Das Date am Donnerstag, das könnte romantischer sein: Houston Texans – Indianapolis Colts | NFL 2015, Week 5 Preview

Donnerstagsspiel der NFL heute Nacht, ab 2h30 live bei SPOX.com, SPORT1 US und im Gamepass: Houston Texans (1-3) vs Indianapolis Colts (2-2) um die Führung in der schwächsten Division der NFL, der AFC South.

Für den Wohlfühleffekt im Vorfeld dieser Partie sorgt die Heimkehr von WR Andre Johnson nach Houston. Johnson war für 12 Jahre der Superstar der Texans mit über 1000 Catches, über 13.500yds und 7 Pro Bowls für Houston. Im Prinzip ist Johnson damit ein Hall of Famer, auch wenn der stille Mann in einer der gesichtslosesten Franchises ganz leise versauerte. Johnson wechselte in der vergangenen Offseason nach Indianapolis.

Dort erlebt Johnson gerade, was es heißt, in einer „richtigen“ Franchise mit einem ungeduldigen Owner und allen Grabenkämpfen im Front Office aktiv zu sein. Die Colts, seit Jahren ein Glückskind der NFL-Spielplangestalter, fühlten sich nach mehreren Playoff-Besuchen und einer weiteren großen Einkaufstour bereit für den großen Durchbruch und die erste Superbowl-Qualifikation in der Ära der QB-Hoffnung Andrew Luck.


Indianapolis war ein trendiger Superbowl-Pick. Ich rankte die Colts an #6 meiner Hitliste, wengier wegen der Stärke der Mannschaft (ich bin Colts-Skeptiker), dafür mehr wegen der absurd schwachen AFC South, die quasi im Alleingang für sechs Colts-Siege sorgt.

Skepsis kennt man in Indianapolis keine. Owner Irsay erwartet schnelle Triumphe und geilt sich an den großen Sprüchen und fetten Verträgen seines GMs Ryan Grigson auf. Grigson, einer der schlechtesten General Manager der NFL, der aber das Glück hatte, Luck zu draften, zettelte schon vor Monaten einen Machtkampf mit Head Coach Chuck Pagano an.

Grigson konnte Pagano vor drei Jahren nach dessen Krebserkrankung nicht feuern, schikaniert seinen Coach seither aber regelmäßig nach allen Regeln der Kunst: Grigson bestimmt im Alleingang und ohne Absprache die Einkäufe, Grigson verpflichtet die Coaches, Grigson mischt sich ins PlayCalling und die Aufstellungen ein. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Pagano vor zwei Jahren den in Cleveland gefeuerten Rob Chudzinski als OffCoord einstellen wollte. Grigson lächelte müde und griff zu Stanfords OffCoord Pep Hamilton, Lucks altem College-Coach. Hamilton musste erst letzte Woche schluckend zugeben, überfordert mit der NFL zu sein.

In diesem giftigen Klima kam der schwache Start der Colts für alle Beteiligten grade recht. Pagano konnte mit dem Finger auf die überforderte Offense Line verweisen, die es schaffte, QB Luck nach drei Jahren mit jeweils über 100 Hits gegen den QB endgültig auszuknocken (Luck verpasste am Sonntag sein erstes Spiel). Grigson und Irsay treiben Pagano derweil munter durch die Gasse, indem sich Coach-Ultimatum und Job-Garantie wöchentlich abwechseln.

Am Sonntag feierte Indianapolis immerhin seinen 2ten Saisonsieg, selbst ohne Luck. Glücklich war hernach niemand: Gegen ein indisponiertes Jacksonville wurde nur dank etlicher Fehlkicks beim Gegner 16-13 in der Overtime gewonnen. Ein Sieg der Kategorie „schmutzig“. Aber ein Sieg. Der 15te in Serie für die Colts gegen die eigene Division. Damit wurde ein NFL-Rekord eingestellt. Gewinnt man heute zum 16ten Mal, ist man alleiniger Serienrekordhalter in der National Football League.


