Peyton Manning und der Lauf der Zeit

Das anstehende Fohlenduell Indianapolis Colts vs Denver Broncos (Sonntag, 22h25) ist eine Partie, bei der man nicht um den Namen „Peyton Manning“ herumkommt. Manning wird wohl zum letzten Mal als Spieler in jener Stadt auflaufen, in der er die meisten seiner zahllosen NFL-Geschichten geschrieben hat.

Letzte Woche hätte ich noch geschrieben, es kehrt im Prinzip nur noch die Silhouette Mannings nach Indianapolis zurück. Aber nachdem der einst beste Quarterback der Liga die bis dahin schlechteste Saison seiner Karriere gespielt hatte, folgte im Sunday Night Game gegen Green Bay eine Auferstehung, die offene Münder hinterlassen hat.

Wie die Manning-Performance gegen Green Bay erklärt werden kann, wird erst die Zukunft zeigen: War es ein einmaliger Ausreißer, weil man einen Gegner schlicht auf dem falschen Fuß erwischt hat? Oder war es Produkt einer sich entwickelnden Offense, die noch in der Findungsphase begriffen ist? Oder ist Peyton Manning „zurück“?


Mannings Vorstellungen 2015 waren bislang ebenso tragisch wie sie faszinierend sind. Im Prinzip wäre es ein Drama, wenn ein derart großer Spieler, der das Quarterbacking in den letzten 15 Jahren geprägt hat wie kein anderer, mit einer derart mickrigen Saison seine Karriere beendet. Auf der anderen Seite ist es immer wieder faszinierend mit anzuschauen, wenn sich Sportler gegen den Lauf der Zeit zu stemmen versuchen, fast chancenlos sich dem unvermeidlichen Zyklus des menschlichen Körpers zu widersetzen. Mit Manning stemmt sich seit Wochen einer der allerbesten der Besten gegen seinen Untergang.

Faszinierend finde ich Mannings Herbst auch, weil ich bislang davon ausgegangen war, dass Quarterback eine vergleichsweise resistente Position gegen körperlichen Verfall ist, da sie eine ausgeprägte mentale Komponente hat: Der Kopf des Quarterbacks ist ähnlich wichtig wie der Arm. Doch Manning hatte dieses Jahr mehr als bloß einen „Rookie“-Lapsus, horrende Pässe in gute Deckung.

Waren diese Böcke „mental“? Oder sind sie Produkt eines nachlassenden Arms, der schlicht nicht mehr schnell genug ist eine eigentlich „richtige“ Entscheidung in entsprechender Zeit durchzubringen, bevor die „richtige“ Entscheidung zu einer „schlechten“ wird, weil sie nicht mehr den gegebenen körperlichen Voraussetzungen entspricht?

Manning hat zeitlebens Bälle in hervorragende Deckungen gejagt, wissend um deren tödliche Präzision. Ohne diese körperliche Voraussetzung sieht es in der Millisekundenliga NFL schnell völlig anders aus.

Einen anderen Erklärungsansatz hat der Mile High Report vor zwei Wochen gefunden: Es ist die Umstellung der Offense in Denver, wo Gary Kubiak nicht nur das Laufspiel bzw. Lauf-Blocking umgekrempelt hat, sondern sich auch in die Pass-Routen eingemischt hat. Und mehr: Kubiak hat die „Tom Moore Offense“, die einzige Offense, die Manning in der NFL bislang gespielt hat, mehr oder minder aus dem Playbook gestrichen und eigene, neue Philosophien implementiert.

Der Mile High Report kommt zum nüchternen Zwischenfazit:

Manning no longer can instantly „know“ where all his receivers should be … and he doesn’t trust they will be there either. Welcome to the Broncos‘ 2015 passing dilemma.

Es scheint, als würden sich Manning und der Trainerstab langsam zusammenraufen. Vermutlich genügt ein einziger Erklärungsansatz nicht für Denvers Offense-Kollaps der ersten Wochen: Es scheint vielmehr die Kombination aus Alter, weniger Waffen und neuer Offense zu sein, die Denver so lange behinderte.


Manning wird nach seinem Karriereende zuallererst dafür in Erinnerung bleiben, was er in Indianapolis bewirkt hat. Das Buch über ihn ist quasi geschrieben: Der Super-QB, der nur eine Super Bowl gewonnen hat. Ich fände es wirklich interessant, wie die Geschichte einen zweiten Superbowl-Sieg Mannings in der Form der ersten sieben Wochen von 2015/16 bewerten würde. Es wäre ein Ring im Stile Trent Dilfers. Würde er an Mannings Vita und dem Urteil der Geschichte überhaupt noch etwas verändern?

Oder würde es nur was verändern, wenn Manning an den letzten Sonntag anschließend fortan eine zumindest überdurchschnittliche Offense das Feld hinuntertreibt?

2 thoughts on “Peyton Manning und der Lauf der Zeit

  1. Pingback: Der längste Sonntagsvorschauer der Saison 2015/16 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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