Akademische Viertelstunde 2015, Week 6

Heute mal aus gegebenen Gründen eine Akademische Viertelstunde mit nur wenig SEC, dafür aber mit der Rückkehr des SRS, des Simple Ranking Systems, unserem Lieblings-Instrument beim Quervergleich von Mannschaften im College Football.

Big Ten

Die Michigan Wolverines bleiben die große Geschichte in dieser Saison. Am Samstag gewann das Team von Jim Harbaugh mit 38-0 gegen die bis dahin an No. 13 gerankten Northwestern Wildcats. Es war der dritte „Shut-Out“ hintereinander für die Wolverines. Und mehr: Michigan hat in den ersten sechs Spielen dies‘ Jahr nur 38 Punkte kassiert: 24 gegen Utah, je 7 gegen UNLV und Oregon State, und dann dreimal hintereinander keine!

Wir werden gleich sehen, dass Michigan mit seinem 5-1 Record noch nicht alle Zweifler überzeugt hat, denn das Team ist nach Week 6 „nur“ an #12 gerankt. Aber wir werden auch sehen, dass im SRS, das ja ein recht guter Überblick über die „wahre Stärke“ einer Mannschaft ist, Michigan die No. 1 des Jahres ist.

Michigan wird am kommenden Wochenende gegen den ungeschlagenen kleinen Bruder #7 Michigan State antreten. Egal, was die AP Polls sagen: Michigan ist in den Wettbüros der Favorit. Nach SRS ist Michigan State ein sehr überschätztes Team und wird nur an Position 56 von 128 geführt. Nach SRS ist Michigan gegen die Spartans auch mit 25.5 Punkten zu favorisieren.

Dass es zu einem solchen Blowout kommt, wage ich zu bezweifeln, aber der Punkt in unserer Übung ist: Michigan ist schon im Jahr 1 von Harbaugh eine der positiven Erscheinungen. Was immer Harbaugh in den letzten Jahren angerührt hat, es ging alles gut. In Stanford formierte er eine Lachnummer zu einem Anwärter auf den National Title. In San Francisco führte er ein Gurkenteam in den Super Bowl. Und dass Michigan vor seiner Ankunft mehr als sportliche Wüste war, ist keine Übertreibung.

Gewinnt Michigan gegen Michigan State, wartet in der Regular Season bis Ende November nur noch Mittelmaß aus der Big Ten. Dann geht es am 28.11. zu Thanksgiving im eigenen Stadion gegen #1 Ohio State. Ohio State seinerseits wird im SRS nur als No. 15 geführt, sprich: Die Buckeyes sind nicht so gut wie ihr Record und ihr Ruf.

Pac-12

Die Utah Utes marschieren in der Pac-12 weiterhin vorneweg, aber sie sind auch nach dem Sieg gegen die andere bis dahin ungeschlagene Uni der Conference – California – kein todsicherer Tipp. Utah gewann zwar ein wildes Spiel gegen Cal mit 30-24 und forcierte dabei sechs Turnovers (unter anderen 5 Interception gegen den QB Jared Goff, von dem alle erwarten, dass er der nächste NFL Top Quarterback wird), aber trotzdem hätte Utah am Ende das Spiel fast verloren. Erst im letzten Drive konnte die Defense das knappe Ergebnis über die Zeit retten.

Trotzdem: Utah wird im SRS als No. 3 geführt. Utah wird in den AP Polls an #4 geführt. Die Mannschaft hat einen guten Ruf, und mal ehrlich: Die Pac-12 sieht in diesem Jahr nicht wie die Über-Conference aus.

Oregon ist nach einer weiteren Niederlage gegen Washington State (doppelte Overtime) eine der Lachnummern der Saison und im SRS sage und schreibe an No. 73 geführt. UCLA und die Arizona-Unis haben alle ihre Schwächen. Cal hat man schon geschlagen. Washington zwar nach SRS an No. 17 ein ganz gutes Team, aber mit 3-2 Record schon etwas hinterher hinkend. Vielleicht Stanford, das noch kein Spiel in der Pac-12 verloren hat.

Wohl kein Contender mehr ist USC, das schon unter der Woche gegen Washington verlor. Die richtig dicken Schlagzeilen folgten aber erst am Sonntag, als das Sportdirektorium die Bombe platzen ließ und Head Coach Steve Sarkisian suspendierte. Die Meldung kam für Außenstehende wie uns wie ein Schock. Aber Insider wussten schon lange: Sarkisian hatte nach seiner Scheidung im Frühjahr einen monatelangen Durchhänger und verfiel dem Alkohol.

Sarkisian soll schon in den letzten Wochen immer wieder betrunken zum Training erschienen sein. Erst als er am Sonntag völlig zugedröhnt zu einem Meeting der Special Teams antrat, reagierte die Leitung und schickte Sarkisian nach Hause. Der Offensive Coordinator wird übernehmen. Sarkisian ist nicht der erste große Trainer, der als Alkoholiker gilt. Aber wenn du im College Football nicht gewinnst, ist das Trinken immer ein schneller Grund für einen Wechsel.