Der Gegner könnte in keiner schlechteren Verfassung anreisen: Die Houston Texans sind 1-3 und wurden am Sonntag in Atlanta 21-42 abgeschlachtet. Das Endergebnis wurde noch schöngespielt durch drei Touchdowns en suite in der Garbage-Time, die zirka Mitte des zweiten Viertels begann.

Die Texans-Defense ist schnell beschrieben: Watt gegen elf. Die Texans-Offense ist ebenso schnell beschrieben: Quarterback wechsle dich. Eine QB-Controversy ist selten ein gutes Zeichen, aber wenn deine Quarterbacks Mallett und Hoyer in der ersten Halbzeit (also dann, wenn die Defense noch Lust hat) weit unter 5 NY/A und kein 50% Completions zustande bringen, sind Hopfen und Malz häufig verloren.

Die Texans-Offense hat keine Mittel. Ein Beispiel: WR #10 Nuk Hopkins wurde in vier Partien bereits 60x (!) angespielt. Dabei 32 Catches, die meisten bei Rückstand über -14 Punkten. RB Foster nach überstandener Leistenverletzung noch nicht wirklich in fittem Zustand. Mehr Waffen gibt es momentan nicht.

Head Coach Bill O’Brien kriegt für die bislang verheerenden Vorstellungen relativ wenig auf die Fresse. Das meinte ich oben mit Unterschied zwischen Texans und Colts: In Indianapolis gäbe es bei vergleichbar unansehnlichen Vorstellungen mindestens einen eingeschlagenen Kopf. Wie lange O’Brien noch unberührt von der Kritik bleibt, ist schwer abzuschätzen. Die Wetten, dass der Spießrutenlauf bei unveränderten Vorstellungen in Kürze auch in Houston losgeht, stehen gut. Den NFL-Mechanismen kann sich auch das ruhigste Umfeld nur schwer entziehen.

Das Power-Ranking sieht die Texans heute als Favoriten. Das widerspricht der Intuition. Watt (OK, und Clowney) werden gegen diese Offense Line zirka fünf Sacks und acht QB-Hits landen, aber sonst ist Houston ein nahezu perfektes Matchup für selbst einen halbfitten Luck und seine Pass-Armada: Null Run-Defense, suspekte Deckung, keine Gefahr im Pass-Spiel. Indianapolis mit 7.

22 thoughts on “Das Date am Donnerstag, das könnte romantischer sein: Houston Texans – Indianapolis Colts | NFL 2015, Week 5 Preview

  1. 2 Gründe sich das Spiel anzuschauen , JJ Watt + hoffentlich Björn Werner , der hat immerhin schon 6,5 Sacks , soviel wie JJ heute Nacht mindestens macht , aber Werner hat sie halt bis jetzt in seiner gesamten NFL-Karriere gemacht😦 !

  2. Wenn Foster fit wäre, würde ich den Texans ein paar Punkte zutrauen. Immerhin haben die Colts eine desaströse Run-D. Aber das wird man dann spätestens gegen die Patriots wieder sehen, wenn Blount gefühlt 17.000 Yards laufen darf.

  3. Werner fällt aus. Ich glaube auch nicht dran, dass sich die Texans von der Klatsche bereits erholt haben. Ich denke, dass Luck spielen wird. Sie haben kaum eine andere Wahl, da Hasselback ebenfalls Questionable ist.

  4. Ich habe wenig Hoffnung für meine Texans. Ein wenig Hoffnung, weil ich das Desaster gegen Atlanta nochmal gesehen und man die desaströse Defense-Leistung auf eine Handvoll Big Plays und dämliche Penaltys on 3rd Down reduzieren kann (spricht für mentale Probleme, nicht für mangeldes Talent). Ein wenig Hoffnung, weil die Colts genau das nicht haben, was für Atlanta das Spiel gewonnen hat (ein explosoves Running-Game, eine dominante O-Line und, sollte Davis ausfallen, einen starken Corner, der Hopkins aus dem Spiel nimmt). Ein wenig Hoffnung, weil die Texans bei Not gegen Elend Heimvorteil hat. Ich hoffe auf einen Sieg der Texans mit 3.

