Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Bleiben wir in der NFC West: Arizona Cardinals, Überraschungsteam 2015 mit ihrer 11-5 Bilanz und Playoff-Qualifikation gegen alle Wetten. Die Offseason brachte nun einige Änderungen am Status Quo.

Die auffälligste: DefCoord Todd Bowles wechselte als Head Coach zu den Jets. Er hinterlässt eine Defense, die sehr guten „Clutch Football“ spielte, inklusive der oft angesprochenen wohlgetimten Blitzes. Die reinen Effizienz-Stats waren weniger begeistert: 6.7 NY/A aufgegeben, nur #23 in der Liga. Prinzipiell lebte man vor allem von guten Turnover-Werten.

Personell wird in der Abwehr nun einiges umgebaut: DT-Oldie Dockett und der NT Dan Williams verabschieden sich gen Bay Area – sie werden durch die beiden Coreys, Redding und Peters, ersetzt. Finanziell ist das für Atlanta ein kleiner Gewinn, da man die eine oder andere Million gegen die Gehaltsobergrenze einspart; Williams wäre allerdings in einem guten Alter gewesen. Eine wirklich gute Alternative für den Spot des Nose-Tackles hat man nicht, der junge Ta’amu muss sich erst noch beweisen.

Bei den letzte Saison extrem unerfahrenen Linebackers griffen die Cardinals personell ein: Man holte OLB Woodley aus Oakland und LB Weatherspoon aus Atlanta, beide mit Kurzzeitverträgen um die Einlernphase für die Jungspunde Minter und Okafor zu erleichtern. Der eigentlich beste Mann bleibt dagegen weiterhin ein Rätsel: Daryl Washington. Man weiß noch nicht, ob der Mann für 2015 zurückkehrt oder erneut gesperrt wird. Arizona scheint nicht mehr wirklich mit Washington zu rechnen. Sollte er zurückkehren, gut. Wenn nein, auch gut. Man hat nun ja Personal.

Auch in der Secondary gibt es viel unerfahrenes Potenzial, nachdem CB Cromartie dem Bowles nach New York gefolgt ist. In CB Patrick Peterson hat man einen der besseren Manndecker in der Liga, in FS Tyrann Mathieu einen der aufregenderen Freelancer, und auch ein S Deone Bucannon dürfte als einstiger 1st-Rounder noch Luft nach oben haben, aber bis auf Peterson haben sie alle noch recht wenig NFL-Spielzeit gesehen. Dass man sowas durch Draften lösen kann, ist per Definition eher zu hinterfragen.

Offense

Alle Aussagen und Moves von Head Coach Bruce Arians, der als de-facto Offensive Coordinator agiert, deuten darauf hin, dass Arizona sich entwickeln möchte zu einer Offense, die den Ball besser läuft um wegzukommen von der zuletzt gespielten Offense der tausend langen Bälle. Macht angesichts der QB-Situation durchaus Sinn: Carson Palmer geht auf die Mitte 30 zu und war die letzten Jahre häufig verletzt, und wenn einsatzfähig, dann anfällig gegen Interceptions. Ryan Lindley werden wir so schnell nicht mehr auf einem NFL-Feld sehen, und der dritte Mann, QB Logan Thomas, gilt als völlig unterentwickelt. Ein Wunder, dass Arizona über 6 NY/A mit diesen Quarterbacks zustandebrachte.

Alle Moves des Front Office unterstützen die Theorie des verstärkten Fokus auf ground and pound: OG Mike Iupati wurde für gutes Geld aus San Francisco geholt. Iupati gilt als Sicherheitsrisiko im Pass-Blocking, wird aber oft als bester „Mauler“ im Laufspiel bezeichnet – also der typische altmodische Run-Blocker mit viel Physis. Iupati wurde auch deswegen Notwendigkeit, weil sich der erst vor zwei Jahren mit Pauken und Trompeten geholte OG Jonathan Cooper nicht entwickelte. Cooper riskiert, nach Schienbeinbruch und Stagnation bereits als Bust abgeschrieben zu werden.

Allenfalls die Center-Position ist nach Sendleins Abgang noch nachzubesetzen.

Im Draft dürfte die RB-Position um ein Arbeitstier ergänzt werden, vielleicht bereits in der 1ten oder 2ten Runde. Arians gilt als Freund von RB Andre Ellington, der 2013 als Rookie einen sensationellen Einstand hatte, aber was man so liest, möchte Arians Ellington nicht die Stammrolle überlassen, sondern ihn als Geschwindigkeitswechsel und Pass-Fänger für zwischendurch einbauen. Insofern kann man sich auf einen neuen Lead-Back einstellen.

