Big 12 Conference | 2015/16 Preview

Die Big 12 Conference wähnte sich letztes Jahr schwer verarscht, als sie am letzten Spieltag ihres sicher geglaubten Platzes im ersten College Football Playoff beraubt wurde. TCU und Baylor, beide nur mit einer Niederlage, wurden in der Abstimmung des Playoff-Komitees außen vor gelassen, wurden hinter Ohio State eingereiht.

Auch wenn Ohio State hinterher als erster Champion des Playoff-Systems seinen Platz sportlich rechtfertigen konnte, bleibt die Entscheidung von damals eine mit fadem Nachgeschmack. Die Big 12 reagierte mit der Idee, ihr Conference-Endspiel zu reanimieren, doch der viel gewichtigere Grund des Ausscheidens von TCU und Baylor dürfte schlicht der zu kleine Name der beiden Universitäten gewesen sein.

TCU und Baylor werden in separaten Einträgen abgehandelt. Konzentrieren wir uns in diesem Eintrag auf den generellen Status der Big 12, jahrelang als Nummer 1b hinter der SEC angesehen, aber im letzten Jahr mit nur drei Nominierten in den Top-25 des finalen AP Polls durchaus eine Enttäuschung geblieben.

Big 12 Conference - Endstand 2014

Big 12 Conference – Endstand 2014

Hauptverantwortlich dafür sind die beiden „Großen“, die Texas Longhorns und die Oklahoma Sooners. Beide stecken seit einigen Jahren in einer Art Identitätskrise und scheitern jedes Jahr daran, ihr volles Potenzial abzurufen.

Texas Longhorns

Texas ist nach Umsatzstärke die reichste Universität im College-Sport, wurde 2014 nur temporär von den Oregon Ducks überholt, die ein einmaliges 80-Millionen Geschenk von Sponsor Nike nutzen konnten um an den Longhorns vorbeizuziehen – für allerdings nur dieses eine Jahr. Für so viel Geld springt bei diesem Programm in den letzten Jahren schlicht zu wenig bei raus.

Es gibt allerdings Hoffnung. Head Coach Charlie Strong, 2014 mit Pauken und Trompeten aus seinem Vertrag in Louisville herausgekauft, rückte in seiner Debütsaison in Austin mit der Heugabel an und mistete kräftig aus, schmiss mehr als ein Dutzend bockige Jungspunde aus dem Kader uns sandte die klare Message, dass wer nicht spurt, der fliegt. Strong kam dabei sein fehlender Stallgeruch zugute. Im Gegensatz zu Vorgänger Mack Brown, der als politisch exzellent verbandelt galt, konnte sich Strong frei vom Filz austoben.

Strong steckt nach rund 18 Monaten im Job noch mitten im Umbruch, ist aber schon fleißig dabei, die neuen Longhorns nach seinem Ebenbild zu bauen: Eine toughe, hart spielende Footballmannschaft. In der Defense waren die ersten Resultate vielversprechend: Texas gehört nach Adjustments zu den zehn besten Defenses im Lande. Viel Anerkennung fand dabei die Arbeit von DefCoord Vance Bedford, einem Kumpel Strongs seit vielen Jahrzehnten. Bedford gilt als Genie vor allem im Coachen von Defensive Backs. Er wird in dieser Saison allerdings nach Abgängen von u.a. DT Malcom Brown, LB Jordan Hicks, CB Quandre Diggs und S Mykkele Thompson mehrere seiner besten Spieler ersetzen müssen.

Trotz der Abgänge in der Abwehr gilt vor allem die Offense als Sorgenkind. Seit sich Colt McCoy vor fünf Jahren im BCS-Finale verletzt auswechseln lassen musste, läuft Texas einem halbwegs vernünftigen Quarterback nach. Letzte Saison spielte sich QB Tyrone Swoopes für Momente in den Vordergrund, aber der mobile Swoopes fühlte sich letztendlich nicht zu Unrecht falsch eingesetzt (nur 467 Rush-Yards) und konnte die hohen Erwartungen am Ende des Tages nicht erfüllen.

Man fragt sich, in welche Richtung der Trainerstab die Offense entwickeln möchte: Die Offensive Line gilt als großes Sorgenkind, und in RB Malcolm Brown (nicht zu verwechseln mit dem DT Malcom) kam der beste Ballträger abhanden. Der Schedule ist auch nicht allzu günstig gelegen, weil man neben dem Saisonstart auswärts bei Notre Dame auch die besten Conference-Rivalen fern der Heimat bespielen muss, und so riecht auch Jahr 2 für Strongs Longhorns bestenfalls nach einem Aufbaujahr mit Blick 2016.