  5. Wilfork wiegt inzwischen circa 400 Pfund. Er sieht zumindest so aus. Und Louis Nix (2. Round 2014) macht auch nix.

    Jetzt stellt euch mal Mack und Carr in diesem Team vor…

  6. Und das „QB-wechsel-dich“-Spiel ging mal wieder in die nächste Runde. Langsam wird es einfach nur lächerlich.

  7. korsakoff, der Hellseher😉
    Zum Spiel: Diese Division ist eine Beleidigung für den Football-Sport. Wenn ein Matt Hasselbeck so aufspielen darf, läuft etwas mächtig schief.

  8. @airja: Stimmt, in Runde 2 haben sie den Guard, der nichts reißt, gedraftet.

    Bin Extrem davon enttäuscht, wie BOB die QB’s verwaltet. Jetzt habt keiner mehr Selbstbewusstsein.

    Hat eigentlich noch jemand das permanente unbestrafte Holding der Colts-O-Line gesehen? So extrem habe ich das kaum mal bemerkt.

  9. Hasselbeck ist meiner Meinung nach einer der besten backup Quarterbacks aktuell. Den kann man mal bringen, wenn man den Franchise Quarterback den Rücken frei halten muss. Bei den Texans war bezeichnend, dass sie sich konsequent personal fouls oder andere unnötige penaltys eingehandelt haben, wenns wichtig wurde.

  10. Ich glaube mehr muss man zum 2014 draft nicht sagen. Obwohl da gibts ja noch Teddy Bridgewater, der eben nicht bei den texans franchise qb wird…

    Der umgang mit der qb frage ist eher ne katastrophe als unglücklich. Wobei o brien für den wechsel gestern nichts konnte, mallett konnte ja kaum stehen nach dem hit. hoyer hat sich dann selbst aufgestellt, als er das feld runtermaschiert und die ersten punkte bringt

  11. Glaube, dass es nichtmal spannend geworden wäre, wenn Mallett gestern durchgespielt hätte. Hoyer wirkte gestern fast schon wie nen upgrade.

  12. was viel mir auf ?! wat wa mit jj Watt , sauber gespielt von den Colts , Watt fast immer gedoppelt , er war kein Faktor im Spiel ( wie B.Werner , aber der hat ja auch nicht gespielt) , so aber da müssen dann doch wo anders die Lücken sein und was macht man da , man Blitz aus allen rohren vor allem LB aber das hat der DC der Texans dann doch verpennt ( zu unflexibel?) . Die Texans noch dazu undiszipliniert , immer wieder unnötige und dumme Strafen ! Bitter für Mallet erst fängt Forster einen ganz wichtigen und einfachen Pass nicht und dann dieser brutale Hit mit dem Helm , Hoyer übernahm das Kommando , sein Licht ging an , bis , zum letzten Drive , da wurde es ausgepustet und wirft wieder die Frage auf , wer soll es wieder zum brennen bringen ? Aber das die Texans auch gute Spieler hatten , hat man auf der anderen Seite gesehen , Hasselbeck und Johnson haben es ihren alten Kollegen gezeigt ! ( Frage an das Management der Texans , was ist schief gelaufen ?) Eine ganz bittere Niederlage , die Colts jetzt mit 2 vorne , obwohl da ja schon einige Rentner spielen😉

  13. eine Frage noch an unsere Profi-Experten , wie hoch ist den die Chance das ein eigener Spieler eine Hail Mary fängt , statistisch , ich sehe ja nur die Übertragungen im deutschen fernsehen Sport+Maxx und kann mich spontan nicht an sowas erinnern , da waren ja gefühlt 11 Gegner um den Texaner und er fängt und kontrolliert das ei . Dürfte eigentlich nicht passieren klarer Fehler der Defens ?!

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