Miami Dolphins in der Sezierstunde

Neues Jahr, neue Stars, neue Hoffnung bei den Miami Dolphins, die letztes Jahr mal wieder am Minimalziel „Playoffs“ vorbeigerauscht sind. Owner Stephen Ross wird nicht geduldiger und forcierte höchstpersönlich große Ausgaben um die Dolphins endlich wieder in die Post Season zu bringen. GM Dennis Hickey führte bereitwillig aus. 

Zwei große Verträge definieren die Offseason der Miami Dolphins. Der erste ist natürlich der von DT Ndamukong Suh, der mit 114 Millionen für sechs Jahre (ca. 60 Mio. guaranteed) aus Detroit kommt. Suh ist ein Superspieler, der sportlich jedes Team in der NFL weiterbringt, und er gilt charakterlich nicht als geldgeiler Typ, dem sämtliche Motivation Haynesworth-like nach Trocknen der Tinte flöten geht. Trotzdem ist der Vertrag in seiner Struktur ein schwer zu schluckendes Monster. Allein 2016 wird Suh runde 28.6 Mio. gegen die Salary-Cap zählen – das schreit bereits jetzt nach etlichen Restrukturierungen bei Suh. Wenn just das Vertragsbeispiel „Suh in Detroit“ eines gezeigt hat, dann dass dies hätte Lehrbeispiel für das, wie man es nicht machen sollte, sein sollen. GM Hickey ignorierte das geflissentlich.

Der andere Vertrag ist der, der QB Ryan Tannehill untergeschoben wurde: Vier Jahre, 77 Mio., rund 20 Mio. guaranteed. Auch der Tannehill-Deal wird bei Over The Cap diskutiert. Er ist der erste Mega-Vertrag für einen Quarterback, der ganz offensichtlich noch nicht der „Elite“ zugezählt werden kann bzw. nicht bereits Flacco-like etwas „Großes“ gewonnen hat.

Offense

Tannehill muss nun also umso dringender Leistung bringen. Er hatte in seinen ersten drei Jahren als Stamm-QB in Miami häufig das Problem einer arhythmischen Offense, wurde hinter schlechten Offensive Lines viel zu häufig gesackt. Entsprechend wenig effizient lesen sich seine Stats.

Letztes Jahr war unter OffCoord Bill Lazor mit 5.9 NY/A Tannehills bestes Profijahr – das ist immer noch ein deutlich unterdurchschnittlicher Wert. Immerhin: Mit 66% Completion Rate, nur 12 Interceptions (2.0% INT-Quote) und 46 Sacks (7.2% Sack-Quote) konnte die Anzahl der negativen Plays im Vergleich zu den Vorjahren deutlich reduziert werden.

Das über Jahre größte Problem, die Pass Protection, bleibt im Kern unverändert. Man hofft darauf, dass RT Ja’Juan James in Jahr 2 einen Schritt nach vorn macht, und dass man die Probleme auf beiden Guard-Positionen mit besserer Eingespieltheit in den Griff bekommt bzw. Rookie Douglas (4te Runde) sich gut einfügt.

So wenig an der Besetzung der Offensive Line verändert wurde, so sehr baute man den Corp der Skill-Player um. WR Mike Wallace wurde nach Minnesota verkauft; Wallace galt in den beiden Jahren in Florida als teures Missverständnis. Er verstand sich als reines deep threat und wurde auch 38% tief angespielt. Trotzdem gehört zu einem echten Einser-WR auch die grundsolide Arbeit in der Mitteldistanz dazu.

Der andere nennenswerte Abgang ist H-Back Clay, bei dem man von der zu billigen Transition-Tag verbrannt wurde. Clay spielt nun in Buffalo. Sein direkter Ersatz ist Jordan Cameron, ein verletzungsanfälliger Spieler, der in Cleveland viele lichte Momente hatte, aber als etwas zu eindimensional gilt.

Dafür lesen sich die Neuzugänge auf Wide Receiver hervorragend: WR Kenny Stills kam per Trade aus New Orleans und ist ein ebenso billiger wie vielversprechender Allrounder. WR Greg Jennings baute zuletzt zwar körperlich ab, soll aber weiterhin ein präziser Routenläufer ohne allzu viele Drops sein. Und dann ist da auch noch Rookie-1st Rounder WR DeVante Parker, der für die entsprechende Tiefe sorgt.

