NFL-Franchises im Kurzporträt, #29: New York Giants

Die New York Giants sind eine der größten Franchises in den Vereinigten Staaten und mit acht Meisterschaften in der NFL auch eine der erfolgreichsten. Die Geschichte der Giants ist eine lange und reicht bis in die Zwischenkriegszeit. Die Höhepunkte traten immer wieder periodisch auf, zuletzt vor drei Jahren.

Football Giants – Die Größten

1925 in New York gegründet, musste die Besitzerfamilie Mara die Mannschaft von Beginn an „Football Giants“ nennen, um eine Unterscheidung zum Baseball-Team zu haben – dem Baseball-Team, das seit mittlerweile einem halben Jahrhundert an der anderen Küste, in San Francisco, spielt und letztens dort mehrmals den Titel geholt hat.

Obwohl die Giants in den ersten Jahrzehnten einige Meisterschaften gewannen, gilt ihr Kantersieg in einem „Testspiel“ 1930 gegen die Notre Dame Fighting Irish als ihre größte Errungenschaft in jener Zeit – half das Ergebnis doch, die Legitimität des Profi-Footballs zu stärken. Nicht zu vergessen: College Football galt damals als einzige Art, echten Football zu spielen.

Große Wichtigkeit für die moderne NFL-Geschichte hatte das NFL-Endspiel 1958 gegen die Baltimore Colts. Das Spiel wird heute als Greatest Game Ever Played bezeichnet. Die Giants verloren es zwar 23-17 in der Overtime, aber die Partie gilt als Meilenstein in der Entwicklung der NFL zur populärsten Liga in den Vereinigten Staaten.

Überhaupt waren die Giants zwar die Größten, wenn es darum ging, Endspiele zu erreichen: Allein, sie gewannen nur wenige davon – 1934, 1938, 1956. Dem gegenüber stehen über zehn Vizemeisterschaften, die meisten in den 30ern und um 1960 herum.

Defense Wins Championships

Sportlich lief nach den 60ern für längere Zeit nicht viel, aber Comedy boten die Giants, weil sich jahrelang Owner Wellington Mara und Neffe Tim intern wie extern fetzten und die Franchise mehrmals vor einer Zerreißprobe stand. Die NFL konnte nicht riskieren, dass in ihrem größten und wichtigsten Markt, New York, schon kleine Projekte an persönlichen Animositäten scheiterten, und so setzte die Liga (!) letzten Endes einen General Manager bei den Giants ein, den sie für neutral genug hielt um den Laden am Leben zu halten: George Young. Youngs Einfluss auf den weiteren Verlauf der Giants habe ich schon vor einiger Zeit mal nachzuzeichnen versucht.

Young und seine Führungsmannschaft stellten in den Achtziger Jahren eine große Mannschaft nebst großen Trainerstab zusammen. Berühmt wurde dabei vor allem das Triumvirat bestehend aus Head Coach Bill Parcells, DefCoord Bill Belichick und OLB Lawrence Taylor. Taylor revolutionierte mit seinem aggressiven Spiel das Terminus „Pass Rush“ in der NFL und wurde zu einem Prototyp und Vorbild für alle kommenden Generationen an Passrushern. Taylor war dreimal Defensivspieler des Jahres und 1986 sogar NFL MVP.

Taylor und die „Big Blue Wrecking Crew“ genannte Defense machten alles nieder, was nicht bei drei hinterm Auto versteckt war und stürmten 1986 und 1990 zu zwei Superbowl-Titeln. Jeweils in den Playoffs mit viel, viel Defense geputzt: Die 49ers, spielerisch wie charakterlich wie geographisch schwer das Gegenstück zu den Giants. Der zweite Titel bleibt neben dem als „genial“ bezeichneten Gameplan von DefCoord Belichick für immer mit dem Namen Scott Norwood verbunden. Norwood war der Kicker von Endspielgegner Buffalo und setzte in der letzten Spielsekunde aus 47yds den Kick daneben. Die Giants gewannen 20-19.

Die 90er brachten mit dem Verkauf der Aktien von Tim Mara immerhin Ruhe im Front Office, waren sportlich eher enttäuschend, aber 2000/01 erreichte man plötzlich mit einer farblosen Mannschaft die Superbowl – Ausgabe 35, die man im Duell „Beton“ gegen „Granit“ mit 7-34 gegen Baltimore verlor. Einziger Touchdown der Giants in dieser Partie: Ein Kickreturn. Nuff said.

