Samstagsvorschauer 2015, Week 9 | Über Sinn und Unsinn im Leben

Disclaimer voraus: Winterzeit-Umstellung in der Nacht von heute auf morgen auch in den USA, womit ab morgen wieder die gewohnten Zeiten in Europa herrschen: 19h, 22h und 2h30 für die NFL-Spiele. Am heutigen College-Samstag beträgt der Zeitunterschied zu Amerika aber noch 5 Stunden. Ergo wird um 17h, 20h30, 0h bzw. 01h usw. angepfiffen.


Am letzten Oktober-Wochenende findet im College-Football traditionell das Derby zwischen den Georgia Bulldogs (5-2) und den #11 Florida Gators (6-1) statt, das auf neutralem Boden in Jacksonville ausgespielt wird. Zur jährlichen Tradition gehören die Saufgelage der Studenten rund um das Spiel, das liebevoll The World’s Largest Cocktail Party getauft wurde. Es ist eines der großen verbliebenen Rivalry-Games, das noch nicht zu einer Home/Home Serie umgebaut wurde, obwohl beide Unis immer wieder Anstrengungen unternommen haben, die Partie auf den eigenen Campus zu holen.

Heute um 20h30 heißt es wieder Georgia vs Florida. Die Partie ist die letzte Chance für Georgia, noch im SEC-Rennen zu bleiben (man hat vs Alabama und Tennessee bereits verloren). Beide Offenses müssen auf wichtige Spieler verzichten: Bei Georgia fällt RB Chubb den Rest des Jahres aus, Florida muss auf seinen Stamm-QB Will Grier verzichten (Dopingsperre).


Morgen ab 5h morgens bringt SPORT1 US ein Tape von Minnesota Golden Gophers – #15 Michigan Wolverines. Minnesota tritt ohne Head Coach Jerry Kill , der unter der Woche seinen endgültigen Rücktritt erklärte, an. Kill sorgte in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen mit seinen Epilepsie-Anfällen an der Seitenlinie. Trotzdem hatte er sich bis vor kurzem geweigert abzudanken. Nun scheint die Familie doch vorzugehen.

Kill wurde vor Jahren mit Krebs diagnostiziert. Im Zuge der Behandlung traten bei ihm Probleme mit epileptischen Anfällen auf, die über die Jahre nicht mehr verschwanden. Kill galt stets als absoluter Workaholic, als ein Getriebener, der es von ganz unten durch viele Stationen in den niedrigen Ebenen des College-Football nach oben geschafft hat. Obwohl ihm die Doktoren seit Jahren rieten, vom Football Abstand zu nehmen, blieb er dem Sport treu.

Jerry Kill konnte nicht ohne Football. Er konnte nicht ohne seine Arbeit. Er liebte seinen Job so sehr, dass er ihn früher oder später mehr brauchte als der Job ihn brauchte. Es war teilweise brutal anzuschauen, wenn Kill wieder an der Seitenlinie mal wieder zusammengebrochen war und das ganze Stadion innerhalb von Sekunden mucksmäuschenstill dem Spektakel zusah. Man wünschte sich abschalten zu können.

Nun scheint Kill seinen inneren Frieden gefunden zu haben. Auf der Pressekonferenz betonte er, ein Teil von ihm wäre gestorben als er zum letzten Mal den Trainingsplatz verlassen hatte. So wie ein Teil in den vielen Maniacs da draußen stirbt, wenn sie ihre Arbeit aufgeben. Ich hoffe, es bleibt noch was von ihm (und ihnen) übrig, nach dem tiefen Loch danach.

Urteilen wir nach den Kommentaren aus der Community, geht den Gophers mit Kills Rücktritt ein echter Leadertyp verloren. Nicht immer erhalten Head Coaches einen solch unisono positiven Zuspruch, wenn sie ihre Mannschaft verlassen.

SPORT1 US

Zusätzlich zum Tape morgen gibt es zwei Livespiele bei SPORT1 US.

17h | Auburn Tigers – #19 Ole Miss Rebels. Auburn gilt als eine der großen Enttäuschungen des Jahres und ist mit seiner 4-3 Bilanz längst jenseits von Gut und Böse was das Meisterschaftsrennen in der SEC angeht.

Das schwer verletzungsgeplagte Ole Miss befindet sich seit einigen Wochen auch im Sinkflug und riskiert, seine komfortable Ausgangslage zu verspielen. Letzte Woche erfing man sich immerhin mit einem klaren 23-3 Erfolg über Texas A&M. Ole Miss hält in der SEC West technisch gesehen weiter die Schlüssel ins Conference-Finale in der eigenen Hand: Man hat Alabama bereits geschlagen und wird LSU in einigen Wochen im eigenen Stadion empfangen.

