NFL 2015 – Preview St. Louis Rams

Nee, liebe Rams, dieses Jahr nicht mehr. Auch ich bin in den letzten Jahren immer wieder auf euren Offseason-Hype reingefallen. In jeder Saison ging’s schlecht los, bis dann irgendwann im November plötzlich Siege gegen starke Mannschaften eingefahren wurde, woraufhin der allgemeine Tenor war: ach ja, die haben so viele gute junge Spieler, aus den Rams wird auf jeden Fall was – nächstes Jahr ganz sicher. Nur hat sich dann der Zyklus wiederholt: gute junge Spieler verpflichtet, schlechter Start, spät dann überraschende Siege und die Stories „nächste Saison muß man mit ihnen rechnen“.

Die Rams Defense

Vor allem die Verteidigung macht die Pundits immer ganz hibbelig. Dieses Jahr hat der geschätzte Andy Benoit sogar schon behauptet, daß die Rams die beste Verteidigung der Liga haben werden. Holy smokes! Wie alle anderen auch feiert Benoit besonders die Defensive Line ab.

Robert Quinn wäre 2013 fast DPOY geworden als er mit 91 Sacks/Hits/Hurries gegnerische Quarterbacks terrorisiert hat. Dann allerdings unterschrieb er einen riesigen Vertrag und hat Mitte Oktober 2014 für viele fragende Artikel gesorgt: warum hat Quinn immer noch null Sacks? Am Ende immerhin waren es 10; mit insgesamt 39 Sacks/Hit/Hurries weniger als die Hälfte aus 2013. Auf der anderen Seite spielen William Hayes und Eugene Sims, die eher bessere JAGs sind.

Mysteriös steht es um Chris Long. 2008 war er der 2nd-overall Pick und auch wenn er dieser Draftposition nie voll gerecht wurde, war er doch ein guter Stammspieler. Gleich im September 2014 mußte er am Knöchel operiert werden. Als er Mitte November zurückkam, spielte er als würde er noch Gips tragen. Keine Ahnung, was Long aus seinem 30-jährigen Körper noch rausholen kann.

In der Mitte spielen der Defensive Rookie of the Years 2014, Aaron Donald; Michael Brockers, 1st-rd Pick 2013; und jetzt auch noch Nick Fairley auf einem 1-Jahres-Vertrag. Donald galt vor der Draft als Riesentalent und hat dann auch geliefert, tatsächlich hatte er seine Hände häufiger am gegnerischen Quarterback als Quinn. Brockers überragt Donald um zwei Köpfe (er ist 1,95m) und hat Krakenarme, aber den vielen Abfeierstories ob seines Talents läuft er auf dem Platz noch hinterher. Fairley war bekanntlich auch eine Riesentalent aus der ersten Runde (2011), fiel aber in Detroit trotz guter Leistungen zu oft negativ auf. Nach einer schweren Knieverletzung im Oktober, die seine Saison beendete, wollten ihm die Lions keinen neuen Vertrag geben.

Die Defensive Line der Rams: die talentierteste Linie der Liga; jung, explosiv, unstoppable.
Die Defensive Line der Rams: Quinn ist satt nach seinem neuen Vertrag; Long ist Invalide; Fairley entweder zu fett oder verletzt; Brockers ein ewiges Talent; und Donald kann nunmal nicht alles alleine machen.

Entscheiden sie selbst.

Die Defensive Line ist der Mannschaftsteil in dem wenigstens unzweifelhaft massig Talent vorhanden ist, was auch immer die involvierten Herren dann daraus machen werden. Bei den Linebackers und der Secondary ist das schon fragwürdiger. Der Anführer in der Mitte, James Laurinaitis, läßt sich manchmal erschreckend widerstandslos durch die Gegend schieben. Alec Ogletree, letztjähriger 1st-rd pick, hatte die rookietypischen ups and downs, sah die ups meistens gegen Laufspielzüge; in coverage verliert er sich selbst zu oft im Raum und sieht orientierungslos aus. In der Base Defense braucht man noch einen Dritten. Hier hoffen die Rams, daß Neuzugang Akeem Ayers endlich Jo-Lonn Dunbar überflüssig macht. In dieser Rolle sah Ayers 2014 bei den Pats auch ganz gut aus: sehr diszipliniert, kräftig und sicher im Tackling.

Weiter hinten haben die Rams immerhin einen talentierten Kern gefunden, der auch genauso zusammenbleibt für die neue Saison. Kontinuität in der Secondary eine Tugend, die nur wenige Teams haben. Das McSafety-Duo, die 24- beziehungsweise 25 Jahre alten T.J. McDonald und Rodney McLeod haben 2014 fast jeden Snap zusammengespielt, und das sogar recht gut. Auch Rookie E.J. Gaines spielte fast jeden Snap. Janoris Jenkins, als Troublemaker mit Superstarpotential 2012 in der 2ten Runde gedraftet, war bisher weder Troublemaker noch Superstar. Bei Jenkins ist auf jeden Fall immer was los, ich gucke ihm gerne zu: er ist unheimlich schnell und aggressiv, überschätzt aber oftmals seine Instinkte: wo er in die sicher geglaubte Interception springt, ist sein Receiver gerade zum double move abgebogen. Er erinnert an DeAngelo Hall oder Asante Samuel.

Einigermaßen seltsam ist, was DC Gregg Williams mit dieser Truppe macht. Kaum ein Team blitzt häufiger als St. Louis, wo doch eigentlich die Front Four auch ohne Hilfe genügend Druck auf den QB bringen sollte.

