Akademische Viertelstunde, Week 5: Chaos soweit das Auge blickt

Fünf Spieltage im College Football sind absolviert, und die Gültigkeit des Dauerbrenners ich weiß, dass ich nichts weiß wird immer offensichtlicher. Lasset uns einen Blick wagen auf die Situation in den einzelnen Conferences nach einem weiteren wilden Spieltag.

SEC

Sehr spektakuläre Ergebnisse in der SEC an diesem Wochenende: Gleich beide der Top 10 Teams verloren ihre Conference-Games. Das an #8 gerankte Georgia ging zuhause gegen das bislang an #13 gerankte Alabama mit 10-38 unter. Das Spiel war sogar noch klarer als der Endstand, und schon im dritten Viertel begannen die normalerweise fanatischen Fans der University of Georgia, das Sanford Stadium in Scharen zu verlassen:

Der Regen mag ein Faktor für den Massenexodus gewesen sein, aber sicherlich hat auch die enttäuschende Leistung der Bulldogs beigetragen. Auch Ole Miss kassierte eine hohe Pleite: Die an #3 gerankten Rebels gingen bei Florida ebenso mit 10-38 baden.

Damit haben wir nun völlig offene Stände in beiden Divisionen der SEC. Im sehr spannenden Westen sind nur noch Texas A&M und LSU ohne Niederlage. Alabama gilt in vielen Kreisen jetzt wieder als der Topfavorit, aber Alabama hat sein Schicksal nicht mehr in der Hand, muss auf einen weiteren Stolperer von Ole Miss hoffen. Niemand wäre überrascht, wenn der Sieger dieser Division am Ende zwei Niederlagen auf seinem Konto hat.

In der East Division sind die Florida Gators das einzige ungeschlagene Team. Georgia, Kentucky und Missouri haben jeweils eine Niederlage auf dem Konto, aber letzteren beiden traut niemand über den Weg. Tennessee und Vanderbilt haben schon zweimal verloren. Insofern läuft alles auf Gators oder Georgia Bulldogs hinaus. Das direkte Duell zwischen beiden findet wie immer am Halloween-Wochenende auf neutralem Feld in Jacksonville statt.

ACC

Mit Georgia Tech kann man den ersten Preseason-Favoriten in der ACC schon abschreiben: GT verlor die letzten drei Spielen hintereinander und hat somit auch einen 0-2 Record in der ACC. Aus diesem Loch wird GT nicht mehr herauskommen. Die einzige Hoffnung der Yellow Jackets ist das Mittelmaß, dem man in der Coastal Division begegnet: Virginia Tech verlor gegen Pitt gleich sein erstes Conference-Game, Duke und UNC sind beide nicht überzeugend (aber gegen beide hat GT schon verloren), und Miami scheint nach seiner Niederlage am Donnerstag auch noch nicht wiedererstarkt zu sein.

Vielleicht ist es sowieso egal, wer aus der Coastal Division das ACC Finale erreicht, denn in der Atlantic Division spielen die beiden haushohen Favoriten auf den ACC-Gewinn: Florida State und Clemson. Nach den bisherigen Eindrücken können wir die Auswahl vielleicht schon auf Clemson runterbrechen.

Die Tigers sehen nach ihrem 24-22 Sieg über Notre Dame wie das klar beste Team in der ACC aus. Clemson dominierte Notre Dame drei Viertel lang mit seiner überragenden Defensive Line und brauchte erst in einem wilden Schlussviertel etwas Beistand von oben um ungeschlagen zu bleiben. Wenn QB Deshaun Watson keinen Einbruch erlebt, wird Clemson am 7.11. ungeschlagen FSU empfangen.

Big Ten

Die #1 und #2 des Landes, Ohio State und Michigan State, feierten am Wochenende beide Pflichtsiege, aber beide konnten nicht überzeugen. Ohio State gewann nur mit 34-27 gegen Indiana, das lange Zeit geführt hatte. Michigan State ging zwar schnell 21-0 in Führung, weil Purdue einen Turnover nach dem anderen fabrizierte, aber am Ende gewannen die Spartans zuhause nur 24-21.

