Robert Griffin III - Bild: Wikipedia

Murmeltiertag: RG3 | Timeline in den Abgrund

Die Gerüchte hatten sich verdichtet, seit gestern ist klar: Die Washington Redskins gehen mit Kirk Cousins in die Saison. Das bedeutet auch: Die große Hoffnung der Franchise, QB Robert Griffin III, wird mal wieder auf die Bank gesetzt – höchstwahrscheinlich zum letzten Mal.

Ich könnte keinen spektakuläreren Quarterback nennen, den ich im College Football bislang gesehen habe. Seit RG3 im September 2011 ein atemberaubendes Auftaktspiel gegen TCU gewonnen hat, war er nicht mehr bloß der Hürdensprinter, der vielleicht in London 2012 mitläuft, sondern ein veritabler Heisman-Kandidat. Griffin gewann sogar 2011 die Heisman Trophy – als stets lächelnder angehender neuer Superstar.

Im Scouting-Prozess schickte sich Griffin sogar an, das Jahrhunderttalent Andrew Luck vom #1-Pick zu stoßen. Greg Cosell war nur einer der Analysten, die in Griffin rein athletisch das größere Talent sahen. Cosell setzte RG3 in seinem persönlichen Mock Draft sogar vor Luck. Die Colts zogen trotzdem Luck an #1. Doch dahinter schienen die Washington Redskins den großen Wurf zu landen, indem sie sich in einem Monster-Trade an #2 einkauften um RG3 zu ziehen. Der Move galt als initiiert von Owner Dan Snyder höchstpersönlich, der mal wieder verzweifelt versuchte, das Schicksal der Franchise zum Guten zu wenden.

Der Rookie-QB Griffin war ein Komet, der heller glühte als alle anderen Sterne in jener berühmten 2012er-Saison, in der sich eine ganze Latte an jungen Quarterbacks anschickte, die Liga im Sturm zu erobern. Die Pistol-/read option Offense der Redskins verzauberte die Liga und spielte sich sensationell sogar in die Playoffs.

Was eigentlich ein Grund zum Feiern war, entpuppte sich im Nachhinein als Beginn vom Ende. Ein schwer angeschlagener Griffin wurde in jenem schicksalhaften Wildcard-Spiel gegen Seattle von seinem eigenen Trainerstab derart verantwortungslos ins Verderben gecoacht, dass man im Nachhinein nur vermuten kann was in Coaches Köpfchen vorgegangen ist. Dogfood von Allesaussersport fand in einem Einzeiler damals die richtigen Worte, die ich mich niemals trauen würde, hier abzudrucken.


Der Rest ist schnell erzählt und doch so schwer zu begreifen: Griffin war nach dem Kreuzbandriss nie mehr derselbe. So schnell Griffin zurück in die NFL wollte, so war es am Ende zu schnell. Der RG3 von 2013 war nicht der alte RG3. Er war zögerlich, hatte (verständliche) Angst vor dem großen Hit. Im Lauf der Saison wurde er vom eigenen Trainerstab enteiert und gebencht. Die Saison endete im Fiasko und der Shanaclan wurde gefeuert. Man konnte es drehen und wenden wie man wollte, die Entlassung schrie danach, dass entweder Quarterback oder Owner ihre Hände im Spiel hatten.

Immer breiter wucherten die Kritiken an Griffin, dem Plärrer, der sich auf dem Schoß des Owners ausweinte. Aber es gab noch Hoffnung. Washington stellte in Headcoach Jay Gruden für 2014 den Mann ein, der in Cincinnati Andy Dalton nach oben gecoacht hatte. Was anfangs wie ein guter Move aussah, sorgte für Groundhog Day in Washington: Griffin gegen Backup Cousins gegen third-stringer McCoy. Griffin landete erneut verletzt auf der Bank. Auch Cosell hatte mittlerweile eingesehen, dass RG3 die einfachsten Würfe verpasste.

Preseason 2015, und nach Monaten der Beteuerungen und Bekenntnisse pro RG3 entschlüpfte wieder das Murmeltier: RG3 auf die Bank, Cousins eingewechselt als neuem Starter. Es gibt eine Latte an Blogs, die zu beweisen versuchen, dass Griffin, das verhasste QB-Arschloch, von seiner eigenen Offensive Line im Stich gelassen wird, von seinem Coach zum Abschuss freigegeben, in Zeiten in denen die NFL verzweifelt versucht, Kopfverletzungen einzudämmen.

GM Scot McCloughan, ein knallharter Talent-Evaluator, galt stets als die treibende Kraft im Hintergrund, die RG3 eine letzte Chance geben wollte. Mit dem Benching scheint McCloughan eingelenkt zu haben.

McCloughan war auch der Mann, der RG3 im April die „Fifth-Year Tag“ gab, eine Klausel, die 1st-Rounder für ein 5tes Jahr in der Franchise bindet, für das Durchschnittsgehalt der besten zehn Quarterback. Der Clou an der Tag: Sie ist kein garantiertes Gehalt. Der Haken an der Sache: Sie ist für den Fall von Verletzungen garantiert. Im Prinzip ist sie mit dem Benching Griffins der Dolchstoß für RG3 in Washington. Wo du eh nicht mehr an ihn glaubst, kannst du ihn nicht mehr einsetzen – zu gefährlich für Verletzungen. Du kannst ihn prinzipiell nicht mal mehr trainieren lassen – ebenso zu gefährlich. Würde Snyder seinem Liebling Griffin einen Wunsch erfüllen, müsste er ihn feuern.


