Sonntagsvorschauer 2015, Week 10 | Reset-Button in Detroit

Angesichts der dürftigen Ansetzungen in der NFL beginnen wir heute kurz mit der CFL (Canadian Football League). Dort beginnen heute die Playoffs, die bei uns komplett und gratis gestreamt werden. Die CFL hatte ich in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren, weil sie nicht mehr zu sehen war. Die heutigen Ansetzungen in der ersten Runde lauten:

  • Hamilton Tiger-Cats – Toronto Argonauts (18h). Quasi das „Stadt-Derby“ von Toronto mit zwei 10-8 Teams (Hamilton ist eine Art Vorort von Toronto). Hamilton ist dabei um QB Collaros die Punktemaschine der Liga: 530 Punkte hat keine andere Mannschaft annähernd erzielt. Überhaupt scheint Hamilton ein unterbewertetes Team zu sein: Mit +139 hat man das beste Punkteverhältnis der kompletten Liga, während Toronto bei -61 Punkten steht. Warum haben beide die gleiche Bilanz? Hamilton ist 0-6 in One-Score Spielen, Toronto 6-2. Die drei direkten Duelle in der Regular Season hat aber allesamt Hamilton klar gewonnen.
  • Calgary Stampeders – BC Lions (22h30). Calgary als 14-4 Team gegen die Mannschaft mit bloß halb so vielen Siegen (BC ist 7-11). In der Regular Season gewann Calgary zweimal locker, zuletzt letzte Woche mit 3 Touchdowns. Sollte eine klare Sache werden.

Nächste Woche dann die Conference-Finals und am 29.11. der Grey Cup aus dem neuen Stadion von Winnipeg.

Damit zur NFL. Heute ist einer der seltenen Fälle, wo das Sunday Night Game wirklich das unumstrittene sportliche NFL-Highlight des Tages ist.

Frühschicht ab 19h

  • Green Bay Packers – Detroit Lions
  • Tampa Bay Buccaneers – Dallas Cowboys
  • Tennessee Titans – Carolina Panthers
  • St Louis Rams – Chicago Bears
  • Washington Redskins – New Orleans Saints
  • Philadelphia Eagles – Miami Dolphins (P7 Maxx)
  • Pittsburgh Steelers – Cleveland Browns
  • Baltimore Ravens – Jacksonville Jaguars

Unglückliches Händchen für die Spielplangestalter mit einer 19h-Schicht ohne auch nur eine einzige Ansetzung zweier Teams mit positiver Bilanz. Bleibt der Blick in die Motor City: Die Detroit Lions haben während der Bye-Week mit der Selbstreinigung begonnen und Team-President Tom Lewand sowie GM Martin Mayhew gefeuert. Headcoach Caldwell darf bleiben, muss sich aber wie eine lame duck anfühlen.

Die Zeit unter Mayhew (ab 2008) sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Unter Mayhew ging es in den ersten Jahren steil bergauf. Das ist positiv. Aber auch logisch, denn tiefer als 0-16 kann es nicht gehen. Seine erste Trainerwahl Jim Schwartz war eine gute. Seine ersten Drafts waren in Ordnung. 2009 hatte man den Top-Pick und Pech, dass es einer der schwächstbesetzten Drafts überhaupt war. QB Stafford war ein guter Pick. Dahinter hatte der Draft wenig Tiefe. 2010 zog man mit Suh einen Ankermann für die Defense der nächsten Jahre. Detroit war im dritten Jahr der Ära Mayhew/Schwartz erstmals in den Playoffs.

Danach ging es abwärts. Die Drafts 2011 und 2012 waren durchwachsen bis schlecht. Das Image von Schwartz als „Stats-Guy“ bröckelte massiv und mit Aktionen wie zu Thanksgiving 2012 wurde Schwartz zur Lachnummer. Immer mehr zeigte sich aber auch, wie Detroit nicht nur vom Coaching gehemmt wurde, sondern auch durch die schlechte Salary-Cap Situation.

Detroit war in der Ära Mayhew ein brutal „top-heavy“ Team was Bezahlungen anging. Allein das Triumvirat QB Stafford / WR Johnson / DT Suh fraß in Spitzenjahren annähernd 40% der Salary-Cap auf. Pech für Mayhew, dass Detroit just in den letzten Jahren vor dem neuen CBA mehrfach in den Top-2 draftete und damit extreme Gehälter zahlen musste. Wiederum aber nicht so ideal von Mayhew waren die „zweiten“ Verträge für Johnson und Stafford – beide fielen unnötig massiv aus, und beide verhinderten letztlich einen „zweiten“ Vertrag für Suh und torpedierten die Kadertiefe.

