Sonntagsvorschauer 2015/16, Week 5

Der große Sonntagsvorschauer auf Woche 5 der NFL-Saison 2015/16, die uns zur besten Sendezeit am Abend eines der absoluten Spitzenspiele der NFL-Saison serviert.

Frühschicht um 19h

Alle Spiele des Tages wie immer live im kostenpflichtigen NFL Gamepass.

  • Philadelphia Eagles – New Orleans Saints
  • Kansas City Chiefs – Chicago Bears
  • Cincinnati Bengals – Seattle Seahawks (P7 Maxx)
  • Atlanta Falcons – Washington Redskins
  • Tampa Bay Buccaneers – Jacksonville Jaguars
  • Baltimore Ravens – Cleveland Browns
  • Tennessee Titans – Buffalo Bills
  • Green Bay Packers – St Louis Rams

Das P7 Maxx Topspiel ist wie erwartet Cincinnati Bengals (4-0) – Seattle Seahawks (2-2). Für beide Teams ist es ein extrem wichtiges Spiel. Nimmst du Seattle, kannst du gar nicht abschätzen wie wichtig der knappe Sieg gegen Detroit am vergangenen Montag war, denn stell dir vor, die Seahawks müssen heute mit einem 1-3 Record beim vermeintlich bislang besten Team des Jahres antreten! Bei den Bengals liegt der große Knackpunkt mehr in der Natur der Reputation: Seattle ist bei allen aktuellen Problemen noch immer ein „großer“ Name. Wenn Cincinnati heute strauchelt, gehen die Lästereien über die nervenschwachen Bengals wieder los.

Eine der großen Geschichten des Jahres bislang war die Performance von Bengals-QB Andy Dalton (10.0 NY/A, 9 TD, 1 INT). Dalton hatte schon in der Vergangenheit immer wieder ordentliche Serien, aber zum Saisonstart fallen diese natürlich mehr auf. Diese Offense ist aber mehr als Dalton.

Im Prinzip beginnt in Cincinnati alles mit der extrem kohärent wirkenden Offensive Line, hinter der OffCoord Hue Jackson mehr oder weniger problemlos ein effizientes Laufspiel über RB #32 Hill und RB #25 Bernard durchgedrückt bekommt. Der wuchtige Hill und der wendigere Bernard ergänzen sich dann auch noch prima und sorgen für entsprechende Geschwindigkeitswechsel.

Superstar ist natürlich WR #18 AJ Green, der die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht und der gefährlichste der deep threats in Cincinnati ist. Green ist in Hochform und kaum zu decken. Aber mindestens ebenso wertvoll ist die Genesung von WR #12 Marv Jones und TE #85 Eifert: Beide gewinnen dir nicht im Alleingang die 1-vs-1, aber beide sind in Kombination mit Green mehr als glaubwürdige Waffen für die Zonen zwischen 10 und 20yds jenseits der Anspiellinie.

Cincinnati arbeitet relativ stark mit Motions und gewinnt dadurch immer wieder auf der tödlichen Seam-Route. Hier werden Seattles Linebackers und Safetys am heutigen Tag gefordert sein. Vor allem #54 Wagner und #29 Thomas müssen ein großes Spiel abliefern, andernfalls wird der Höhenflug der Bengals anhalten.

Auch auf der anderen Seite des Balles ist die Offensive Line der Start einer Entwicklung – allerdings keiner guten Entwicklung: Seattles Offense Line ist noch schlechter als erwartet aus den Startlöchern gekommen und wurde nicht zuletzt von St Louis und Detroit komplett in ihre Einzelteile zerlegt. Was QB Russell Wilson an Scrambles und Improvisationstalent beweisen muss, geht eigentlich auf keine Kuhhaut mehr. Wo Detroit letzte Woche vor allem über die Flanken dominierte, sieht man heute in DT #97 Geno Atkins den vermutlich besten inside-Pass Rusher der NFL.

Auch das Laufspiel krankt. Seattle lebte die letzten Jahre auch davon, dass RB Lynch mehrere Dutzend Tackles pro Spiel zu brechen schien, aber Lynch ist in diesem Jahr verletzungsbedingt nur noch ein Schatten seiner selbst und wird heute zum zweiten Mal en suite ausfallen. Er wird durch Backup-RB Rawls und den 34jährigen Fred Jackson ersetzt. Cincinnatis Run-Defense ist über die Mitte schlagbar, aber es wird wieder viel Russell Wilson in dessen Geburtsstadt brauchen, wenn Seattle hier die Trendwende schaffen möchte.


