NFL-Franchises im Kurzportrait, #30: New York Jets

Die New York Jets sind die „kleine“ der New Yorker NFL-Franchises und haben sich über die Jahrzehnte zu so etwas wie dem lovable loser entwickelt, der in den Herzen vieler Fans für mitleidiges Lächeln sorgt. Die größte Stunde der Franchise aber war gleichzeitig eine der größten Stunden für die NFL und den Erfolg der Super Bowl.

Gründungsjahre

Die Franchise war ursprünglich Gründungsmitglied der AFL (American Football League), die 1960 als Konkurrenzliga zur NFL ins Leben gerufen wurde. Als Team im größten US-Medienmarkt New York hatte die Mannschaft natürlich hohe Bedeutung für die junge Liga. Als Mannschaftsnamen wählte man New York Titans aus, weil Titans stärker sind als Giants. So recht klappen wollte das mit dem Football bei den Titans aber in den ersten Jahren nicht.

Zuerst fand man keine echte Heimat, dann fand man keine Erfolge, und auch die Zuschauer blieben aus. Die Titans waren nach vier Spielzeiten pleite und standen kurz vor der Auflösung, doch weil die AFL ihren strategisch wichtigen Platz in New York nicht aufgeben wollte, wurde die Franchise auf den neuen Besitzer Sonny Werblin überschrieben, der die Mannschaft umbenannte in New York Jets und ein klares Konzept für den Aufbau des Teams vorlegten.

Werblin zog das Team aus Manhattan ab, hinüber nach Flushing Meadows in Queens in Shea Stadium, und scheute sich nicht davor, Geld in die Hand zu nehmen und im Kampf um die besten Talente mit der NFL zu konkurrieren. Größter Coup war 1965 seine Verpflichtung von QB Joe Namath von der University of Alabama, den er der NFL vor der Nase wegschnappen konnte.

Broadway Joe

Namath wurde 1969 zum ersten echten landesweiten Football-Superstar, als er im Vorfeld von Super Bowl III, genervt von all dem Hype um den Gegner der Jets, die Baltimore Colts, verkündete: Und sie können sich das in ihre Notizblöcke schreiben. Wir werden am Sonntag gewinnen. Das garantiere ich ihnen! Man muss hier vorausschicken, dass die ersten beiden Ausgaben der Super Bowl recht einseitige Angelegenheiten gewesen waren, und die NFL die kleinen AFL-Teams nicht wirklich für voll genommen hatte.

Super Bowl III sorgte diesbezüglich für ein kleines Erdbeben. Namath und seine Jets führten einen perfekten Gameplan aus und besiegten die turmhoch favorisierten Colts 16-7. Die Legende von Broadway Joe war geboren, Footballs erster universell akzeptierter Medienstar, und noch wichtiger: Die AFL war angekommen. Das Spiel gilt heute als echte Geburtsstunde des Erfolgs der Super Bowl, weil ab sofort beide Ligen als annähernd gleichwertig anerkannt wurden.

Die graue Maus

Für die Jets freilich hatte der Erfolg keine langfristigen Auswirkungen. Namaths Leistungen brachen in den Jahren danach von Verletzungen geplagt schwer ein und die Jets krebsten über Jahrzehnte im unteren Mittelfeld der Liga herum, ohne jemals echte Gefahr ausstrahlen zu können.

Schlimmer noch: Man konnte sich mit der Stadtverwaltung nie über bessere Stadionkonditionen oder einen Neubau einigen und sah sich 1983 gezwungen, beim ungebliebten Rivalen Giants in dessen Stadion einzuziehen – draußen in den Meadowlands, vor den Toren der Stadt, drüben im Bundesstaat New Jersey. So richtig glücklich war niemand mit dem Einzug im Giants Stadium, weil nichts an ihm nach „Jets“ schrie. Das Logo nicht, und auch die Sitzreihen waren stur in rot-blau gehalten.

Die Achtziger sahen zwar mehrere Playoff-Qualifikationen und eine Teilnahme am Conference-Endspiel, aber wirklich im Kreis der großen Franchises konnte man sich nie etablieren. Erst Mitte der 1990er Jahre wandte sich das Blatt kurzzeitig zum Guten, als man Bill Parcells von den New England Patriots loseisen konnte.

Neuzeit

Unter Parcells schafften die Jets innerhalb von zwei Jahren den Sprung vom schlechtesten Team der Liga ins AFC-Finale, scheiterten dort aber am späteren NFL-Champion Denver. Danach passierte, was immer passierte, wenn es aufwärts zu gehen schien: Parcells hatte keine Lust mehr und wollte an seinen Musterschüler Bill Belichick übergeben, doch auf der Pressekonferenz, auf der Belichick eingeführt werden sollte, passierte es – Belichick verkündete seinen Wechsel nach New England.

Verraten von der eigenen Meute, und nach dem Tod von Owner Hess vor einem Besitzerwechsel stehend, waren die Jets mal wieder vor einer unsicheren Zukunft. Unter dieser Prämisse sind die letzten 15 Jahre durchaus als ordentlich zu bewerten. New York qualifizierte sich in den 2000ern immerhin sechsmal für die Playoffs, und auch wenn man dem Erzfeind Belichick / New England nie das Wasser reichen konnte, so bewertet man in New York diese Zeit als vermutlich erfolgreichste nach dem Superbowl-Jahr.

2009 und 2010 stand man unter Head Coach Rex Ryan und angeführt vom berühmten CB Darrelle Revis im Conference-Finale, und zumindest beim zweiten Versuch fehlte nicht viel zum Einzug ins Endspiel. Freilich war auch das Theater in New York und bei Aufkommen von Internet und Twitter nie weit, und so hat man bei den Jets bis heute den Eindruck, dass sie aus ihren Möglichkeiten weniger machen als gewohnt.