Beide sind nun 5-0 und weiterhin in der Führungsposition auf den Gewinn der East-Division. Aber Achtung: Im Hintergrund lauern die Michigan Wolverines, deren einzige Niederlage bislang gegen Utah kam. Michigan würgte am Wochenende Maryland 28-0 ab. Der Spielstand war dabei lange knapp: 6-0, obwohl Maryland überhaupt keinen Stich machte. Erst in der Schlussphase zog Michigan davon.

Die Experten streiten sich nun, ob Michigan mit seiner extrem starken Verteidigung ein Kandidat für den Gewinn der Big Ten ist oder ob es mit seiner langweiligen Offense in diesem Jahr doch „nur“ eine Gefahr für ein Upset gegen eines der beiden Top-Teams in der Big Ten ist.

Wer auch immer aus der East-Division in das Conference-Finale zieht, er wird auf einen überraschenden Gegner treffen. Alle drei der Preseason-Favoriten in der West-Division kassierten zum Auftakt der Conference-Saison eine Pleite: Wisconsin (6-10 gegen Iowa), Minnesota (0-27 gegen Northwestern) und Nebraska (13-14 gegen Illinois). Weil das alles Niederlagen gegen bestenfalls durchschnittliche Teams waren, erwartet niemand, dass einer der diesem Trio plötzlich den ganz großen Durchbruch schafft.

Das Zünglein an der Waage könnten also die kleinen Northwestern Wildcats sein, die bis dato wie das klar beste Team aussehen: 5-0 Record, ein Punkteverhältnis von 127-35 und eine der besten Defenses im Lande. Northwestern gewann in Woche 1 zum Beispiel gegen Stanford mit 16-6. Damals schrien alle: Stanford hat eine üble Offense. Seither legt Stanford aber in schöner Regelmäßigkeit über 40 Punkte auf das Tablett. Northwestern ist also möglicherweise for real.

Pac-12

Blankes Chaos in der Süd-Division nach den Ergebnissen vom Wochenende: Arizona State gewann deutlich gegen UCLA mit 38-23 und hielt UCLA dabei auf 3-14 bei Third Downs. Diesen einen Play kann man ganz gut für die Kräfteverhältnisse am Samstag herzeigen:

UCLA, Liebling aller Pundits nach den ersten Wochen, ist damit vorerst gestrandet. Somit gibt es nach nur zwei Conference-Wochenenden nur noch ein einziges ungeschlagenes Team im Süden: Utah (das erst ein Conference-Spiel absolviert hat).

Utah wird am kommenden Wochenende gegen die Überraschungsmannschaft Cal spielen. Das Spiel erregt in den US-Medien so viel Aufmerksamkeit, dass ESPN seinen College Gameday auf den Campus von Utah gelegt hat: Eine hohe Auszeichnung für zwei sonst eher übersehene Teams.

Cal ist 5-0 und das einzige ungeschlagene Team der North-Division. Wie gut die Golden Bears sind, traut sich aber auch noch niemand zu sagen: Am Samstag wurde Washington State nur vergleichsweise knapp mit 34-28 geschlagen. Man verlässt sich sehr auf die lichten Momente von QB Jared Goff. Der Schedule ist bisher ab so-so: Grambling, San Diego State, Texas (mit 1 Punkt gewonnen), Washington (mit 6 Punkten), Washington State (ebenso mit 6).

Für viele ist mittlerweile Stanford der große Favorit in der Pac-12: Die Cardinal haben in der Conference einen 3-0 Record mit überzeugenden Ergebnissen: UCF mit 24 geschlagen, USC mit 10, Oregon State mit 18, Arizona mit 38. Der Blinker ist die 6-16 Auftaktpleite bei Northwestern, aber vielleicht ist Northwestern eines der stärksten Teams im College Football.

Stanford fuhr gewaltig über Arizona drüber: 55-17. Und das ohne Turnovers von Arizona zu kreieren oder sonstige punktsteigernde Maßnahmen. Es war ganz schlicht eine Monster-Leistung der Offense: 570 Yards, 30 First Downs, 7-11 in Third Downs. Besser geht nicht. Stanford hat nun eine spielfreie Woche, ehe man am 16.10. gegen UCLA spielt – zuhause. Im November sieht man dann auch noch Oregon, ebenso zuhause. Oregon leckte dieses Wochenende mit 41-24 gegen Colorado seine Wunden.