Seattle ist übrigens diese Saison ein von drei Mannschaften noch ohne Interception durch die Defense. Eine der anderen beiden Mannschaften ist New Orleans (1-3), das Team mit der schlechtesten Defense des Jahres: 8.8 NY/A pro Passspielzug kassieren die Saints, die heute nach Philadelphia (1-3) müssen. Eagles gegen Saints könnte eines der Premium-Matchups der NFL sein, aber weil die Saints eine fürchterliche Defense und die Eagles eine extrem enttäuschende Offense durchschleppen, ist hier eher Katastrophentourismus angesagt als Punkt-Feuerwerk.

Die dritte Mannschaft ohne INT: Washington (2-2). Die Redskins müssen heute nach Atlanta (4-0), zum Wiedersehen mit Falcons-OffCoord Kyle Shanahan. Shanahan fährt mit den Falcons in den ersten Wochen eine sehr harmonische Offense auf, die vom Superstar-WR Julio Jones und einem effizienten Laufspiel lebt.

Weiters: Baltimore und Kansas City (jeweils 1-3) mit der großen Chance auf den jeweils zweiten Saisonsieg gegen Cleveland respektive Chicago. Tampa gegen Jacksonville als Kellerduell der Liga (beide 1-3). Green Bay (4-0) und QB Rodgers gegen den gefürchteten Passrush der Rams (2-2). Und Titans-QB Mariota mit seiner bislang härtesten Prüfung gegen die Defense von Rex Ryan und seinen Bills.

Spätschicht ab 22h

  • Detroit Lions – Arizona Cardinals (22h05)
  • Dallas Cowboys – New England Patriots (22h25, P7 Maxx, PULS4)
  • Oakland Raiders – Denver Broncos (22h25)

Die klingendste Partie der Spätschicht ist natürlich Dallas Cowboys (2-2) vs New England Patriots (3-0). Dallas verlor beide Partien „post Romo“ und muss aufpassen, nicht in einen Negativ-Strudel gerissen zu werden. New England scheint mal wieder sämtliche möglichen Knackpunkte (unerfahrene Offense Line, ausgeblutete Secondary) mit links wegzustecken und marschiert in der AFC East schon wieder vorneweg.

Hoffnungsschimmer für Dallas ist die Rückkehr von DE Greg Hardy nach seiner mehr als einjährigen Absenz wegen häuslicher Gewalt. Hardy wird heute zugejubelt werden, aber im Prinzip ist seine Rückkehr mehr als problematisch. Nicht, weil ein Sünder keine zweite Chance bekommen sollte. Sondern, weil ein nicht reuefähiger Sünder wie Hardy eine zweite Chance bekommt.

„Arschloch“ ist die Vokabel, die einem angesichts der makabren Witze Hardys durch den Kopf geht. Hoffnung im Sinne der Gerechtigkeit ist die Aussicht auf einen Blowout durch Brady und Konsorten mit null Hardy-Sacks.

Bei Detroit (0-4) gegen Arizona (3-1) ist abzuwarten, wie sich die Lions-Offense gegen die nächste starke Defense präsentiert. Alles über 1.5yds/Carry dürfte als Erfolg einzustufen sein. Arizona seinerseits betreibt Reha nach der überflüssigen Niederlage gegen St Louis, als die Cardinals Dutzende Chancen auf den Sieg ausließen.

Oakland (2-2) gegen Denver (4-0) könnte angesichts der anhaltenden Offense-Probleme bei den Broncos ein ganz interessanter Kick werden. Spannend wird auch sein, inwiefern die Raiders-Offense um QB Carr und WR Cooper durch die bislang extrem dominante Broncos-Defense in ein neues Licht gerückt wird.

Nachtschicht

  • New York Giants – San Francisco 49ers (2h30, SPOX.com, SPORT1 US)

Rückkehr des tauben Knies. Giants und 49ers sind zwei Franchises mit einer sehr langen Playoff-Historie in direkten Duellen, auch über das verstörende NFC-Finale 2011/12 hinaus. New York erwies sich in den letzten Jahren als stetiges one hit wonder: Selten für die Playoffs qualifiziert, aber wenn, dann richtig: Super Bowl 2007. Superbowl 2011. Superbowl 2015???

