Steve-Smith

Tribut an Steve Smith

Letzte Woche hat sich WR Steve Smith von den Baltimore Ravens die Achillessehne gerissen und fällt damit für den Rest der Saison aus. Der 36jährige Smith hatte im Sommer angekündigt, dass 2015 seine letzte Saison sein würde. Es ist also möglich, dass Smith damit gegen die Chargers seinen letzten Auftritt im NFL-Dress hatte, auch wenn man sich bei einem Smith immer vorstellen kann, dass er seine Entscheidung hiermit noch einmal revidiert und noch einmal zurückkommt.

Smith war eine der einzigartigsten Spielerpersönlichkeiten in der NFL, ein kleiner Kampfgnom, der sich wider allen vorherrschenden NFL-Gepflogenheiten mit seinen 1.78m auf Wide Receiver durchsetzte und zu einem der besten Offensivspieler der NFL wurde.

Smiths exponierter Charakter und seine Einsatzfreude sorgten für Pfeffer in einer oftmals von Platitüden geprägten Liga. Seine Trainingsschlägereien stehen ebenso synonym für seinen Kampfgeist wie seine kerzengeraden Aussagen in allen Interviews.

Pech für Smith, dass er seine Karriere mit Carolina und Baltimore in eher kleinen Märkten verbrachte. Als New Yorker oder New Engländer wäre er eine landesweite Marke geworden im Stile eines Michael Strahan oder Darrelle Revis.

Steve Smith unterwegs zur Entscheidung gegen die Rams 2004

Steve Smith unterwegs zur Entscheidung gegen die Rams 2004

Smiths erste große landesweite Erscheinung habe ich noch selbst live miterlebt: Damals, 2004 im Jänner, als sein 69yds-TD in der zweiten Overtime in St Louis die große Überraschung – Panthers stürzen die Greatest Show on Earth – perfekt machte. Jenes Viertelfinalspiel Carolina @ St Louis ist bis heute eines der großartigsten Spiele, das ich jemals gesehen habe. Die Bettwäsche ist noch immer nicht getrocknet, sosehr habe ich in jener Nacht geschwitzt.

Einer meiner absoluten Momente: Steve Smith gegen Tyrone Poole, Superbowl 2004

Einer meiner absoluten Momente: Steve Smith gegen Tyrone Poole, Superbowl 2004

Nächster erinnerungswürdiger Momente: Der 39yds-TD Catch in der Superbowl gegen New England ein paar Wochen später, als sich Smith gegen den ebenso zwergigen CB Tyrone Poole durchsetzte und damit das Startsignal für ein erinnerungswürdiges Endspiel gab, das noch heute trotz der unspektakulär klingenden Ansetzung als eines der ungewöhnlichsten überhaupt gilt.

2004 fiel Smith mit Beinbruch fast die komplette Saison aus. Meine damalige Flamme, die unglückliche Superbowl-Verliererin Carolina, stürzte jäh ab und brauchte wochenlang um wieder in Tritt zu kommen.

2005 war Smiths vielleicht größtes Jahr, und wer sich jemals fragte warum man einen Wide Receiver zum NFL MVP hätte wählen sollen, der musste nur im Playoff-Viertelfinale zuschauen, als der Freak Smith im Alleingang die dominanteste Defense jener Zeit, die Chicago Bears, in deren Stadion in ihre Einzelteile zerlegte. Eine Woche später wurde Carolina im Conference-Finale von Seattle aufgemischt und verlor mit drei Touchdowns. Smith konnte trotzdem jedem gerade in die Augen schauen: Mit seinem Punt-Return TD mutierte er zum ersten Spieler mit Rushing, Receiving und Returning TD in denselben Playoffs.

Smith war zeitlebens eine Ausnahmeerscheinung in der altmodischen John-Fox Offense in Carolina. Ohne echten Quarterback und in einer 60% Run-Offense jagte er als Alleinunterhalter eine 1200yds Saison nach der nächsten das Feld runter. 2006 musste er Teile der Saison mit QB Chris Weinke bestreiten und machte über 100yds/Spiel. 2007 hatte Smith 87 Catches für über 1000yds mit QBs wie Testaverde, Carr oder Moore. 2008 hatte Smith über 1400yds in 14 Einsätzen in der Offense, die die wenigsten Pässe der Liga warf.

And so on.

Smith hat nicht die besten Zahlen aller Zeiten, aber man beachte die Umstände. Die Offense, die Quarterbacks, die Teamkollegen. Es gibt wenige Spieler, die aus weniger mehr gemacht haben. Smith wechselte schließlich im Herbst seiner Karriere nach Baltimore. So sehr ich Smith immer mit seiner Zeit in Carolina in Verbindung bringen werde: Wenn dieser Mann mit seiner Attitüde in eine andere Mannschaft passt, dann ist es Baltimore.

Er war sicher nicht der einfachste Mensch unter der Sonne, aber Steve Smith war einer der prägenden Spieler der letzten 15 Jahre.

7 thoughts on “Tribut an Steve Smith

  1. Ganz großer Spieler, danke für die Zusammenfassung.
    Ich werde nie vergessen, wie er mit gebrochenem Arm einen TD gefangen hat.

  2. Vielen Dank auch für diesen tollen Artikel. Steve Smith ist einer meiner absoluten Lieblingsspieler und ein Grund wieso ich Panthers-Fan geworden bin!🙂

    Wie schätzt du seine Chancen ein, einmal in die Hall of Fame gewählt zu werden?

  3. Zuletzt wurde sogar auf Mainstream Seiten für eine HoF Aufnahme von Steve Smith geworben.
    Neben sienen Leistungen ist ja auch sein Auftreten HoF-würdig.
    Von wegen TD-Jubel oder „Ice-Up“ und so….

    Schade, dass es mit Carolina so böse auseinandergegangen ist….

  4. Zusammen mit Hines Ward der härteste und coolste Wide Receiver, den ich je habe spielen sehen. Schade, dass er am Ende der Karriere ausgerechnet zu Baltimore gehen musste.😉

  5. Pingback: Die furchtlose NFL-Vorschau 2016/17 | Die Kronprinzen | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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