McCoy mehr Carries und mehr als doppelt so viele Ballberührungen auf seinem Buckel. Der Trade zeigt die Geradlinigkeit, mit der das neue Front-Office die Dinge in Buffalo angeht. Er kommt allerdings zu einem hohen Preis.

Der alte Fred Jackson hätte es natürlich nicht mehr auf lange Sicht gemacht, und Backup Brown gilt nicht als Starting-Kaliber. Aber die Draftklasse 2015 galt als stark besetzt, und die Sterne standen nicht schlecht, dass McCoy bei einem gescheiterten Trade ohnehin von den Eagles auf die Straße gesetzt worden wäre – man hätte ihn vermutlich also auch ohne Kompensation und trotz Wettbieten für einen billigeren Vertrag bekommen können.

Immerhin: Die Wide Receiver sind nicht schlecht aufgestellt, mit der jungen Bombe Sammy Watkins und Leuten wie Robert Woods. Größtes Problem ist die Offensive Line, wo die Bills zuletzt gehörig wackelten. Die Offseason wird in Form von Free-Agents und Rookies sehr breit aufgestellt sein, weswegen man fix von zumindest einem, vielleicht mehreren, Einkäufen in der Offense Line ausgehen kann.


In der Defense ist man personell eigentlich ganz gut aufgestellt, aber es wird bereits mächtig Tam-Tam gemacht ob des möglichen Interesses von Ryan an CB Darrelle Revis – sollte der von den Patriots gekündigt werden. Die Combo Revis/Ryan sorgte bereits bei den Jets für eine der besten Defenses der letzten zehn Jahre. Ein Manndecker-Pärchen Revis/Stephon Gilmore wäre in der NFL konkurrenzlos.

Das Problem an der Option Revis: Sie ist teuer – so teuer, dass man an anderen Orten vermutlich wird kürzer treten müssen. Zum Beispiel im Pass Rush: Dort riskiert man eh bereits, den Glücksgriff Jerry Hughes (schaffte in Buffalo den Durchbruch) zu verlieren, würde sich in jenem Fall sogar eher verschlechtern als verbessern. Der Abgang von LB Kiko Alonso (Trade-Gegenwert für McCoy) dürfte eher morgen als heute gespürt werden – ein guter, junger Spieler, der umso wertvoller war durch seinen billigen Vertrag.

Anzuschauen ist hier die Art und Weise, wie sich die Defense auf den fünften DefCoord im fünften Jahr (nach Edwards, Wannstedt, Pettine und Schwartz) einstellt – Adaptivität sollte man schon gewohnt sein. Aber beim Gedanken an Rex Ryan in Buffalo sabbeln sich die Auguren eh schon seit Wochen die Mäuler voll.


Als sicher gilt, dass die Defense mit Ryan ihren Level zumindest halten wird. Als sicher gilt auch, dass die Bills letztlich aber eine halbwegs tragbare Offense bauen müssen um in der AFC East den Patriots die Hölle heiß zu machen. Weil man mit Ryan eher schnell als langsam aufbauen möchte, ist davon auszugehen, dass die Bills in der Transferperiode noch den einen oder anderen aggressiven Move nachschieben werden, und dass Buffalo mit entsprechend viel Hype in die neue Saison gehen wird.

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4 Kommentare zu “Buffalo Bills in der Sezierstunde

  1. Auf die Defense der Bills freu ich mich jetzt schon wie kleiner Junge. Letztes Jahr sind schon Schwergewichte wie die Packers daran gescheitert.
    Wenn die Bills daß Offense Problem in den Griff kriegen würden (das sehe ich für 2015 jedoch nicht nicht ) wären die Playoffs locker drin. So glaube ich wirds eng, aber die Defense wird einem beim zugucken vorraussichtlich immer Spaß machen nächstes Jahr

    Snoopy´s American Football Blog
    https://americanfootballsnoopy.wordpress.com/

  2. Pingback: Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Die Kronprinzen | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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