Dallas Cowboys in der Sezierstunde

Neue Zeiten in Dallas: Letzte Saison wurde tatsächlich mal überzeugend mit 12-4 Siegen und zwei ordentlichen Playoff-Vorstellungen abgeschlossen, und hernach marschierte man erstmals seit Äonen mit guter Gehalts-Situation in die Offseason. Zur Überraschung aller bestritten die Cowboys diese Offseason bisher (*) auch ohne gröbere Böcke, vermieden den großen Weg „all-in“ und machten sogar einige sportlich möglicherweise sehr brauchbare Moves.

Lassen wir das (*) doch noch stehen, auch wenn Moves wie ein teurer Trade für RB Peterson aus Minnesota mittlerweile unwahrscheinlich ausschauen. Ein aggressiver Sturm auf den Superbowl-Ring würde in Dallas den mühsam erkämpften Weg der finanziellen Konsolidierung wieder einreißen.

Dallas 2014 war eine Offense, die klickte und genau das machte, was sie per Design am besten konnte: Wuchtige Offense Line nutzen, viel laufen und WR Dez Bryant einsetzen. Und eine Defense, die aus minimalen Talent Maximales herausholte. Dallas stellte nach Effizienz nur die 26t-beste Defense, aber das war 5-6 Plätze besser als man befürchten musste. Defensive Coordinator Rod Marinelli war somit auch der heimliche Coach des Jahres.


OffenseGM Jerry Jones machte mit seinen Moves klar, wen er in der Offense am meisten schätzt: Während der amtierende Offensivspieler des Jahres, RB Murray, ohne auch nur ein Angebot ziehen gelassen wurde, sparte man sich den Cap-Space um WR Dez Bryant die Franchise-Tag überzustülpen. Das hat seine Gründe: Während Bryant als zentraler Bestandteil der Pass-Offense gilt (31% tiefe Anspiele, 94 Catches für 1406yds und 16 TD), sagt man dem Erfolg im Laufspiel vor allem nach, es sei dank einer dominanten Offensive Line gekommen.

LT Tyron Smith | LG Leary | C Frederick | RG Martin | RT Free gelten als aktuell beste Offensive Line in der NFL, und da war es nur passend, dass man sich nach dem Draft in La’El Collins noch einen jungen Tackle anlachen konnte, dem alle nachsagten er würde in Runde 1 gedraftet – bis Collins entfernt in einen Mordfall „verwickelt“ war und durch das Board fiel.

Man sieht diese Line als dominant genug an, dass man bisher (*) nicht versuchte, RB Murray zu ersetzen. Stand heute geht man mit RB Randle und dem in Oakland als Glasknochen verschrienen RB Darren McFadden in die Saison.

QB Romo wird 2015 mehr Last tragen müssen, was die Offense angeht. Aber die gesamte Offense wird weniger Last tragen müssen, da man endlich dazu kam, in der Defense personell nachzurüsten.


DefenseDE Greg Hardy gilt in den USA als absolutes Arschloch. Er soll seine Freundin ziemlich schwer misshandelt haben und musste deshalb schon 2014 in Carolina das ganze Jahr aussetzen. Hardy wird seit Jahren als charakterlicher Problemfall beschrieben, aber gleichzeitig als spielerisches Ausnahmetalent, der dir in Normalform ohne Anstrengung 15 Sacks bringt.

Hardy verharrte 2015 wochenlang auf dem Transfermarkt, bis ihn sich Jerry Jones griff. Hardy wird 2015 eine gewisse Anzahl von Spielen gesperrt sein (aktuell sind es 10 Stück, aber es sollen weniger werden) und er bekam einen sehr options-geladenen Vertrag um das Risiko für Dallas zu lindern – aber wenn Hardy spielt, wird er integraler Bestandteil dieser Defense werden. Und alle werden dem Frauenschläger wieder zujubeln.

Hardy wird also zumindest in Teilzeit einen Pass Rush anführen, der schon letztes Jahr vom famosen Defense-Coach Marinelli ohne individuelle Talente recht Großes leistete. Hinter Hardy steht in Demarcus Lawrence ein letztjähriger 2nd Rounder bereit, der auch auf Snaps wartet. Auf der Hardy gegenüber liegenden Seite soll DE Jeremy Mincey den Starter geben – und den Platz freihalten für den Rookie, auf den sich die meisten freuen: DE Randy Gregory aus Nebraska, der Mann, der in die 2te Runde fiel – den aber bis wenige Tage vor dem Draft alle als möglichen Top-5 Pick gesehen hatten.

Hardy und Gregory in einer Offseason – möglicherweise hat sich Dallas da Sprengstoff für drei Mannschaften eingekauft, aber möglicherweise hat man damit auch die Passrush-Lösung gefunden, die man jahrelang gesucht hat.

Die Front-Seven wird komplettiert durch eine suspekte Interior-Line (DT Crawford, DT Hayden, DT McClain), aber sehr gute Linebacker (LB McClain, LB Lee). Vor allem Lee, letztes Jahr durchwegs verletzt, kann quasi als Neuzugang gefeiert werden. Neben McClain und Lee soll Anthony Hitchens auflaufen, der Mann, der jede Flagge ohne mit der Wimper zu zucken verschwinden lassen kann.

Dallas wird weiterhin eine wackelige Secondary durchschleppen müssen. CB Byron Jones wurde als Hoffnungsträger in Runde 1 gedraftet, aber er kommt in eine Mannschaft, die noch immer keine Safety-Lösung gefunden hat und in CB Carr und CB Claiborne mehr als suspekte Stammspiler auf Outside-CB auflaufen zu lassen droht. Marinelli und seine Spieler konnten das Problem aber schon 2014 mit 7.0 NY/A (#28 der Liga) halbwegs (sic!) kaschieren – und das damals mit noch dünnerer Personaldecke und mit dünnerem Pass Rush.

Ausblick

Dallas spielte 2014 leicht über seine Verhältnisse: 4-1 in engen Spielen und eine Pythagoreische Erwartung von 10.8 Siegen lassen eine leichte Regression zur Mitte erwarten, und es gibt trotz Verbesserung der Spielerdecke in der Defense noch immer die Fragezeichen wie man Secondary und Laufspiel über die Runden bringen will.

Wenn Hardy/Gregory einschlagen wie erwartet, werden die Cowboys für meinen Geschmack ein Playoff-Anwärter bleiben. Es gibt aber auch das Szenario von 10 Spielen Sperre bei Hardy und anhaltenden nervlichen Problemen bei Gregory – und dann reitet diese Defense schon wieder am Rand des Abgrunds.

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3 Kommentare zu “Dallas Cowboys in der Sezierstunde

  1. …Anthony Hitchens auflaufen, der Mann, der jede Flagge ohne mit der Wimper zu zucken verschwinden lassen kann.

    Er hat ja auch klar den Ball gespielt… 😉

  2. Danke für diese Sezierstunde. Bin ebenfalls vor allem auf den Passrush gespannt. Könnten zwei Glücksgriffe gewesen sein.

  3. Pingback: Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Die Kronprinzen | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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