Mid Major Conferences | College Football 2015/16 Preview

Wer an die FBS im College Football denkt, denkt zuallererst an die „Power Five“ Conferences (SEC, Big Ten, Pac-12, Big 12, ACC). Doch sollte man nicht auf die zweite Stufe vergessen, die „Other Five“ Conferences, bekannter unter dem Spitznamen „Mid Majors“ – die schwächeren fünf Conferences der obersten Ebene im College Football:

  • Mountain West Conference (MWC)
  • American Athletic Conference (The American)
  • Conference USA (C-USA)
  • Mid-American Conference (MAC)
  • Sun Belt Conference

Ein Platz in den großen Bowls ist jedes Jahr reserviert für die beste Mannschaft aus den Reihen der Mid-Majors. Letztes Jahr ging dieser Platz an einen Altbekannten, die Boise State Broncos, die auch in diesem Herbst wieder als Top-Favorit der Mountain West Conference ins Rennen gehen. Zu den Broncos in einem gesonderten Eintrag mehr; lasset uns heute den Fokus auf einige andere interessante Mid-Majors richten.

Als Guideline, wie die verlinkten Listen zu lesen sind: OVR entspricht der gesamten Sieg/Niederlagen-Bilanz der Mannschaft im letzten JAhr, CONF der Bilanz in Conference-Spielen. SRS = Simple Ranking System, das sich im Prinzip aus dem Punktverhältnis und der Schwierigkeit des Schedules zusammensetzt (ein SRS von 10.6 liest sich so: Das Team ist auf neutralem Feld mit 10.6 Punkten gegen ein durchschnittliches Team favorisiert), SRS-Rk ist die Platzierung der Mannschaft im Simple Ranking System im letzten Jahr, AP final ist die finale Platzierung der Uni im AP-Ranking (das natürlich nur aus den 25 top-gerankten Mannschaften besteht). Stände sind von 2014 – d.h. auch die Conference-Zusammensetzung ist noch von 2014.

Mountain West Conference

Mountain West Conference, 2014 Endstand

Mountain West Conference, 2014 Endstand

Über die Boise State Broncos werde ich noch in einem gesonderten Blogeintrag referieren. Das einzige Team, von dem man erwartet, dass es in der Mountain West Conference mithalten kann, sind die Utah State Aggies, die praktischerweise ihr direktes Duell gegen Boise im eigenen Stadion ausspielen dürfen.

Utah State darf zu den Erfolgsgeschichten aus den Reihen der Mid-Majors der letzten Jahre gezählt werden. Vor fünf Jahren war man noch happy mit vier Saisonsiegen, heute ist man soweit, dass man den Abgang von Head Coach Gary Anderson ohne nennenswerte Verluste wegstecken konnte. Andersen war der Architekt hinter dem Aufschwung bei den Aggies. Bei Mid-Majors mit ihren oft limitierten Ressourcen hängen Erfolge oft an einzelnen Personen, nach deren Abgang ein Leistungstief folgt. Nicht so bei den Aggies, wo es unter dem Nachfolger Matt Wells letztes Jahr erneut 10-4 Siege gab und man sich im guten Mittelfeld der FBS platzieren konnte.

Die Defense bei den Aggies gilt als extrem stark. Geschichte des Jahres ist aber QB Chuckie Keeton, der als einer der wenigen College-Spieler ein sechstes Jahr Spielerlaubnis bekam, weil er die letzten beiden Jahre jeweils mit schweren Verletzungen frühzeitig von Board gehen musste. Für die Fans ist das ein Gewinn: Der laufstarke Keeton gilt als einer der spektakulärsten Offensivspieler im Lande.

Der größte Boise-Herausforderer des letzten Jahres waren die Colorado State Rams, die 10-3 Siege einfuhren und dabei nur einmal richtig abgeschossen wurden (Bowl gegen Utah). Wichtigste Neuerungen bei den Rams sind Head Coach und Quarterback.

