Der Feind in deiner Familie

Das Rookie-Symposium der NFL in dieser Woche gibt mir die Gelegenheit, ein Thema anzuschneiden, das man in Zeiten von Gehirnerschütterungen und häuslicher Gewalt in Footballkreisen ganz gerne mal vergisst: Schnorren im Familienumfeld von jungen Profisportlern.

Der ehemalige Cornerback Philip Buchanon wird auf dem Symposium über dieses Thema referieren, quasi als Erfahrungsbericht aus erster Hand. Buchanon war vor zirka einem Jahrzehnt ein 1st-Rounder bei den Raiders, der mitmachen musste, wie er von seiner eigenen Mutter ausgequetscht wurde und sich jahrelang von Angehörigen und Freunden verarschen lassen musste.

Buchanon hat vor zwei Monaten sein Buch veröffentlicht – New Money: Staying Rich. Ich habe mir das Buch schon auf den Kindle geladen. Ich habe erst Ausschnitte davon gelesen, aber es gibt doch ein paar erschreckende Einblicke in das Innenleben einer Familie, in der du dich fragst, ob du nicht am liebsten die Kohle verbrennen würdest, bis sich alle wieder lieb haben.

Buchanons Mutter verlangte quasi mit Vertragsunterzeichnung eine Million Dollar in Cash, sozusagen als Rückzahlung dafür, dass sie ihn aufzog. Buchanon tat jedoch, was in Sportlerkreisen zum guten Ton gehört, kaufte ihr ein schönes Haus nebst Übernahme der Unterhaltungskosten. Über die Jahre erwies sich der Lebensstil von Mummy als nicht tragbar – doch ein Umzug in eine rankere Villa wurde aus Gründen des sozialen Abstiegs abgelehnt.

Und so kamen immer weitere Tricks zum Vorschein, wie man dem Footballer die Moneten aus den Ruppen leiert. In Dallas gab es vor wenigen Jahren einen ähnlichen Fall, wo sich der Cowboys-Left Tackle Tyron Smith sogar Morddrohungen seitens der Stief(?)-Eltern ausgesetzt sah und zeitweise Polizeischutz beantragen musste.

Die bisher gelesenen Passagen vermeiden zwar die absolute philosophische Tiefe – Stichwort In wieweit sind Kinder verpflichtet, ihren Eltern zurückzuzahlen? Diese Antworten muss man woanders suchen. Sowohl als Sohn als auch als kinderloser Junggeselle finde ich es nicht falsch, mal drüber nachzudenken.

Aber das Buch geht trotzdem stellenweise schön ins Detail, vermittelt Eindrücke davon, was manche Neureiche hinter der Fassade von Interceptions und Touchdowns durchmachen müssen. Bei FOX Sports kann man ein exklusives Exzerpt lesen. Es schließt mit den Worten:

I eventually learned how to deal with the numerous „family emergencies.“ Early on, I found myself in too many situations where some relative would come to me and claim they needed something fixed. So I’d write them a check; of course, the problem never got fixed. The check, however, always got cashed. By trying to fix a problem, I created an additional one for myself.

I finally learned how to cope with this type of request. I paid the bills directly to the company or handyman doing the work. It was amazing to see how my family responded when I told them I would take care of it. They tried to lay the heaviest guilt number on me. I can still hear their muttering tones with tinges of disgust: „Nah, man, I’m cool. Forget about it.“ This response meant they knew I was on to what they were up to. I had caught them red-handed, committing an act of adult abuse.

It took hundreds of thousands of dollars, far more than the cost of an Ivy League education, to learn this lesson. I can at least attribute it to my mother. It’s true; mothers have a way of making you learn the most important lessons in life.

3 thoughts on “Der Feind in deiner Familie

  1. Habe mir schon oefter Gedanken gemacht, wie das denn bei gut bezahlten Sportlern so ist mit Familie unterhalten. Nicht nur auf Football bezogen, aber sagen wir auch mal auf junge deutsche Sportler (z.B. Fussballer), die ploetzlich mit 20 Jahren richtig ordentlich Kohle verdienen.
    Wo ist da die Grenze des guten Willens fuer die Familie etc.? Was wuerde die Familie tun, wenn der junge Sportler ein Brutto-Normalverdiener waere? Ich denke ich werde mir das Buch auch zulegen muessen🙂

    Guter Artikel etwas ueber den Sport hinaus – Stichwort Blick ueber den Tellerrand😀

  2. Das ist in Deutschlad nicht ganz so krass, Footballprofis sind deutlich überproportional schwarze und sehr viele kommen aus verhältnissen die gibts in Deutschland zum Glück garnicht.

    Rookieverträge enden bei 450k/Jahr und die meisten Fußballprofis bekommen nicht so viel bei ihren ersten Verträgen, während die College spieler ja 0$ verdienen, der Anstieg ist also nicht so krass.
    Andere Sportler in Deutschland kriegen nicht annähernd so viel Kohle. Vom Gehalt von Schweini, Lahm und Götze kannste die halbe HandballBuLi bezahlen.

  3. Pingback: Familie | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s