Big 12

Die Big 12 ist ein Rennen, das zwischen drei Teams entschieden wird: Baylor, TCU und Oklahoma. Darin sind sich nach den ersten Wochen alle einig. Zwar hat auch Oklahoma State noch keine Conference-Niederlage eingefahren, aber ein glückliches 30-27 gegen Texas und ein 36-34 gegen Kansas State sind nicht unbedingt Confidence Builder, wie man im amerikanischen so schön sagt.

Baylor bisher mit der meisten Überzeugung: 255 Punkte aus vier Spielen erzielt. Nach drei Auftaktpartien über unterklassige Teams am Samstag ein 63-35 gegen Texas Tech, das eine Woche zuvor noch TCU so große Schwierigkeiten bereitet hatte.

TCU eine Woche nach dem glücklichen Sieg über Texas Tech mit einem 50-7 über Texas. Es war ein Spiel, in dem der Endstand nicht annähernd die Deutlichkeit widerspiegelte. TCU führte nach einem Viertel mit 30-0 und über 250 Passing Yards. In der ersten Halbzeit hatte TCU 8 Minuten Ballbesitz und erzielte 37 Punkte. Hätten die Frogs ihren Stiefel bis zum Ende durchgezogen, wäre es dreistellig geworden.

Oklahoma hat im Quervergleich mit TCU und Baylor den bislang besten Sieg gegen den besten Gegner vorzuweisen: 44-24 über West Virginia am Samstag. Es war ein lange Zeit offenes Spiel, in dem die Referees regierten (sage und schreibe 23 Penaltys für 245 Yards). West Virginia mit recht ordentlicher Defense-Leistung, aber 5 Turnover in der Offense. Bei Oklahoma kann man sich zusätzlich zum Sieg an der guten Vorstellung von QB Baker Mayfield und der Pass-Defense (gegen die Air Raid Offense von WVU nur 173 Yards und 3 INT zugelassen) aufgeilen.

Die AP Top 25 nach Woche 5

Chronistenpflicht: Hier noch die Liste des AP Rankings nach Woche 5. Um SRS und dergleichen kümmern wir uns erst nächste Woche. Beschwerden bitte an korsakoff, dessen Berechnung nicht rechtzeitig eingetrudelt ist.

#1 Ohio State (5-0)
#2 TCU (5-0)
#3 Baylor (4-0)
#4 Michigan State (4-0)
#5 Utah (4-0)
#6 Clemson (4-0)
#7 Louisiana State (4-0)
#8 Alabama (4-1)
#9 Texas A&M (5-0)
#10 Oklahoma (4-0)
#11 Florida (5-0)
#12 Florida State (4-0)
#13 Northwestern (5-0)
#14 Ole Miss (4-1)
#15 Notre Dame (4-1)
#16 Stanford (4-1)
#17 Southern Cal (3-1)
#18 Michigan (4-1)
#19 Georgia (4-1)
#20 UCLA (4-1)
#21 Oklahoma State (5-0)
#22 Iowa (5-0)
#23 Cal (5-0)
#24 Toledo (4-0)
#25 Boise State (4-1)

6 thoughts on “Akademische Viertelstunde, Week 5: Chaos soweit das Auge blickt

  1. Danke, Seminole ,,,da werd ich doch gleich mal die Wildcats vs. Wolverines vor merken. Northwestern hatte ich noch nicht auf dem Radar der bisher verfolgten Spiele.
    Michigan schon gegen Utah, wobei die letztgenannten bisher einen guten Eindruck hinter ließen.

  2. Woran liegt es bei den Wolverines, dass die Defense so gut steht? Ist das nur das Scheme? Denn von richtig hohen Draft-Prospects aus Michigan habe ich jetzt noch nichts gehört.

  3. Welche College Spiele der letzten Woche sollte man unbedingt noch mal sehen? Ich habe die Saison bisher noch nicht verfolgt. TCU – Texas Tech habe ich mir schon vorgenommen. Welche Partien muss man noch gesehen haben?

  4. Auswahl aus der Hitliste:

    Woche 1: BYU-Nebraska
    Woche 2: Michigan State-Oregon, BYU-Boise State
    Woche 3: Alabama-Ole Miss, Stanford-USC
    Woche 4: TCU-Texas Tech, Oregon-Utah
    Woche 5: Florida-Ole Miss, Alabama-Georgia, Oklahoma State-Kansas State

    fallen mir spontan ein bzgl. Spannung oder herausragende Ergebnisse.

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