Indianapolis Colts in der Sezierstunde

Bei den Indianapolis Colts bin ich seit Jahren skeptisch, aber seit Jahren verschlägt es diese Mannschaft trotz aller Zweifel in die Playoffs. So wie man jedoch zuletzt in den Playoffs von den Patriots geplättet wurde, scheint nun auch in der breiteren Öffentlichkeit das Gefühl aufgekommen zu sein, dass Indianapolis noch nicht „for real“ ist.

Um es kurz zu halten: Die Colts haben drei eklatante Schwachstellen, die es zu beseitigen gilt:

  1. Kein Punch in der Defensive-Front Seven, die zum Verschwinden von Pass Rush gegen bessere Offenses sowie zu Hilflosigkeit gegen den Lauf führt.
  2. Zu limitierte Pass-Deckung mit nur einem guten Cornerback.
  3. Zu eindimensionale Offense, weil es nicht mal ansatzweise Power-Running Game gibt.

Alle drei Schwachstellen können freilich angegangen werden, vor allem, wenn ein Team wie die Colts alle Draftpicks beisammen und fast 30 40 Millionen Dollar Cap-Space zur Verfügung hat. Das ist das Gute. Das Schlechte: GM Ryan Grigson hatte schon in den letzten Jahren viel Cap-Space, verschleuderte den aber für unterdurchschnittliche Free-Agents, die für überteuertes Geld geholt wurden. Diesmal soll sich alles ändern, weswegen die Colts häufig in der Liste der potenziell einkaufsfreudigsten Teams genannt werden.


Rein nach Effizienz-Stats waren die Colts als eines der Top-5 Teams im Power-Ranking gewiss eine positive Erscheinung, aber beim genaueren Hingucken lässt sich erkennen, dass vor allem die Defense gegen bessere Offenses kein Land sah, viel zu wenige Sacks fabrizierte und teilweise komplett überrannt wurde.

Vor allem deswegen sieht halb Amerika mindestens einen oder zwei der bekannteren Front-Seven Spieler zu den Colts gehen. Manche vermuten einen Einkauf von Ndamukong Suh, wobei dieser allein die Hälfte des Cap-Space fressen würde und vermutlich kein guter Rat wäre. Eher läuft es auf Namen der „1-b Garnitur“ hinaus, wie zum Beispiel Paea oder Ngata, sollte er von den Ravens entlassen werden.

Die Colts dürfen zwar OLB Robert Mathis (19.5 Sacks in 2013) nach überstandener Achillessehnenverletzung wieder im Kader willkommen heißen, aber der Mittdreißiger Mathis ist keine längerfristige Zukunftsoption mehr – vielleicht sollte man schon im anstehenden Herbst nicht mehr zu viel auf ihn bauen. Mathis‘ Hintermänner sind die jungen OLBs Newsome und Björn Werner (4 Sacks), die beide bestenfalls als unterer Durchschnitt gehandelt werden. Vor allem bei Werner war man entsetzt, dass er nicht mal für gut genug befunden wurde, in den Playoffs in den Kader einberufen zu werden.

Sieht man sich die restlichen Namen in der Front-Seven an – Chapman, Jones, Walden, Jackson, Freeman, Muamba, Kerr – wird schnell klar, dass Abhilfe geschaffen werden muss. Vermutlich ist das Anvisieren von Defensive Interior und Edge-Rush mit wenigstens zwei wertvolleren Leuten das Mindeste, das Grigson tun muss.

Das zweite Problem in der Defense: Die Secondary. CB Vontae Davis sagte man ein starkes Jahr nach, aber ein Top-CB und fünfmal Scheiße ist in der NFL weniger Wert als fünfmal Mittelmaß. Verbesserter Pass Rush sollte der Deckung auf jeden Fall helfen, aber ich würde die eine oder andere Extremität ins Feuer legen dafür, dass die Colts mindestens zwei Defensive Backs holen.

Safety Landry wurde bereits geschasst, CB Toler könnte noch als Art „Cap-Move“ folgen, aber wohl erst, wenn bereits Ersatz gefunden ist.