Coach Jim McElwain folgte dem Lockruf der SEC und heuerte nach drei überaus positiven Jahren als Cheftrainer der University of Florida an. Die Jahre unter McElwain brachten in Colorado State genug Aufschwung, dass man derzeit massiv den Neubau eines Stadions auf dem Campus der Uni anstrebt – man wollte dem verdienten Coach trotzdem keine Steine in den Weg legen, denn so ist der Lauf der Mid Majors.

Man bediente sich deshalb gleich des nächsten Mannes aus der SEC: Mike Bobo, dem OffCoord der Georgia Bulldogs. Bobo war in der Anhängerschaft bei Georgia nicht beliebt, weil er in der landläufigen Meinung zu wenig laufen ließ, aber die Advanced-Metrics zeigen, dass Bobo durch die Bank sowohl eine der effizientesten Offenses spielte als auch mit das effizienteste PlayCalling hatte.

Auf Quarterback muss man Garrett Grayson ersetzen, der in der 3ten Runde im Draft von den New Orleans Saints gezogen wurde. Bobos Geschichte lässt erwarten, dass er Graysons Nachfolger hinbiegen und erneut eine gute Offense auf das Feld bringen wird. Die Frage bei den Rams ist eher das Defensive Backfield, wo nicht ein einziger Mann mit nennenswerter Erfahrung auflaufen wird.

Dahinter wird es in der MWC relativ schnell dünn. Die New Mexico Lobos sind zu defensivschwach für einen echten Angriff auf die Spitze, könnten mit ihrer extrem option-lastigen Lauf-Offense aber ein Hingucker werden (85% Laufspiel). Die Air Force kommt aus einem hervorragenden Jahr, läuft dieses Jahr aber mit rundum erneuerter Defense auf. Und die anderen Mittelklasse-Teams wie Fresno State oder Nevada befinden sich noch mitten im Umbruch.

Conference USA

Conference USA 2014 Endstand

Conference USA 2014 Endstand

Die C-USA gehört zu den Conferences, denen in den letzten Jahren „oben“ massiv das Wasser abgegraben wurde. Die besten Teams wurden von größeren Conferences rekrutiert, was die Liga dazu zwang, ihrerseits aufstrebende Unis aus kleineren Ligen wie z.B. der Sunbelt Conference zu akquirieren. Das führte zu einer Verwässerung der sportlichen Qualität in den letzten Jahren.

Es gibt aber Lichtblicke: Die Marshall Thundering Herd, eine der bekannteren „kleinen“ Footbal-Unis in den Staaten, u.a. durch den Film We Are Marshall, erlebten letztes Jahr eine für ihre Verhältnisse überragende 13-1 Saison mit einer einzigen Pleite (1 Punkt gegen Western Kentucky). Runtergezogen wurde man in der öffentlichen Meinung von einem der schwächsten Schedules des Landes, aber in Rankings wie dem SRS war Marshall trotzdem eine der besten Mannschaften im Lande.

Vor der anstehenden Saison ist man wegen des gewaltigen Aderlasses aber skeptisch: Der Quarterback und 60% der Catch-Yards müssen ersetzt werden, sowie die komplette Front-Seven in der Defense. Zweifel sind berechtigt, ob das Team von Doc Holliday genügend Tiefe hat, um bis in den Dezember hinein zu dominieren. Problem dabei: Die wenigen „guten“ Gegner im Schedule wird man erst dann antreffen.

Der beste der Gegner von Marshall dürfte wie schon letztes Jahr Western Kentucky sein. Die Hilltoppers gehören zu den Erfolgsgeschichten in den Mid-Major Reihen, haben sich in den letzten fünf Jahren vom Bodensatz hoch in die C-USA gearbeitet und gelten dort mittlerweile als Topfavoriten.

2015 kehrt erstmals seit Jahren der gleiche Head Coach für ein zweites Jahr zurück (Jeff Brohm, ein Pass-Fetischist), nachdem zuletzt die sportlich erfolgreichen Willie Taggert und Bobby Petrino (der Bobby Petrino) die Uni als Sprungbrett für höhere Aufgaben nutzen konnten. Superstar des Teams ist QB Brandon Doughty, letztes Jahr mit 4830yds, 49 TD und nur 10 INTs.