Gemeinsam mit dem Slot-WR Jarvis Landry (letztes Jahr als Rookie 84 Catches für 758yds, 5 TD) wird das ein tief besetzter, junger Corp an Ballfängern. Gespannt sein darf man, ob Landry in dieser Saison häufiger tief gehen darf als in seiner Debütsaison (nur 6.3% Anspiele über 15yds von der Line of Scrimmage).

Im offensiven Backfield kommen in LaMichael James und Rookie Jay Ajayi (5th-Rounder) zwei neue Backups für RB Lamar Miller, der letztes Jahr ein effizientes Laufspiel anführte: Über 50% positive Plays, 1099yds, 5.1yds/Carry. Millers Zahlen werden ein bisschen geschönt von einem 99yds-Lauf, aber selbst den rausgerechnet hatte der Mann ein hervorragendes Jahr – er gilt allerdings als physisch zu labil für eine 300-Carry Saison (letztes Jahr: 216 Stück).

Wer sich in die zumindest letztes Jahr effiziente Run-Offense in Miami genauer einlesen will: Adrian Franke („Free Blitzer“) hat sie genauer unter die Lupe genommen und dabei besonders den Wert von Chip-Kelly Schüler Lazor hervorgehoben.

Defense

Miami hatte in den letzten Jahren immer wieder hervorragende Defenses. Letztes Jahr war man im dritten Jahr unter DefCoord Kevin Coyle allerdings nur Durchschnitt. Das Personal in dieser Saison lässt Besseres erwarten. Spätestens nach dem Einkauf von DT Suh klingt die Defensive Line in der Spitze wie echte Elite: Suh, flankiert von DE Cameron Wake und DE Olivier Vernon – wenige Mannschaften dürften einen wuchtigeren ersten Anzug aufbieten.

Die Tiefe gilt noch als suspekt, aber sowohl Suh als auch Wake haben in der Vergangenheit häufig 800 und mehr Snaps gespielt. Vernon gilt als nicht wirklich durchhaltevermögend, weswegen sich die Dopingsperre für DE Dion Jordan (#3 Draftpick vor zwei Jahren) vielleicht doch negativ auswirken könnte, selbst wenn man Jordan nicht zu Unrecht als Bust abstempelt.

Gespannt ist man auf den voluminösen Rookie-NT Jordan Phillips, der in der 2ten Runde kam. Phillips ist technisch noch nicht reif für eine echte Stammrolle, aber wenn du neben Suh nur die 1-technique spielen musst, gibt es schlechtere Orte als sich in der Liga einzuführen.

Die Linebacker hinter dieser Line sind bestenfalls Durchschnitt, doch auch für sie gilt: Wenn vorne die Blocks aufgenommen werden, lässt sich entspannter operieren. Das Defensive Backfield überzeugt immer wieder durch das famose Safety-Duo Delmas/Jones sowie durch den letztes Jahr überzeugenden CB-Grufti Grimes, der seinen dritten Frühling erlebt. Die Fragen bewegen sich eher, ob die Jungspunde wie CB Taylor oder CB McCain nachlegen können.

Ausblick

Die Botschaft der Einkaufstour in Miami ist als verkappte Drohung an Head Coach Joe Philbin zu verstehen: Playoffs oder Zuführung auf den Arbeitsmarkt. Philbin hat keine Ausreden mehr, 2015 sind die Playoffs Pflicht. Und obwohl Miami durchaus als Playoffkaliber gezählt werden muss, liegt durchaus Gefahr in Verzug, denn die AFC East verspricht, keine einfache Division zu werden.

Superbowl-Champ New England dürfte nach einigen Abgängen zwar mittlerweile in Reichweite liegen, aber dafür rüstete die Konkurrenz in Buffalo und New York massiv hoch.

Die echten Probleme der Shopping-Tour dürften erst über 2015 hinaus sichtbar werden, wenn man Salary-Cap mäßig in Bedrängnis gerät. Hier muss man entweder auf überproportionalen Anstieg der Cap hoffen (die Hoffnung ist natürlich nicht unberechtigt) oder exzellent draften um den Kader qualitativ oben zu halten.