Oklahoma Sooners

Viel, viel weiter sind da die Oklahoma Sooners, die im Prinzip seit der Amtsübernahme von Head Coach Bob Stoops keine einzige richtig schlechte Saison gespielt haben. Oklahoma ist in exakt 200 Spielen mit Stoops am Ruder sensationell 161-39 gegangen – allein: Seit Stoops gleich in seiner Debütsaison 2000/01 den National-Title holte, galten seine Sooners meistens als „Big Game“-avers, verloren gefühlt zu häufig „in entscheidenden Momenten“.

2014 schloss Oklahoma mit 8-5 Siegen ab – Stoops‘ geteilte schlechteste Saison als Headcoach in Norman. Wahrgenommen wurde das als krasse Ernüchterung, nachdem Oklahoma dank monströser Siege Ende 2013 (inklusive Kantersieg in der Bowl Season über Alabama) als echtes dark horse auf den National Title in die Saison gestartet war. Bloß, ich hatte es schon im letzten Sommer geschrieben: Oklahoma wurde damals überschätzt. In diesem Sommer dürfte man eher unterschätzt sein, weil hohe Pleiten Ende 2014 gegen Baylor (14-48) und Clemson (6-40) die Erwartungen drücken.

Dabei ist das Team richtig geladen mit Star-Power. RB Samaje Perine hatte als Freshman nicht bloß 1713yds und 21 TD, sondern holte sich gleich auch noch den Rushing-Rekord für ein einzelnes Spiel mit 427yds gegen Kansas. Perine gilt nicht einmal als größtes RB-Talent im Kader: Alex Ross hatte letztes Jahr mehr Big Plays, und zudem stößt in Joe Mixon eines der begehrtesten Talente des Jahrgangs zum Kader. Mixon wird jedoch schon als Teenie sehr zwiespältig gesehen: Er verpasste letzten Herbst sein Freshman-Jahr, weil er eine Frau windelweich geschlagen hatte.

Bei so vielen potenziellen Top-Ballträgern wird es interessant zu sehen sein, wie die Offense auf die Einstellung vom neuen OffCoord Lincoln Riley reagiert. Riley gilt als Verfechter passgewaltiger Air Raid Offense – bloß: Oklahoma hat in Trevor Knight einen bestenfalls durchschnittlichen Quarterback, und in WR Sterling Shepard nur einen Wide Receiver von landesweitem Format. Shepard allerdings gilt als echte Granate, machte in einer passarmen Offense zuletzt fast doppelt so viele Yards/Catch wie alle anderen Teamkollegen.

Oklahoma gilt in der Defense als ordentlich, wenn auch etwas dünn in der Tiefe, besetzt. Ich würde davon ausgehen, dass die Mannschaft wieder um die 10 oder 11 Saisonsiege einfährt, und mit etwas Glück sogar die Conference gewinnt und ins College Football Playoff stürmt. Im schlimmsten Fall ist für meinen Geschmack bei der Qualität ein 9-3 zu erwarten – was viel aussagt über die Qualität in dieser Mannschaft.

Oklahoma State Cowboys

Die Oklahoma State Cowboys enttäuschten letztes Jahr mit einer banalen 7-6 Bilanz. Verheerend war dabei in erster Linie der November, als man fünfmal en suite baden ging, ja sogar klar baden ging. Die Saison konnte immerhin mit einem Derbysieg über die Oklahoma Sooners gerettet werden, aber im Zuge jenes Wochenendes wurde der gefährlichste WR Tyreek Hill wegen Schlägereien in den eigenen vier Wänden geschasst.

Spannend ist wie so oft bei Headcoach Mike Gundy, wie die QB-Frage beantwortet wird: Mason Rudolph hatte in limitierten Einsätzen als Freshman gute Ansätze, aber es wurden in J.W. Walsh und John Kolar auch Neuzugänge geholt. Größtes Fragezeichen im Angriff ist das zuletzt abgeschmierte Laufspiel; in der Defense muss man schauen, dass man trotz großer Löcher auf Defensive Tackle wieder mehr Punch gegen den Lauf hinbekommt.

Glück der „Pokes“: Sie kriegen die vermeintlich besten Teams der Big 12 alle zuhause. Zu einem überraschenden Titel-Run dürfte das freilich trotzdem nicht reichen.

West Virginia Mountaineers

Titelkandidat sind auch die West Virginia Mountaineers keine. Bei WVU hat man einen interessanten Weg hinter sich gebracht: Vor acht Jahren, als ich ca. mit dem intensiven College-Gucken begann, war man eine landesweite Macht, die knapp vor dem National-Title scheiterte. Man ging in die Bowl-Season nur um auf dem Abschlussbankett zu erfahren, dass der Architekt, Coach Rich Rodriguez, die Uni verlassen würde um nach Michigan zu gehen. Jenes Bowl-Spiel gegen Alabama wurde von Bill Stewart gecoacht, einem Lokalpatrioten – und Stewarts Rede vor dem Kantersieg über Bama ist noch heute eines meiner Highlights.