The American

American Athletic Conference 2014 Endstand

American Athletic Conference 2014 Endstand

Die American Athletic Conference ist die quasi-Nachfolgerin der Big East Conference, hat aber mit dem Ableben der BCS ihren Status als „Power-Conference“ verloren und gilt im aktuellen Zustand noch als Liga in der Identitätsfindung.

2015 heißt man in der US Navy ein neues Mitglied im Football-Bereich willkommen. Die Navy hat auch gleich eine ganz gute Chance, um den Conference-Titel mitzuspielen. So gut wie 2014 war Navy schon lange nicht mehr (8-5 Record).

Head Coach Ken Niumatalolo lässt zwar immer noch Triple-Option Offense spielen, machte in der Entwicklung aber einen Sprung und lässt mittlerweile viel mehr werfen als früher: 10x/Spiel, bei 56 Läufen pro Spiel. Immer noch nicht viel, aber wesentlich mehr als in der Vergangenheit. Im recht wurfstarken QB Keenan Reynolds hat man auch den richtigen Spielertyp, und der fehlerarme Reynolds wird das Team auch diese Saison anführen.

Mögliche Kandidaten der Navy gefährlich zu werden sind die Cincinnati Bearcats, die von Tommy Tuberville gecoacht werden, einem Mann, der schon die ganz großen Aufgaben wie Auburn gemeistert hat und in vielen Kreisen als exzellenter Trainer gilt. Cincinnati war 2014 von unglaublichem Verletzungspech gehandicappt – das sollte sich diesmal nicht wiederholen.

Die UCF Knights befinden sich noch im Umbruch, haben den echten Nachfolger für Blake Bortles auf QB noch nicht gefunden. Das einst so grottenschlechte Memphis ist noch eine solide Offense entfernt von echter Anwärterschaft. Der Publikumsmagnet East Carolina ist zwar traditionell offensivstark, muss in diesem Herbst aber eine ganze Latte an Leistungsträgern ersetzen und könnte sich in einem Zwischenjahr befinden.

MAC und Sunbelt

Mid-American Conference 2014 Endstand

Mid-American Conference 2014 Endstand

Sunbelt Conference 2014 Endstand

Sunbelt Conference 2014 Endstand

Die beiden momentan leistungsschwächsten Conferences in der obersten Ebene des College Football sind die MAC und die Sunbelt Conference.

Letztere Liga gilt seit Jahren als Mauerblümchen, der jede erfolgreiche Uni sofort abgeworben wird, die sich aber immerhin als Sprungbrett für FCS-Mannschaften aus den unteren Reihen des College Football etabliert hat.

Die Neuzugänge der letzten Jahre waren u.a. Georgia Southern, Appalachian State, South Alabama, Texas State und Georgia State, die sich mittlerweile in unterschiedlicher Qualität eingeführt haben. Freak-Mitglied sind die Idaho Vandals aus dem hohen Nordwesten. Idaho war das größte Opfer des Conference-Realignment Wahnsinns der letzten Jahre, wäre um ein Haar draufgegangen, fand schließlich aber in der Sunbelt Conference eine Bleibe – alle anderen Teams spielen aber im Bible Belt bzw. Texas.

Die MAC erregte immer wieder Aufmerksamkeit mit gewaltigen Offensiv-Shootouts und Erfolgsgeschichten à la Northern Illinois, das sogar mal in einer BCS-Bowl mitwirkte, ist aber momentan in einem Leistungstief. Die besten Coaches der letzten Jahre wurden wie gewohnt von der regionalen „Mutti“ Big Ten abgeworben. Richtig solide Programme stellt man dieses Jahr wohl nicht.

