Die Akademische Viertelstunde 2015, Week 10 | Die ersten Tickets scheinen vergeben

Das Rennen um die Playoff-Plätze im College Football intensiviert sich, gewinnt jedoch auch Klarheit. Fünf von elf ungeschlagenen Mannschaften kassierten am Samstag ihre erste Saison-Pleite. Dafür spielen sich nun andere Mannschaften in den Vordergrund. Wir haben klare Playoff-Favoriten, aber auch eine Latte an Anwärtern, bei denen noch kein Ausgang abzusehen ist.

Für diese Akademische Viertelstunde verwende ich für jede Mannschaft die Ranking-Position im CFP-Poll von letzter Woche, sprich vor Kickoff der Partien von Woche 10. Damit können wir schön von oben nach unten durchgehen und schauen was die einzelnen Teams am Wochenende so geleistet haben und wohin sie ihr Weg noch führen wird.


#1 Clemson dürfte mit seinem 23-13 Heimerfolg über FSU seine Ambitionen auf die Playoffs dick und fett untermauert haben. Der Auftritt Clemsons war recht massiv: Anfänglichen Problemen gegen die Big-Runs von Dalvin Cook wurde mit zunehmender Kälte in den Venen von QB Deshaun Watson entgegengetreten: Watson mit einer sehr souveränen Vorstellung u.a. mit 107yds Scrambling. Am Ende hatte man das Gefühl als hätte Clemson bei Bedarf noch einen Gang höher schalten können.

Clemson hat das ACC-Finale bereits gebucht und nun drei Abschlusspartien im Schedule, in denen man nach SRS jeweils mit 3 oder mehr TD favorisiert ist, aber Achtung: Im Conference-Finale könnte mit UNC ein gefährlicher Gegner warten, der „nur“ 7.5 Punkte hinter Clemson im SRS an No. 13 geführt wird.

14/11 @Syracuse (+23.9)
21/11 vs Wake Forest (+30.4)
28/11 @South Carolina (+21.8)
05/12 ACC Finale, evtl. UNC (+7.5)


#2 LSU dürfte nach seinem 14-30 Debakel in Tuscaloosa außer Gefecht sein. Ich glaube nicht, dass LSU im CFP-Poll komplett abstürzen wird, aber das SEC Finale ist nach der Niederlage gegen Alabama quasi außer Reichweite. RB Fournette bekam mit 31 Rush-Yards aus 19 Versuchen einen herben Dämpfer im Heisman-Rennen. Niemand spaßt mit Alabamas Run-Defense.

14/11 vs Arkansas (+10.8)
21/11 @Ole Miss (+1.2)
28/11 vs Texas A&M (+11.8)
05/12 evtl. SEC Finale


#3 Ohio State feiert zwar einen Sieg, verliert im SRS aber weiter an Boden. Von der Niederlage der Michigan State Spartans profitiert man nicht wirklich, da man sich noch immer keine Heimniederlage gegen die Spartans erlauben darf (direktes Duell!).

14/11 @Illinois (+12.4)
21/11 vs Michigan State (+9.9)
28/11 @Michigan (-1.6)
05/12 evtl. B1G Finale, evtl. Iowa (+4.2)


#4 Alabama ist der vielleicht größte Gewinner des Wochenendes. Mit dem überzeugenden Heimsieg über LSU sowie der Overtime-Pleite von Ole Miss hat man das SEC-Rennen nun in eigener Hand. Alabama hat noch 2 SEC-Spiele im Schedule. Auburn dürfte kein Gegner sein, da es nur Laufspiel kann. Mississippi State mit QB Dak Prescott dürfte an einem hervorragenden Tag Alabama fordern können, aber ich glaube nicht, dass die Bulldogs die Tiefe für vier Viertel haben.

Gegen Alabama musst du eine gute Pass-Offense auffahren, denn Laufspiel kannst du vergessen. Sogar der bullige RB Fournette von LSU mit seiner wuchtigen OL scheiterte wie ein Lehrbub an der massiven Front Seven Alabamas. Wenn du gegen Alabama keine Punkte auf das Tableau legst, können die Crimsons QB Coker immer an der kurzen Leine führen und von Coker nur verlangen, keinen kompletten Mist zu bauen. Das kriegt Coker im Regelfall hin.

