NFL 2015 – Preview Cincinnati Bengals

Erhäng‘ dich oder erhäng‘ dich nicht – bereuen wirst du beides. So sprach Kierkegaard und genauso stand Cincinnatis Management nach der vierten enttäuschenden Playoffniederlage in vier Jahren wieder vor der Entscheidung: weiter mit Head Coach Marvin Lewis und Quarterback Andy Dalton – oder lieber den Umbruch. Owner und General Manager Mike Brown entschied sich vorerst für Lewis und Dalton.

Cincinnatis Offense

Andy Dalton wurde 2011 in der zweiten Runde gedraftet. Carson Palmer hatte nach der 2010er Saison partout keine Lust mehr auf Cincinnati, eine Saison, in der seine beiden besten Wide Receivers der 37-jährige Terrell Owens und der 32-jährige Chad Ochocinco waren und die Bengals nur vier Spiele gewannen.

In der ersten Runde 2011 wurde auch gleich die Wunderwaffe für Dalton gedraftet: Georgias WR A.J. Green. Seitdem haben die Bengals 40 Spiele in der Regular Season gewonnen, haben in jeder Saison die Playoffs erreicht (in der harten AFC North) – aber jedes Jahr in der ersten Januarwoche sind die Bungles kläglich und wehrlos gescheitert, zweimal gegen Houston, 2013 gegen San Diego und schließlich im vergangenen Januar gegen die Colts.

Nach der 10-26-Niederlage in Indianapolis wurde wieder heftig auf den kleinen Rotschopf geschimpft, aber das war nun wahrlich das falsche Spiel dafür. Seine Paßempfänger an diesem Tag waren Rex Burkhead, Ryan Hewitt, Mohamed Sanu, Cobi Hamilton und Brandon Tate. Die gesamte Saison über hatten schon WR Marvin Jones und TE Tyler Eifert (zusammen in 2013 90 Catches, 12 TDs) gefehlt.

Auch darum hatte der neue OC Hue Jackson den Angriff um das Laufspiel herum neu konzipiert. Dalton warf 2014 glatt 100 Pässe weniger als noch in der Vorsaison unter Jay Gruden. In 2nd-rd Pick Jeremy Hill hat Jackson auch einen Running Back gefunden, dem er ohne Sorgen 20 Carries pro Spiel geben kann. Gio Bernard, der sich in space deutlich wohler fühlt als zwischen den dicken Jungs, ist dafür der ideale change-of-pace back für Läufe außen rum und als Receiver bei dritten Versuchen.

Hill und Bernard profitieren dabei von der immer noch erstklassigen Offensive Line. Der 33 Jahre alte Left Tacke Andrew Whitworth ist immer noch ein Superstar und macht keine Anstalten nachzulassen Da er vor allem von seiner einzigartigen Technik anstatt von Athletik lebt, könnte das auch noch etwas dauern. Der Guard neben ihm, Clint Boling, ist der Mark van Bommel in dieser Linie: technisch schwach, aber immer giftig und gallig ohne Unterlaß bis einer der andere heult. Das Duo auf der anderen Seite bilden der massige Dancing Bear Andre Smith (Tackle) und Streber Kevin Zeitler (Guard), der von Körper über Technik und Arbeitseinstellung alles mitbringt.

Smith hatte seit seiner Zeit in Alabama immer wieder Probleme, sein Gewicht unter Kontrolle zu halten. Darunter leiden seine Füße und Knie (eine Armverletzung hatte er 2014 auch noch) und da sowohl seiner als auch Whitworths Vertrag auslaufen haben die Bengals in den ersten beiden Runden zwei Offensive Tackles gedraftet, Cedric Ogbuehi (Texas A&M) und Jake Fisher (Oregon). In der dritten Runde kam noch TE Tyler Kroft dazu, der Eifert und vor allem dem 2010 1st-rd pick Jermaine Gresham Feuer machen soll.

Wichtige Abgänge gab es gar nicht. Stattdessen überall Kontinuität, die Rückkehr von vielen Verletzten und man hat sogar schon Talente für die kommenden Jahre geshopped, die jetzt ohne Druck an das NFL-Niveau herangeführt werden können.

Die Bengals Defense

In der Verteidigung sieht es ganz ähnlich aus. Der einzige Abgang eines Stammspielers ist Cornerback Terence Newman, der ist aber auch Jahrgang 1978 (!). Alle anderen sind wieder da.

Das Prunkstück ist hier CB Leon Hall, der sowohl an der Seitenlinie als auch im Slot die gegnerische Nr. 1 verteidigt. Sein einziges Problem sind die häufigen Wehwechen, die ihm immer mehr zu schaffen machen. Die Nr. 2 ist Adam Jones, der schon seit einigen Jahren dermaßen solide ist, on wie off the field, daß das „Pacman“ völlig verschwunden ist. Mehr oder weniger unglücklich dagegen ist man mit der langsamen Entwicklung der beiden jüngsten Cornerbacks, die – wie auch Hall und Jones – in der ersten Runde gedraftet wurden: Dre‘ Kirkpatrick (2012) und Darqueze Dennard (2014). Konkurrenz soll es von 4th-rd Pick Josh Shaw (USC) geben.