20h30 | NC State Wolfpack – #3 Clemson Tigers. Letzter Test für Clemson bevor es nächste Woche gegen FSU zur Sache geht. Clemson spielt eine hervorragend Saison, ist 7-0 und hat einige überzeugende Auftritte abgeliefert. Glaubt man der US-Öffentlichkeit, ist nun ausgerechnet NC State ein Team, das für Clemson ein gefährlicher Stolperstein ist – denn Clemson hat den Ruf, immer wieder unnötig zu versagen.

Clemson kann diesen Ruf auch gar nicht widerlegen. Denn egal wann die nächste Niederlage kommt, sie wird die alten Geschichten von wegen „Clemsoning“ wieder hervorrufen.

Die weiteren Top 25

Washington State – #8 Stanford (3h30, ESPNP). Kulturenkampf in der Pac-12 zwischen den extrem passfreudigen Washington State Cougars (56 Pässe/Spiel) und den vergleichsweise altmodischen Stanford Cardinal (23 Pässe/Spiel).

Das kleine Washington State aus den Wäldern von Pullman ist seit der Bestellung von Offense-Innovator Mike Leach („Air Raid“) zum Head Coach wieder ein Team von nationalem Interesse geworden. Sportlich läuft es ganz ordentlich. Und auch für die Pop-Kultur hatte Leach erst kürzlich wieder einen denkwürdigen Moment parat, als ihn seine Assistenten vehement um eine 2pts Conversion baten. Dieses Gesicht ist priceless. Nicht nur Jerry Kill hat über den Sinn des Lebens nachgedacht.

Leach kickte den Extrapunkt zum 31-31 Ausgleich gegen Oregon. Washington State gewann in der Overtime. Heute wäre schon ein Erreichen der Overtime eine Sensation. Stanford marschiert als turmhoher Favorit in Pullman ein.


#21 Temple – #9 Notre Dame (1h, ESPNP)

#10 Iowa – Maryland (20h30, ESPNP). Iowa ist eines der überraschenderen 7-0 Teams des Jahres, und mehr: Der verbleibende Schedule der Hawkeyes ist lächerlich. Wenn alles gut läuft, könnte Iowa am Saisonende ungeschlagen ins Big Ten Finale einziehen. Maryland sollte kein Stolperstein sein: Die Terps erleben eine dermaßen schlechte Saison, dass sie bereits mit Interimscoach unterwegs sind.

Texas Tech – #12 Oklahoma State (20h30, ESPNP). Hier ist ein Offense-Feuerwerk mit mindestens 70 Punkten combined zwischen 2 philosophisch ähnlich gepolten Teams zu erwarten.

#13 Utah – Oregon State (0h, PAC12)

Kansas – #14 Oklahoma (20h30)

#16 Memphis – Tulane (0h). Memphis ist mittlerweile der Spitzenreiter im Rennen um den Big-6 Bowl Platz für die kleinen Conferences. Memphis-HC Fuente gilt entsprechend als heiße Ware. Tulane dagegen ist schon froh, überhaupt ein halbwegs konkurrenzfähiges Team auf den Rasen zu schicken. Zu Tulane

#17 Florida State – Syracuse (17h, ESPNP)

#18 Houston – Vanderbilt (0h, ESPNP)


#22 Duke – Miami/FL (0h, ESPNP). Miami feuerte letzte Woche kurz nach dem 0-58 Heimdebakel gegen Clemson Headcoach Al Golden. Heute tritt man mit dem Interimscoach Larry Scott an, der ein weiteres Verbluten des Trainerstabs verhinderte und mit relativ unverändertem Team bis Saisonende weiterarbeitet.

Derweil kann man sich bei Miami immer Gedanken machen, wer denn Goldens Nachfolger werden sollte. Das Profil bei Miami ist nach dem Scheitern von Saubermann Golden ziemlich klar: Es sollte ein profilierter Coach sein, der Skandälchen lieber aussitzt als aktiv ausräumt, und der ein offenes Ohr für Booster hat. Meistgenannter Name: Butch Davis, der Ende der 90er die letzte große Canes-Dynastie baute, ehe er kurz vor der Vollendung in die NFL wechselte. Miami gewann damals unter Butchs Nachfolger Larry Coker 2001 den National Title mit einem Team, das sich nicht nur wie ein All-Pro NFL Team las, sondern noch heute als eines der besten ever gilt.

#24 UCLA – Colorado (20h, PAC12)

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