NFL 2015: Überbleibsel von Woche 2

Recap der Spätschicht vom Sonntag.


Cowboys 20, Eagles 10. Brutale Vorstellung der Eagles, und „brutal“ ist kein Kompliment. Die Offense mit einer Horrorvorstellung, die schon früh in der Partie Buhrufe von den Rängen hervorriefen. Das Laufspiel um RB DeMarco Murray mit 17 Versuchen und 7 Yards Raumgewinn. In Worten: Sieben. Murray schloss den Tag mit 13 Versuchen für exakt 2 Yards ab. QB Bradford mit einem Graupentag, schönte seine Zahlen in der Garbage Time, und selbst dann sind 5.8 NY/A kein Ruhmesblatt.

Die Drives der Eagles: 3 Plays/Punt, 4/Punt, 3/Punt, 3/Punt, 3/Punt, 4/Blocked Kick zum Touchdown returniert, 3/Punt, 10/Interception, 8/Field Goal, 1/Fumble, 3/Interception, 11/Touchdown. Viel unterirdischer geht es nicht in der heutigen NFL, und es war keine Super-Defense, auf die man hier getroffen ist. Es waren die Dallas Cowboys, Kandidat für eine unterdurchschnittliche Defense. Letzte Woche waren es die Atlanta Falcons, schlechteste Defense von 2014… Eagles mit 3 Horror-Halbzeiten vs einer sehr guten nach zwei Spielen.

Hernach fokussierte sich Chip Kelly in der Pressekonferenz auch auf die schwache Offensive Line. Es waren nicht bloß die Guards, Barbre und Garner. Es war diesmal auch LT #71 Peters mit vielen verpassten einfachen Blocks. Es war auch C Kelce, der zur Krönung des Tages einen Snap versaute, der exzellente Feldposition mit einem Turnover zerstörte. WR Matthews mit unnötigen Drops. WR Austin mit einem einfachen Drop. QB Bradford mit einer üblen Interception in der Endzone.

Bei den Eagles hatte man vor der Saison zwei Gesichter erwarten können. 1) eine gewaltige Offensiv-Maschine, die die Liga revolutioniert. 2) einen Rohrkrepierer. Die Wetten stehen zum Stand heute eher auf letzterer Variante. Trotzdem ist noch nichts verloren. Andere Mannschaften haben schlechte Starts hingelegt und sich letztlich doch noch gut aus der Affäre gezogen.

Den Eagles kommt entgegen, dass die Konkurrenz in der eigenen Division nicht wirklich von Fortuna gesegnet ist. Giants mit zwei extrem knappen Pleiten. Washington nimmt keiner ernst. Und bei den Cowboys war nach der Partie auch keinem zum Feiern, denn QB Tony Romo fällt mit Schlüsselbeinbruch mehr als die halbe verbleibende Saison aus. Dallas muss sich also ohne Romo und WR Dez Bryant durchschleppen – auch Bryant fällt länger als erwartet aus, ca. 10-12 Wochen.


Jacksonville 23, Miami 20. Interessante Partie mit einem überraschenden, aber nicht unverdienten Sieger. Richten wir den Fokus aber mal kurz auf Miami, das sehr schwer in die Saison kommt. Miami deutete wie schon letzte Woche zwei immense Problemzonen an:

  • Völlige Abhängigkeit von QB Tannehill. Miami mit einem inexistenten Laufspiel (RB Miller 10 Runs/14yds) und äußerst wackeliger Offensive Line, in der LT Albert sich jede Woche mit einer anderen Verletzung plagt.
  • Mangelhafter Pass Rush. Eine der sichersten Wetten in der NFL ist, dass QB Bortles minimum viermal gesackt und siebenmal niedergeschlagen wird. Pro Spiel. Miami brachte mit seiner hochgelobten Defensive Front Seven keinen einzigen Sack zustande. DE Wake mit relativ wenig Einsatzzeit wegen Leistenproblemen. DT Suh nicht wirklich ein Faktor.

Dazu gesellte sich eine ungewöhnliche Strafen-Orgie der Dolphins mit 12 Flaggen für 112yds. Andere Mannschaften haben an diesem Spieltag ganz anders geschlampt, aber Miami ist eine traditionell eher disziplinierte Mannschaft. Das Personal-Foul gegen DE #50 Vernon in der Schlussphase ermöglichte den Jaguars letztlich sogar erst die Möglichkeit zum siegbringenden Kick.


