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NFL Power Ranking 2015, Week 11 | Ruhe im Saal!

Es war für mich eine der Szenen des Jahres: Monday Night Game New England vs Buffalo, drittes Viertel. Brady auf einem Rollout, wirft den Pass. Deutlich hörbar folgt ein Pfiff, der für einen Moment die Zeit stehen lässt. Patriots-WR Amendola macht den Catch und läuft der stehen gebliebenen Defense auf und davon. Amendola hätte den Touchdown gemacht, aber der Spielzug wird abgebrochen.

Fehlentscheidung der Referees, deren Pfiff im Nachhinein damit begründet wurde, dass der Side-Judge den Ball aus den Augen verlor. Wir können drüber diskutieren, ob den Patriots ein Touchdown geraubt wurde, wie ESPN in der Übertragung mehrfach wütend schnaubte. Gegen einen stehen bleibenden Gegner ist leicht stürmen. Aber es war eine Fehlentscheidung.

Die Patriots bekommen den Catch trotz Pfiff vor dem Catch gutgeschrieben, aber keine Yards danach. Das komplette Gillette Stadium mutiert im Ärger um den geraubten TD minutenlang zum Lynchmob, während Referee Steratore den Call erklärt. Nur einen interessiert’s nicht.

Wenn du erklären willst, warum wir bei Belichick so gerne über den besten Coach der Welt schreiben, kannst du auch diese Szene anführen. Wo ein Rex Ryan vermutlich mehr FUCK-Bomben abfeuern würde als eine Jenna Jameson im ganzen Film, wo ein Jim Harbaugh Jacke, Hemd und Hose zerreißen und wie weiland Rumpelstilzchen auf seinem Headset trümmern würde, ist Belichick in Gedanken längst beim nächsten Snap.

Er will Ruhe. Der nächste Spielzug lässt sich in dem Krawall nicht durchsagen.

Belichick hasst Störgeräusche. Belichick wird keiner unliebsamen Frage antworten. Belichick wird jeden unliebsamen Laut ignorieren. Denn es hält ihn vom Wesentlichen ab. Und am Montag hielt ihn der Krach der Zuschauer vom Wesentlichen – dem nächsten Snap – ab. Schiri-Bock hin, Schiri-Bock her.

Die Patriots versemmelten das nächste Field Goal. Buffalo kam heran, glich zwischenzeitlich eine Partie aus, hatte aber am Ende des Tages keine Chance – auch, weil die Referees im weiteren Spielverlauf ein, zwei Entscheidungen trafen, die schwer nach Konzessionsentscheidungen aussahen. Keine mehr als der letzte Pass für Sammy Watkins, der aus nicht ersichtlichen Gründen als Catch „in bounds“ gegeben wurde. Damit lief die Uhr auf null, den Bills wurde die Chance auf eine finale Hail Mary geraubt.


New England ist mit dem Sieg 10-0. Das Gewisper um die „Perfect-Season“ wird lauter, aber das ignoriert, dass New England einmal mehr zu viel würgen musste. Es war keine dominante Performance wie im Hinspiel, als man Buffalo eingangs des Schlussviertels mit 24 Punkten Vorsprung am Haken hatte.

Die Patriots sind im Prinzip eine mehr oder weniger schwer angeknockte Mannschaft, die einen Spieler nach dem anderen ins Lazarett verliert. Es sind für sich alles (bis auf vielleicht LB Collins) keine Killer-Ausfälle, aber wenn ein RB Lewis, WR Edelman, WR Dobson, WR Amendola oder LT Solder runtergehen, geht viel Starter-Qualität verloren. Die Offensive Line ist ein Torso, die gegen Buffalo nicht bloß zuhause (!) 2 False-Starts in den ersten beiden Drives aufgab, sondern ca. 15 QB-Pressures und etliche Hits aufgibt, läuft etwas schief. QB Brady wurde nur einmal gesackt, aber es gibt gesündere Aktivitäten als sich zum fünften Mal von einem Verteidiger mit Helm voraus in die Rippen rammen zu lassen.

Belichick wird es gesehen haben. Am Sonntag geht es gegen Denver – jenes Denver, das er in der Vergangenheit recht gut kontrollieren konnte. Eines der Dinge, die ich von den Pats vs Broncos Duellen der letzten Jahre in Erinnerung habe: New England gelang es extrem gut, die Superwaffe Von Miller aus dem Spiel zu nehmen. Miller kommt gerne über außen. Von dort ist Brady schwer zu schlagen. Du musst gegen die Patriots über innen kommen.

