NFL-Franchises im Kurzporträt (26): Houston Texans

Houston Texans – die jüngste Franchise der NFL – und die farbloseste. Man ist erst dreizehn, und außer zwei Playoffs hat man noch nicht viel gerissen. Es wird Zeit, etwas zu bewegen und eine Identifikation aufzubauen.

Die Texans wurden 2002 als 32te Franchise der NFL aus der Taufe gehoben und führten sich gleich im neuen, massiven Reliant Stadium ein. Erster Head Coach war Dom Capers, der schon die Carolina Panthers als Expansionsteam in die Liga geführt und dort schnelle Erfolge gefeiert hatte. Capers ging die Mission Houston aber etwas anders an als die Mission Carolina: Er wollte gleich von Beginn an eine attraktive Offense spielen lassen um die Leute mitzureißen.

Das Vorhaben ging schief, der junge Franchise-QB David Carr wurde hinter einer inexistenten Offensive Line abgeschossen und galt schnell als nervliches Wrack trotz einiger spektakulärer Mitspieler im Angriff – wie WR Andrre Johnson oder RB Domanick Davis. Weil sich das Front Office konsequent weigerte, Carr sowas wie Pass Protection zur Seite zu stellen, implodierte das Experiment von Capers schon nach vier Jahren: 2005 schloss man mit 2-14 Bilanz als schlechtestes Team der Liga ab.

Unter dem neuen Head Coach Gary Kubiak, einem Sohn der Stadt, versuchte man in der Folge, die Mannschaft neu aufzubauen und scheute auch keine kontroversen Draftpicks. So wurde 2006 trotz richtiggehender Verbalprügel quer durch die Lande DE Mario Williams den populäreren Offense-Stars wie Reggie Bush oder Vince Young vorgezogen – mit der Folge, dass sich die Mannschaft immerhin ins gute NFL-Mittelfeld entwickelte, während Bush und Young andernorts nie die Erwartungen erfüllen konnten.

Unter Kubiak hatten die Texans jahrelang das Image des underachievers, verpassten mehrmals hauchdünn und eigenverschuldet die Playoffs. Erst 2011 und 2012 schaffte man die Qualifikation, und stellte dabei teilweise sogar potenzielle Titelanwärter. Trotzdem war das bislang beste, was die Texans der Liga zugeführt haben, DE J.J. Watt, der schon in jungen Jahren als potenziell bester Verteidigungsspieler aller Zeiten angehimmelt wird. 2013 implodierte man erneut, ging wieder 2-14 und tauschte Kubiak gegen Head Coach Bill O’Brien aus.

Reliant Stadium

NRG Stadium (einst Reliant Stadium)

NRG Stadium (einst Reliant Stadium)

Für keine andere Franchise galt zumindest bis Watts Auftauchen das Kredo Der Star ist das Stadion so sehr wie für die Texans. Sie spielen seit Gründung im gigantischen NRG Stadium (70.000 Plätze, früher Reliant Stadium), das so riesig ist, dass unter das verschließbare Dach der alte gleich nebenan stehende Astrodome („Das Achte Weltwunder“) zur Gänze reinpassen würde. Das ist eben Texas, wo alles ein bisschen größer ist.

Rivalitäten

Die Franchise der Texans hat vielleicht noch keine echten Rivalitäten zustande gebracht, weil dafür sportlich zu mittelmäßig, aber dafür hegen die Sportfans in der Stadt Houston durchaus Groll gegen die Tennessee Titans. Die Titans waren früher mal die Houston Oilers, und zogen in den 1990er Jahren aus der Stadt ab, weil sie kein neues Stadion finanziert bekamen. Das verzieh ihnen die Stadt bis heute nicht.

Eckdaten

Gegründet: 2002
Besitzer: Bob McNair (Investment)
Division: AFC South
Erfolge: 2x Playoffs (2-2 Bilanz) – Stand: 2015

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8 Kommentare zu “NFL-Franchises im Kurzporträt (26): Houston Texans

  1. Findest du echt, dass die Texans die farbloseste Franchise sind? Für mich haben sie bei der Identitätsfindung in den letzten Jahren einiges richtig gemacht und stehen für eine gute Defense mit (Stand jetzt) einer D-Line, die das Potential zur Legendenbildung hat. Außerdem hat man eben mit Watt eines der Gesichter der NFL, mit Clowney einen ebenso potentiellen Mega-Star und dazu noch ein tolles Stadion. Ich finde da kommen als Kandidaten eher die Titans oder Jaguars in Frage, die schon seit Jahren ohne nennenswerte Erfolge/Storys/Stars vor sich hindümpeln und einfach langweilig sind.

  2. Titans und Jaguars haben beide – obwohl nicht nennenswert längere Existenz unter aktuellem Logo – eine ganz andere Playoff-Historie nachzuweisen als Houston.
    Bei Tennessee (Oilers-Vergangenheit ausgeklammert) denkt man neben den legendär knackigen McNair/George-Teams an Dinger wie das Music-City Miracle gegen Buffalo, den Superbowl-Scramble von McNair gegen St Louis, „The Tackle“, das Viertelfinale 2004 in New England oder die Triple Option Offense mit Chris Johnson.
    Jacksonville stand zweimal im Conference-Finale und löste als Expansions-Franchise einen damals beispiellosen Hype aus. Man hatte auch später mit David Garrard einige begeisternde Mannschaften mit sensationellen Playoff-Spielen.

    Houston hat Watt und hatte Johnson. Aber es mangelt an Playoff-Momenten – und davon lebt die NFL. Das kann (und wird) sich ändern, aber aktuell halte ich es für „Recency Bias“, die Texans-Franchise über Tennessee oder Jacksonville anzusiedeln.

  3. die titans sind tausendmal farbloser. die oilers waren nie wirklich ein spannendes franchise, abseits halt von ihrer verbindung zu houston. wie die gekappt wurde, waren sie endgültig nichts mehr.

  4. die Texans haben noch nie in Indianapolis gewonnen, hätte man noch erwähnen können 😉

  5. Hm… wenn ich das lamg vergangene mal weglasse, dann ist Housten definitiv vor Tennessee oder Jacksonville.

  6. Wenn ich aus den vergangenen 20 Jahren nur die letzten vier herauspicke, dann vielleicht. Aber dann die Seahawks auch definitv vor den Green Bay Packers.

  7. Also ich mag die J.Gibbs Zone Blocking Schemes (wen sie nicht gerade in Washington spielen), von daher waren sie für mich schon immer ein Farbtupfer den man verfolgen konnte.

    Aber das ist natürlich subjektiv. Wenn man die Playoffs als Kriterium heranzieht, dann ist die Geschichte natürlich dünn…

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