9 thoughts on “Miami Dolphins in der Sezierstunde

  1. Schön, dass du die äußeren Umstände bei Ryan Tannehill hervorhebst, das vergessen immer sehr viele Leute, besonders in amerikanischen Foren. Er hat sich in den drei Saisons trotz mittelmäßigem WR corps und zweifelhafter, bzw. dezimierter o-line stetig in allen Kategorien verbessert, das können nur wenige QBs behaupten. In 2014 hatte er die fünftbeste accuracy und die sechstbeste INT-%. Es gab nur EINEN QB, der in BEIDEN Kategorien vor ihm lag: Ben Roethlisberger.

    Was ich noch hinzufügen möchte: Die erste Garnitur der o-line ist eigentlich recht gut, allerdings haben LT Albert und C/RG Pouncey im letzten Jahr zusammen nur 5 Spiele in der line gestanden. In diesen Spielen hatte Tannehill auch seinen besten Saisonabschnitt: Packers, Bears, JAX, Chargers, und auch gegen die starke d-line der Lions sah er nicht schlecht aus. Gegen die Packers und Lions hat man die Siege aus der Hand gegeben, sonst wären die Fins mit 5-0 aus der Albert-Pouncey-Zeit hervorgegangen. Teilweise hat man 14 completions infolge von Tannehill gesehen.

    Die Dolphins haben einen jungen aber wie du schon sagst, sehr tiefbesetzten WR corps, das ist schon beeindruckend. Das Spiel in Minnesota passte nicht sehr gut zu Jennings, weshalb ich ihn in Miami viel stärker erwarte. DeVante Parker war mein WR-Favorit im Draft, noch vor Amari Cooper. Da gehen die Meinungen aber sicherlich auseinander. Selbst wenn Jordan Cameron nicht unverletzt bleibt, haben die Fins mit Dion Sims einen richtig guten TE in der Hinterhand, der dazu noch saustark blockt. Parker, Stills, Jennings, Landry, Cameron und Sims, dazu noch Matthews, der auch schon ein 100er-Spiel hinter sich hat – wenn die o-line gesund bleibt, könnte die Offense eine Dampfwalze werden und Ryan Tannehill endlich groß rauskommen.

    Die Defense war nach Saisonende im Mittelmaß, aber war bis nach dem Bills-Spiel in Woche 11 Nummer #1 der Liga. Danach ist aber die Defense samt o-line komplett auseinander gebrochen. Gegen die Bills ging es noch, aber gegen die Jets und Ravens sah man fast kaum einen Stich.

    Als Jets-Fan habe ich gehörige Angst vor den Dolphins, weil sie für mich ein glasklares Playoff-Team darstellen und der Favorit in der AFC East sind.

    Freue mich auf die Jets-Sezierstunde!

    Gruß, suuma

  2. Ich finde im Moment sieht es nach 3 sehr starken Divisions aus: AFC East, NFC West und AFC North
    Wer am Ende die beste davon sein wird, wird sich im Laufe der Saison zeigen.

  3. Als Patriots Fan bekomme ich angesichts der – auch von korsakoff angesprochenen – massiven Aufruestung der Bills, Jets und Dolphins schon bisschen Respekt vor der kommenden Saison. Da spielen natuerlich auch die Abgaenge der Pats, v.a. bei den CBs eine Rolle.
    Auf der anderen Seite fuehrt sehr gutes, talententiertes Spielermaterial nicht unbedingt zu einer sehr guten Saison. Falls ein Suh mal keine Lust hat oder es irgendwelche Probleme im Locker Room geben sollte, halte ich Joe Philbin nicht wirklich fuer kompetent genug, dies zu loesen.

    Gegen einen Dolphins Aufstieg an die AFC East Spitze haben die Herren Brady und Belichick auch noch etwas einzuwenden.
    Koennte aber eine knappe Kiste in der AFC East werden… Ich bin gespannt🙂

  4. zum Thema stärkere schwächere Conferences und AFC east als TSärkste habe ich mal kurz die Platzierungen im Powerranking zusammengezogen:
    AFC East – 43 3x top 10 und alle haben aufgerüstet!
    AFC North – 50 – kein team wirklich schlecht
    NFC North – 63 – packers und Lions stehen ganz ordentlich da…
    AFC West – 66 Denver und Kansas
    NFC East – 70 – viel unteres Mittelfeld
    AFC South – 75 – außer Indie nicht viel los
    NFC West -75 – außer Seattle nichts
    NFC South – 86 …….

  5. Pingback: Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Die Titelaspiranten | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s