Gelingt das den Broncos mit dem sehr druckvollen Spiel vom neuen DefCoord Wade Phillips, ist die Perfect-Season in ernsthafter Gefahr. Ich bin gespannt, was Belichick als Gegengift ausgibt.


Die Arizona Cardinals haben ein spannendes Duell zwischen der #1 und der #2 im Power-Ranking gegen die Cincinnati Bengals gewonnen. Zu sagen, dass die Partie letztlich an einem einzigen Spielzug entschieden wurde, ist vielleicht zu vereinfachend, aber es gibt den einen tiefen Wurf bei 3rd/2 in der letzten Spielminute, bei dem QB Andy Dalton seinen WR A.J. Green und damit auch die Siegchance unterworfen hat.

Wie Bill Barnwell in dem verlinkten ESPN-Artikel bemerkte, führen 9/11 der Bengals-Offense den Spielzug wie einen Laufspielzug aus. Hindsight Bias ist immer einfach, aber man kann rückschauend doch fragen, wieso die Bengals mit 1:05min auf der Uhr gegen eine Cardinals-Mannschaft ohne weitere Timeouts nicht gelaufen ist.

Die Distanz zum 1st Down war machbar, und im Fall des Misserfolgs hätte man die Uhr runterlaufen lassen können um den Cardinals die Chance auf den letzten Drive zu nehmen.


Arizona bleibt damit das beste Team der Liga nach Effizienz-Stats, nicht im Record. Den Cards hatte ich schon vor einigen Wochen einen guten Saisonverlauf prognostiziert, als sie nur Gurkentruppen schlugen, aber wie schon damals geschrieben: Schlechte Teams zu pulverisieren, ist ein Zeichen einer Top-Mannschaft. Arizona spielt seither einen deutlich schwierigeren Schedule, aber im Power-Ranking bleibt nach unverändert vorne.

Hauptverantwortlich dafür bleibt die famose Pass-Offense mit ihren vielen tiefen Pässen, die nach 10 Spielen bei 8.3 NY/A steht. Solche Werte hat in der Vergangenheit kaum ein Team über einen so langen Zeitraum halten können.

Auch Cincinnati muss sich nicht überaus große Sorgen machen. Die Bengals sind ein sehr komplettes Team. War man zu Beginn der Saison vor allem Offense-lastig, so ist mit zunehmendem Verlauf die Defense immer besser geworden. Die Bengals haben beide Units in den Top-5 gereiht.


Ein heimlicher Star des Power-Rankings wird schön langsam auch Kansas City, das in den letzten beiden Wochen zwei Divisionsrivalen in Denver (29-13) und San Diego (33-3) niedergekantert hat.

Bei den Chiefs kommt nun das zu tragen, was ich im Prinzip schon vor ein paar Wochen im Sofa-QB Podcast sagte: Diese Mannschaft hat einen schweren Schedule hinter sich und auch während seiner 5-Spiele Niederlagenserie nicht so schlecht ausgesehen.

Kansas City ist mittlerweile 5-5 (1-3 in engen Spielen). Man hat eine effiziente Run-Offense trotz des Verlusts von Star-RB Charles. Die Pass-Defense ist entgegen der Behauptungen mancher Experten nicht bloß eine Justin-Houston Einmannshow, sondern eine ziemlich kompakte Uni, die nur 5.9 NY/A gegen den Pass zulässt und mit 3.8% die höchste INT-Quote der Liga aufweist.

Und es sieht gut aus für den weiteren Saisonverlauf: Kansas City hat den schweren Teil seines Spielplans hinter sich. Bis Woche 10 hatten die Chiefs einen durchschnittlichen Gegner von .537, also 6t-schwerster Schedule. Ab sofort wartet ein durchschnittlicher Gegner von .465, ergo 6t-einfachster Schedule.

In Worten sind das Buffalo, @Oakland, San Diego, @Baltimore (ohne Flacco), Cleveland, Oakland. Viel einfacher geht nicht. Das Wildcard-Rennen in der AFC verspricht, eine heiße Kiste zu werden, und die Chiefs sind mit 5-5 und diesem Spielplan ein ganz lauter Kandidat.

Power Ranking nach Woche 11

Disclaimer: Ich bin seit einigen Wochen dabei, in Sachen Run-Success-Rate (SR%) Verbesserungen vorzunehmen. Ich schrieb über die Problematik 2015 mit dieser Statistik. Die Schritte sind relativ klein, da ich nie dazu komme, in längeren Stücken dran zu arbeiten. Wahrscheinlich gibt es nächste Woche erste Ergebnisse in Sachen SR%. Für heute das gewohnte Ranking.