11 thoughts on “Mid Major Conferences | College Football 2015/16 Preview

  1. Danke für die Preview und dass es wieder mal über College Football zu lesen gibt. Ein paar Anmerkungen zu Memphis kann man aber nicht so stehen lassen. Die Tigers hatten doch keine schwache Offense mit 36 Pts. / Spiel. Sicher ist die Defnese der bessere Mannschaftsteil mit 19 Pts- /Spiel, aber doppelt so viel Punkte zu scoren als eingeschenkt zu haben ist ein gutes Zeugnis für die Off.
    Die Off. muss jetzt natürlich noch zulegen, wo die halbe Defense und der Def. Coordinator das Team verlassen. Aber bei QB Paxton Lynch hat super Ansätze gezeigt und wird in seinem dritten Jahr under Center sich weiter verbessern. Die Off. wird so gut sein wie nie und den Qualitätsverlust in der Def. mildern.
    Ich halte den Conference Title für möglich. Noch spannender wird sein wie es weitergeht. Ein weiteres gutes oder ausgezeichnetes Jahr und HC Fuente geht wohl in die Power Conferences. Dann muss Memphis nachlegen. Mit den neuen Facilities und der besseren Stimmung im Stadion wird es für die Tigers sicher eifnacher einen attraktiven Coach zu holen als beim letzten Mal. Fuente hat jedenfalls schon jetzt super Arbeit geleistet.
    Ansonsten chapeau. PS die Grafik zur MAC sollte wohl eine andere sein😉

  2. Nur aus Interesse: Ist es eigentlich möglich, dass ein Team aus den Mid Majors in die College Football Playoffs kommt (wenn z.B. überraschend eine perfekte Saison hingelegt werden würde, in der man auch überzeugend auftritt) oder sind da beim Ranking Komitee zu viele Vorurteile da und es werden Teams aus den Power Five mit „schwächeren“ Bilanzen bevorzugt?

  3. Theoretisch ist eine Playoff-Qualifikation möglich, aber im Prinzip braucht es mehrere Zutaten:

    – die Perfect Season muss sehr überzeugend sein
    – die „Out Of Conference“ Gegner müssen stark sein, am besten richtig stark
    – der Mid Major muss eine gewisse Reputation besitzen, also sprich mindestens BYU oder Boise State

    Hilfreich könnte höchstens noch eine Freak-Situation wie 2007 sein, wo es nach Ende der Punkterunde kaum BCS-Teams mit weniger als 2 Niederlagen gab.

    2015 ist ein Mid Major in den Playoffs also auszuschließen, weil Boise nicht im Ansatz einen entsprechenden Schedule spielt.

  4. Ich frag mich wieso die Sunbelt- und MAC- Colleges überhaupt an der First Division teilnehmen.Chancen auf Prestige,Erfolg haben die eh keine und Medienrummel und Zuschauer gehen an denen vorbei.Finanziell wird sich das auch nicht so lohnen, nehme ich an, siehe Beispiel UAB-College.

  5. Die Vorteile sind viel mehr TV-Coverage (ESPN interessiert sich kaum für die FCS) und mehr Geld, sei es via TV-Gelder, aber auch sei es via „Contract-Games“ -> das sind die Spiele, in denen große Colleges die Gegner auszahlen um sich abschlachten zu lassen.
    Erstens wird FBS-Gegnern i.d.R. minimum das Doppelte ausbezahlt als FCS-Gegnern, und zweitens wird mit dem neuen Playoff-System (Stichwort Strength of Schedule) ein FCS-Gegner immer unattraktiver.

    Für starke Teams aus den unteren Regionen der FBS gibt es durchaus Chancen auf den Aufstieg in bessere Conferences. Unis brauchen aber einen guten Rückhalt von Fans und halbwegs finanzielle Stabilität um sich in der FBS halten zu können – nicht alle Top-Teams der FCS liebäugeln mit einem Wechsel nach oben, auch wenn sie sportlich locker mithalten könnten.

  6. Pingback: Boise State Broncos | 2015/16 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  7. Ist hier bislang noch gar nicht erwähnt worden, mach ich jetzt einfach mal. Der ESPN-Player soll in der nächsten Saison auch College Football-Spiele zeigen, die ansonsten nur bei ESPN-U und beim SEC-Network laufen. Wäre ja schon mal eine nette Steigerung an wertigen Spielen, die man da zu sehen bekommt.

  8. Pingback: College Football 2015/16 – Die Eier fliegen | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  9. Pingback: College Football: Die Saison 2015 beginnt - German Sea Hawkers

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