Auf Wide Receiver könnte sich in der Tiefe was tun: Michael Floyd stagnierte zuletzt, John Brown gilt nicht als „die Lösung“. Larry Fitzgerald darf zwar nach einer (aus Teamsicht) horrenden Vertragsverlängerung zwei weitere Jahre bleiben, aber so richtig die Zukunft ist er mit bald 32 auch nimmer. Fitzgerald wurde in den letzten beiden Jahren fast 50% seltener angespielt als in seiner Blütezeit, und vor allem sein Yards/Catch Wert litt, liegt mittlerweile nur noch um die 11-12yds/Catch. Fitzgerald ist eine lebende Legende, aber es bräuchte schon ein großes Comeback, dass er noch einmal zu einer tragenden Säule der Offense wird.


Tight End wurde von Arians noch nie geschätzt und echte Quarterbacks sind in diesem Draft nicht zu haben (plus ließ man letztes Jahr die Chance auf Bridgewater verstreichen) – insofern ist davon auszugehen, dass sich Arizona im Draft auf Positionen wie Cornerback, Running Back und Center konzentrieren wird, sollte es nach Need-Strategie draften.

Es ist also insgesamt eine Offseason der kleinen Schritte für Arizona, das hauptsächlich am Umbauen im Kleinen ist ohne die ganz großen Stellschrauben zu drehen. Es ist ein sachter Move in Richtung lauflastigerer Offense zu spüren, sowie ein Versuch, die Sollbruchstelle Linebacker zu kaschieren, aber im Makrosystem im Kader scheint sich relativ wenig geändert zu haben.

5 thoughts on “Arizona Cardinals in der Sezierstunde

  1. Moin Moin…. mag/kann mir bitte jemand die unterschiede zwischen den Spielerklassifizireungen *Mauler *Ground and Pound erklären oder hat gleich einen Link dazu ? Deutsch wäre klasse, Englisch ist auch ok.

    Lg Meiner

  2. @ Meiner: Was willst du denn genau wissen?, eigentlich steht ja schon ziemlich viel im Text. Ground and Pound ist eine Offensse Philosophie => über den Gegener mit Physischer Überlegenheit drüberlaufen. Undd der Mauler ist eben der dazu passende O-liner, der diese physische Überlegenheit mitbringt, und seine Gegenspieler aus dem Weg räumt.

    Zu Spilerklassifizierungen könnte dass hier helfen:
    http://www.nfl.com/news/story/0ap3000000470333/article/mayockisms-a-glossary-of-mike-mayock-terms

  3. Dazu noch ergänzend (im Kontext des obigen Artikels): grundsätzlich sind für das Run Blocking und das Pass Blocking ein sehr unterschiedliches Skillset bei den O-Linern gefragt. Beiden gemein ist natürlich eine sehr hohe Grundphysis (Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer) und eine gewisse Körpergröße, unter der es in der NFL nicht wirklich geht als Liner (so grob 6″1′ – also 1,85 – ist ziemlich die unterste Grenze, weil du sonst einfach von den Hebeln her einen zu großen Nachteil hast bzw. egal wie gut und stark du bist jemand einfach über dich drüberlaufen kann).

    Dann beginnen die Unterschiede. Um es kurz zu machen ist das Pass Blocking in der Regel wesentlich reaktiver als das Run Blocking. Beim Pass Block „wartet“ die O-Line normalerweise darauf, dass die Rusher kommen und müssen entsprechend reagieren. Das heißt du musst meist einen massiven 1,9+ Klotz der mit ordentlich Tempo daherkommt aufhalten oder umlenken. Das erfordert andere Fähigkeiten, als wenn im Laufspiel die O-Line in der Regel selbst der Aggressor ist und auf die Defense zugeht um diese aus dem Weg zu räumen.

    Das erklärt auch warum einer wie Iupati als einer der besten Run Blocker, aber als eher schlechter Pass Blocker bekannt ist. So wie eben auch Verteidiger oftmals entweder gut beim Pass Rush oder in der Run Defense sind und nur relativ wenige beides wirklich gut beherrschen.

    Nachsatz: in der groben Erklärung oben steht oft „normalerweise“, weil es natürlich genau solche Offense-Schemen bzw. -Spielzüge gibt, die einen Spielzug durch die Bewegung der O-Line wie einen Pass aussehen lassen um dann zu Laufen (Draw-Play) bzw. umgekehrt (Play-Action). Da machen die O-Liner dann das umgekehrte um die Verteidiger zu verladen.

  4. Pingback: Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Das Niemandsland | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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