Insofern sehe ich auch für das eindimensionale Florida ohne seinen Stamm-QB Grier im sehr wahrscheinlichen SEC-Finale schwarz. Hinter Alabama kannst du im Playoff-Rennen fast fix einen Haken machen.

14/11 @Mississippi State (+4.4)
21/11 vs Charleston Southern (+53.4)
28/11 @Auburn (+12.8)
05/12 evtl. SEC Finale vs Florida (+6.3)


#5 Notre Dame mit einem 42-30 bei Pitt. Das letzte Regular-Season Spiel in Palo Alto bei Stanford sieht immer wichtiger aus. Der Sieger dieses Duells dürfte sein Playoff-Ticket mit hoher Wahrscheinlichkeit lösen. Selten, dass out of conference Spiele diese Bedeutung zugemessen bekommen.

14/11 vs Wake Forest (+27.6)
21/11 vs Boston College (21.4)
28/11 @Stanford (+0.4)


#6 Baylor feierte schon am Donnerstag ein 35-27 bei K-State. K-State verfolgte einen sehr „ehrlichen“ Gameplan, ließ von Minute 1 an Laufspiel durchtreiben um so wenige Drives wie möglich zuzulassen. Damit reduzierst du die Scoring-Chancen für Baylor und erhöhst die Varianz – eine hervorragende Underdog-Strategie von Bill Snyder.

Doch Baylor ließ sich nicht nervös machen. Charaktertest. Der Freshman-QB Jarret Stidham blieb in seinem Starter-Debüt fast fehlerfrei. Baylor bleibt damit makellos – zumindest im W/L Sheet: Denn im SRS büßt man Boden ein. Wo z.B. Oklahoma die K-State Wildcats 55-0 aus dem Stadion fegte, musste Baylor schon gehörig beißen. Die nächsten drei Spiele in den Big-12 Festspielen sehen quasi drei Münzwürfe. Es ist unwahrscheinlich, dass Baylor hier dreimal ungeschlagen durchkommt.

14/11 vs Oklahoma (-0.5)
21/11 @Oklahoma State (+0.8)
27/11 @TCU (+0.6)
05/12 vs Texas (+19.7)


#7 Michigan State erlitt die erste Niederlage beim knappen 38-39 gegen Nebraska. Ein Schiedsrichterfehler war schuld, oder zumindest mitschuldig. Wäre Michigan State ein richtig gutes Team, es hätte gar nicht in die Bredouille kommen dürfen. Die Spartans haben eine erstaunlich schwache Defense, die von QB Cook und Co. im Angriff nicht mehr abgefangen werden kann.

So, und nun das Positive: Viel verschlechtert hat sich die Ausgangslage zumindest im B1G-Rennen nicht. Man muss noch immer einen Überraschungs-Coup @Ohio State feiern um im Rennen zu bleiben. Was man nun nicht mehr kann: Einfach bei OSU verlieren und darauf hoffen, dass OSU dann eine Woche später bei Michigan verliert.

14/11 vs Maryland (+14.5)
21/11 @Ohio State (-9.9)
28/11 vs Penn State (+6.5)
05/12 evtl. B1G Finale, evtl. Iowa (-3.2)


#8 TCU hört von mir schon seit Wochen, dass es nicht durchkommen wird. Am Samstag ist es dann passiert: Eine Turnover-Orgie von QB Boykin sorgte für ein 29-49 bei Oklahoma State und die erste Saison-Niederlage. TCU machte mehr Yards und hatte mehr Scoring-Chancen, aber mit jedem Turnover spielte man sich im Strudel weiter nach unten und musste noch mehr riskieren.

Es brach auch durch, was man lange schon hatte kommen sehen: Die Defense ist auf dem Zahnfleisch und in dieser Besetzung vor allem in der Secondary kein legitimes Topteam mehr. Besser: Es ist selbst nach Adjustment an die Gegner und die Big 12 bestenfalls eine unterdurchschnittliche Defense, sprich schlechter als No. 64.