So hatte Mayhew letztlich das Pech, dass er sich die richtig guten Picks aus 2010 (Suh) und 2011 (DT Fairley) am Ende nicht mehr leisten konnte. Mayhew war ein guter Talent-Evaluator. Er verhielt sich auch vernünftig auf dem Transfermarkt und vermied überbezahlte Einkäufe. Er hatte Pech mit der Gehaltspolitik der Liga, aber die verheerende Cap-Position der Lions ist Mayhew auch in Teilen selbst in die Schuhe zu schieben. Die Vertragspolitik mit den genannten Big-3 war letztlich Mayhews Untergang.

Die Chance, dass Detroit auf Mayhew einen schlechteren GM folgen lässt, steht gut. Aber ein neuer GM bietet auch die Möglichkeit, unvoreingenommen und mit „neuem CBA“ etwas neues aufzubauen. Und vermutlich ist in der aktuellen Sackgasse just ein Neuaufbau ohne Scheuklappen der richtige Weg.

Spätschicht ab 22h

  • Oakland Raiders – Minnesota Vikings (22h05)
  • New York Giants – New England Patriots (22h25, P7 Maxx, PULS 4)
  • Denver Broncos – Kansas City Chiefs (22h25)

Carr gegen Bridgewater als Duell der beiden „übersehenen“ QBs der Klasse von 2013. Der Teddy soll nach einer Gehirnerschütterung letzte Woche wieder einsatzfähig sein. Gegner Oakland sorgte unter der Woche mit lancierten Umzugsgerüchten nach San Diego (!) für Aufsehen.

Broncos vs Chiefs als „Rückspiel“ des unseligen Thursday Night Games von Woche 2, das von einem INT-Return entschieden wurde. Peyton Manning wird heute den Allzeitrekord nach Passing-Yards von Brett Favre knacken.

New England Patriots (8-0) vs New York Giants (4-4) in den Meadowlands. Ungeschlagene Patriots. Giants mit 0-2 Saisonstart und an der Kippe zu den Playoffs. Coughlin und Eli Manning gegen Belichick und Brady. Wenn die Partie 38-35 endet, fange ich an zu glauben.

Nachtschicht ab 2h30

  • Seattle Seahawks – Arizona Cardinals (SPOX.com, SPORT1 US)

Die Seattle Seahawks (4-4) finden sich in einer ähnlichen Verfolgerposition wie letztes Jahr wieder und müssen die vorneweg marschierenden Arizona Cardinals (6-2) in der zweiten Saisonhälfte versuchen noch abzufangen. Anders als im letzten Jahr ist diesmal die Aussicht, dass man in den Cards einen reellen Gegner hat, dessen Vorstellungen bisher überzeugend und echt komplett sind.

Arizona hatte ich schon öfters unter der Lupe: Die tiefe Pass-Offense um QB Carson Palmer bringt 8.5 NY/A zustande, ein großartiger Wert über eine halbe Saison gesehen. Der Wert wurde gegen einen eher einfachen Schedule fabriziert, wird also in der zweiten Hälfte noch Regression erleben, aber dennoch ist nicht zu leugnen, dass Arizona mit der Rückkehr von Palmer das erhoffte Puzzleteil hinzubekommen hat um die NFC West entscheidend mitzugestalten.

Arizona hat auch ein gutes Laufspiel um die beiden Johnsons, David und Chris, plus Andre Ellington. WR Fitzgerald ist zwar alt aber erlebt im Slot eine gute Saison. WR Brown und WR Floyd werden tief eingesetzt. Damit hat man genau das Personal um Seattles Legion of Boom dort zu attackieren, wo sie jahrelang als unschlagbar galten, heuer aber Risse zeigten: In der Secondary.

Auf der anderen Seite kollabiert die Pass-Offense der Seahawks, die geschwächt durch eine unterirdische Offense Line und ohne höherklassige Anspielstationen extrem abhängig geworden ist vom Sekundengenie Russell Wilson. Wilson kann dich in einer engen Partie als Gegner fertig machen wenn er zum vierten Mal dem Passrush entfleucht und ein neues 1st Down erscrambelt, aber in Summe hat sich das Produkt „Seahawks-Offense“ als viel zu viel Bruchstück erwiesen um permanent Gefahr auszustrahlen.

Ich kann Arizonas Front Seven nicht richtig einschätzen. Theoretisch hätte Arizona aber das Personal um hier Schaden anzurichten: DE Campbell nimmt es an guten Tagen mit zwei Mann auf und von hinten kannst du immer einen FS Mathieu als späten Blitzer schicken. Im Normalfall sollte das gegen die OL ein Mismatch sein. Seattle wird vermutlich das eine oder andere Big-Play einstreuen, aber in Summe dürfte Arizona hier zumindest auf Augenhöhe sein.

Ein möglicher Faktor ist der Heimvorteil. Arizona ist auswärts deutlich schwächer. Seattle hat in diesem Jahr zuhause nicht wirklich brilliert, lebt aber noch immer vom Nimbus der großen letzten Jahre, als das sehr laute Seahawks-Stadion als uneinnehmbare Festung galt.

One thought on “Sonntagsvorschauer 2015, Week 10 | Reset-Button in Detroit

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