Thanksgiving-Preview 2015

In den Vereinigten Staaten wird heute Erntedankfest gefeiert und traditionell zu diesem höchsten Familienfeiertag des Landes werden drei NFL-Spiele um 18h30 MEZ, 22h30 MEZ und 02h30 MEZ abgehalten. Sie werden bei P7 Maxx und im NFL Gamepass übertragen. Es sind drei reine NFC-Partien.

Detroit Lions – Philadelphia Eagles

18h30 (nur NFL Gamepass)

Sportlichen Wert hat diese Partie nur mehr für eine der beiden Mannschaft (es sind nicht die Lions). Lass uns dennoch mal kurz über Detroit sprechen. Ich bin bekanntlich Lions-Anhänger. 2015 erlebe ich relativ emotionslos. Das mag daran liegen, dass ich dieser Ausgabe des Teams von Beginn an kaum was zugetraut hatte. Detroit war über die Jahre ein Beispiel, was die Kombination aus altem CBA und spendablem Management in der heutigen NFL anrichten kann (ein zweites Beispiel sehen wir ab 22h30). Aus dieser Geberlaune resultierte ein unter der Salary-Cap kaum mehr finanzierbarer Kader.

Folge: Detroit musste in der Offseason seine beiden wichtigsten Verteidiger ziehen lassen: DT Ndamukong Suh und DT Nick Fairley, die beiden 1st-Rounder 2010 und 2011. Man denke mal dran: Die Lions konnten ihre Top-Picks in ihrer Blütezeit nicht finanzieren, weil diese zu gut waren! Allein wegen des katastrophalen Suh-Vertragsmanagement tat ich mir seit Jahren bei GM Martin Mayhew schwer. Mayhew, ein guter Talentscout, aber edler (besser: verantwortungsloser) Spender ist vor wenigen Wochen gefeuert worden.

Mit Suh ging nicht bloß ein Spieler aus Detroit weg. Mit Suh ging ein Symbol. Suh war noch mehr als QB Matthew Stafford oder WR Calvin Johnson ein Symbol für den Aufschwung der Lions um das Jahr 2010 herum. Nach vielen dunklen Jahren ohne Hoffnung auf Besserung war Detroit mit dem Jahrhunderttalent Suh plötzlich wer. Ohne Suh ist Detroit nun wieder eine ordinäre Durchschnittsmannschaft.

Ich erlebe 2015 auch eher emotionsarm, weil ich alle Hoffnungen in das Jahr gelegt hatte: 2014/15. Mit der aufgehobenen Flagge gegen Hitchens, mit dem Verzicht auf das 4th Down, mit dem verheerenden Punt ging in der Wildcard-Runde in Dallas alles den Bach runter, was ich mit den Lions seit dem Abschluss der 0-16 Saison 2008 verbunden hatte: Hoffnung. Das Gefühl, eine Chance zu haben. Der Traum von der Super Bowl.

Die Lions waren ein Weg. 2008 war der Tiefpunkt, aber das 0-16 war eine Reinigung. Jim Schwartz war der Initiator für neue Euphorie. Cleveland 2009 war die erste Party. Die Calvin-Johnson Spiel 2010 in Chicago war trotz Pleite das erste Mal Glaube, mit den Besten mitzuhalten. Das Monday Night Game ein Jahr später gegen Chicago der vorläufige Höhepunkt. Die Playoffpleite in New Orleans ein Dämpfer, aber man konnte sehen, dass die Lions auch abseits vom atemberaubenden Johnson etwas haben, dass es nur die Durchgangsstation für höhere Aufgaben war.

2012 und 2013 waren Dämpfer. Detroit verlor haufenweise knappe Spiele, erarbeitete sich eine Reputation als zu schlampige Mannschaft. Es führte zu Schwartz‘ Ende und Caldwells Einstand. Aber die Generation Suh hatte noch genau ein Jahr im Köcher: 2014. Das Jahr, in dem die Garde in ihrer „Primetime“ kombiniert mit den jungen Wilden um DE Ziggy Ansah angreifen konnte, bevor eine Offseason später alles auseinander fliegen würde.