14/11 vs Kansas (+37.1)
21/11 @Oklahoma (-8.6)
27/11 vs Baylor (-0.6)


#9 Iowa mit dem nächsten Sieg. Eine extrem glanzlose Mannschaft, die aber alle Basics solide ausführt. Das reicht um in der Big Ten oben mitzuspielen und sogar evtl. ein Spoiler für die Granden in der Ost-Division zu werden: Stand heute wäre man im Conference-Finale selbst gegen Michigan oder Ohio State mit unter 5 Punkten nur leichter Außenseiter.

14/11 vs Minnesota (+18.9)
21/11 vs Purdue (+23.7)
27/11 @Nebraska (+7.1)
05/12 evtl. B1G Finale


#10 Florida mit einem Prachtergebnis gegen Vanderbilt: 9-7 in einer Partie, die man als Favorit mit 24.5 Punkten angetreten war. Lohn der Mühen: Nun ist man am letzten Wochenende im November @FSU der Außenseiter. Daran, dass man im SEC-Finale gegen Alabama auf Granit beißen wird, ändert das alles freilich nichts.

14/11 @South Carolina (+13.0)
21/11 vs FAU (+34.0)
28/11 @Florida State (-2.1)
05/12 evtl. SEC-Finale, evtl. Alabama (-6.3)


#11 Stanford ist ein einfacher Fall: Gewinne den Münzwurf gegen Notre Dame, bleib eine Woche später gegen den unberechenbaren Sieger der Pac-12 South cool und übersehe auf dem Weg dorthin in Oregon und Cal nicht zwei möglicherweise unterschätzte Stolpersteine. Es gibt einfachere Wege in die Playoffs. Aber es gibt keine klareren.

14/11 vs Oregon (+13.9)
21/11 vs California (+10.1)
28/11 @Notre Dame (-0.4)
04/12 evtl. Pac-12 Finale, evtl. Utah (+2.4)


#12 Utah mit einem wichtigen Auswärtssieg in einem schwierigen Spiel bei Washington. Der Weg ins Conference-Finale sieht frei aus, aber Achtung: Arizona und UCLA sind dermaßen launische Diven, dass denen immer ein sensationeller Tag mit 7 Offense-Touchdowns auskommen kann.

14/11 @Arizona (+12.1)
21/11 vs UCLA (+6.3)
28/11 vs Colorado (+25.1)
04/12 evtl. Pac-12 Finale, evtl. Stanford (-2.4)


#14 Oklahoma State als einer der größten Gewinner von Woche 11. Das 49-29 bei TCU war einer der größten Wins des Jahres. Oklahoma State bleibt im SRS aber die No. 4 der Big 12, und man sollte nicht vergessen, dass man auch @TCU keine 20 Punkte besser aussah. Aber der Abstand zur Spitze verringert sich und man bleibt ein schwer überwindbarer Stolperstein für Baylor und Oklahoma. Next Up aber vorerst: Iowa State, wo man schon 2011 ein zum Greifen nahes BCS-Finale verdaddelte.

14/11 @Iowa State (+13.0)
21/11 vs Baylor (-0.8)
28/11 vs Oklahoma (-3.8)


#15 Oklahoma bleibt die No.2 im SRS, die in der landläufigen Meinung den Makel der einen unerklärlichen Pleite gegen Texas mitschleift. Aber wir sehen: Obwohl Oklahoma ab sofort nur noch die Top-3 bespielt und dabei zweimal auswärts ran muss: Die Sooners sind nun dreimal favorisiert. Übersteht man das schwere Auswärtsspiel @Baylor, hat man den Weg zum Conference-Gewinn und möglicherweise für die Playoffs geebnet (Oklahoma ist auch eine hinreichend große Marke um in einem evtl. Schwanzmessen mit Stanford, Ohio State oder Notre Dame nicht ganz verloren da zu stehen).

14/11 @Baylor (+0.5)
21/11 vs TCU (+8.6)
28/11 @Oklahoma State (+3.8)


#16 Florida State spielt wohl nur noch um die goldene Ananas, solange Clemson nicht komplett eingeht. FSU kann aber immerhin noch den ungeliebten Florida Gators eine kleine Mini-Restchance auf die Playoffs vermiesen, indem man den Gators am letzten Spieltag der Regular Season ihre zweite Niederlage zufügt.