NFL Power Ranking 2015, Week 11

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense. LW ist die Platzierung der entsprechenden Mannschaften in der letzten Woche.

Hier weitere erklärende Grafiken mit den Statistiken hinter dem Power-Ranking und weiteren Zahlen. Bitte durchwühlen:

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 12

Letzte Woche wieder 7-7 für das Power-Ranking, das damit auf 54-43 fällt. Gegen den Spread war es eine 5-7-2 Woche. Damit ist das Ranking 49-45-3 gegen den Vegas-Spread. Tipps für Woche 12:

NFL Wahrscheinlichkeiten für Woche 12Es gibt eine ziemlich krasse Diskrepanz beim Spiel Packers vs Bears, wo Las Vegas die Packers mit 8 Punkten im Vorteil sieht. Das Power Ranking sieht dagegen nur einen Spread von 1 Punkt.

Bei den Vegas-Spreads gibt es diese Woche überhaupt einige Auffälligkeiten. So ist Dallas z.B. gegen Carolina mit 1 Punkt favorisiert – eine Fortsetzung des Trends, dass Vegas die Cowboys tendenziell eher hoch einstuft. New England sieht Vegas mit 5 Punkten in Denver vorn. Auch Seattle wird von den Buchmachern höher eingestuft als im Power Ranking, gilt nach Vegas als 5.5pts Favorit gegen Pittsburgh.

11 thoughts on “NFL Power Ranking 2015, Week 11 | Ruhe im Saal!

  1. Interessant finde ich auch Buccs @ Colts, wo die Colts mit 3 favorisiert sein sollen. Ohne Luck sehe ich da die Buccs vorne.

  2. Habe mich nicht gut ausgedrückt, meine, dass sie bei den Buchmachern hinten sind. Habe sie auch vorne.

  3. Zur Erklärung: Napoleon meinte, dass es ihn überrasche, dass die Buchmacher Indie als Favorit haben, wärend in der tabelle die Buccs vorne sind. Ich habe das falsch verstanden und ihn darauf hingewiesen, worauf Napoleon sich erklärte.

  4. Interessant, die Chiefs. Vielleicht ist Alex Smith doch nicht so wertlos wie man immer meint. Hat immerhin seit Woche 3 keine Interception mehr geworfen. Chiefs D ist keine Überraschung, aber wenn die O den Level hält, können die den Broncos vielleicht noch gefährlich werden auch wenn 3 Games Rückstand viel Holz ist.

  5. 3 Spiele aufzuholen wir glaube ich nicht mehr möglich sein. Denver hat mit Osweiler jetzt einen QB, der sie wenigstens nicht am Siegen hindert (auch wenn er nicht alleine die Siege bringen wird). Den Rest macht dann schon diese grandiose D. Die verlieren keine 3 Spiele mehr.

  6. NE, @PIT, CIN im Schedule. 3x Außenseiter.
    OAK, @SD, SD. 3x wohl Favorit aber v. Raiders war schon das erste Game zäh. Und wenn ein QB gegen eine Top Defense aus dem Nichts heißlaufen kann, kann ich Rivers anbieten.
    11-5 oder 10-6 sehe ich nicht ausgeschlossen.

    Natürlich muss KC dann immer noch mindestens 5x gegen BUF, @OAK, SD, @BAL, CLE, OAK gewinnen. Wird auch schwer genug, keine Frage.

    Will vor allem damit sagen dass KC im AFC Wild Card Race eine Top Chance hat und mit Glück vllt sogar die Division gewinnt.

    AFC Picture sieht für mich sehr klar aus:
    AFC East: NE
    AFC North: CIN
    AFC South: egal wer, hat keine Chance
    AFC West: DEN oder KC
    Wild Card 1: DEN oder KC
    Wild Card 2: PIT

  7. Wild Card auf jeden Fall, da kann sich KC eine super Position verschaffen, indem man am Sonntag Buffalo schlägt, dann ist man da voll dabei.

    Die Division ist einfach zu weit weg für mich, weil da Denver wirklich alle Spiele gegen gute Mannschaften verlieren müsste und KC alles gewinnen – und grade für letzteres sind sie in meinen Augen einfach nicht gut genug. Ganz umsonst stehen sie schon nicht bei 5-5.

  8. Wenn man es jetzt so sieht, umso ärgerlicher, dass man die Spiele gegen die Broncos und die Bears so unnötig zu Hause herschenkte. Hätte den Chiefs ohne Jamaal wirklich nicht so ein Comback in der Saison zugetraut.

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