Der Weg endete mit dem Wildcard-Spiel in Dallas. Das Team 2015 ist ein Team, dem ich die Daumen drücke, aber es ist nicht „mein Team“ im Sinne eines größere Kontextes. Es ist dafür ein Team, das den Nährboden bereitet um nächstes Jahr einen neuen Weg zu beginnen. Wieder ein Neuaufbau. Wie nach 2008. Nur diesmal mit einem Fundament, das um Welten stabiler ist als 2008.

Neuaufbau ist keine Super Bowl. Aber als Anhänger eines Teams ist es meiner Erfahrung nach emotional gleichzusetzen mit einem Super Bowl. Der Anfang ist schwer. Jeder Sieg ist ein Super Bowl.

Beim CEO wurde eine interne Lösung gefunden. Der GM-Posten wird aktuell ausgeschrieben. Als Berater in der Suche wurde der frühere Giants-GM Ernie Accorsi (über den ich schon einmal geschrieben habe) installiert. Accorsi hat rein zufällig vor zwei Wochen einen längeren Einblick über seine Ideen in der GM-Suche gegeben: What’s ahead in the Lions GM search. Ich bin guter Dinge.


Die Eagles befinden sich dagegen eher in einem hausgemachten Umbau, der als persönliches Projekt von Head Coach Chip Kelly zu betrachten ist. Die Eagles stehen bei 4-6 und werden dank der Ausgeglichenheit der NFC East noch eine Weile im Playoff-Rennen bleiben, aber das Projekt Kelly hat deutliche Kratzer bekommen:

  1. Der Bradford/Foles-Trade ist das erwartete Debakel.
  2. Man hat die #7 Defense nach Power-Ranking, aber nur die #23 Offense. Defense ist genau nicht der Bereich, den Chip Kelly über hat.
  3. Die Salary-Cap für die Zukunft ist angeschlagen.

Am Sonntag wurde man zuhause gegen Tampa 45-17 abgeschossen, und es war ein Debakel, bei dem die Zahlen nix beschönigen. QB Sanchez mit einer grauenvollen Vorstellung. Und: Sogar die Defense kollabierte. Tampa hatte über 350 Yards Offense zur Pause und legte dann direkt nach Wiederanpfiff einen 9:47 Minuten langen Drive hin.

Kelly wird auch bei Verpassen der Playoffs in Philly bleiben dürfen, so er denn will. Eagles-Owner Jeff Lurie ist kein Aktionist. Vielleicht geht die Idee Kelly ja doch noch auf, aber die Eindrücke von 2015 bestätigen eher die Skeptiker als die Optimisten.

Dallas Cowboys – Carolina Panthers

22h30, Gamepass und P7 Maxx

Die offensichtliche Verbindung zwischen diesen beiden Teams ist die Person, die nach Meinung vieler längst aus der NFL entsorgt gehört: Greg Hardy. Die Geschichte von Hardy dürfte bekannt sein: Begnadetes Talent, aber menschlich unter der Gürtellinie. Hardy ist landesweit bekannt geworden als Frauenschläger, der seine Ex ziemlich übel zugerichtet hat und sich hernach anstelle von reuig eher trotzig gezeigt hat.

Hardy wurde vor einigen Jahren von den Carolina Panthers gedraftet. Schon damals anerkannt als grandioser Athlet, aber schon damals nur in der 6ten Runde, weil ihm ein Ruf wie die Pest vorauseilte. Hardy bestätigte diesen in seiner Profikarriere. Carolina musste ihn letztes Jahr nach der Schlägerattacke auf großen Druck hin sperren und verzichtete am Saisonende auf eine Vertragsverlängerung.

Auf dem Transfermarkt hatte Hardy nur wenige Bieter. Einer von ihnen war Dallas mit Owner Jerry Jones, der Hardy einen erstaunlich teuren Einjahresvertrag über mehr als 10 Mio. gab. Hardy war 4 Wochen von der NFL gesperrt. Dann kehrte er zurück mit markigen Sprüchen von wegen ich werde aus allen Rohren feuern. Seither sorgt der Mann jede Woche für Stunk. Mal gibt es Schreiduelle mit Teamkollegen an der Seitenlinie, mal werden Team-Meetings geschwänzt, dann gibt es Zoff mit dem Coach.