Die Rams Offense

Selbst wenn man den großen Pre-Season-Hype anzweifelt, so steht doch außer Frage, daß die Verteidigung recht gut aufgestellt ist und zumindest das Potential hat, ordentlich Terror zu machen. Diese Lokomotive zieht nun aber nur leere Waggons durch die Prärie. Die Offense ist eine ranzige Regionalbahn verglichen mit dem Defensiv-IC. Absolut null Bandwagon-Potential.

An der letzten Haltestelle wurden so gut wie alle Passagiere aus der Bahn geworfen. Offensive Coordinator Brian Schottenheimer wurde entlassen; der Franchise-Quarterback wurde verschachtert; vier Offensive Linemen, die letztes Jahr zusammen 52 Spiele in der Startformation gestanden haben, sind oder wurden gegangen: die Tackles Joe Barksdale und Jake Long sowie Guard Davon Joseph und Center Scott Wells; RB Zac Stacy wurde vergrault und der andere RB, Tre‘ Mason, einen Kopf kürzer gemacht, weil die Rams gemacht haben, was jede Mannschaft macht, die ganz dringend eine neue Offense aus dem Boden stampfen muß: sie haben einen Running Back in der ersten Runde gedraftet. Anscheinend laufen die Rechner im Front Office noch auf Windows95.

Je nachdem, welchen Pundits man glauben möchte, ist Todd Gurley – 10th overall pick, Georgia – das größte Running-Back-Talent seit Adrian Peterson, Mark Ingram oder Trent Richardson. An seine Scouting Reports über Ingram oder T-Rich 2.0 will sich natürlich niemand mehr erinnern, darum sagen jetzt alle „seit AP“, aber die Gurley-Hymen lesen sich genauso wie die Ingram- und T-Rich-Hymen vor einigen Jahren.

Ob und wie Gurley einschlägt, weiß natürlich niemand. Seine beiden großen Baustellen, werden es ihm zumindest schwieriger machen als es ohnehin schon ist. Zum einen hat er sich erst im November das Kreuzband gerissen. Er trainiert schon, aber sein Einsatz zum Saisonstart ist fraglich.

Die zweite Baustelle ist die Offensive Line. Wie gesagt: vier Veterans sind weg. Ersetzt werden sie durch vier Rookies: einer aus Wisconsin! Offensive Lineman Wisconsin! (Rob Havenstein, 2te Runde); einen ganz dicken (Jamon Brown, 3te Runde); jemanden, der nur 16 Collegespiele gemacht hat (Andrew Donnal, 4te) und noch irgendjemanden in der sechsten Runde.

Übrig geblieben von der letzten Saison sind nur der 2nd overall Pick 2014 Greg Robinson, der in seinen 12 Starts aussah als wäre er der 200th Pick gewesen; und Roger Saffold, der 2010 mal als große OT-Talent zu Beginn der zweiten Runde gedraftet wurde, mittlerweile Guard spielt, das aber ganz passabel.

Den allzeit verletzten Unglücksraben Sam Bradford hat man nach Chipadelphia geschickt und im Gegenzug einen 2nd-rd Pick und Nick Foles bekommen. Wenn es denn stimmt, daß HC Jeff Fisher und der neue OC Frank Cignetti die Rams zu einem harten run-first team machen wollen, kann man mit Foles eventuell leben – später irgendwann. Denn so wie die Offense jetzt aussieht – keine O-Line, verletzter Star-RB, neuer QB, neuer OC – wird auch im Paßspiel nicht viel gehen. Die beiden besten Paßempfänger, WR Kenny Britt und TE Jared Cook, haben letztes Jahr zusammen 100 Bälle gefangen. Beide kamen 2009 in die NFL, nach Tennessee zu Fisher. Beide werden in manchen Ecken immer noch als Riesentalente gehyped, obwohl sie in ihren sechs NFL-Jahren nicht mal besserer Durchschnitt waren. Wo sollte da jetzt plötzlich die krachende breakout season herkommen?

Bevor die Crew um Fisher und GM Les Snead einen RB an Position zehn gedraftet haben, tauschten sie vor zwei Jahren ihre Picks in den ersten beiden Runden nach Buffalo um an achter Position Tavon Austin zu draften. Austin sollte der nächste Percy Harvin werden als Percy Harvin noch angesagt war. Austin ist zwar irgendwie explosiv, aber zumindest Schottenheimer wußte nicht so recht was mit ihm anzufangen. Letztes Jahr hatte Austin mehr rushing plays (36) als receptions (31). Auch die anderen WRs sind einigermaßen bekannt, weil sie hoch gedraftet wurden wie Brian Quick und TE Lance Kendricks, aber auch sie waren nie mehr als JAGs.

Die St. Louis Rams 2015

Durch die völlig umgekrempelte Offense wird es gerade zu Beginn der Saison sehr, sehr schwierig werden für die Rams. Zur Saisoneröffnung kommen die Seahawks, danach geht’s zum Durchschnaufen nach Washington bevor Steelers, Cardinals und Packers warten. Wenn sie da irgendwie mit Hängen und Würgen zwei Siege mit in ihre Bye Week Mitte Oktober nehmen können, lungern sie vielleicht noch einige Wochen im playoff picture rum.

Es könnte wieder mal das Murmeltier grüßen: schwacher Start, dann under the radar besser werden bis später in der Saison zwei starke Mannschaften geschlagen werden und wieder die Stories kommen über das viele Talent in dem Kader und daß die St. Louis Rams ganz bestimmt zu den Geheimfavoriten gehören werden – 2016. Dann vielleicht auch schon in LA.

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