Der abgedeckte Superdome wurde zum Symbol für New Orleans und Katrina

Katrina und die New Orleans Saints

Heute vor zehn Jahren verwüstete der Hurrikan Katrina New Orleans und machte aus dem Ort quasi über Nacht eine Geisterstadt. Es ist ein kleines Kapitel in einer der größten Naturkatastrophen der letzten Jahre, aber Katrina ist auch ein Kapitel, das die NFL nachhaltig beeinflusste. Es ist kein ruhmreiches Kapitel in der Geschichte der New Orleans Saints, auch wenn der Glanz der Superbowlringe es heute überdeckt.

2005 waren die Saints noch eine ganz kleine Nummer in der NFL. Sie wurden ‘Aints (Negierung von Saints) genannt, die Losertruppe der NFL. Immer wieder gerüchtelte es von wegen Abwanderungswillen der Ownerfamilie Benson – und als Katrina schließlich am 29. August 2005 die Stadt und den symbolträchtigen Superdome verwüstete, muss Owner Tom Benson innerlich gejubelt haben.

Zumindest wirkte es auf Außenstehende so, denn Benson zögerte nicht lange und öffnete nur kurz nach dem Sturm die ersten Büros in San Antonio, ein paar hundert Kilometer weiter westlich in Texas. San Antonio bot den Alamodome, 1993 erbaut und quasi ohne Nutzung, und Millionen an Subventionen. Benson war den Avancen schon erlegen und machte aus seinem Wechselwillen auch keinen Hehl.

Es bedurfte des Einschreitens vom damaligen Commissioner Paul Tagliabue, der Benson zurückpfiff und zumindest auf ein Minimum an Scham appellierte. Die Saints bestritten die komplette Saison 2005 in fremden Stadien, teilweise in San Antonio, teilweise vor atemberaubend leeren Rängen im College-Stadion der Louisiana State University.

Benson war eine Hassfigur in New Orleans. Er wollte der ärmsten Stadt in den Vereinigten Staaten in der schwärzesten Stunde den Rücken kehren. Vergammelte Lebensmittelberge aus den im Wasser treibenden Kühlschränken der kaputten Häuser mitten in der Stadt wurden mit seinem Namen besprüht. Die Ungerechtigkeit stank zum Himmel. Benson und die Stadt konnten sich nicht mehr riechen.

Erst in mühseligen Verhandlungen über den ganzen Herbst konnte Benson zum Verbleib bewegt werden. Der Treiber war am Ende das Geld: Benson verzichtete auf keinen Cent der 185 Millionen Dollar Subventionen, die der Saints-Franchise vertraglich vom Staat Louisiana zustand – um wieviel sinnvoller das Geld hätte investiert werden können, ist leicht auszumalen, auch wenn es ein kleiner Betrag ist, wenn du eine Stadt für 400.000 Leute wieder aufbauen musst.

Am Ende blieb Benson. Der Superdome, während der stürmischen Tage notgedrungene Heimat tausender Obdachloser, war kurz nach Saisonstart wieder einsatzfähig. Die New Orleans Saints kehrten am 24. September 2006 zurück in ihre reparierte Heimatstätte. Die Mannschaft hatte im Vergleich zur katastrophalen Saison 2005 (3-13 Bilanz) ein völlig neues Gesicht.

Der neue Head Coach war Sean Payton, ein Protegé von Obermufti Bill Parcells, der noch jede Graupenfranchise nach oben gebracht hat. Der neue Quarterback war Drew Brees, in San Diego nach einer schweren Schulterverletzung entbehrlich geworden, nicht zuletzt, weil in Philip Rivers schon der Nachfolger bereit stand. Brees hätte eigentlich nach Miami gehen wollen, das mehr Geld bot – doch dann fiel er durch den Medizincheck und unterschrieb beim letzten verbleibenden Bieter New Orleans.

Der neue Runningback war Reggie Bush, der größte Superstar des damaligen College Footballs, ein Talent, das den Saints mit ihrem #2-Pick unverhofft in den Schoß fiel, weil die Houston Texans auf Bushs Gehaltsforderungen nicht eingehen wollten und ihn am Board ließen.

Das Comeback im Superdome gegen den Erzrivalen Atlanta Falcons verlief so märchenhaft wie man es sich nur in kitschigen Sportfilmen vorstellen kann:

Die Saints marschierten durch die Saison, die erst im NFC-Finale im Schneesturm von Chicago endete und schon war die Geschichte umgeschrieben: Die Saints als Hoffnungsschimmer, an die sich eine komplette Stadt in ihren schweren Zeiten klammerte.

New Orleans gewann 2009/10 die Super Bowl in einem spektakulären Spiel gegen die Indianapolis Colts – Happy End für einen sehr bizarren Abschnitt in der Geschichte der Franchise und der Stadt. Benson ist noch immer der Owner der Saints. Katrina bzw. der Erfolgslauf nach Katrina machte aus den Saints dann doch eine Marke, ein Symbol in der NFL – vergessen sind all der Groll und die Erinnerung an eine der unrühmlichen Franchise-Rettungsaktionen in der NFL-Geschichte.

One thought on “Katrina und die New Orleans Saints

  1. Danke für diese interessante Geschichte. V.a. diese „Relocation-Controversy“ war mir vorher noch nicht bewusst.
    Dieser Aufstieg durch Payton und Brees war schon sehr märchenhaft, aber wer holte die beiden eigentlich – GM Loomis?
    Und waren die leeren Ränge im LSU-Stadion Ausdruck der Fans, dass die Franchise in Louisiana ohnehin verloren war? Glaubte man damals gar nicht mehr dass die Saints in NO bleiben würden?

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