14/11 vs NC State (+6.9)
21/11 vs Tennessee-Chattanooga (43.0)
28/11 vs Florida (+2.1)


#17 Michigan bleibt am Eck der Big Ten East. Der Fahrplan von Michigan ins B1G Finale sieht so aus: Ohio State schlägt Michigan State, und eine Woche selber schlägt man selber Ohio State um dank direktem Duell an den Buckeyes vorbeizuziehen.

14/11 @Indiana (+17.8)
21/11 @Penn State (+7.2)
28/11 vs Ohio State (+1.6)
05/12 evtl. B1G Finale, evtl. Iowa (+3.7)


#18 Ole Miss hat es mit der Overtime-Pleite gegen Arkansas verschissen: Man hat sein Schicksal in der SEC nicht mehr in eigenen Händen. Playoffs sind komplett außer Reichweite.

21/11 vs LSU (-1.2)
28/11 @Mississippi State (-3.9)

Schedule in einer Übersicht

Spielplan 2015, Week 10

Spielplan 2015, Week 10

Und jetzt die Prognosen

Die Kollegen bei Der Draft.de tippen jede Woche fleißig Playoff-Teilnehmer. Ein Schuss ins Blaue ist mir oft zu mühsam, aber ich denke es wird Zeit, dass wir das Unvermeidliche erklären: Clemson und Alabama sind zum heutigen Stand ziemlich sichere Playoff-Tipps.

Ich denke weiters, dass Clemsons Offense am ehesten in der Lage ist, Alabamas Defense zu fordern, weil sie eben einen ernsthaften Quarterback anbietet und somit nicht ausschließlich über den Lauf kommt, wo ein Laufspiel gegen Alabama sowieso keine Chance hat.

Ohio State traue ich nicht wirklich. Die Buckeye-Defense ist for real, aber die Offense klickt bislang überhaupt nicht. Vermutlich wird es mit J.T. Barrett auf QB wieder besser, aber das ist schon die ganze Saison eine zähe Geschichte und im Vergleich zu 2014 ist auch keine Entwicklung erkennbar. Ohio State ist ein sicherer Playoff-Teilnehmer, wenn man Michigan schlägt und die Big Ten gewinnt. Selbst ein Wackel-Champion gehört als Titelverteidiger in die Playoffs, so wie es 2014 gut war, dass selbst ein schwer angeschlagenes FSU seinen Titel verteidigen durfte.

Aber ich tippe nicht auf OSU. Die letzten beiden Plätze hinter Clemson und Alabama werden an zwei Teams aus diesem Pool gehen: Der Sieger aus Notre Dame vs Stanford plus einmal Zufallszahl aus Ohio State, Oklahoma und Baylor, je nachdem wer (bzw. ob) hier einer ohne weitere Pleite durchkommt. Leichte Favoriten demnach: Stanford und Oklahoma.

Zum Abschluss das SRS

SRS 2015, Week 10

SRS 2015, Week 10

2 thoughts on “Die Akademische Viertelstunde 2015, Week 10 | Die ersten Tickets scheinen vergeben

  1. Schade um Memphis, aber alle Saisonziele bleiben erreichbar.

    In Sachen Playoffs bin ich bei Clemson und Bama einverstanden. Die lassen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Aber dahinter sehe ich das dezent anders.
    #1 CLEMSON
    #2 ALABAMA
    #3 OHIO STATE. Schwer vorstellbar, dass Ohio State zuhause gegen Michigan State vergeigt, und danach reißen sich die Buckeyes im entscheidenden Spiel gegen Michigan zusammen und nehmen das Heft in die eigene Hand. Iowa im B1G Finale ist keine Konkurrenz.
    #4 BAYLOR. Man erinnert sich daran wie Baylor 2014 Oklahoma auseinandergenommen hat. Oklahoma ist so gut wie ihr Record. Gut, aber nicht perfekt.

    Stanford wird die unerklärliche Pleite gegen Northwestern zum Verhängnis. Notre Dame hat eine bessere Chance weil ihre Niederlage gegen Clemson war, wird aber gegen Stanford befürchte ich verlieren und als 2 Loss Team keine Playoff Chance.

    Werden aber sau spannende letzte Wochen. Ich freue mich.

  2. Pingback: Samstagsvorschauer 2015, Week 11 | Baylor Bears vs Oklahoma Sooners | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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