In der Offense fokussiert sich bei den Colts alles auf QB Andrew Luck. Luck ist noch nicht perfekt, aber man kann ihm den Großteil der Offense bereits nach drei Jahren ohne nervös zu werden in die Hand drücken: 7.0 NY/A ohne Laufspiel-Entlastung sind starke Werte. Von den Quarterbacks in den letzten 10-15 Jahren waren bestenfalls Rivers und Rodgers nach drei Saisons weiter als Luck – keine schlechte Gesellschaft.

Frage bei ihm wird sein, ob die Colts seinen Vertrag schon in dieser Offseason verlängern werden oder ob sie warten werden. Der Rat vieler ist, es bereits heuer zu vollziehen, aber zuerst die „Vertrags-Option“ für sein fünftes Profijahr 2016 zu ziehen um möglichst lange die großen Cap-Hits zu meiden.

Was man Luck zur Seite stellen sollte: Besseres Vorblocking in Form von mehr Punch auf Guard/Center. Und natürlich wie eingangs erwähnt zumindest eine glaubwürdige Alternative auf Runningback, wo der alte Bradshaw ständig verletzt war und Trent Richardson höchstens als Prellbock für niveauarme Sprüche fungierte. Nicht auszuschließen, dass man sich einer der bekannteren Optionen in FA/Draft bedienen wird, aber der schlaue Rat wäre, die teuersten Ressourcen in die Defense sowie Offense Line zu stecken und den entsprechenden Back punktuell zu suchen.


Ich habe das Gefühl, dass die Colts diesmal Ernst machen und mit mehr Nachdruck den Kader aufzupeppen versuchen. Ich habe auch das Gefühl, dass sie die Dringlichkeit verstanden haben. Zu lange klopfte man sich dank tausend knapper Siege auf die Schulter, missachtend, dass man von der Liga-Spitze noch ein gutes Stück entfernt ist. „Mehr Nachdruck“ im Anschaffen von neuen Spielern birgt natürlich immer die Gefahr des Überbezahlens, aber mit einer vergleichsweise gesunden Gehalts-Situation können die Colts sich wohl den einen oder anderen zu teuren Spieler leisten.

Was sie sich als einziges nicht leisten können: Untätigkeit. In jenem Falle riskiert man, die anstehende Blütezeit des QB-Diamanten Luck zu verschenken und die anstehende Palastrevolution in einer AFC, in der Manning und Brady alsbald ihre Rücktritte einreichen werden, zu verpassen.

5 thoughts on “Indianapolis Colts in der Sezierstunde

  1. Trifft ziemlich genau, das Fazit. Die Colts klopfen an der Spitze, aber nur weil Lucks Ausnahmetalent die etlichen schwach besetzten Schlüsselposition kaschiert. Mit einem potentiellen 1000 Yard fähigen Running Back und einem Pass Rush der wenigstens die Gefahr eines Sacks versprüht, dürfte ein recht tiefer PlayOff Run 2015 erreichbar sein. Finde die Sezierstunden hier super🙂 Daumen hoch

    -Snoopy´s American Football Blog-
    https://americanfootballsnoopy.wordpress.com/

  2. Jonathan Newsome hatte eine starke Rookie-Saison mit 6,5 Sacks als 5th Rounder.. da kann man schon zufrieden sein. Von Werner muss allerdings mehr kommen, sonst darf man schon von Bust sprechen.
    Chapman konnte bisher auch nicht wirklich überzeugen und für diese Art von Defense bedarf es halt besseres Nose-Tackle-play… Dan Williams von den Cards wäre da eine FA-Option.
    Unsere Corners sind gut. Davis ist sowieso eine Macht… Toler eine brauchbare Nr. 2 und Butler macht einen soliden Job im Slot … dahinter siehts allerdings mehr als Mau aus.
    Zum Glück wurde Landry gecuttet – sieht aus wie Hulk und spielt wie eine blinde Mickey Mouse. Jeder Rookie ist besser und hoffentlich kommt Adams zurück…
    Einen RB würd ich draften, sind ein paar gute Leute dabei, allerdings auf keinen Fall in der 1. Runde.

    Leider wurde heute bekannt gegeben das Reggie Wayne keinen Vertrag mehr bekommt. Ein Jahr in einer reduzierten Rolle hätte ich ihm alle mal noch zugetraut.

  3. Pingback: Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Die Titelaspiranten | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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