Superbowl-Runs

Seither wurden Head Coach Tom Coughlin und QB Eli Manning im Big Apple installiert, und gelten die Giants als gutes Durchschnittsteam – das allerdings zweimal in den Playoffs explodierte und damit zwei Superbowls holte, die Nummern drei und vier für die Franchise.

Beide Male schlug man im Endspiel die New England Patriots, aber während 2011/12 eher als Zufallssieg abgetan wurde, gilt der Sieg 2007/08 in Super Bowl XLII über die damals ungeschlagenen Patriots noch heute als größter Favoritensturz in der NFL-Geschichte. Als Schlüsselspielzug in jener Partie hat sich unter Fans der Helm-Catch von David Tyree eingeprägt:

Die Giants, durchaus nicht immer finanziell die stabilste Franchise über die mittlerweile 90 Jahre des Bestehens, sind heute die viertteuerste Franchise der NFL mit fast eineinhalb Milliarden Wert. Dazu tragen neben dem großen Markt und dem neuen Stadion auch die ungebrochen hohen Popularitätswerte der Mannschaft bei. Die Giants gelten neben den Packers als Team mit dem loyalsten Publikum und haben die längste Warteliste bei Dauerkarten in der Liga.

Das Stadion

Das Stadion kurz vor der Vollendung 2010 - Bild:Wikipedia

Das Stadion kurz vor der Vollendung 2010 – Bild:Wikipedia

Kuriosität: Die Giants spielen weder in New York, noch im gleichnamigen Bundesstaat, sondern in den Meadowlands, überm Fluss in Newark/New Jersey. Seit 2010 auch nicht mehr im alten Giants Stadium, sondern im direkt daneben neugebauten MetLife Stadium, das aufgrund seiner Glasfassade außen spektakulär daherkommt, aber innen eher langweilig designt ist. Mit 82.000 Plätzen eines der größten Stadien und war 2014 Austragungsort der ersten Super Bowl draußen im kalten Wetter. Beeindruckend an der Arena sind die Dimensionen: Das von der Kapazität her fast gleich große mittlerweile abgerissene Giants Stadium würde komplett in die neue Arena hineinpassen.

Rivalitäten

Größter Rivale der Giants sind die Philadelphia Eagles. Über diese Rivalität habe ich jüngst ein paar Absätze verloren. Die Giants kommen auch mit den Washington Redskins und den Dallas Cowboys nicht so wirklich gut aus – wie überhaupt die komplette NFC East als Hort großer, historischer Paarungen in der NFL gilt. Die Besitzerfamilien der Giants sahen stets in den Redskins den großen Feind, doch die Fans würden dem Umfragen zu Folge nicht zustimmen und ganz klar so reihen: #1 Eagles, #2 Cowboys, #3 Redskins.

Außerhalb der Division gelten die San Francisco 49ers nach mittlerweile acht teilweise spektakulären Playoffauseindersetzungen als durchaus großer Giants-Rivale. 1990 und 2011 traf man im Conference-Finale aufeinander, und 2002 spielte man ein episches Wild-Card Spiel inklusive haarsträubender Schiedsrichterentscheidungen gegeneinander.

Über die Stadtrivalität mit den Jets habe ich vor vier Jahren zu Weihnachten geschrieben. Damals warfen die Giants die Jets aus dem Playoffrennen und schoben sich selbst in die Pole Position in ihrer eigenen Conference – natürlich letztlich endend im Superbowl-Sieg.

Eckdaten

Gegründet: 1925
Besitzer: John Mara und Steve Tisch zu je 50%
Division: NFC East
Erfolge: Superbowl-Champ 1986, 1990, 2007, 2011, Superbowl-Verlierer 2000, dazu noch NFL-Champ 1927, 1934, 1938, 1956, 32x Playoffs (24-24) – Stand: 2015

2 thoughts on “NFL-Franchises im Kurzporträt, #29: New York Giants

  1. Kannst ja noch die Links zu den Franchise Texten bei der Übersicht über die einzelnen Teams der NFL setzen🙂.
    Schöne Übersicht über den Lokalrivalen. Meines Erachtens wird in Blau einfach langfristiger und strategischer gedacht und das trotz des Medienrummels in NY.

  2. freu mich schon auf die neues season,ist ja nicht mehr lang und dann beginnt es endlich

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