So weit denkt natürlich noch niemand, aber die Giants stehen bei 2-2 Siegen, und mit etwas Glück (-1 vs Dallas, -4 vs Atlanta) könnte es auch ein 4-0 Record sein. Und weiter: Mit heute San Francisco, @Philadelphia, vs Dallas (ohne Romo), @Saints und @Tampa Bay wartet ein mehr als machbarer Schedule auf die Giants, bevor es am 15.11. gegen New England (!) geht.

San Francisco (1-3) dürfte jedenfalls ein gutes Matchup sein: Die 49ers brauchen händeringend gutes Laufspiel um ihre Offense einigermaßen in Gang zu bekommen, aber die größte Stärke der Giants ist Abwürgen von Laufspiel. Wenn QB Kaepernick die Offense allein in die Hände gelegt werden muss, könnte das wieder in einer Orgie an Incompletions und Interceptions enden.

6 thoughts on “Sonntagsvorschauer 2015/16, Week 5

  1. Ich würde gerne mal eine Frage anbringen, welche die netten und kompetenten Leute hier im Blog mir hoffentlich beantworten können: Vor kurzem hat bereits Korsakoff mit seinem Post “System Quarterback“ dieses Thema angeschnitten. RG3 (um den geht es primär) und Caep gelten ja als System QB’s, die mit einer Spread Offense große Erfolge hatten. Meine Frage ist nun, warum genau die beiden mit der Spread Offense so viel besser waren als mit einer Pro-Style Offense? Und auch was genau der pikante Unterschied zwischen den beiden Systemen ist? Ich weiß lediglich, dass bei der Spread-O die Skill-Positionen weiter auseinander stehen, der QB meist in der Shotgun steht und es hier eher darum geht, mit “keineren“ WR’s den Gegner schlicht davonzulaufen anstatt mit großen WR’s die gegnerischen DB’s über den Haufen zu laufen

    Danke im Voraus für die Hilfe🙂
    MfG.

  2. @Dave: Die Beantwortung der Frage würde den Rahmen sprengen, deshalb hier nur kurz.

    Gerade bei RG3 und Kaepernick hat man zu Beginn ihrer Profi-Karrieren versucht, ihren Stärken entgegenzukommen und den Quarterback auch als Waffe im Laufspiel einzusetzen. Allein die Bedrohung durch einen QB-Lauf wurde als Waffe implementiert.
    Das birgt natürlich Gesundheitsrisiken, und bei jedem Snap kannst du auch nicht laufen, weil sich Defenses ganz gut darauf einstellen können.
    Es hat sich in der NFL immer wieder gezeigt, dass sich Quarterbacks auf Dauer nur durchsetzen, wenn sie eine Defense in erster Linie mit dem Passspiel schlagen können. Dazu braucht es Präzision, einen gewissen Grad an Schärfe im Wurfarm und vor allem Wissen um die Intentionen der Defense.

    RG3 und Kaepernick sind nicht die ersten, die zunächst als Lauf-Wunder eingesetzt wurden. Aber zeitlebens ist in der NFL immer versucht worden, auch diese QBs mittelfristig vor allem als Waffen in der Pocket aufzubauen. Ein McNabb oder ein McNair waren immer mobiles QBs, aber sie sind erst zu „Elite-QB“ geworden, als sie gelernt hatten, primär aus der Pocket zu operieren. Ein Vick zum Beispiel hat es nie gelernt und war dadurch auch nur punktuell erfolgreich.

    Selbiges nun bei Kaepernick oder RG3. Sie müssen lernen, Defenses zu lesen und ihr Spiel aus der Pocket heraus zu gestalten. Was nicht automatisch heißt, dass die Laufspiel-Komponente unbedingt ganz verschwinden muss.

  3. Pingback: NFL 2015/16, Week 5: Frühschicht im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  4. @ Korsakoff Vielen Dank für die Erläuterung :)! Hab mir auch schon bei footballoutsiders ein wenig was durchgelesen, um das Verständnis zu verbessern.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s