Seit 2010 ist man im eigenen Stadion auch nicht mehr der „Gast“, sondern teilt sich das neue Met Life Stadium als gleichberechtigter Partner mit den Giants. Von daher sind die Möglichkeiten schon ganz andere geworden – die Jets müssen sie nur endlich zu nutzen beginnen.

Stadion

Das Aufwärmen im sich langsam füllenden Innenraum

Das Aufwärmen im sich langsam füllenden Innenraum

Das Met Life Stadium ist die einzige Arena, die von zwei NFL-Mannschaften geteilt wird. Sie ist 2010 eröffnet worden und mit 82.000 Plätzen eines der drei größten der Liga. Die Dimensionen des Stadions sind gewaltig, und die Hütte hat an guten Tagen durchaus das Potenzial zu rocken, aber insgesamt wirkt das Met Life Stadium noch immer wie ein recht seelenloser Ort.

Immerhin haben die Jets damit nach jahrelangen Stadionproblemen eine Heimat gefunden. War man in den ersten Jahren in den Polo Grounds in Manhattan nicht glücklich und suchte man in der Zeit im Shea Stadium in Queens lange nach einem Ausweg, hatte man sich im Giants Stadium in Newark nie mehr wie ein geduldeter Gast gefühlt, so ist man im Met Life Stadium immerhin sein eigener Herr.

Man darf nicht vergessen, wie lange die Jets versucht haben, ihr eigenes Stadion in New York zu bauen – in Manhattan, am Ostufer hatte man bereits Gründe gekauft, aber nach etlichen Gerichtssprüchen und Rekursklagen musste man schließlich klein beigeben und wider Willen „drüben“ in Newark/New Jersey bauen.

Rivalitäten

Der Haupt-Rivale der Jets spielt in der eigenen Division und hört auf den Namen New England Patriots. Historisch gesehen galten die Miami Dolphins als größerer Rivale, aber in den letzten 20 Jahren nahm die Feindschaft mit den Patriots richtig Fahrt auf. Es begann alles mit dem Wechsel von Parcells nach New York. Parcells hatte die Patriots von Null aufgebaut und 1996 in die Super Bowl geführt. Doch Streitigkeiten mit dem Owner Bob Kraft sorgten für Parcells‘ Abgang – allein: Die Jets verpflichteten in Parcells einen Mann, der in New England technisch gesehen nie freigegeben wurde. Und so musste die NFL einen Rechtsspruch einlegen um die Angelegenheit zu regeln.

Parcells nahm in den Folgejahren aus New England einige Assistenten und in RB Curtis Martin berühmte Spieler mit, was für zusätzliche Verstimmung sorgte. Drei Jahre später wiederholte sich das Spielchen mit umgekehrten Vorzeichen, als Belichick wie geschildert von den Jets nach New England ging. Wieder musste die NFL einsteigen und die Sache regeln. Es flossen Draftpicks und Strafen gegen die Patriots, aber Belichick durfte letztlich wechseln.

2001 dann in Woche 2 der mittlerweile berühmte Hit von Jets-LB Mo Lewis gegen den Franchise-QB der Patriots, Drew Bledsoe. Bledsoe, teuerster Spieler der Liga, wurde ausgeknockt und durch Tom Brady ersetzt. Seither holten die Patriots fast jedes Jahr die AFC East und vier Superbowls.

2006 der Wechsel von Belichick-Protegee Eric Mangini als Headcoach zu den Jets, und weil der blutjunge Mangini versuchte, Belichick die Assistenten aus den Rippen zu leiern, kam es zum Bruch der Freundschaft und zum Knall zwischen beiden Franchises. Ein Jahr später ließ Mangini Belichicks Spygate auffliegen, doch die Patriots antworteten mit einer 16-0 Saison.

In den Jahren seither bewegte sich New York unter Head Coach Rex Ryan phasenweise auf Augenhöhe mit den Patriots und warf New England sogar einmal als krasser Außenseiter aus den Playoffs. Was seither immer bleibt, ist die Sehnsucht der Jets, einmal am großen Favoriten vorbeizuziehen.

Mit den Dolphins verbindet man die längere sportliche Tradition und vor allem zwei Spiele, die in den Annalen der NFL schon längst ihren Platz gefunden haben: Das Fake Spike Spiel von 1994 sowie das unglaubliche Comeback der Jets in einem Monday Night Game vor halbleerer Hütte im Giants Stadium 2000.

Dritter Erzfeind ist der Stadtrivale Giants. Die Jets sind, auch wenn es im Tohuwabohu um Rex Ryan und Sanchize der letzten Jahre fast untergegangen ist, im Vergleich zu den Giants die deutlich kleinere Nummer in New York. Die Geschichte mit den Stadionverhältnissen und den fehlenden Titelgewinnen ist schon dokumentiert. Mittlerweile scheint man sich auf Ebene des Front-Office zu verstehen, aber wenn man an die wüsten Wortwechsel vor dem letzten wichtigen Aufeinandertreffen in der Regular Season (2011, Woche 16) zurückdenkt, kann man nicht anders als noch immer ein paar feindselige Vibes zwischen beiden Mannschaften zu vermuten.

Eckdaten

Gegründet: 1960 als New York Titans
Besitzer: Woody Johnson
Division: AFC East
Erfolge: Superbowl-Champ 1968, 14x Playoffs (12-13) – Stand: 2015

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s