Detroit Lions in der Frischzellenkur

Die große Frage der Sezierstunde wurde klar beantwortet: DT Ndamukong Suh wanderte ab. GM Mayhew bot Suh Gerüchten zufolge einen Mega-Deal an, der fast an das Angebot der Dolphins herangereicht hätte, aber Suh zog Miami letztlich vor. Überraschender kommt, dass man Suhs Kollegen, DT Nick Fairley, ebenso gehen ließ. Fairley war manchmal ein fauler Sack, aber auf der Höhe galt er als Top-Spieler, einer der besten in der Liga. Schon letztes Jahr probte Mayhew die Situation, als er Fairleys Vertragsoption nicht zog – um ihn zu motiviere. Fairley spielte dann ein ordentliches Jahr, bis er sich verletzte. In St Louis unterschrieb er für laue Kohle.

Suh und Fairley werden den Lions nächstes Jahr vermutlich einen 3rd-Rounder und vielleicht einen 7th Rounder im Draft als Kompensation bringen. Dieses Jahr werden sie ersetzt von DT Haloti Ngata, der via Trade aus Baltimore geholt wurde, und DT Tyrann Walker, der aus New Orleans kommt. Ngata ist athletisch ein Berg von Spieler, galt in den letzten Jahren aber als überspielt und abgenutzt. Er ist kein klassischer 4-3 DT, weswegen viele vermuten, dass DefCoord Teryl Austin Elemente der 3-4 Defense einbauen wird. Der Preis für Ngata ist nicht ohne: 4th und 5th Rounder, und in einem Jahr ist er Free Agent – sprich, ein Kandidat für einen Abgang.

Via Draft wurde nicht etwa DT Malcom Brown geholt, der zu haben gewesen wäre, sondern erst in der vierten Runde DT Gabe Wright aus Auburn. Für Wright opferten die Lions einen 3rd-Rounder in 2016 – einen wertvollen Pick. Man wird vermutlich einen 3rd-Rounder durch Kompensation für Suh zurückerstattet bekommen, aber trotzdem ein hoher Preis.

Im Draft verstärkte man anfangs vor allem die Offense: OG Laken Tomlinson kam in der ersten Runde, RB Ameer Abdullah in der zweiten. Tomlinson gilt als menschlich über alle Zweifel erhaben, war jedoch nicht in vielen Expertenrunden ein sicherer 1st-Rounder. Tomlinson kommt in eine Line, in der zum heutigen Stand nur LT Reiff und RG Warford ihre Plätze sicher haben.

Auf Center (Swanson oder Tomlinson), Left Guard (Tomlinson oder Manny Ramirez) und Right Tackle (ein Duell zwischen den billigen Waddle und Lucas, oder Tomlinson) gilt noch nichts als gesattelt. Auf alle Fälle jedoch verspricht die Formation, die Matt Stafford beschützen soll, eine der jüngsten in der NFL zu sein (abseits von Ramirez ist Reiff mit drei Jahren Profierfahrung der Methusalem).

Abdullah als change of pace Back in Runde zwei ist auch so ein Draftpick, bei dem ganz oben “Charakterstärke” steht. Spielerisch kommt Abdullah in ein Umfeld, das zuletzt eine ineffiziente Run-Offense durchboxen musste, die aber vor allem – mein Eindruck – an der zu schwachen Offensive Line gelegen hat. Reggie Bush wurde in der Offseason entlassen, war aber eh nur noch die Nummer 2 hinter dem wirklich grundsoliden Joique Bell gewesen. Bell ist ein kompletter Back, der von Laufen über Fangen bis Blocken alles macht, aber er ist kein Burner. Abdullah ist es, und sollte er die Vergleiche mit Warrick Dunn bestätigen können, kann er durchaus zu einer wertvollen Option werden.

Erst in Runde 3 wurde CB Alex Carter für das Defensive Backfield geholt. Carter und der 5th-Rounder CB Diggs werden vorerst nicht am Stamm-Duo Mathis / Slay vorbeikommen, aber vor allem Carter wird sicherlich einige Snaps sehen, bleibt er fit. Das Defensive Backfield in Detroit wird auf alle Fälle Richtung Sollbruchstelle wandern, aber das wussten wir bereits. Vor allem weil „vorne“ die Präsenz von Suh fehlen wird, wird hinten nicht weniger Druck auf die Secondary geladen.

Insgesamt war es aus Lions-Sicht eine zufriedenstellende Offseason. Bei Suh gab es nur zwei Optionen: Halten und damit Kastrieren der Salary-Cap auf Jahre hinaus, oder ziehen lassen und langfristig mehr Flexibilität im Cap-Management bewahren. Suh zählt wegen der horrenden Vertragsgestaltung der letzten Jahre in dieser Saison noch ca. 9 Mio. gegen die Salary-Cap, aber ab 2016 hat Detroit wieder ungeahnte Freiräume und kann damit auch seine guten Eigenbauprodukte im Kader halten.

Sportlich wird man freilich in der Defense einen Schritt rückwärts machen. Zu hoffen bleibt, dass die Offense ihren Level, der rein vom Personal fraglos sehr hoch ist, wird heben können. Insgesamt riecht es in Detroit nach einer Mannschaft, die eine happige Saison erleben wird, aber all das wussten wir ja bereits, siehe Sezierstunde.

3 Kommentare zu “Detroit Lions in der Frischzellenkur

  1. Tomlinson ist nicht nur Charakterlich oberste Schublade, sondern auch noch hochintelligent. Sehr erfahren. Nicht verletzt. Mit Doppelabschluss in Antropologie und Psychologie. Und DUKE ist nicht Arizona State. Zudem ein mächtiger Run-Blocker, was Abdullah und Bell und schließlich auch Stafford definitiv helfen wird. Mein Lieblingsspieler in Runde 1. auch wenn ich gehofft hatte, das er bis zum Pick 32 fällt. Ich glaube nicht, dass er Tackle spielen wird, nachdem er zuvor 4 Jahre als Guard gestartet ist.

    Mein Problem mit Stafford ist, dass ich ihn so ein bisschen wie Jay Cutler in jünger sehe. Zumal er in den letzten Jahren keine signifikante Verbesserung zeigt und in diesem Jahr zu viele Sacks mitgenommen hat, trotz eines der besten WR-Duo’s in der NFL.

  2. Ameer Abdullah scheint mir als Zweitrundenpick doch relativ riskant. Mit 1,75m/92 kg scheint er mir etwas leichtgewichtig für die NFL und hat in Nebraska schon relativ viel Arbeit machen müssen. Mit Duke Johnson und Mike Davis auf dem Board, warn auch noch (bessere?) Alternativen da.

    Da bin ich gespannt…

  3. Mein Problem mit Stafford ist, dass ich ihn so ein bisschen wie Jay Cutler in jünger sehe. Zumal er in den letzten Jahren keine signifikante Verbesserung zeigt und in diesem Jahr zu viele Sacks mitgenommen hat, trotz eines der besten WR-Duo’s in der NFL.

    Die Sacks im letzten Jahr hingen mehr am Spielsystem bzw. der Umstellung von selbigem: Stafford war Shotgun und schnelles Werfen gewohnt, 2014 wurde die Shotgun stark reduziert und viel mehr 5/7 Step Dropbacks. Dazu eine poröse Offensive Line.

    Stafford ist kein überaus Sack-anfälliger Spieler, v.a. nicht wenn man die schiere Anzahl an Passspielzügen in Detroit bedenkt. Seine Effizienz marschiert allerdings rapide südwärts, wenn er über die Mitte schnell Druck bekommt.

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