Keine Sorgen muß man sich dagegen um die Safeties Reggie Nelson und korsakoffs alten Boise-State-Spezi George Iloka machen. In der Mitte vor Iloka hofft man auf die Rückkehr von Mike-Backer Vontaze Burfict. Dem großen Problemkind gab Mike Zimmer 2012 eine Chance als UDFA und er hat sie mehr als genutzt. Durch Rüpeleien gegen seine Trainer bei Arizona State war seine Red Flag größer als die beim Kongreß der KP China. Unter Zimmer hat sich dann zusammengerissen, wurde gleich Stammspieler – und zwar einer der besten.

Wie auch in den ersten Runden mit den Offensive Tackles so haben die Bengals anscheinend auch später die Strategie best player available durchgezogen. Obwohl man neben Burfict schon Ray Maualuga und den überzeugenden Vincent Rey im Kader hat, wurde in der dritten Runde Paul Dawson gedraftet, der letztes Jahr für TCU ungefähr 200 Tackles gemacht hat.

Auch vorne gibt’s Verstärkung: DE Michael Johnson, der letztes Jahr einen dicken Vertrag in Tampa unterschrieben hat, kommt nach einer grottigen Saison im Süden zurück an seine alte Wirkungsstätte. Mit dem Compensatory Pick, den sie nach seinem Abgang bekamen, haben sie mit Marcus Hardison in der vierten Runde auch gleich noch einen DE gedraftet. Allein: ob das als Antwort auf den mangelhaften Pass Rush genügt? DE Carlos Dunlap ist nicht mehr als solide in dieser Disziplin, wenn er auch als Run Defender nichts anbrennen läßt; DT Geno Atkins nur noch ein Schatten seiner selbst nach dem Kreuzbandriß 2013; Margus Hunt, der riesige Diskuswerfer aus Estland und einer der Hauptdarsteller bei Hard Knocks 2013, scheint nicht so richtig was lernen.

Die Schwachstelle Pass Rush ist nicht wirklich behoben worden, alle anderen Fragezeichen wie die jungen CBs und die LBs nach ihren Verletzungen sind dafür eher klein. Die Rückkehr von Johnson und Burfict sowie die zusätzliche Offseason für Atkins machen etwas Hoffnung, wenn auch nicht viel. Aber diese Defense lebt von ihrer Disziplin und den Foundamentals, ein wenig so wie die Patriots in den letzten Jahren. Sie machen kaum etwas großartig, aber die wichtigen Sachen machen sie zuverlässig.

Die Cincinnati Bengals 2015

Zu was diese Mannschaft in der Lage ist, sah man zwei Wochen vor dem Playoffaus. In Woche 16 schlugen die Bengals die Broncos einigermaßen überzeugend – obwohl A.J. Green schon in der ersten Hälfte vom Platz mußte. Der Kader ist so gut aufgestellt, daß die Playoffs auf jeden Fall drin sind, für den ersten Sieg dort sind dann Dalton und Head Coach Marvin Lewis verantwortlich.

Nicht nur kurzfristig sieht der Kader ganz gut aus, sondern auch mit Blick auf die Zukunft: die Offensive Line um Boling, Zeitler, die beiden Rookies und vielleicht noch Whitworth oder Smith steht wie eine Eins; A.J. Green bekommt entweder einen neuen Vertrag oder das Franchise Tag; die RBs Hill und Bernard sind die perfekte 1-2-combo: hört sich nach einem idealen Umfeld für einen Rookie-QB an, oder? Ohne Playoffsieg wird dieser kommen. Oder man probiert vorher schon A.J. McCarron aus, der hat alles: Raketenarm, Collegemeisterschaft, Modelfreundin. Vielleicht sieht man dann allerdings auch, daß selbst ein Dalton gar nicht so einfach zu ersetzen ist.

4 thoughts on “NFL 2015 – Preview Cincinnati Bengals

  1. Und Hall wird zur Zeit ziemlich heftig von Kirkpatrick und Dennard unter Druck gesetzt. Gestartet ist im ersten Preseason Spiel Kirkpatrick neben Pacman. Atkins sieht nach der miesen Saison letztes jahr angeblich wieder ziemlich gut aus.
    Zum Blick in die Zukunft sei noch kurz gesagt, dass ende dieser Saison einige Verträge auslaufen. Zusätzlich zu den beiden erwähnten Tackles noch die von Leon Hall, A.J. Green, Reggie Nelson, Pacman, Vinny Rey, Sanu, Lamur, Iloka, Marvin Jones und noch einige andere, weniger erwähnenswerte. Da wird also noch der eine oder andere verschwinden, nach der Saison

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