Blitzlichter

Texas mit einem Befreiungsschlag beim 24-17 über den Erzrivalen Oklahoma. Ich glaube, es wurde hier schon am Samstag angekündigt, dass die Longhorns den Red River Showdown ganz gerne mal konzentrierter angehen als ein normaler Regular Season Spiel. Aber dass Texas nur eine Woche nach dem Debakel gegen TCU hier antritt und mit Oklahoma das vermeintlich drittbeste Team der Big 12 schlägt, überraschte dann doch viele.

Dass Michigan State nicht überzeugend ist, haben wir schon gelesen. Der Beweis? Die Spartans brauchten diesen kuriosen Spielzug vom Gegner Rutgers, um am Samstag überhaupt den sechsten Saisonsieg einzufahren:

Auch Florida State ist noch ein ungeschlagenes Team, das längst erste Risse zeigt. Am Samstag ein Sieg über Miami und eine hervorragende Vorstellung von RB Dalvin Cook (269 Yards trotz angeschlagener Muskel). Aber FSU sieht im Quervergleich mit Clemson wie ein Außenseiter aus. Das SRS sieht in Clemson ein um 8.5 Punkte besseres Team.

In der SEC gibt es insbesondere in der Eastern Division neue Entwicklungen: Georgia verlor 31-38 gegen Tennessee und hat sein Schicksal damit nicht mehr in eigener Hand. Und mehr: Georgia verlor seinen wichtigsten Offensivspieler RB Nick Chubb wohl für den Rest der Saison. Der neue Top-Kandidat für die Qualifikation fürs SEC Finale ist damit Florida, nach SRS ein Top 10 Team in der diesjährigen Saison. Florida hat aber dieser Tage seine eigenen Problemchen: Starting QB Will Grier wurde gestern für den Rest der Saison suspendiert (positiver Dopingtest).

SRS

Damit noch abschließend der Blick auf das Simple Ranking System. Die besten 30 Teams nach 6 Wochen lesen sich wie folgt.

SRS 2015, Woche 6

SRS 2015, Woche 6

Die großen Ausreißer nach unten wollen wir natürlich auch nicht unterschlagen. No. 56 Michigan State und No. 73 Oregon hatten wir schon. Auch Nebraska (No. 54), Auburn (No. 60) und Missouri (No. 64) sind bisher sehr negative Ausreißer, die man deutlich weiter oben erwartet hatte.

4 thoughts on “Akademische Viertelstunde 2015, Week 6

  1. Das Ranking überrascht in vielen Bereichen. LSU nur an 30, hätte ich gefühlt stärker erwartet. Und was macht die Navy da oben🙂 Das die so gut sind hätte ich nicht gedacht.
    Michigan freut mich richtig. Jim Harbaugh ist ein guter Coach, das wußte man ja. Aber schon faszinierend, wie schnell er das in so kurzer Zeit hinbekommen hat. Dreimal hintereinander keinen einzigen Punkt zu kassieren ist schon beeindruckend, also noch nicht einmal ein einziges Field Goal zu bekommen. Da bin ich jetzt schon auf das Spiel gegen Ohio State gespannt.

  2. LSU auf 30 empfinde ich ja auch als recht überraschend. Klar, mit Ausnahme des Auburn Spiels, war kein Sieg wirklich überragend und gerade das Passing Game ist mehr als suspekt, aber trotzdem hätte ich die Tigers weiter oben erwartet.

  3. Ich war auch zuerst überrascht, aber LSU hat einen relativ mauen SOS. Auburn und South Carolina klingen zwar erstmal nach großen Namen, aber sie sind nur im grauen Mittelfeld klassiert (Miss State und Syracuse nicht viel besser) – und gegen alle hat LSU zwar souverön gewonnen, sie aber nicht aus dem Stadion geschossen wie z.B. es Utah mit einem Durchschnittsteam à la Oregon oder TCU mit Texas gemacht hat.

    Wir sind aber auch hier noch 1-2 Wochen davon entfernt, ein stabiles Ranking zu haben. TCU z.B. war letzte Woche noch irgendwo in den 20ern klassiert und ist nun trotz eines relativ knappen Sieges auf #11 gesprungen, weil der SOS sich noch recht sprunghaft verhält.

    Wie immer gilt auch: SRS ist kein perfektes Ranking. Es ist aber gut um sich einen Überblick zu verschaffen, und es ist recht intuitiv.

  4. Zwei Entwicklungen vom heutigen Tag müssen unbedingt nachgereicht werden. Beide betreffen USC.

    1) University of Southern California entlässt Sarkisian
    USC hat nun Steve Sarkisian doch entlassen und nicht bloß suspendiert. Damit wird am Saisonende im American Football eine der begehrtesten Stellen ausgeschrieben. Und damit wird Chip Kelly nun monatelang damit beschäftigt sein, eine mögliche künftige Verbindung mit USC zu dementieren.

    2) University of South Carolina: Steve Spurrier tritt zurück
    South Carolina ist kein Southern California, aber als sehr gute SEC Universität mit guten Ressourcen und einem guten Recruiting Gebiet immer ein Posten, der bei ambitionierten Trainern begehrt ist.
    Steve Spurrier hat nun lange Zeit mit einem Rücktritt geliebäugelt. Dass es genau mitten in der Saison passiert, kommt dann doch als Überraschung.

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