Don’t leave your wingman. Never, ever, ever bail out on your brother. You help. You strain, and you just fight. Stewart blieb ein paar gute, nicht überragende Jahre, der Coach, ehe man ungeduldig wurde. 2011 wurde Dana Holgorsen als Coach-in-spe installiert – was Stewart nicht passte. Stewart (Never, ever bail out on your brother) zettelte eine Schmierkampagne gegen Holgorsen und seinen angeblichen Suff an und musste im Zuge dessen selbst gehen.

Holgorsen, in der Community als absolutes Offensiv-Genie gefeiert, legte einen Traumstart hin, gewann gleich zum Einstand eine BCS-Bowl, ehe es rapide bergab ging. Im letzten Sommer war Holgorsen kurz vor der Entlassung. 2014 brachte mit 7-6 Bilanz einen Hoffnungsschimmer, und weil man mit 1-3 in engen Spielen einigermaßen viel Pech hatte, ließ man Holgorsen gewähren.

2015 wird ein brutales Jahr, in dem man die halbe Offense ersetzen muss, aber wenn ein Holgorsen eines kann, dann eine Offense in kürzester Zeit zu installieren. Die Defense sollte besser sein als zuletzt, aber der Schedule bringt die vier besten Conference-Gegner auswärts.

Kansas State Wildcats

Bei den Kansas State Wildcats hat man in der T-Frage andere Sorgen: Man fragt sich schön langsam, wie lange die Coaching-Legende Bill Snyder noch weitermacht. Snyders Trainerleistung gilt in manchen Kreisen als eine der besten in der Geschichte des College-Football: Er hat die Wildcats vor 25 Jahren als absolute Lachnummer übernommen und sie zu einer Macht geformt, die viele Jahre lang (letztlich ungekrönt) um die Landesmeisterschaft mitspielte; Snyder trat zurück und sah sein Programm in Grund und Boden gecoacht; Snyder kehrte zurück und war vor wenigen Jahren wieder nahe dran am BCS-Championship.

Eine der Erfolgsformeln Snyders: Rekrutiere JUCOs, spricht Spieler von Junior-Colleges. Dabei handelt es sich häufig um exzellente Athleten, die aus diversen Gründen von „echten“ Universitäten geflogen sind: Alkoholgeschichten, zu schlechte Noten, Freundin geschlagen, und so weiter. K-State ist keine Uni, die die Top-Talente anlockt. K-State braucht jede erdenkliche Hilfe, und Snyders Weg sich zu helfen ist das Verpflichten solcher Athleten.

2015 verzichtete er aber überwiegend darauf, was für Snyder ungewöhnlich ist und von manchen als Zeichen interpretiert wird, dass Snyder schön langsam das Zepter abgeben möchte. Der Kader ist vor allem in er Offense relativ ausgedünnt, wo Starting-QB und vier der besten fünf Wide Receiver ersetzt werden müssen. Snyders Offense war stets kreativ genug angelegt, dass auch aus banalem Spielermaterial überwiegend Großes herausgeholt werden konnte, aber die Abgänge könnten diesmal doch etwas heftig sein.

3 thoughts on “Big 12 Conference | 2015/16 Preview

  1. Starke Preview auch hier. Die Richtung in der die Texas Off. geht ist ein Spread System, das v.a. Swopes sehr entgegenkommen wird. Ich glaube nicht, dass Texas schon 2015 den Breakout haben wird, aber es ist auf der schwierigsten Position am tiefsten besetzt: DL. Mit guter Def. hast du in der Big XII immer eine solide Basis. Texas wird in den nächsten 5 Saisons besser sein als 36-28 (ihr Record in den vorigen 5).

    Oklahoma hat sicher keinen neuen OC geholt um wieder Power Run zu spielen. Gespannt sein darf man wie man im neuen Air Raid System den RB Perine einsetzt, auf den will man sicher nicht vergessen. Stoops ist kein Choker wie er immer gemacht wird, er hat aus Oklahoma viel mehr gemacht als Brown aus Texas obwohl, Texas die viel besseren Voraussetzungen hatte.
    Ich würde Stoops einen National Title gönnen nur damit das Gerede vom Choken endlich aufhört.. und ich bin KEIN Sooner🙂

  2. Kommt für mich irgendwie überraschend, aber die Lokalreporter haben es kommen sehen. Mayfield kennt die Air Raid schon von Texas Tech, Oklahoma damit umso mehr DARK HORSE.

  3. Pingback: College Football 2015/16 – Die Eier fliegen | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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