Oakland 37, Baltimore 33. Die Partie wollen wir mal nicht in die Pipette hinein analysieren, aber: Trotz einer Flaggen-Orgie (zusammen 26 Penaltys für 215yds) war es eine äußerst ansehnliche, spannende Partie, die in beide Richtungen hätte enden können. Oakland ist es letztlich zu vergönnen, vor allem mit dem frenetischen Publikum im Hintergrund, ein Publikum, das solche Momente in den letzten Jahren selten hatte.

Beide Offenses bewegten die Ketten, wie man so schön sagt: Insgesamt je 11 Drives pro Team, und nur 4 Punts. Ravens-QB Flacco mit 8.5 NY/A, Raiders-QB Carr mit 7.5 NY/A. Carr ging häufiger tief als in der Vergangenheit gewohnt. Pass Rush der Ravens sieht nach dem Verlust von Terrell Suggs besorgniserregend aus.

Baltimore beendet den Trip zur AFC West 0-2. Das ist kein Beinbruch, vor allem wenn man das Zustandekommen der beiden Pleiten bedenkt. Trotzdem ist es kein idealer Start für einen der AFC-Favoriten, der nun in die Bredouille geraten könnte, auch im Angesicht der nicht schwachen Konkurrenz aus Pittsburgh, die schon mit einer Offense ohne RB Bell, WR Bryant und C Pouncey bislang über alles drüberfährt und eine schlechte Chancenverwertung in Foxboro davon entfernt ist, 2-0 zu sein.


Green Bay 27, Seattle 17. Mike McCarthy und 4th/1 an der Goal Line… ich wusste es. Diesmal ging es gut. In den Playoffs wird es schiefgehen.

9 thoughts on “NFL 2015: Überbleibsel von Woche 2

  1. “Mike McCarthy und 4th/1 an der Goal Line… ich wusste es.”
    Als ich mir das Match gestern in der Zusammenfassung angeschaut habe, wusste ich dass das korsakoff gefallen wird. NOT.😉

  2. Hab das Spiel hier in Wisconsin in einer Bar geschaut und ebenfalls sofort an diesen Blog denken müssen. Allerdings war es sinnlos meine amerikanischen Freunde davon zu überzeugen bei 4th and 1 an der Goal Line auszuspielen. Wenigstens haben sie mir zugestimmt, dass McCarthy einer der konservativsten Coaches der ganzen NFL ist.

  3. Ich habe das Gefühl das sehr viele Mannschaften auf der suche nach 2-3 guten O-Linern sind.
    Welche Mannschaften haben denn eine sinnvolle O-Line UND einen guten QB, außer New England? Alle Offenses von denen man viel erwartet hat scheitern bisher an der O-Line. Die Cowboys hatte beides sind jetzt aber den OB und WR1 los geworden.

  4. Fand den call von mmc in dieser situation auch vernünftig… Drei punkze kurz vor der halbzeit… Gb hat ja schon wieder an der goalline rumgeeiert

  5. GB – Call , mit Eddy Lacy hätten die Packers den 4. ausgespielt !!! ich denke aber auch das noch keine Notwendigkeit bestand , so gesehen nichts verkehrt gemacht !

  6. @blub

    Bei den O-Lines spielen Chemie, Zusammenspiel und Routine üblicherweise eine recht große Rolle. Dass es da am Anfang der Saison noch Probleme gibt ist normal. Es gibt natürlich Lines die einfach schlecht sind (*hust* Colts *hust*), aber bei vielen anderen Clubs muss sich das erst einpendeln, da würde ich nach 2 Spieltagen noch nicht zu viel reinlesen.

  7. Diesmal unterscheidet sich die Situation beim 4th and 1 doch ganz erheblich von den normalen Situationen. Man kann das fast komplett auf die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Conversion ggü. der Differenz der Punkteausbeite reduzieren. Anders als mitten im Spiel

    – Beenden False Start, Illegal Motion, Illegal Formation den Drive ohne Punkte, da 10 Seconds Runoff
    – Gibt es bei Defense PI, Holding, Illegal Contact nur einen neuen Versuch statt Vier (Wegen der Restzeit). Die Defense kann hier also riskanter spielen.
    – Hat man keine Chance auf Safety, gute Feldposition im nächsten Drive, etc., da Halbzeit ist.

    Die Packers haben in diesen Situationen über die letzten Jahre eine Erfolgsrate von ca. 40%. Die Seahawks Statistik habe ich nicht zur Hand, dürfte aber eher überdurchschnittlich schlecht für den Gegner liegen. In Verbindung mit den oben beschriebenen Abweichungen zu der normalen Situation ist die Entscheidung aus meiner Sicht durchaus okay.

    PS: Ich denke die Packers hätten es aber auch mitten im Spiel genau so gemacht.

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