Das große Mysterium bleibt, wie ein Talent vom Schlage Griffins nach einer so grandiosen Einstands-Saison so schnell verheizt werden konnte. Als klar gilt, dass man ihm als Rookie eine angenehme Offense gebastelt hatte. Man sagte ihm stets ein großes Kämpferherz nach, zu einem Grad bei dem man den Mensch vor sich selbst schützen musste.

Unbestritten ist auch der Fakt, dass Griffin die Umstellung nach seinem Kreuzbandriss nicht gut tat. Und dennoch: Seither sind zwei Jahre vergangen, mit etlichen Kontroversen und Auswechslungen. Washington hatte schon in den 90er Jahren seine QB-Kontroverse, als das Publikum den hohen Draftpick Heath Shuler auf die Bank buhte weil man den 7th-Rounder Gus Frerotte sehen wollte.

Der Fall RG3 ist nicht einfach zu vergleichen. Offiziell bekam er seine Chancen, doch Shanahan wie Gruden ließen ihn extrem schnell fallen. Nach außen sagte Griffin nicht viel Falsches, abseits von ein paar Dingen wie ist nicht alles meine Schuld. Hat sich Shanahan so tief in Griffins Psyche eingefräst, dass er getrieben vom Wahnsinn, es Shanahan zu zeigen, vergaß, wo seine Kernaufgaben liegen?

Im Prinzip ist der Case-Study RG3 in Washington ein nicht zu lösender gordischer Knoten. Die Zeit wird zeigen, ob Griffin woanders noch einmal seine Chance bekommt, oder ob er wie einst Greg Cook in Cincinnati eine komplette Eintagsfliege bleibt – eine Randnotiz für Fragen zum Kaffeeklatsch („weißt du den QB der 2012 die Liga verzauberte?“), eine unerfüllte Sehnsucht.

7 thoughts on “Murmeltiertag: RG3 | Timeline in den Abgrund

  1. Schöne Übersicht zu einem an sich faszinierenden QB. Ich denke man kann RGIII aber nicht von aller Schuld befreien. Er mag nicht viel „falsches“ gesagt haben, aber er hat wohl niemals ( auch nicht intern) Fehler zugegeben und immer alles versucht latent auf seine Mitspieler bsp. OL zu schieben. Das wird dir in der NFL schnell übel genommen wenn die Leistungen und der Einsatz nicht stimmen. Gerüchteweise soll RGIII nicht den größten Arbeitseinsatz gezeigt haben in den letzten Jahren.

    Dennoch sehr sehr schade. Er hatte das Potenzial neuen Schwung in die NFL zu bringen, er war besser als Wilson oder Kaepernick, aber jetzt sehe ich nur noch wenige Orte die ihn retten können. Z.B. Chip Kelly oder New England. Obwohl, dass Kelly einen QB nimmt der sich offenbar nicht viel sagen lässt, glaube ich auch nicht…

  2. Und was wird jetzt aus RG3 gibts vielleicht Abnehmer,würde ihn gerne bei den Jaguars sehen,die dümpeln jede season von sich her denen würde ein QB wie RG3 gut tun.

  3. Griffin ist nicht der erste und wird nicht der letzte QB sein, der in der NFL verheizt wird.
    Ich frage mich, warum die Owner, die GMs, die Coaches immer wieder den gleichen Fehler machen und junge QBs sofort ins Feuer schicken. Lasst den Jungen doch erst einmal ein oder zwei Jahre Lehrzeit, bevor sie als Starter auflaufen. Ich mag es nicht nachvollziehen, warum man mit einem Investment dieser Größenordnung so fahrlässig umgehen kann.
    Ein Andrew Luck, der zügig Fuß in der Liga fasst, ist doch eher die Ausnahme als die Regel.

  4. @Carsten: Ich verstehe die Argumentation nicht ganz, gerade RG III war doch ein Paradebeispiel dafür wie man junge QB einlernen kann in 2012. Das Problem war doch viel mehr was ab der Verletzung vs. SEA passierte bzw. auch schon in den Wochen vorher… RG III ist einfach verletzungsanfällig und man warf ihn danach zu schnell wieder ins kalte Wasser möglicherweise sogar mit dem Ziel ihn kaputt zu machen.

  5. 1.) es soll natürlich „einer Investition in die Zukunft“ und nicht „Investment“ heißen. War wohl gestern Abend schon sehr spät für mich…
    2.) @Rice up: Für mich ist Griffin III (und ich mag mich da täuschen) das so häufig
    gehypte QB-Talent, dem nicht wirklich viel Zeit eingeräumt wird, um zu reifen. Nach seiner Verletzung wirkte es auf mich, als das die Redskins ihn haben einfach wieder spielen lassen, ohne dass er dafür bereit war. Ich glaube nicht, dass die Redskins das Ziel hatten, ihn gegen die Wand zu fahren. Ich sehe es mehr so, als das sie ihn im Stich gelassen haben. Nach schwachen Leistungen gebencht, dann wieder Starter usw. Ein solches hin und her tut keinen jungen QB gut und sorgt nicht gerade für Vertrauen.

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