Und Dallas verliert jedes Spiel. Im Prinzip würde Jerry Jones den Hardy gerne feuern (kostet keine dead money), aber Jerrys Eitelkeit lässt nicht zu, Hardy auf öffentlichen Druck hin rauszuwerfen. Es dürfte also auf eine Trennung in der Offseason hinauslaufen. Mal sehen ob die NFL dann genug Rückgrat besitzt um den Typen nicht mehr unter Vertrag zu nehmen.

Kurz zum Sportlichen.

Romo ist zurück in Dallas, ergo auch die Offense. Romo war am Sonntag deutlich eingerostet, fand sich aber in zunehmendem Spielverlauf besser zurecht. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Dallas mit den Protagonisten Romo + Bryant heute ein offenes Spiel gestalten kann.

Fun Fact am Rande: Romo ist der einzige QB, der schon zwei Teams gefällt hat, die 9-0 oder besser waren: 2006 waren es die Indianapolis Colts (9-0), 2009 die New Orleans Saints (13-0). Beide Geschlagenen gewannen am Ende die Super Bowl.

Green Bay Packers – Chicago Bears

02h30, Gamepass und P7 Maxx

Abschluss von Thanksgiving mit der ältesten Rivalität der NFL. Green Bay (7-3) fand am Sonntag gegen Minnesota in die Erfolgsspur zurück und bekommt nun mit Chicago (4-6) den nächsten NFC-North Gegner serviert.

Chicago stellt eine bessere Mannschaft als man meinen würde. Die hohen Pleite kassierte man in den ersten drei Wochen, als u.a. QB Cutler für ein Spiel ausfiel. Cutler selbst erlebt eine Saison, für die er viele lobende Worte bekommt: 7.1 NY/A als Werfer, dazu nur 14 Sacks und 6 Interceptions. Und das alles in einer Offense, die wohl das ganze Jahr auf den Top-Rookie WR Kevin White verzichten muss. Allerdings: Cutler gilt als notorischer Packers-Versager. Ich kann mich an einige 4-Interceptions Partien von Cutler gegen Green Bay erinnern.

Die Bears-Defense ist eine Defense im Sinne von Headcoach John Fox: Große Einzelkönner gibt es kaum, dafür viele selbstlose Rollenspieler, die sich nicht zu schade für Drecksarbeit sind. Ablesen kann man das u.a. am sehr variabel eingesetzten DE Pernell McPhee, der heute leider „questionable“ ist. Rabatz wird nicht wirklich veranstaltet, dafür legt sich die Defense mit disziplinierter Arbeit wie ein Schatten über die Offense, und plötzlich bist du im vierten Viertel und hast erst 2 Touchdowns erzielt und die Partie ist noch völlig offen.

Green Bay wird hier zu beißen haben. Die Offense lieferte am Sonntag in Minnesota nach drei schwachen Partien wieder eine gute ab. QB Rodgers brachte mehr als einen famosen Ball an den Mann. RB Lacy feierte ein Comeback unter den Lebenden: 22 Carries, 100yds.

Ich habe kein wirklich griffiges Gefühl, dieses Spiel zu prognostizieren. Ich denke, viel wird drauf ankommen, ob die Bears mit ihren jungen Defensive Backs ausreichend Ressourcen in der Deckung haben um die potenziell doch breiter aufgestellte Packers-Offense in Zaum zu halten.

6 thoughts on “Thanksgiving-Preview 2015

  1. Zum Amerikaner werde ich nie werden, aber auf Panthers@Cowboys freue ich mich. Das kann eine heiße Kiste werden.

  2. Freue mich schon irrsinnig auf heute Abend. Zuerst wird bis 21:30 Uhr gearbeitet, schnell heim duschen und ab auf die Couch mit reichlich Essen und Knabberzeug😉
    Hoffe auf eine Galavorstellung der Panthers (Cam Newton) und eine gesalzene Niederlage der Cowboys.

  3. Pingback: Thanksgiving 2015: Detroit Lions – Philadelphia Eagles im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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